War Requiem von Benjamin Britten – Gedichte von Wilfred Owen

Das War Requiem von Benjamin Britten wurde (und wird!) in einer internationalen Besetzung in Köln, Breslau und morgen, am 10.4., in Berlin aufgeführt. Wer nicht selbst zur Aufführung kann, hat die Möglichkeit, die Aufführung am Dienstag in der Digital Concert Hall zu verfolgen.

Das besondere an dieser Aufführungsserie ist nicht die Internationalität – die ist dem Oratorium ja quasi eingeschrieben, wenn man sich die Uraufführung vor Augen hält -, sondern dass hier vor allem junge Menschen aus Europa miteinander musizieren: Weiterlesen

The Next War von Wilfred Owen Thema 1914,

The Next War

Out there, we’ve walked quite friendly up to Death;

Sat down and eaten with him, cool and bland, —

Pardoned his spilling mess-tins in our hand.

We’ve sniffed the green thick odour of his breath, —

Our eyes wept, but our courage didn’t writhe.

He’s spat at us with bullets and he’s coughed

Shrapnel. We chorused when he sang aloft;

We whistled while he shaved us with his scythe.

Oh, Death was never enemy of ours!

We laughed at him, we leagued with him, old chum.

No soldier’s paid to kick against his powers.

We laughed, knowing that better men would come,

And greater wars; when each proud fighter brags

He wars on Death – for lives; not men – for flags.

Wilfred Owen

Gedicht zum Tag: Frühlingsglaube von Ludwig Uhlaand

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste, Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland

Emily Brontë – 1818-1848

Dieses Jahr gibt es zu Emily Brontë gleich zwei Gedenktage: Ihren Geburtstag am 30.7.1818 und ihren Todestag am 19.12.18148. Viele kennen wohl ihren Roman “Wuthering Heights”/”Sturmhöhe”. Dieser Roman hat ja auch seine Spuren in der Popmusik hinterlassen 😉

Aber wussten Sie, dass Emily Brontë zusammen mit ihren Schwestern auch Gedichte veröffentlicht hat? Auch sie erschienen unter den männlichen Pseudonymen Curris, Ellis und Acton Bell – die Initialen der Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë blieben hier erhalten. Dem Zeitgeschmack entsprechend handelt es sich dabei um längere poetische Texte – nicht so ganz einfach zu lesen und zu verstehen. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, mich dieser von mir nicht sooo geschätzten Brontë-Schwester zu widmen (Wutehring Heights ist so gar nicht mein Genre …). Das bedeutet folgende Lektüreschwerpunkte, an denen Sie teilhaben können:

  • Biographisches – explizit zu Emily Brontë
  • erneuter Lektüre-Versuch von “Wuthering Heights”
  • Gedichte von Emily Brontë in “Hauptsache Lyrik”, teils einfach so reingestellt, teils mit Gedanken zum Text
  • evtl. auch was zu den Fantasiegeschichten der jungen Brontë-Geschwister – mal sehen

Ich freu mich auf Ihre Begleitung.

Poetica 4 – Lyrikfestival in Köln

Die Poetica hat 2018 nicht nur Lyrik zum Thema – in diesem Jahr geht um Verwandlungen: “Beyond identities” lautet das Thema. Und die erste “Literatur und Dialog”-Veranstaltung der Poetica “Von Tieren und Menschen” befasst sich mit Kafkas “Verwandlung”. Die Veranstaltungen der Reihe “Literatur und Dialog” sind Diskussionen, an denen sich auch das Publikum beteiligen kann. Diese hier findet am Dienstag, den 23.1.20178 um 14 Uhr im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln statt (im Hauptgebäude am Albertus-Magnus-Platz).

“Lesungen und Dialoge” heißt eine andere Reihe – hier kommen die Autorinnen der Poetica mit ihren Werken zu Wort und zwar zumindest immer drei.

Für Studierende der Universität gibt es zwei Workshops: Eine literarische Werkstatt mit der Kuratorin der Poetica, Yoko Tawada und einen mit Teju Cole (nicht öffentlich).

Kalligraphie ist bei einer japansichen Kuratorin kein wirklich überraschendes Moment, wenn auch die beschreibung der Veranstaltung durchaus Ungewöhnliches verspricht, denn Musik ist auch noch dabei.

Zum Schluss werden die Gedichte der Teilnehmerinnen “ins Szenische” übertragen – eine spannende Begegnung am Ende der Poetica.

Rosenkäfer Verwandlung Identität Poetica 4 2018

Ob Georg Samsa zu so einem schönenn Rosenkäfer wurde? Foto: Heike Baller

Das ausführliche Programm finden Sie hier.

Die Poetca 4 findet in diesem Jahr in der Zeit vom 22. bis 27.1.2018 statt. Orte sind die  Universität, das Internationale Kolleg Morphomata, das Literaturhaus Köln, das Japanische Kulturinstitut und die Zentralbibliothek Köln.

Die Teilnehmerinnen kommen zu einem großen Teil aus Asien: China, Japan, Südkorea, aber auch Niederlande, Deutschland und Dänemark sowie die Vereinigten Staaten von Amerika.

  • Yoko Tawada (Kuratorin)
  • Jaffrey Angles
  • Bei Dao
  • Anneke Brassinga
  • Teju Cole
  • Hiromi Itō
  • Kim Hyesoon
  • Barbara Köhler
  • Morten Søndergaard
  • Monique Truong
  • Jan Wagner

Gedicht zum Tag: Ich ließ meinen Engel … von Rainer Maria Rilke

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,

und er verarmte mir in den Armen,

und wurde klein, und ich wurde groß:

und auf einmal war ich das Erbarmen,

und er eine zitternde Bitte bloß.

 

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –

und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;

er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,

und wir haben langsam einander erkannt …

 

Rainer Maria Rilke

Herbstgedichte = Melancholie?

Es fing schon im August an, dass viele meiner Besucher das Gedicht „Herbstbild“ anklickten. Seit Anfang September steht es regelmäßig jeden Tag als der meist geklickte Beitrag meines Blogs ganz oben in der Statistik. Ist der Text Schullektüre? Das mit der Häufigkeit der Treffer bei mir mag auch daran liegen, dass ich dieses Gedicht unter seiner Anfangszeile „Dies ist ein Herbsttag …” abgelegt habe – wer nach diesen Wörtern sucht, kommt kaum an mir vorbei. Es handelt sich um acht Zeilen, die einen wünschen lassen, mit dem Dichter zusammen diesen Tag zu erleben. Er weist wohl auf die Sehnsucht hin, mit dem viele von uns auf den Herbst reagieren nach dem Motto: So hätte ich den gern. Auf jeden Fall habe ich mir eine Interpretation dazu durchgelesen – und spürte Widerstand gegen die Behauptung von Hans-Peter Kraus, es handele sich um eine singuläre Erscheinung: menschenleer und ohne Melancholie den Herbst zu besingen (ich verkürze). Herbstgedichte hätten sonst immer Melancholie, Abschied und Tod als Hauptthemen. Da es ein lyrisches Ich gibt und das Wörtchen „man“ vorkommt, ist es nicht komplett menschenleer.

Und Herbstgedichte = Melancholie? Hm.

Also bin ich hingegangen und habe geschaut, welche Herbstgedichte ich auf meinem Blog im Laufe der Jahre eingestellt habe. Das sind schon einige:

Und – triefen sie alle vor Melancholie?

Bild Herbst Landschaft baumstamm, Bäume

Herbstliche Landschaft, Bild: A. Laudensack

Also, Mörikes Text nicht. So ein Septembermorgen ist eine schöne Sache – gerade, dass da etwas quasi enthüllt wird, macht die Farben lebendig und kräftig.

Es wird aber schon beim Titel deutlich, dass es auch darauf ankommt, welcher Teil des Herbstes das Thema ist – schließlich geht er von sommerlichen Septembertage über den goldenen Oktober bis in den November, ja Dezember hinein; da ist zwischen sommerlich anmutenden und winterlich düsteren  Tagen alles drin: Nebel (ein oft genutztes Bild für den Herbst), Regen, mal in Form von Schauern, mal als Dauerregen, mal aus dramatisch geformten Wolken oder aus einem gleichmäßig grauen Himmel fallend, erste Fröste und Schneeflocken und klirrende Kälte bei blitzblauem Himmel (ich erinnere mich, dass im November 1998 für ein paar Tage  -10° herrschten – in Köln!). Entsprechend unterschiedlich also die mögliche Ausgangslage von Herbstgedichten.

Herbstgedichte von Rainer Maria Rilke

Nehmen wir allein die beiden Beispiele vom Rainer Maria Rilke in meinem Fundus. In „Herbsttag“ schildert er quasi einen Verlauf – von sommerlich anmutenden Tagen hin zu den fallenden Blättern in der letzten Zeile. Passend zu dem Wandel, den er vorausahnt, hat er eine unregelmäßige Reimform genutzt; in der ersten Strophe verbirgt sich ein Reim mitten in der Zeile:

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren

Und auf den Fluren

Laß die Winde los

So könnte man diese Strophe ja auch notieren.

Rilke hat aber diese Form genutzt:

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren

Und auf den Fluren laß die Winde los

Der Reim „-eiben“ in der letzten Strophe weckt Erwartungen, was Menschen im Herbst noch machen können – doch beim dritten Einsatz handelt es sich um den Herbst selber, dem das Reimwort zufällt. In der Stimmung wandelt sich das Gedicht von großer Dankbarkeit „Der Sommer war sehr groß“ über die Hoffnung auf „zwei südlichere Tage“ hin zur Erwartung eher abgeklärten Umgangs mit einer weniger kommunikativen Zeit, die vor den Menschen liegt.

Das Gedicht „Herbst“ hat eine andere Stimmung. Fallende Blätter – da liegt Abschied nahe. Das Bild der im Himmel welkenden Gärten fällt reimschematisch und zeilenmäßig völlig raus – eine Assoziation, wie aus Zeit und Raum gefallen. Und die Erde fällt (übrigens die zwei Zeilen, die ich seit 35 Jahren immer wieder vergesse …) – ja, hier ist Melancholie im Spiel. Doch der Trost ist nahe – das Fallen ist unvermeidbar, aber nicht „ungeborgen“. Ein Dichter, zwei unterschiedliche Herbstgedichte – und da gibt es noch mehr.

Herbstgedichte bei Georg Trakl, Johann Heinrich Voss, Nikolaus Lenau, Christian Morgenstern und Wilhelm Busch

Dass Georg Trakls Gedicht eher eine düstere Komponente hat, hat mich nicht so überrascht – seine Gedichte sind in meiner Lesehistorie meistens mit dem Thema Tod verknüpft. Er nutzt eine einfach Vers- und Reimform – die einzelnen Wörter sind es, die die Atmosphäre schaffen: sich singend müh’n in der ersten  Strophe und der braune Wein in der zweiten und dritten Strophe; hier kommen Adjektive zu Verb resp. Substantiv, die nicht so recht passen wollen. Der Tod scheint unausweichlich – aber nicht wirklich erschreckend, wenn man die letzten beiden Zeilen nimmt:

Weit offen die Totenkammern sind

Und schön bemalt vom Sonnenschein.

Am ehesten entspricht noch das Gedicht von Johann Heinrich Voss dem, was Hans-Peter Kraus als Kennzeichen von Herbstgedichten bezeichnet hat: eine Beschreibung eines Herbsttages mit Ausblick auf spätere Entwicklungen und der Freude am Gerade-so-Sein des aktuellen Herbsttages. Doch es ist klar: Herbstzeit – „Herbstkleid“ – Sterbekleid der Natur. Der Trost liegt in der sicheren Wiederkehr des Frühjahrs.

Die holländische Landschaft von Nikolaus Lenau macht dagegen einen wirklich trüben Eindruck – ob das nur am Wetter liegt? Nebel und Herbst als Signal für den Stillstand der Natur, die sich in der Landschaft spiegelt.

Christian Morgensterns Oktobersturm hat so eine zwiespältige Lebendigkeit – weit entfernt von Frieden (dabei ist er vor dem ersten Weltkrieg gestorben …): Ein kurzes Gedicht in einfacher Liedform, mit starken Bildern: “purpurner Tod” – zusammen mit den schwankenden Bäumen der ersten Zeile und dem langen Wort “Lebenssturmträume” davor fühle ich mich so richtig vom Leben durchgeschüttelt. Dagegen ist das Bild vom Laubhaufen geradzu idyllisch – wenn nicht die Wendung mit dem Schauder am Ende wäre. Christian Morgenstern hat hier eins der Herbstgedichte geschaffen, in denen tatsächlich Tod und, ja, auch Verzweiflung herrschen.

Wilhelm Buschs Bild dagegen ist heiter – ähnlich wie Hebbel und Rilke ist Ernte als positives Element ihm wichtig. Die „guten Spinnen“ verzaubern die Landschaft mit ihren feinen Fäden – also auch hier eher Spätsommer, September als November. Eine besonders heitere Note bekommt das Gedicht dann durch den Schlenker am Schluss – Schäferidylle pur.

Herbstgedichte gibt es also so ’ne und solche – je nach Stimmung und Lage kann ich mir das Passende raussuchen.

Kennen Sie noch andere – möglichst gemeinfreie – Gedichte, die sich mit dieser Jahreszeit befassen? Dann freu ich mich über Ihren Hinweis.

Gedicht zumm Tag – Herbst von Rainer Maria Rilke

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke