Das Fest der kleinen Wunder von Ulrike Renk

Ein Weihnachtsmärchen aus Ostpreußen – von der Krefelderin Ulrike Renk. Das schmale Bändchen ergänzt ihre Ostpreußen-Saga um die Familie auf Gut Fennhausen; das hab ich aber erst am Ende im Nachwort gelesen. Mich hat ja der ostpreußische Aspekt und das vorweihnachtliche Flair angesprochen.

Was erzählt Urike Renk?

Sie schildert den Spätherbst und Winter 1925 – bis Weihnachten – auf Gut Fennhausen. Weiterlesen

Die Nacht vor Weihnachten von Nikolaj Gogol

Ich bin meiner Freundin so dankbar, dass sie mir den Tipp für die gestrige Lesung in der Lengfeld’schen Buchhandlung gegeben hat: Helge Heynold las “Die Nacht vor Weihnachten” von Nikolaj Gogol und es war großartig.

Was erzählt Nikolaj Gogol?

Im Dorf Dikanka leben

  • der Kosak Tschub mit seiner schönen Tochter Oxana
  • der in Oxana verliebte Schmied Wakula und seine Mutter Solocha, eine Hexe
  • der Gevatter Tschubs und seine Frau, der Weber und seine Frau, der Küster und seine Frau, der Schultheiß, eine Menge junger Mädchen und Burschen

Außerdem wirkt mit: Ein Teufel. Weiterlesen

Das Mädchen, das in der Metro las von Christine Féret-Fleury

Zu diesem Debut von Christine Féret-Fleury hab ich ein gespaltenes Verhältnis: Die Idee ist zauberhaft, die Umsetzung teilweise gut, teilweise eher nicht. Und die Gestaltung des Buchs ist große Klasse!

Was erzählt Christine Féret-Fleury?

Juliette ist eine junge Frau, die sich in einem Leben eingerichtet hat, das wenig mit Leben zu tun hat. Sie arbeitet für eine Immobilienagentur und findet vieles an dem Job auszusetzen. Ihre Rettung: Lesen, lesen, lesen. Unter anderem in der Metro, Linie 6, die sie jeden Tag nutzt. Dort geht sie aber ihrer anderen, heimlichen, Leidenschaft nach: Leserinnen beobachten. Ein paar Leute fallen ihr auf, deren Macken sie nach einer Weile kennt: Die Frrau, die immer dasselbe Kochbuch auf dem Schoß hält, der Mann mit den Büchern zu Spinnen und Insekten und die Frau, die  immer, aber wirklich immer, auf Seite 247 anfängt zu weinen. Weiterlesen

Die Winnetou-Trilogie von Helmut Schmiedt

Jetzt muss ich erst mal was beichten: Die Winnetou-Trilogie gehört zu den Karl-May-Büchern, die ich am wenigsten gelesen habe … Vor allem um den dritten Band hab ich immer einen Bogen gemacht. Genau wie bei den Filmen – ein Mal hat mir gereicht. *ßu ßu traurig*

Jetzt ist es raus.

Das Buch  von Helmut Schmiedt zur Winnetou-Trilogie hab ich trotzem mit Gewinn und Genuss gelesen. Helmut Schmiedt ist ein ausgewisener Karl-May-Spezialisten, dessen Karl-May-Biographie ich 2012 rezensiert habe. Weiterlesen

Vienna von Eva Menasse – Buch für die Stadt 2018

Wiener Schmäh und Wiener Kaffeehaus – beides gibt es im Debutroman von Eva Menasse und noch einiges mehr. „Vienna“ ist das Buch für die Stadt 2018 in Köln – in der ersten Novemberwoche gibt es dazu eine Reihe von Veranstaltungen, u. a. auch eine, bei der ich in die Vorbereitung einbezogen war.

Was erzählt Eva Menasse?

Kurz gesagt: Die Geschichte ihrer Familie. Jedenfalls birgt die Geschichte genug Parallelen zu der von Eva Menasses eigener Familie, um den Satz einfach mal so stehen zu lassen. Weiterlesen

Pflanzenrevolution von Stefano Mancuso

„Wie Pflanzen unsere Zukunft erfinden“ lautet der Untertitel  – eigentlich die logische Schlussfolgerung aus dem vorherigen Buch von Stefano Mancuso „Die Intelligenz der Pflanzen“. Denn ist Ihnen bewusst, dass Pflanzen sehr vieles wahrnehmen können? Nicht nur Licht und Regen, sondern auch regelrecht sehen? Dass sie kommunizieren?

Von diesen Phänomenen hatte ich ja schon gehört, aber Stefan Mancuso vermittelt die neuen Erkenntnisse rund um Pflanzen so einleuchtend, dass mein bisheriges Weltbild  – „vegetieren“ als Ausdruck für ein sehr reduziertes Leben als Beispiel – heftig ins Wanken geriet. Weiterlesen

Kill Mr. Bitcoin von Lisa Graf und Ottmar Neuburger

Bitcoin? Kryptowährung, Spam-Mails, irgendwie unheimlich, Cyberkriminalität – das sind so meine ersten Assoziationen zu Bitcoin. Und Ihre?

Gut, ja, ich habe mitbekommen, dass Menschen, die sehr früh Bitcoin erworben haben, nun sehr viel mehr Geld haben. Und dass der Kurs schwankt. Aber sonst? Null, nuschte, rien – keine Ahnung.

Seit ich das Buch von Lisa Graf und Ottmar Neuburger gelesen habe, weiß ich mehr. Außerdem hatte ich ein paar spannende Stunden. Weiterlesen

Märchen in modernem Gewand von Nina Bodenlosz

Bei Büchern, die man lange nicht in die Hand genommen hat, kann schon mal die Erinnerung daran schwinden, was drin steht. So ging es Nina Bodenlosz mit ihrem alten Märchenbuch. Oder? In ihrem neuen Buch stellt sie jedenfalls 14 Märchen vor, “die sich neu erfunden haben“, wie der Untertitel verrät. „Dornröschen, wir müssen reden!“ lautet der Titel der Sammlung. Weiterlesen

Drei Küsse für Herkules von Eva Engelken

Eva Engelken kam hier bisher als bissige Sachbuchautorin vor – “Drei Küsse für Herkules” ist ihr Romandebut. Zugegebenermaßen hatte ich erst mal ein paar Probleme ins Geschehen zu kommen:

  • Karneval ist so gar nicht meins …
  • Die Abkürzung “Herk” für Herkules find ich nicht schön.
  • Auch wenn Göttinen und Götter zum Personal gehören – ein paar Szenen waren mir zu fantasy-mäßig.

Doch genug gemotzt – letzten Endes habe ich das Buch ja doch gelesen und genossen.

Was erzählt Eva Engelken?

Eine verzwickte Geschichte um eine frustrierte Frau und Mutter, einen ebenso frustrierten Ehemann derselben, eine Gruppe griechischer Götter auf geheimer Mission für Europa und eben Herkules, Halbgott und derzeit auf Erden mit der Aufgabe, wieder unsterblich zu werden. Das geht aber nur wenn er entweder göttergleiche Taten vollbringt oder ehrliche Liebe erringt. Hm. Dieser Herk ist dazu nicht in der Lage. Ja, wenn man sich anguckt, was für eine Tröte der so ist im Düsseldorf unserer Tage abgibt, dann passt “Herk” vielleicht  doch.

Dionysos, sein schwuler Freund aus göttlichen Verwandtschaft, hat jedenfalls Probleme damit, die gescheiterte Existenz des Halbgottes zu akzeptieren. Aphrodite sieht das etwas gelassener. Zeus verfolgt eigene Ziele, Hera geht es vor allem um Politik und Hermes tut, was ein Götterboten halt so tut: Er sorgt für das Equipment.

Aphrodites Einfluss sorgt dafür, dass ungewollt Vivian, Anfang 40, dreifache Mutter, super gestresst und genervt, diejenige ist, mit Herk ein Techtelmechtel beginnt. Während ihr Mann Pornos guckt, in den Puff geht und so die Finanzen in Schieflage bringt, gibt sich Vivian allen guten Ratschlägen zum Trotz dieser Affäre hin. Wenn da nicht immer so merkwürdige Personen aufkreuzten.

Was es dann so gibt mit “echter Liebe” und der Rettung griechischer Kultstätten in und für Europa, das entwickelt sich unter Schwierigkeiten.

Bild Aphrodite für das neue Buch von Eva Engelken

Nein, nackig läuft Aphrodite nicht durch Düsseldorf – sie ist äußerlich voll auf der Höhe der zeit!

Eins sei noch angemerkt: Meine Lieblingsfigur ist eindeutig Aphrodite. “Wandelbar und zugewandt” wär meine Kurzformel für sie.

Okay, mehr verrate ich nicht – es wird auf jeden Fall noch actionreich und nachdenklich. Ja, Eva Engelken kann das in einem Buch! Sie erzählt schmissig und unterhaltsam, die leisen und die kritischen Töne kommen auch vor – eine gute Mischung.

Eva Engelken: Drei Küsse für Herkules, Edition Eva&Adams, Mönchengladbach, 2018, ISBN: 9783981990201 (E-Book), 97839781990218 (Taschenbuch)

Minnelyrik im modernen Gewand

Aber nicht nur. Die Originale sind auch drin. Tristan Marquardt und Jan Wagner haben Dichterinnen und Dichter unserer Tage angefragt, ob sie wohl Minnelyrik in modernes Deutsch übertragen wollen. Sie wollten. Und wie!

Was habe ich gemacht? Ich habe nach der Lektüre des informativen Vorworts zur Kunst und Geschichte der Minnelyrik sofort nach hinten geblättert zu meinem speziellen Liebling Oswald von Wolkenstein, meinem Prüfungsthema vonn 1990.

Moderne Minnelyrik – ein paar Beispiele

Hier wurde mir die Besonderheit dieses Sammelbandes sofort deutlich: Die zwölf ausgewählten Gedichte des Wolkensteiners wurden von neun Personen übersetzt, übertragen oder nachgedichtet. Während Durs Grünbein recht nah am mittelalterlichen Text bleibt, Uljana Wolf  das Spiel der Mehrsprachigkeit in unsere Zeit überträgt und Hendrik Rost besonders die eindeutigen Zweideutigkeiten aktualisiert, verwandelt Oswald Egger das „Es fuegt sich“ in ein völlig neues Kunstwerk, obwohl er kein einziges Wort aktualisiert. Stattdessen lässt er alle Wörter weg, die mehr als eine Silbe haben. Es entstehen sieben Strophen die wie Blöcke auf den Seiten stehen.

Erste Zeile – auch mit den großen Abständen zwischen den Wörtern:

Es    fuegt   sich   do   ich   was   von   alt   ich (S. 273)

Besuch bei Oswald von Wolkenstein, spätmittelalterlicher Vertreter der Minnelyrik

1991 war ich am Gedenkstein für Oswald von Wolkenstein besuchen – ja, das auf dem Bild bin ich … Foto: privat

So vielfältig wie bei meinem Lieblingsdichter sind auch die Übertragungen der anderen.

So hat Ulrike Draesener das bekannteste Minnegedicht von Walter von der Vogelweide “Under der linden” fast wortwörtlich ins Neuhochdeutsche übertragen; direkt dahinter jedoch steht ein ähnlich bekanntes – “Nêment, frouwe, disen cranz” – von ihm in der Übertragung von Tom Schulz – dieser Text kann seine Zeitgebundenheit nun wirklich nicht verleugnen. Aus „vil edele gesteine“ werden „Klunker mit tausend Karat“ und damit gar kein Zweifel besteht bezeichnet er sie als „eine junge Frau aus dem 21. Jahrhundert“.

Nora Gomringer überträgt “Sol ich disen summer lang” von Gottfried von Neifen als Interview

Tristan Marquardt und Jan Wagner haben sich mit ihrem Projekt an englischen Gepflogenheiten orientiert; dort sind Neu- und Nachdichtungen mittelalterlicher Werke üblich. Die Einführung zu Minnelyrik ist kenntnisreich und unterhaltsam geschrieben. Das Buch lädt zum Blättern und Entdecken ein – sei es nun die mittelalterliche Minnelyrik im Original oder seien es die Nachdichtungen und somit auch die Namen von Dichterinnen und Dichtern unserer Tage.

Tristan Marquardt und Jan Wagner (Hgg.): Unmögliche Liebe. Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen. Zweisprachig, Hanser Verlag, München, 2017, ISBN: 9783446256545

Das Buch finden Sie auch in der Stadtbibliothek Köln.

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