Alan Bennett geht ins Museum

Und ja, das ist der Titel; weil er so ist, wie er nun mal ist, verschone ich Sie mit “Geht ins Museum von Alan Bennett”. Ich hoffe, das leuchtet ein. 😉

Und wie geht er nun ins Museum? Und in welches?

Alan Bennett besucht verschiedene Museen – viele englische, aber auch anderswo sucht er die Musentempel auf, z. B. in Boston, Venedig oder Luxor. Weiterlesen

Nonna von Thomas de Padova

Und nein, die Nonna von Thomas von Padova lebt nicht in Padua …  (scnr). Sie lebt in Apulien, in einem kleinen Dorf, dass der kleine Thomas in seiner Kindheit in den Ferien besucht hat. Nun ist er wieder da, besucht die Nonna, die Mutter seines Vaters und spürt der Familiengeschichte nach.

Was erzählt Thomas von Padova?

Er schildert seine Familiengeschichte – die seiner Urgroß- und Großeltern, seine eigene und die seiner „Herkunftsfamilie“. Assoziativ hüpft er von Thema zu Thema. Manchmal ist es schwierig die einzelnen Generationen mit ihren Erfahrungen auseinanderzuhalten. Daneben läuft der Strang seines aktuellen Besuchs bei der Nonna – der Corso im Dorf, seine Ausflüge ans Meer, die Landschaftsbeschreibung. Und der Alltag einer alten Frau, die sich nicht beugen ließ vom Leben. Weiterlesen

Ich hänge im Triolengitter von Mary Bauermeister

Ein Albtraum von Karlheinz Stockhausen – im Triolengitter hängen. Obwohl Mary Bauermeister ihre Erinnerungen mit “Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen” untertitelt, stammt der Titelsatz von ihm, nicht von ihr.

Das Buch liest sich wie ein Roman – was für ein Leben! Mary Bauermeister passte schon früh nicht in gängige Rollenmuster – rund 1,80 Meter groß und auch künstlerisch alles andere als niedlich. Schon in ihren frühen Jahren als freie Künstlerin arbeitete sie mit namhaften Menschen zusammen, die in den Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts eine Rolle spielten. 1957 lernte sie Karlheinz Stockhausen kennen – ein Blickkontakt auf der Schildergasse in Köln, tief und nachhaltig. Weiterlesen

Die Europäer von Henry James

Für einen Roman von Henry James ist „Die Europäer“ ein eher schmales Werk – nichtsdestoweniger aber höchst unterhaltsam. Anders als von mir zuerst vermutet, betreibt hier nicht ein Amerikaner ethnologische Studien im alten Europa, sondern zwei Menschen dieser alten Welt haben sich auf den Weg in die neue gemacht: Eugenia und Felix.

Was erzählt Henry James

Diese beiden vertreten ein Europa der Verfeinerung, der Konversation und – das zumindest in den Augen ihrer amerikanischen Verwandten – der lockeren Sitten. Felix ist Maler mit einer buntscheckigen Vergangenheit und heiterem Gemüt. Eugenia, das stellt sich im Laufe der Geschichte heraus, ist in morganatischer Ehe mit dem jüngeren Bruder eines regierenden Fürsten verbunden. Das brachte ihr den Titel einer Baronin ein. Doch nun soll dieser Gatte standesgemäß verheiratet und Eugenia abserviert werden. Grund genug für die beiden mittellosen Geschwister, sich ihrer – hoffentlich reichen – amerikanischen Verwandtschaft zu erinnern und sie aufzusuchen. Weiterlesen

Ans Meer von René Freund

Ein richtiges Sommermärchen hat er da geschrieben – René Freund mischt munter Zutaten verschiedener Epochen und Genres, um sein Märchen bunt und spannend zu erzählen.

Was erzählt René Freund?

EIn Roadmovie der anderen Art – mit diesem Personal:

  • Anton, Busfahrer, von einer Helikoptermutter bedrängt aus einer Zeit, als es das Wort noch nicht gab – wächst über sich hinaus
  • Doris, Antons Nachbarin, hat den schüchternen Mann in die Flucht geschlagen und versucht, ihn wieder einzufangen
  • Carla, Mutter von Annika, dem Tode nahe und mit der Sehnsucht nach dem Meer in ihrer Heimat – sie setzt alles in Gang
  • Annika, elf Jahre alt, weiß, dass sie ihre Mutter bald verlieren wird
  • Eva, 17 Jahre alt, fürsorglicher Gruftie
  • Ferdinand, 17 Jahre alt, von Verantwortungsbewusstsein zerfressen gegenüber seiner kleinen Schwester – macht anfangs nur widerwillig mit
  • Frau Prenosil, völlig dement und nur zufällig mit von der Partie
  • Helene, Ferdinands Schwester und Annikas Freundin, ein Mädchen mit Durchsetzungsvermögen
  • Totti,ein Kaninchen

Gabicce Monte e Vallugola visti da Gabicce Mare zu René Freund "Ans Meer"

Carlas Bucht an der Adria ist kleiner und unverbauter – auch etwas aus der Zeit gefallen. Foto: Lokyam, Gabicce Monte e Vallugola visti da Gabicce Mare, CC BY-SA 3.0

Das ist die Reisegruppe auf dem Weg nach San Marco in der Nähe von Duino – die sterbende Carla überredet Anton, den klapprigen gelben Linienbus an diesem Tag nach Italien zu chauffieren. Für mich als Beinahe-Nordlicht ist der Gedanke befremdlich, innerhalb von 5 Stunden an der Adria sein zu können – aber von Österreich aus …?

Hier haben wir schon so eine Vermischung: René Freund kann erklären, wie es kommt, dass ein so vorsintflutliches Gefährt die Straßen Österreichs durchjuckelt – es belibt dabei: Der Bus ist nicht aus dieser Zeit. Seine techische Ausstattung ebenfalls nicht. Dafür aber die der Menschen: Handys mit Ortungssystem und den verschiedensten Klingeltönen spielen mindestens eine so große Rolle wie das gelbe Ungetüm. Ach ja, und das andere Gefährt in der Geschichte ist voll aus unserer Zeit: 410 PS …

Die bunt zusammengewürfelte Reisegruppe bietet jede Menge heitere und nachdenkliche Kleinstgeschichten; bei einer Gruppe von Schulkindern nicht verwunderlich, spielt gerade das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern eine große Rolle. Und davon ist Anton nicht ausgenommen. Dorie ebensowenig, übrigens.

René Freund erzählt zudem die vorsichtige Annäherung zwischen Anton und Doris in deren Rückblicken.

Auf die ein oder andere Weise findet dieser Geschichte eine Menge Emanzipation statt. Ist doch klar, dass sich Eva um Frau Prenosil kümmert, oder? Helene kommandiert ihren Bruder rum – Freundin Annika geht vor und wenn die nach Italien fahren muss, gibt’s kein Vertun, da muss sie mit. Ferdinand seinerseits macht so ein paar Entdeckungen an sich selbst. Annika erweist sich als erfahrene Pflegerin ihrer Mutter. Also einige Elemente von Entwicklungsgeschichten haben wir hier, daneben die – unglückliche? – Liebesgeschichte von Anton und Doris. Für jeden was dabei 😉

Und dann sind da noch die Hippies – ein bisschen aus der Zeit gefallen, wie der Bus. Und die italiensiche Polizei …

Wie erzählt René Freund?

In der Perspektive wechselt er zwischen Anton und Doris. Er startet mit Doris‘ unerklärtem hastigen Aufbruch mit einem 410-PS-Auto. Erst danach lerne ich Anton kennen, mitsamt seinen Gedanken rund ums Busfahren:

Seinen Kindheitstraum, Busfahrer zu werden, hatte die Realität dieses harten Berufes an die Wand gefahren. (S. 9)

René Freund schildert detailliert, liebevoll und illusionslos, was so ein Busfahrer machen und beachten muss. Genauso schildert er das Engagement Antons, seinen schulpflichtigen Fahrgästen ein Mindestmaß an Manieren abzufordern – wer nicht grüßt, muss den Fahrausweis vorzeigen. Immer wieder finden sich in der stetigen Erzählung kleine sprachliche Schmuckstücke.

Schön find ich diese Schilderung (ich muss mich ja leider beschränken):

Hinter dem Steinwall, der den Strand abgrenzte, sahen sie zwei Gesichter auftauchen, mit blau-weißen Kappen. Und unter den Kappen wuchsen langsam die beiden Uniformen in den Himmel, (…) (S. 134)

Eine wirklich schöne Urlaubslektüre, ein Sommermärchen halt.

René Freund: Ans Meer, Deuticke Verlag, Wien, 2018, ISBN: 9783552063631

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Die Pflanze, die gern … von Ewald Weber

… Purzelbäume schlägt” – was für ‘ne Pflanze stellen Sie sich da vor? Ewald Weber hat ein kunterbuntes Sammelsurium an einheimischen Pflanzen zusammengestellt, die mit ihren Eigenschaften und Fähigkeiten staunen lassen. Und Purzelbäume schlägt: das Salzkraut. Es gehört zur Familie de Steppenroller. Meistens begegnen die uns in Westerfilmen. Damit die vertrockneten Bündel vom Wind übers Land getrieben werden können, müssen sie bestimmte Eigenschaften mitbringen:

  • eine Sollbruchstelle
  • fest sitzende Samenkapseln
  • bruchfeste Zweige, die sich inheinader verhaken.

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Wunderstoffe von Mark Miodownik

“Zehn Materialien die unsere Zivilisation ausmachen” – Mark Miodownik hängt das ganz schön hoch. Und – es funktioniert.

“Materialwissenschaften” – klingt unvertraut, oder? Ist aber spannend. Bei uns im Umfeld hat sich ein junger Mensch bei der Info-Veranstaltung für das Studium “Maschinenbau” nach der Info: “Mehrere tausend beginnen das im Wintersemester hier – bei Materialwissenschafen sind es 80” zu der anderen Info-Veranstaltung begeben, sich zum Thema schlau gemacht und dann dieses Studium aufgenommen. Mark Miodownik schafft es, die Faszination dieses vilefältigen Faches zu vermitteln.

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Stoner von John Williams

So ein trauriges Leben – und so erfüllt. Das ist mein Resümee zu dem dritten Roman von John Williams, den ich gerade ausgelesen habe. Dringend zu empfehlen!

Nach Durchsicht der Biographie von John Williams bei Wikipedia war klar, dass einiges in “Stoner” von eigenen Erfahrungen geprägt sein muss. Ich hatte es vermutet. Aber darum geht es tatsächlich nicht. Es gelingt ihm hier eine Lebensbeschreibung, die, ohne je laut zu werden oder plakativ, gefangen nimmt. Fast alles, was ich über das Leben von William Stoner erfahre, sehe ich mit seinen Augen, höre ich mit seinen Ohnren, denke ich mit seinen Gedanken. Einige Informationen gibt es von außerhalb – z. B. was seine Frau Edith macht, als sie nach dem Tod ihres Vaters in ihr Elternhaus reist, um der Mutter beizustehen. Weiterlesen

hello camel von Christoph Bangert

Im Zusammenhang mit der Aufführung des War Requiems von Benjamin Britten in Köln gibt es in der Versöhnungskirche in Köln-Holweide eine Ausstellung mit Bildern von Christoph Bangert. Die großformatig auf LKW-Planen gedruckten Fotos hängen im Hof und in der Kirche. Die große Glasscheibe ermöglicht “Durchblick” und Spiegelung.

Ausstellung Versöhnungskirche Köl-Holweide Bilder Christoph Bangert Foto Lothar Kirsch

In der Glasscheibe der Kirche spiegeln sich die Bilder, die im Hof hängen. Foto: Lothar Kirsch

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Cider mit Rosi von Laurie Lee

„Eine der schönsten Kindheitserinnerungen in der Literatur“ steht hinten auf dem Buch mit den hübschen Blumen auf dem Leinencover. Es handelt sich um die Kindheitserinnerungen von Laurie Lee. Ehrlich gesagt, so eine Kindheit möchte ich nicht erlebt haben und wünsche sie weder meine Kinder noch meinen Enkeln. Wieso steht dann dieser Satz auf dem Cover? Und warum habe ich dann das Buch mit großer Begeisterung gelesen?

Laurie Lee beschreibt sein Leben auf dem Land in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts – zu Beginn ist er drei Jahre alt. Das Haus, in das er mit drei Schwestern, zwei Brüdern und der Mutter einzieht, ist alt, feucht, verfallen – und hat einen großen Garten. Weiterlesen