Besuch in der Grimmwelt in Kassel

Besuch in der Grimmwelt in Kassel

Das ist ja mal ein Museum für mich – in der Grimmwelt finden Sie eben nicht nur was zu den Märchen, sondern auch zum Grimmschen Wörterbuch.

Grimmsches Wörterbuch in der Grimmwelt

1838 ging’s los: Jacob und Wilhelm Grimm unterschrieben den Vertrag mit Karl Reimer zur Erstellung eines neuhochdeutschen Wörterbuchs. Sieben bis zehn Jahre sollte das Projekt dauern. Pustekuchen! Beide Grimms waren bis zu ihrem Tod damit befasst und schafften es gerade mal bis Buchstabe F! In dem Flyer für den Rundgang in der Grimmwelt steht:

FROTEUFEL war der letzte Eintrag, den Jacob Grimm vor seinem Tod 1863 abschloss. Wilhelm, der den Buchstaben D bearbeitet hatte, war bereits vier Jahre zuvor gestorben.

Flyer zum Rundgang F

Besonders beeindruckend fand ich die Stationen, in denen die Arbeitsweise der Grimms vorgestellt wird. Bei „Z“ wie „Zettel“ stecken auf Nägeln lauter Zettel – zum Wort „Zettel“. Daneben in einer Vitrine die Papierschere von Jacob Grimm. Immer wenn die beiden was Spannendes fanden, notierten sie es und schnitten dann Zettel daraus, die sie in Karteikästen ablegten. Sie müssen ein gut funktionierendes Verweissystem entwickelt haben, denn der Zettel waren viele – sehr viele!

Das alles konnten sie nur leisten, weil sie ein weit gespanntes Netz von Korrespondentinnen und Korrespondenten hatten – um die 1.400 Menschen! Eine Landkarte mit Leuchtmarkierungen für die Adressatinnen in den unterschiedlichen Lebensphasen macht das deutlich. Und dann haben die beiden sich auch noch untereinander Briefe geschrieben.

In einem wunderschönen Diorama gibt es dann noch die Geschichte des Grimmschen Wörterbuches zum Nacherleben – bis heute.

Selber machen kann man auch was: Wer in einen großen Schalltrichter, der im Raum liegt, ein „anstösziges“ Wort spricht, bekommt eine Antwort: ein Schimpfwort aus dem Grimmschen Wörterbuch. So macht dieser Teild ann auch Kindern Spaß. Kleinen wie großen 😉

Nun aber zu den Märchen in der Grimmwelt

Die Abteilung rund ums Grimmsche Wörterbuch enthält auch Bereiche zu den Märchen – aber richtig spannend wird das, wenn man die Treppe in den unteren Bereich nimmt. Übrigens steht auf jeder Treppenstufe eine Variation des Wortes Treppe aus dem Wörterbuch. Und auf die Wand im Foyer werden in alphabetischer Reihenfolge Wörter daraus abgespielt …

Ach so – die Märchen.

Unten gibt es einen „Dornenwald“- Säulen, die mit kratzigen grünen Stacheln bekleidet sind. Überall hängen in verschiedenen Höhen Lautsprecher. Wenn ich näher trete, spricht mich eine Stimme an und will mir was erzählen. Verschiedene Variationen von Märchen gibt es da zu hören. Und in diesem Areal gibt es begehbare Häuser – das Lebkuchenhaus oder das von Rotkäppchens Großmutter. Das fand ich besonders spannend. Vom Fenster aus, kann man sehen, dass da ein häubchenbesetztes graubärtiges Männergesicht aufs Kissen projiziert wird. Geht man rein und setzt sich auf den Hocker, dann wird es spannend! Mehr verrate ich nicht. Allein in diesem Teil der Ausstellung kann man richtig viel Zeit verbringen!

Auch die Illustrationen von Ludwig Emil Grimm haben Raum in der Grimmwelt - hier die zu Brüderchen udn Schwesterchen mit Engel und Lilien
Ludwig Emil Grimms Illustration zu Brüderchen und Schwesterchen

Wie lebten die Grimms?

Auch Biographisches gibt es in der Grimmwelt. Zum Beispiel Dokumente um ihre beruflichen Stationen und dann die Einrichtungsgegenstände aus ihrem Haushalt: ein großer Schrank, Geschirr, Besteck – ich habe davon nur einen Teil gesehen.

Dann gibt es ein Puppenspiel als Video, das auf einem Theaterstück beruht. Es heißt „Einer muss heiraten“ und stammt von Alexander Wilhelmi. Ein großer Spaß. Die beiden „Bücherwürmer“ und „Pergamentmotten“ Jacob und Wilhelm Grimm werden da aufs Korn genommen.

Ist „Pergamentmotten“ nicht ein wunderschönes Wort?

Die Geschichte der Grimms behandelt nicht nur die beiden Brüder, sondern die gesamte Familie – der Bruder Ludwig Emil spielte als Maler auch seine Rolle: Er schuf die ersten Illustrationen für die Kinder- und Hausmärchen. Die eigene Herkunft und Entwicklung war den Brüdern wichtig – nicht umsonst gibt es so viele Bilder der beiden …

Was es sonst noch so gibt:

  • Interviews mit Märchenfachleuten zum Thema Glück im Märchen
  • Installationen z. B. zum Essen im Märchen
  • eine Bank, aus deren Tiefen Stimmen dringen, die einem was erzählen
  • neben der Treppe im Untergeschoss ließen vier von Ai Weiwei gestaltete Wurzelstöcke als Sinnbild für die Wurzelarbeit an den Wörtern der Brüder Grimm
  • Sonderausstellungen – ich schaffte es noch in „Rotes Käppchen, blauer Bart“

Sie sehen, ich hatte große Freude in diesem Museum – die sehen mich wieder! Und falls es Sie mal nach Kassel verschlägt …

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Etwas unsicher bin ich jetzt und kennzeichne mal den Beitrag als WERBUNG, weil ich ja auf eine Einrichtung verlinke, die Geld von Ihnen will, wenn Sie dort rein wollen. Ich schildere hier nur meinen Besuch im Februar dort und was mich gefreut hat, ohne dass ich dafür Geld oder freien Eintritt erhielt.

Published byHeike Baller

Bis zum Morgen schmökern, Kissen nass weinen, bei der Bahnfahrt mal eben los gackern – das alles und noch einiges mehr bedeutet Lesen für mich. Naja, die Nächte lese ich nur noch selten durch, da melden sich doch zu penetrant die erwachsenen Bedenken in Sachen „Wecker am Morgen“ … Aber in der Bahn können Sie mich immer mal wieder grinsend oder kichernd erleben. Mit einem Buch vor der Nase. Da ich außerdem gerne mit anderen über das, was ich gelesen habe, diskutiere, habe ich dieses Blog gestartet. Leselust, das ist es, was mich antreibt, immer neue Bücher zu kaufen, zu leihen und vor allem zu lesen. – Vorlesen tu ich übrigens auch gern.

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