Stoner von John Williams

So ein trauriges Leben – und so erfüllt. Das ist mein Resümee zu dem dritten Roman von John Williams, den ich gerade ausgelesen habe. Dringend zu empfehlen!

Nach Durchsicht der Biographie von John Williams bei Wikipedia war klar, dass einiges in “Stoner” von eigenen Erfahrungen geprägt sein muss. Ich hatte es vermutet. Aber darum geht es tatsächlich nicht. Es gelingt ihm hier eine Lebensbeschreibung, die, ohne je laut zu werden oder plakativ, gefangen nimmt. Fast alles, was ich über das Leben von William Stoner erfahre, sehe ich mit seinen Augen, höre ich mit seinen Ohnren, denke ich mit seinen Gedanken. Einige Informationen gibt es von außerhalb – z. B. was seine Frau Edith macht, als sie nach dem Tod ihres Vaters in ihr Elternhaus reist, um der Mutter beizustehen. Weiterlesen

hello camel von Christoph Bangert

Im Zusammenhang mit der Aufführung des War Requiems von Benjamin Britten in Köln gibt es in der Versöhnungskirche in Köln-Holweide eine Ausstellung mit Bildern von Christoph Bangert. Die großformatig auf LKW-Planen gedruckten Fotos hängen im Hof und in der Kirche. Die große Glasscheibe ermöglicht “Durchblick” und Spiegelung.

Ausstellung Versöhnungskirche Köl-Holweide Bilder Christoph Bangert Foto Lothar Kirsch

In der Glasscheibe der Kirche spiegeln sich die Bilder, die im Hof hängen. Foto: Lothar Kirsch

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Cider mit Rosi von Laurie Lee

„Eine der schönsten Kindheitserinnerungen in der Literatur“ steht hinten auf dem Buch mit den hübschen Blumen auf dem Leinencover. Es handelt sich um die Kindheitserinnerungen von Laurie Lee. Ehrlich gesagt, so eine Kindheit möchte ich nicht erlebt haben und wünsche sie weder meine Kinder noch meinen Enkeln. Wieso steht dann dieser Satz auf dem Cover? Und warum habe ich dann das Buch mit großer Begeisterung gelesen?

Laurie Lee beschreibt sein Leben auf dem Land in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts – zu Beginn ist er drei Jahre alt. Das Haus, in das er mit drei Schwestern, zwei Brüdern und der Mutter einzieht, ist alt, feucht, verfallen – und hat einen großen Garten. Weiterlesen

War Requiem von Benjamin Britten – Gedichte von Wilfred Owen

Das War Requiem von Benjamin Britten wurde (und wird!) in einer internationalen Besetzung in Köln, Breslau und morgen, am 10.4., in Berlin aufgeführt. Wer nicht selbst zur Aufführung kann, hat die Möglichkeit, die Aufführung am Dienstag in der Digital Concert Hall zu verfolgen.

Das besondere an dieser Aufführungsserie ist nicht die Internationalität – die ist dem Oratorium ja quasi eingeschrieben, wenn man sich die Uraufführung vor Augen hält -, sondern dass hier vor allem junge Menschen aus Europa miteinander musizieren: Weiterlesen

The Next War von Wilfred Owen Thema 1914,

The Next War

Out there, we’ve walked quite friendly up to Death;

Sat down and eaten with him, cool and bland, —

Pardoned his spilling mess-tins in our hand.

We’ve sniffed the green thick odour of his breath, —

Our eyes wept, but our courage didn’t writhe.

He’s spat at us with bullets and he’s coughed

Shrapnel. We chorused when he sang aloft;

We whistled while he shaved us with his scythe.

Oh, Death was never enemy of ours!

We laughed at him, we leagued with him, old chum.

No soldier’s paid to kick against his powers.

We laughed, knowing that better men would come,

And greater wars; when each proud fighter brags

He wars on Death – for lives; not men – for flags.

Wilfred Owen

Gedicht zum Tag: Frühlingsglaube von Ludwig Uhlaand

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste, Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland

Das geheime Frankreich von Nils Minkmar

Nils Minkmar hat einen unschlagbaren Vorteil für dieses Buch – er kennt beide Seiten, die deutsche und die französische. Immer wieder verknüpft er eigene Geschichte und die seiner Familie mit seiner Schilderung von Französinnen und Franzosen. So schafft er einen Einblick in die nationale Identität unserer westlichen Nachbarn, ohne dass es in die eine oder andere Richtung chauvinistisch wird. Die Art und Weise, wie man in Frankreich miteinander kommuniziert, öffentlich oder privat, hat, so Nils Minkmar, eine lange Tradition. Das ist nicht immer gut. Aber es geht nicht einfach weg. Wandel vollzieht sich langsam – sprachlich und mental. Weiterlesen

Was Fische wissen von Jonathan Balcombe

Wenn Sie Fische vor allem für zappelnde Proteinspender halten, wird Jonathan Balcombe Sie eines Besseren belehren. Und zwar nachhaltig … Die Titelvarianten machens deutlich. In der deutschen Version heißt der Untertitel: Wie sie lieben, spielen, planen: unsere Verwandten unter Wasser. Im englischen Original lautet der vollständige Titel: What a Fish Knows: The Inner Lives of Our Underwater Cousins.

Jonathan Balcombe beginnt mit den Sinneswahrnehmungen

Dass Fische was sehen können, ist klar – schließlich haben sie Augen. Jonathan Balcombe zeigt mir aber auch, dass Fische optischen Täuschungen zum Opfer fallen können. Weiterlesen

Offener Bücherschrank in Spontin

Auf Reisen muss man Pausen machen – unsere Wahl fiel auf Spontin: ca. die halbe Strecke, ein Schloss war angezeigt – das waren unsere Kriterien.

Das Schloss war – nur von außen – hübsch anzusehen. Der Ort selber eher klein. Die Geschichte holte uns auch hier ein – Spontin wurde im ersten Weltkrieg fast völlig zerstört; Thema 1914 war für mich auf der Reise in die Champagne immer gegenwärtig.

Ein paar Schritte wollten wir dann noch laufen und sind von der Hauptstraße aus mal nach rechts abgebogen. Und dann stand das hier vor uns:

offener Bücherschrank in Spontin Totale

Bücherkarussell?

Offener Bücherschrank, das war sofort klar. Aber die Form? Weiterlesen

Cox oder Der Lauf der Zeit von Christoph Ransmayr

Zu meiner Schande sei es gesagt: Ich kannte bisher nix von Christoph Ransmayr. Aber jetzt! Im Rahmen dieses Buchvorstellungsabends, an dem ich “Herr Müller …” von Ewald Arenz vorstellen durfte, bekam auch “Cox oder Der Lauf der Zeit” eine Bühne.

Worüber schreibt Christoph Ransmayr?

Christoph Ransmayr hat analog zu dem echten Uhrmacher James Cox aus dem 18. Jahrhundert seinen Alistar Cox entwickelt. Ihm hat er einen Lebenslauf auf den Leib geschneidert – und dazu gehört der Auftrag, dem Kaiser von China Uhren und Automaten nach dessen Vorstellungen zu bauen. Dafür reist Alistar Cox mit drei Mitarbeitern nach China.

Das Buch hat mehrere Ebenen. Einmal die Geschichte, die Cox & Co in Beijing und Jehol erleben. Das exotische Leben am chinesischen Kaiserhof mit strengen Regeln und einer Fülle an Material, von der die Uhrmacher in London nur träumen konnten. Christoph  Ransmayr lässt die Gefahren, die den Fremden drohen, en passant mitschwingen. Wochenlang muss Alistar Cox die ganzen Verhaltensregeln lernen, die im Umgang mit einem gottgleichen Kaiser lebensrettend sind. Weiterlesen