Junges Buch für die Stadt 2018 startet

Am Sonntag geht es los mit der Aktion “Junges Buch für die  Stadt”. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als diese Aktion zum ersten Mal stattfand, ist es dieses mal ein Sachbuch. Und das finde ich schade. Dazu gleich mehr – erst mal ein paar Worte zum fraglichen Buch.

“Alles lecker” ist das junge Buch für die Stadt 2018

Ein Sachbuch mit witzigen Informatioen rund ums Essen aus aller Welt und in allen Kulturen – was bei uns bekannt ist, ist anderswo ungewöhnlich und was dort normal ist, ruft bei uns Erstauen oder vielleicht sogar erst einmal Ekel hervor. Oder was denken Sie bei Vogelspinnen auf dem Teller, bei Fingern als Besteck? Weiterlesen

Ans Meer von René Freund

Ein richtiges Sommermärchen hat er da geschrieben – René Freund mischt munter Zutaten verschiedener Epochen und Genres, um sein Märchen bunt und spannend zu erzählen.

Was erzählt René Freund?

EIn Roadmovie der anderen Art – mit diesem Personal:

  • Anton, Busfahrer, von einer Helikoptermutter bedrängt aus einer Zeit, als es das Wort noch nicht gab – wächst über sich hinaus
  • Doris, Antons Nachbarin, hat den schüchternen Mann in die Flucht geschlagen und versucht, ihn wieder einzufangen
  • Carla, Mutter von Annika, dem Tode nahe und mit der Sehnsucht nach dem Meer in ihrer Heimat – sie setzt alles in Gang
  • Annika, elf Jahre alt, weiß, dass sie ihre Mutter bald verlieren wird
  • Eva, 17 Jahre alt, fürsorglicher Gruftie
  • Ferdinand, 17 Jahre alt, von Verantwortungsbewusstsein zerfressen gegenüber seiner kleinen Schwester – macht anfangs nur widerwillig mit
  • Frau Prenosil, völlig dement und nur zufällig mit von der Partie
  • Helene, Ferdinands Schwester und Annikas Freundin, ein Mädchen mit Durchsetzungsvermögen
  • Totti,ein Kaninchen

Gabicce Monte e Vallugola visti da Gabicce Mare zu René Freund "Ans Meer"

Carlas Bucht an der Adria ist kleiner und unverbauter – auch etwas aus der Zeit gefallen. Foto: Lokyam, Gabicce Monte e Vallugola visti da Gabicce Mare, CC BY-SA 3.0

Das ist die Reisegruppe auf dem Weg nach San Marco in der Nähe von Duino – die sterbende Carla überredet Anton, den klapprigen gelben Linienbus an diesem Tag nach Italien zu chauffieren. Für mich als Beinahe-Nordlicht ist der Gedanke befremdlich, innerhalb von 5 Stunden an der Adria sein zu können – aber von Österreich aus …?

Hier haben wir schon so eine Vermischung: René Freund kann erklären, wie es kommt, dass ein so vorsintflutliches Gefährt die Straßen Österreichs durchjuckelt – es belibt dabei: Der Bus ist nicht aus dieser Zeit. Seine techische Ausstattung ebenfalls nicht. Dafür aber die der Menschen: Handys mit Ortungssystem und den verschiedensten Klingeltönen spielen mindestens eine so große Rolle wie das gelbe Ungetüm. Ach ja, und das andere Gefährt in der Geschichte ist voll aus unserer Zeit: 410 PS …

Die bunt zusammengewürfelte Reisegruppe bietet jede Menge heitere und nachdenkliche Kleinstgeschichten; bei einer Gruppe von Schulkindern nicht verwunderlich, spielt gerade das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern eine große Rolle. Und davon ist Anton nicht ausgenommen. Dorie ebensowenig, übrigens.

René Freund erzählt zudem die vorsichtige Annäherung zwischen Anton und Doris in deren Rückblicken.

Auf die ein oder andere Weise findet dieser Geschichte eine Menge Emanzipation statt. Ist doch klar, dass sich Eva um Frau Prenosil kümmert, oder? Helene kommandiert ihren Bruder rum – Freundin Annika geht vor und wenn die nach Italien fahren muss, gibt’s kein Vertun, da muss sie mit. Ferdinand seinerseits macht so ein paar Entdeckungen an sich selbst. Annika erweist sich als erfahrene Pflegerin ihrer Mutter. Also einige Elemente von Entwicklungsgeschichten haben wir hier, daneben die – unglückliche? – Liebesgeschichte von Anton und Doris. Für jeden was dabei 😉

Und dann sind da noch die Hippies – ein bisschen aus der Zeit gefallen, wie der Bus. Und die italiensiche Polizei …

Wie erzählt René Freund?

In der Perspektive wechselt er zwischen Anton und Doris. Er startet mit Doris‘ unerklärtem hastigen Aufbruch mit einem 410-PS-Auto. Erst danach lerne ich Anton kennen, mitsamt seinen Gedanken rund ums Busfahren:

Seinen Kindheitstraum, Busfahrer zu werden, hatte die Realität dieses harten Berufes an die Wand gefahren. (S. 9)

René Freund schildert detailliert, liebevoll und illusionslos, was so ein Busfahrer machen und beachten muss. Genauso schildert er das Engagement Antons, seinen schulpflichtigen Fahrgästen ein Mindestmaß an Manieren abzufordern – wer nicht grüßt, muss den Fahrausweis vorzeigen. Immer wieder finden sich in der stetigen Erzählung kleine sprachliche Schmuckstücke.

Schön find ich diese Schilderung (ich muss mich ja leider beschränken):

Hinter dem Steinwall, der den Strand abgrenzte, sahen sie zwei Gesichter auftauchen, mit blau-weißen Kappen. Und unter den Kappen wuchsen langsam die beiden Uniformen in den Himmel, (…) (S. 134)

Eine wirklich schöne Urlaubslektüre, ein Sommermärchen halt.

René Freund: Ans Meer, Deuticke Verlag, Wien, 2018, ISBN: 9783552063631

Mit Klick auf den Button können Sie das Buch bei Ihrer Buchhandlung bestellen – für mich gibts dann eine kleine Provision 🙂



Hier bei der Buchhandlung Ihrer Wahl direkt kaufen

Es ist WM 2018

Nein, nicht, was Sie jetzt denken – ich meine die Kultur-WM 2018:

Jeden Spieltag posten Menschen zu den an der Fußball-WM 2018 teilnehmenden Ländern Tipps zur Kultur bei Twitter – der Hashtag: #KulturWM. Und weil ja nicht alle bei Twitter sind, gibt es eine “Wall”, also eine ständig aktualierierte “Mauer” mit den Tweets und Links Bitte hier entlang.

Wall zur Kultur-WM 2018

Diese Ansicht ist eine vorübergehende – mit jedem neuen Tweet verändert sich das – die Wall zur Kultur-WM 2018 kann man also die ganze Zeit offen lassen …

Das Ganze ist ein Projekt der Herbergsmütter (hier mit ihren Twitternamen zum Direkt-Folgen; als Herbergsmütter sind auch so bei Twitter zu finden: @herbergsmuetter):

  • Wibke Ladwig aka @sinnundverstand
  • Ute Vogel aka @frauvogel
  • Anke von Heyl aka @Kulturtussi

Wir hatten schon bei den Pantwitterspielen viel Spaß miteinander 🙂

Gedicht zum Tag – Lob der schwarzen Kirschen von Anna Louisa Karsch

Lob der schwarzen Kirschen

Des Weinstocks Saftgewächse ward

Von tausend Dichtern laut erhoben;

Warum will denn nach Sängerart

Kein Mensch die Kirsche loben?

 

O die karfunkelfarbne Frucht

In reifer Schönheit ward vor diesen

Unfehlbar von der Frau versucht,

die Milton hat gepriesen.

 

Kein Apfel reizet so den Gaum

Und löschet so des Durstes Flammen;

Er mag gleich vom Chineser-Baum

In echter Abkunft stammen.

 

Der ausgekochte Kirschensaft

Gibt aller Sommersuppen beste,

verleiht der Leber neue Kraft

Und kühlt der Adern Äste.

 

Und wem das schreckliche Verbot

Des Arztes jeden Wein geraubet,

der misch ihn mit der Kirsch rot

dann ist er ihm erlaubet;

 

Und wäre seine Lunge wund

Und seine ganze Brust durchgraben:

So darf sich doch sein matter Mund

Mit diesem Tranke laben.

 

Wenn ich den goldnen Rheinstrandwein

Und silbernen Champagner meide,

Dann, Freunde, mischt mir Kirschblut drein

Zur Aug- und Zungenweide.

 

Dann werd ich ebenso verführt

Als Eva, die den Baum betrachtet,

So schön gewachsen und verziert,

Und nach der Frucht geschmachtet.

 

Ich trink und rufe dreimal Hoch!

Ihr Dichter singet im Ernst und Scherze

Zu oft die Rose, singet doch

Einmal der Kirsche Schwärze.

 

Anna Louisa Karsch (1792)

LitBlogConvention die dritte

I did it again – am Samstag war ich auf der LitBlogConvention.

Sie fand am 9.6.2018 bereits zum dritten Mal in Köln statt – und ich war zum dritten Mal dabei.  🙂 Dieses große bunte Treffen von Bloggerinnen und Bloggern, Verlagen und anderen Buchmenschen hat mir bisher jedes Mal viel Freude bereitet, unabhängig davon, wie gut die einzelnen Workshops waren. Aber da habe ich dieses Jahr wirklich großes Glück gehabt.

Tipps zu Lesekreisen auf der LitBlogConvention

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich die ersten Jahre verschiedene Literaturkreise geleitet habe – zwei beim Katholischen Bildungswerk und einen hier in „meiner“ Buchhandlung. Da mir die Vorbereitung und Verantwortung im Laufe der Zeit über den Kopf wuchsen, habe ich sie abgegeben. An der LitBlogConvention gab es nun einen Workshop zu diesem Thema, geleitet von Kerstin Hämke und Jacqueline Böttger. Beide sind auf diesem Gebiet erfahren. Von Kerstin erscheint September sogar ein Handbuch zum Thema – mit Tipps zur Gründung, Leitung und Gestaltung von Lesekreisen und der Vorstellung einiger geeigneter Bücher. Weiterlesen

Die Pflanze, die gern … von Ewald Weber

… Puzelbäume schlägt” – was für ‘ne Pflanze stellen Sie sich da vor? Ewald Weber hat ein kunterbuntes Sammelsurium an einheimischen Pflanzen zusammengestellt, die mit ihren Eigenschaften und Fähigkeiten staunen lassen. Und Purzelbäume schlägt: das Salzkraut. Es gehört zur Familie de Steppenroller. Meistens begegnen die uns in Westerfilmen. Damit die vertrockneten Bündel vom Wind übers Land getrieben werden können, müssen sie bestimmte Eigenschaften mitbringen:

  • eine Sollbruchstelle
  • fest sitzende Samenkapseln
  • bruchfeste Zweige, die sich inheinader verhaken.

Weiterlesen

Gedichte in der Hörbar – Schullektüre

Verstehen Sie Gedichte auch besser, wenn Sie sie hören? Dann gibt es hier bald was Neues für Sie. Und auch für die, die sich mit Gedichten in ihrer Schullektüre herumplagen … Als Unternabteilung meiner Hörbar gibt es jetzt Texte der Schullektüre – zum Anhören.

Gerade Gedichte aus dem Barockzeitalter erscheinen uns heutzutage ziemlich schwer. Das liegt zum einen daran, dass sich die Rechtschreibung von unserer heutigen Form unterscheidet und zum anderen daran, dass einzelne Wörter nicht mehr bekannt sind oder heute anders benutzt werden. “Eitel” ist so ein Beispiel. Wir nutzen es, um zu sagen, dass jemand großen Wert darauf legt, für sein Äußeres oder auch manchmal für seine Leistung Anerkennung zu bekommen. Aber in der Barockzeit hieß “eitel” so viel wie vergänglich – “Alles ist eitel, du aber bleibst” – vielleicht kennen Sie diesen Kanon ja auch.

Beim ersten Anblick – und das im Wortsinne – erschwert uns oft die andere Schreibweise das Verständnis. Doppelkonsonanten und ein “v” anstelle von “u” bei “avff”, oder die Frage, wie denn “vmb” wohl ausgesprochen werden mag. Nun gehören aber gerade diese Gedichte auch heutzutage noch zur Schullektüre. Deshalb finden Sie in einer Unterabteilung meiner Hörbar nun Gedichte, die in der Regel auch in der Schule behandelt werden. Es sind Gedichte von Martin Opitz, Paul Fleming, Andreas Gryphius, Paul Gerhardt und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau. Ich trage sie vor – auf dass sie dadurch für Sie verständlicher und zugänglicher sind.

Andreas Gryphius Abend Sonett Schullektüre Gedicht Barockk

Doppelkonsonanten, wo wir nur einfache benutzen, “y” und “v” an unvertrauten Stellen – das ist nicht leicht zu lesen

Ich würde mich freuen, wenn ich mit dieser kleinen Starthilfe in die Lektüre Ihre Freude an diesen Gedichten wecken kann.

Die Reihe dieser “Vorleseungen” wird ständig aktualisiert – immer mal wieder reinschnuppern kann sich also lohnen.

Ach so, die Auflösung zur Aussprache von “vmb”: Das Wort wird einfach “um” ausgesprochen – das “b” bleibt stumm. 🙂 Klar, dass sich der Text so besser hören als lesen lässt, oder?

Bibliotheken in Reims

Letztens war ich unterwegs und habe Reims gesehen. Die Kathedrale ist großartig, der Champagner schmeckt und Bibliotheken gibt es dort auch. 7 an der Zahl. Dazu 18 Haltestellen für den Bücherbus. Die Bibliotheken sind sehr unterschiedlich, arbeiten aber alle zusammen und sind über einen gemeinsamen Katalog recherchierbar. Hübsch finde ich bei der Orientierungsseite in der Broschüre neben den “normalen” Hinweisen wie die auf WiFi, barrierefreien Zugang oder Gruppenarbeitsräume die Hinweise auf Wickeltisch und Garten 🙂 Weiterlesen

Wunderstoffe von Mark Miodownik

“Zehn Materialien die unsere Zivilisation ausmachen” – Mark Miodownik hängt das ganz schön hoch. Und – es funktioniert.

“Materialwissenschaften” – klingt unvertraut, oder? Ist aber spannend. Bei uns im Umfeld hat sich ein junger Mensch bei der Info-Veranstaltung für das Studium “Maschinenbau” nach der Info: “Mehrere tausend beginnen das im Wintersemester hier – bei Materialwissenschafen sind es 80” zu der anderen Info-Veranstaltung begeben, sich zum Thema schlau gemacht und dann dieses Studium aufgenommen. Mark Miodownik schafft es, die Faszination dieses vilefältigen Faches zu vermitteln.

Weiterlesen

No Coward Soul Is Mine von Emily Brontë in Hauptsache Lyrik

No Coward Soul Is Mine

No coward soul is mine,
No trembler in the world’s storm-troubled sphere:
I see Heaven’s glories shine,
And faith shines equal, arming me from fear.

O God within my breast,
Almighty, ever-present Deity!
Life–that in me has rest,
As I–undying Life–have power in thee!

Vain are the thousand creeds
That move men’s hearts: unutterably vain;
Worthless as withered weeds,
Or idlest froth amid the boundless main,

To waken doubt in one
Holding so fast by thine infinity;
So surely anchored on
The stedfast rock of immortality.

With wide-embracing love
Thy spirit animates eternal years,
Pervades and broods above,
Changes, sustains, dissolves, creates, and rears.

Though earth and man were gone,
And suns and universes ceased to be,
And Thou were left alone,
Every existence would exist in Thee.

There is not room for Death,
Nor atom that his might could render void:
Thou–THOU art Being and Breath,
And what THOU art may never be destroyed.

Emily Brontë