Beloved Jane – der Vortrag zum 200. Todestag von Jane Austen

CassandraAusten-JaneAustenBackView(1804) Meine Reihe “Beloved Jane” zu Jane Austens 200. Todetag wächst und gedeiht – da ist am 18.7.2017 noch lange nicht Schluss 😉 Und wer will, kann das Ganze jetzt auch als Lesung und Vortrag bekommen.

In dieser Lesung stelle ich Passagen aus den Büchern von Jane Austen vor und erläutere anhand von Biographien und Büchern zur Epoche des Regency ein paar Hintergründe zu Sitten und Unsitten der damaligen Zeit und zu Jane Austens Auffassung von einem guten Romanstoff. Hinzu kommen Anmerkungen zu modernen Adaptionen. Ein bunter Strauß also für Janeites und werdende Jane-Austen-Fans.

Anfrage zu Terminen und Preisen – bitte hier entlang.

Zum 130. Todestag von E. Marlitt

Die Gartenlaube (1868) b 021

So wurde E. Marlitt n ihren Lesern und Leserinnen vertraut – Bilder von ihr gibt es sonst so gut wie gar nicht. In dem Text unten wird sie als die Autorin der “Goldelse” und “Das Geheimnis der alten Mamsell” vorgestellt

Heute vor 130 starb die Starautorin der “Gartenlaube“; E. Marlitt hatte seit 1866 bis zu ihrem Tod für diese Familienzeitschrift geschrieben. Ihre Titel waren so erfolgreich, dass sich die Auflage der Zeitschrift während ihrer Schaffenszeit vervielfachte. Und sie gehört zu den Autorinnen, denen ich in meiner Kindheit begegnete (natürlich nur den Büchern …) und treu geblieben bin. Ja, ich stehe dazu – ich mag die Marlitt.

Im April wollte ich Ihnen eigentlich die Romanbiografie “Die Rache der alten Mamsell” von Herrad Schenk vorstellen; las sie noch einmal mit großem Vergnügen und stellte dann fest, dass ich das Buch bereits in der Anfangszeit meines Blogs vorgestellt hatte 😉

Was kann einer Frau des 21. Jahrhunderts an den alten Scharteken interessant erscheinen, fragen Sie sich? Nun gut, ich hab einen Hang zu Kitsch und Abenteuerlitereatur – denken Sie nur an meine Reihen über Karl May im Herbst und Winter. Wenn das aber das einzige Kriterium wäre, müsste ich auch die Bücher der Frau goutieren können, die mit E. Marlitt oft in einem Atemzug genannt wird: Hedwwig Courths-Mahler. Und das kann ich nicht. Deren Stil ist mir zu vage, zu schwülstig und der Gehalt so was von nicht vorhanden – Sie sehen, ich hab’s versucht 😉

Nun ist Marlitts Stil auch nicht gerade elegant oder im engerene Sinne literarisch; sie schildert manches sehr präzise, oft sehr stimmungsvoll und übertritt dabei so manches Mal die Grenze – eben zum Kitsch. Und das wurde auch zu ihrer Zeit schon so gesehen. Fontane hat sich entsprechend geäußert; ich ziehe das bekannte Zitat aus der Wikipedia:

„Die Sachen von der Marlitt (…) Personen, die ich gar nicht als Schriftsteller gelten lasse, erleben nicht nur zahlreiche Auflagen, sondern werden auch womöglich ins Vorder- und Hinterindische übersetzt; um mich kümmert sich keine Katze.“ Theodor Fontane  (Brief an Emilie Fontane, vom 15. Juni 1879)

Warum hat E. Marlitt geschrieben? Und was wollte sie mit ihren Büchern?

Geld verdienen war das eine; ihre Pension als gewesene Hofdame war nicht üppig, ihre Gesangskarriere musste sie aufgeben. Hinzu kam ihre Krankheit – Arthritis machte sie unbeweglich, bis hin zum Rollstuhl.

Aber sie wollte auch was sagen. Ganz klar hat sie sich in ihrer Zeit positioniert

  • gegen den Dünkel des Adels
  • gegen den skrupellosen Aufstiegswillen im Bürgertum
  • gegen die Machtbestrebungen der Kirche, besonders der katholischen
  • gegen, global gesagt, die soziale Ungerechtigkeit

Und das  alles in so einfachen Liebesgeschichten?

Ja. Wobei – sooo einfach sind ihre Geschichten nun auch wieder nicht gestrickt. Ich möchte Ihnen das anhand einiger Lektüreerfahrungen zeigen.

Das Geheimnis der alten Mamsell

Die Gartenlaube (1853) 001

Was für ein Idyll – so sollte sich die Leserschaft der “Gartenlaube” sehen.

Das war mein erster Kontakt mit E. Marlitt – eine Leseclub-Ausgabe im elterlichen Bücherschrank.

Was habe ich mit der armen Fee gelitten. Was habe ich die dünkelhafte Frau Helbig verabscheut. Aber worum geht es noch? Frau Helbig ist der Ausdruck heuchlerischer Frömmigkeit schlechthin; E. Marlitt führt in den Worten und Taten von Fee und der alten Mamsell freies Denken und Fühlen sowie ethische Gesinnung als Gegenbild vor.

Neben alltäglicher Heuchelei entpuppt sich das ehrenwerte Haus dann noch als Hort des Verbrechens – was dann nur die “guten” Charaktere zum Handeln zwingt.

Im Hause des Kommerzienrates

Der Titel im Titel lässt schon ahnen, in welchen Sphären  wir uns bewegen: großbürgerlich, reich und angesehen. Doch gleich am Anfang kommt es zu einer unschönen Szene, die ein Schlaglicht auf die Prioritäten einiger Figuren wirft: Es geht um Geld. Eigentlich wäre ja zu erwarten gewesen, dass als positiver Gegenpol zum gierigen Großbürger der Müller eine aufrechte Seele ist; weit gefehlt – er ist der Gierigste von allen. Seine Enkelin Käthe muss das erfahren – aufgewachsen fern der Heimat hat sie andere Prinzipien erlernt und sieht sich nun in ständigem Konflikt mit ihrer Verwandtschaft. “Hoch” und “niedrig” sind auch beim Geldadel relevante Kategorien zur Akzeptanz oder Ablehnung von Menschen. Der Kommerzienrat entpuppt sich als Schwächling. Die Industrialisierung mit ihren sozialen Folgen greift in die Lebensführung der Reichen ein. Der Kontakt mit den Arbeitern ist nicht konfliktfrei 😉

Ich hatte als Kind eine gekürzte Fassng des Buchs und kann noch heute in der ungekürzten Fassung die Passagen markieren, die für mich bei deren erster Lektüre “neu” waren.

Reichsgräfin Gisela

Hier bewegen wir uns einerseits in hochadligen Kreisen – auf der anderen Seite stehen die Dorfbewohner, die im Hüttenwerk arbeiten und die Pfarrersfamilie. Gleich zu Beginn wird ein Verbrechen geschildert, dessen Folgen die Personen in ihrem weiteren Leben bestimmen. Ich lasse die Geschichte um die Gräfin jetzt mal beiseite, in meinem Kontext hier ist das Engagement einer Figur, die von Brasilien aus Einfluss auf das Leben im Thüriger Wald nimmt, viel spannender: Der neue Hüttenbesitze aus Überseee baut nicht nur schmucke Häuser für die Arbeiter, sondern bietet ihnen auch Bildung, in Form von einer Bücherei z. B. Er fördert freien Gedankenaustausch in Vereinen.

Güldene Brücke 1

Uns erscheint das idyllisch – in “Reichsgräfin Gisela” werden die Schmelzwasser vielen Menschen zur Bedrohung. Christoph Radtke, Güldene Brücke 1, CC BY 3.0

E. Marlitt entwickelt am Anfang des Romans eine schaurige, reallistische Szenerie, als sie schildert, wie sich Wetterunbilden auf die Lebenserwartung der Menschen auswirken, die auf den Höhen des Thüringer Waldes oder nahe den Gewässern wohnen: Schneemassen schneiden Siedlungen von der Außenwelt ab, Schmelzwasser führen zu Überschwemmungen und jede nur ein bisschen geringere Ernte hat Hunger und Tod im Gefolge. Das ist nix zum Zurücklehnen – das hat Anflüge vom Weberlied. Und das ging bis ins 20.Jahrhundert so. Mein Vater und seine Familie wurden nach dem Krieg und der Flucht in einem thüringischen Dorf angesiedelt – sie haben unter Schmerzen erfahren, wie es ist, wenn es nicht genug gibt, schon mal gar nicht genug, um noch was an Flüchtlinge abzugeben.

Fazit

Mag E. Marlitt auch sprachlich manchmal etwas schwülstig daherkommen, ihre Bücher haben durchaus Anliegen, nehmen Bezug auf die gesellschaftliche Situation. Nur unterhalten wollte sie nicht. Bilden wollte sie. Deshalb sind ihre Frauengestalten auch so plastisch, im Positiven wie im Negativen. Ihr Ideal war der frei denkende Mensch, der aus Überzeugung moralisch und liebevoll agierte – und das Ideal galt für Männer wie Frauen. (Ja, ihr Frauenbild, ihre Vorstellung vom “Frauenberuf”, wie es immer heißt, ist nicht mit unserem vergleichbar – aber “die mitringende Gefährtin”, die sich Dr. Bruck “Im Hause des Kommerzienrates” wünscht, ist eben nicht nur Heimchen am Herde). So gibt es die trivialen Elemente in ihren Büchern, aber eben auch die anderen. Für mich sind die Bücher der Marlitt gute alte Bekannte, ein bisschen schrullig vielleicht, aber im Großen und Ganzen liebenswert.

Ein Festtag von Graham Swift

Da hat die Leseprobe doch ihre Funktion erfüllt – ich wollte “Ein Festtag” von Graham Swift unbedingt zu Ende lesen. Hab ich gemacht. Und es hat sich gelohnt.

Die Geschichte ist eigentlich simpel: Ein junger Adliger hat seit Jahren ein Verhältnis mit einem Dienstmädchen und muss in zwei Woche aus Standes- und finanziellen Gründen eine andere heiraten. Doch es kommt nicht nur anders, als alle im Buch das denken und planen, es ist schon anders. An dem Tag, an dem Festtag (das Original benennt den Festtag als “Mothering Sunday” – der Muttertag in Teilen Englands, auch des frühen 20. Jahrhunderts – Sonntag Lätare, im liturgischen Kalender) darf Jane durch den Haupteingang gehen, ihr Fahrrad einfach am Eingang stehen lassen. Sie trifft sich mit Paul in seinem Zimmer. Beiden ist klar, dass es das letzte Mal ist – nach der Hochzeit wird ihr Verhältnis ein Ende haben.

Das Besondere ist nun, wie Graham Swift Janes Gedanken folgt – assoziativ reihen sie sich aneinander. Immer wieder rekurrieren sie auf ihr späteres Leben, auf ihr hohes Alter, das sie erreichen wird. Einerseits haben wir da eine erzählende Instanz – und die bringt in manchen Stellen die Idylle im Zimmer, an einem Märztag, der warm wie ein Junitag war, ins Taumeln. Ziemlich genau in der Mitte erfahre ich als Leserin, die ich mir Gedanken gemacht habe, wie es mit Paul und Jane weiter geht, etwas, von dem Jane an diesem Mothering Sunday 1924 noch keine Ahnung hat – und damit wird meine Aufmerksamtkeit gegenüber den assoziativen Gedankenreihen völlig verändert, ja, ich möchte unter diesem neuen Aspekt die erste Hälfte gleich noch mal lesen und schauen, wo da Informationen für die spätere Sicht auf das Geschehen versteckt sind. Tu ich aber nicht – erst muss ich wissen, wie es weitergeht.

Bei aller Sinnlichkeit, bei aller Detailfreude am Erotischen, an der Spannung, unausgesprochen zwischen zwei Menschen, die gerade miteinander geschlafen haben, ist die Beobachtungsgabe von Jane von Anfang an bemerkenswert. Sie bertrachtet den nackten jungen Mann und sich selber, neue Wörter fallen ihr ein, Wörter, die nicht zu einem einfachen Dienstmädchen passen, wie “seine Augen an etwas weiden” (S. 11). Die bewusste Parallelsetzung von Körper und Landschaft in derselben Szene:

Sie lag ausgestreckt auf dem Bett, nackt, von einem Paar billiger Ohrringe, ihrem einzigen Paar, abgesehen  (…)

Draußen lag, ebenfalls ausgestreckt, die Grafschaft Berkshire, gegürtet mit hellem Grün, von Vogelgesang erschallend, im März mit einem Junitag gesegnet. (S. 11)

Otto Scholderer Englische Landschaft

Eine idealtypische englische Landschaft

Sprache ist Jane wichtig. In ihren Gedanken geht  es um die Bücher, die sie – mit Erlaubnis ihres Arbeitgebers – aus seiner Bibliothek entleihen  und lesen durfte. Sie macht sich in den Gedanken der alten Frau, der Schriftstellerin Jane Faichild, die sie  einmal sein wird, Gedanken über das Beschreiben und Behalten von Eindrücken – und über das Vergessen. Kurz: Sie meditiert das Schriftstellerin-Sein.

Nebenbei macht Graham Swift die Zeit um 1920 lebendig – ihre vergleichsweise Beschaulichkeit, mit den ganzen Abgründen, mit den Nachwirkungen des Großen Krieges, der so viele junge Männer das Leben kostete – die Söhne von Janes Arbeitgeber, die Brüder ihres Liebhabers. Unaufdringlich lässt er diese vergangene Welt lebendig werden und zeigt ihre Zerbrechlichkeit und damit die Zerbrechlichkeit menschlicher Ziele und Wünsche. En passsant entfaltet sich, mit einer Bemerkung hier und einer dort, das Leben einer ungewöhnlichen Frau, die, so alt wie das 20. Jahrhundert, ihren Weg vom Waisenkind zur viel interviewten Schriftstellerin ging, der Sprache so wichtig war, das Beschreiben, das Behalten, das Zurückhalten. Ein Kunstwerk.

Graham Swift: Ein Festtag, übersetzt von Susanne Höbel, dtv, München, 2017, ISBN: 9783423281102

Mr. Peardews Sammlung … von Ruth Hogan

Der vollständige Titel lautet: “Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge” (das englische Original “The Keeper of Lost Things”). Mit Anthony Peardews hat Ruth Hogan eine skurrile, liebenswerte Figur erschaffen.Mr. Peardrew sammelt alles, was andere verloren haben. Warum? Er selbst hat im Mai 1974 – das kann ich als Leserin erschließen –  das Liebste verloren, was es für ihn gab: Seine Verlobte Therese starb auf dem Weg zur Hochzeit. Und er verlor am selben Tag das Andenken schlechthin an sie, ein Medaillon, das immer bei sich zu tragen er ihr versprochen hatte.

Das Buch hat einen irritierenden Beginn:
Da reist eine Person in einer Keksdose. Huch?

Es ist Anthony, der die Dose findet, mitnimmt und sorgfältig beschriftet seiner Sammlung einverleibt: Die Beschriftung gibt dann Auskunft: Einäscherung …

Anthonys Assistentin Laura lerne ich als nächstes kennen – sie hat sich vor Jahren aus Verzweiflung nach ihrer gescheiterten Ehe auf die Stelle beworben und es nie bereut. Zwar weiß sie nicht, was ihr Arbeitgeber in seinem Arbeitszimmer hat, aber die stilvolle und ruhige Atmosphäre seines Hauses hat es ihr angetan. Sie schreibt die Geschichten  Anthonys ab, erledigt sonstigen Schriftkram und freut sich, einen so angenehmen Arbeitsplatz gefunden zu haben.

Die nächste Szene katapultiert mich ins Jahr 1974- anderes Personal, auch wenn die Situation vergleichbar scheint: Eine junge Frau bewirbt sich als Assistentin eines Verlegers. Auf dem Weg fallen ihr zwei Dinge auf: Ein Menschenauflauf vor der Bäckerei gegenüber der Adresse, wo sie hin muss und vorher ein wartender, nervöser Mann. Auch in diesem Strang entwickelt sich zwischen Arbeitgeber und Anagestellter ein guter Kontakt – sie werden Freunde, schauen Filme, Eunice, so heißt die junge Frau wird in “Bombers” Familie aufgenommen. Na ja, fast – seine Schwester Portia, eine reiche Frau, die sich als Autorin versucht, lehnt Eunice ab.

Berlock med fotografiporträtt av Wilhelmina Kempe, 1865 - Hallwylska museet - 110564

Das Medaillon von Therese enthielt auch ein Bild. Hallwyl Museum / Helena Bonnevier / CC BY-SA, Berlock med fotografiporträtt av Wilhelmina Kempe, 1865 – Hallwylska museet – 110564, CC BY-SA 3.0

Während es sich bei Anthony, Laura, Freddy und Sunshine nur um wenige Jahre handelt, begleite ich Bomber, Eunice und die Hunde über viele Jahre, bis sich die Handlungsstränge im Hier und Heute begegnen. Ruth Hogan hat viel Magie eingewoben – zum Glück auch viel Wortmagie.

Anthony war gegangen und hatte eine Leiche zurückgelassen. (S. 66)

oder etwas drastischer

Das Pochen in ihrem Kopf wurde bald von einem lauten Klopfen an der Fenstertür erwidert. (S. 135)

Ruth Hogan hat eine anrührende Geschichte geschrieben. Sie hat einen gut lesbaren Stil mit überraschenden Formulierungen, die stutzen lassen oder einfach Spaß machen, ihre Figuren sind lebendig – gute Unterhaltung garantiert. Schön auch die Szene, wo Laura den beiden Klatschbasen, die sich über ihr mögliches Verhältnis zu Anthony ausließen, das Wort “Fellatio” an den Kopf wirft und die eine behauptet, das schon mal in Italien gegessen zu haben.

Ruht Hogan: Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge, übersetzt von Marion Balkenhol, List Verlag, Berlin, 2017, ISBN: 9783471351475

Ich habe das Buch über vorablesen.de gewonnen und dort auch eine Rezension geschrieben.

Rückblick auf die LitBlog Convention 2017

Zum 2. Mal haben Kölner Verlage (Bastei Lübbe, Kiepenheuer & Witsch, DuMont Kalender Verlag, Community Editions und von außerhalb kam Diogenes dazu) Bloggerinnen und Blogger zu einem gemeinsamen Tag im Gebäude des Bastei-Verlages geladen – die LitBlog Convention 2017. Einblicke in Verlagsarbeit, Kontakte mit Autorinnen und Autoren und insgesamt eine tolle Atmosphäre – das macht diese Zusammenkunft aus.

Aus dem breit gefächerten Angebot habe ich mir folgende Sachen ausgewählt:

“Buchhandwerk” bei der LitBlog Convention 2017

LitBlog Convention 2017 Handlettering mit Suse Engel, vorbereiteter Tisch

Stifte, Begrüßungskärtchen und Übungsaufgaben für alle

Handlettering mit Suse Engel – für mich eine Herausforderung, da ich auf dem Gebiet nicht besonders begabt bin. So einladend war der Tisch vorbereitet – s. links.

Und weil ich schon mal beim “Handwerklichen” war, bin ich als nächstes zu dem Vortrag von Hanne Mandik gegangen, in dem sie uns erzählte, was zwischen Manuskriptabgabe und Auslieferung passiert.

Die eine Seite ist die zeitliche Planung – immer schön rückwärts rechnen:

Erscheinungstermin – Auslieferungstermin an Buchhandlungen – Drucktermin – spätestmöglcher Zeitpunkt zur Manuskriptherstellung. Klingt erst mal einfach. Aber, dann gibt es ja noch die Leseexemplare für die Buchhandlungen – fast der gleiche Zirkel an Abläufen und damit eine Vorverlegung der Manuskriptfertigstellung um rund ein Vierteljahr …

Zur Produktion eines Buches gehört aber viel mehr – auf die Layout-Gestaltung freut sich Hanne Mandik immer besonders und präsentiert das an einem Kochbuch und an einem kompliziert zu erstellenden Band zu der Serie “Twin Peaks” – sie muss Schriftarten finden, die Verteilung von Text und Bildmaterial einerseits abwechslungsreich, andererseits mit einheitlichem Konzept planen, es gilt die Papierqualität für die Art der Bilder sinnvoll auszuwählen. Das alles betrifft “nur” das Innere des Buches. Aber auch Einband,  Bindung und ggf. Schutzumschlag müssen bedacht werden.

LitBlog Convention 2017 Buchgestaltung

Die Farben der Illustrationen und des Covers als Muster, eine Farbkarte für Vorsatzpapier und Muster verschiedener Kopfbändchen – es wurde in zwei Gruppen lebhaft diskutiert

Und da kamen wir als Boggerinnen zum Zuge – ein in der Planung befiindliches Buch ist so weit, dass die Farben für Illustrationen fest stehen – jetzt müssen das Vorsatzpapier und das Kopfbändchen gewählt werden. Kopfbändchen? Ja, gibt es. Das ist das völlig unscheinbare kleine bisschen Stoff, das den Buchblock oben und unten im Einband abschließt. Fällt nie auf. Aber wehe, es passt mal nicht … Hanne Mandik sagte, sie wolle beide Vorschläge, die bei uns rauskamen mit in die entsprechende Konferenz nehmen. Im Herbst werden wir sehen, wofür man sich entschieden hat 😉

Die obere Farbkarte auf dem Bild ist übrigens die für den Leineneinnand – den kann man aus bereits gefärbtem Leinen herstellen und mit Titel, Austor usw. bedrucken (auch Prägungen sind möglich) oder weißen Stoff verwenden und den dann im Ganzen farbig bedrucken. Lesebändchen und farbiger Schnittt sind weitere Aspekte der Buchgestaltung.

Danach gabs die wohl verdiente Mitagspause 🙂

Autorinnen kennlernen bei der LitBlog Convention 2017

Im Nachmittagsangebot gab es dann ein Gespräch zwischen Dana Geissler, der Moderatorin, und den Autorinnen Anna Basener und Petra Hülsmann zum Thema Heimatgefühle.

LitBlog Convention 2017 Anna Basener

Anna Basener ließ hier die Omma aus ihrem Roman zu Wort kommen

Es war sehr charmant gemacht – vor allem Anna Basener hatte eine nette Art, das “Ruhrdeutsch”, wie sie immer sagte, dann auch mit einzubringen. Ihre vorherige Karriere als Groschenheft- und Ratgeberautorin kam ebenfalls ausführllich vor. Petra Hülsmann erzählte von der Liebe zu ihrer Wahlheimat Hamburg. In ihrem neuen Buch geht es ums Segeln – da sie selber keine Ahnung davon hat und keine Erfahrung auf Wasser, kommen die armen Protagonistinnen nie in den Genuss, das im Buch auszuleben ;-). Ein Einblick in die Arbeit zweier junger Autorinnen. Spannend fand ich Anna Baseners Hinweis, dass sie bei diesem Debutroman sich einer vorherigen Planung völlig verweigert habe – das sei im Rahmen von Groschenheften und Genreliteratur so üblich, dass sie hier mal völlig anders arbeiten wollte. Wie es ihr geglückt ist, werde ich berichten – ich hab ihren Roman jetzt vorliegen. Ihr Tipp an alle, die sich im Romanschreiben üben wollen: einen Heftroman verfassen, nach den strengen Mengen und Dramaturgierauflagen, die die Verlage da so haben. Tipps dazu in ihrem Ratgeber …

LitBlog Convention 2017 Mara Giese

Mara Giese von Buzzaldrins Bücher bei ihrem Vortrag

Mein vorletzter Termin auf der LitBlog Convention 2017 war Mara Giese, die aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen berichtete, wie man erfolgreich als Buchbloggerin agiert. Interagieren mit anderen – Blogs, Kommentratorinnen und Kommentatoren, auch in den Social Media – ist das Wichtigste.Leserinnen und Leser ernst nehmen. Gesicht zeigen, was von sich selber preis geben. Und bitte nicht nach 2 Wochen aufgeben  😉 Besonders spannend fand ich bei diesem Beitrag die Diskussion im Anschluss mit den Vertreterinnen der Verlage, die im Raum waren:

Es wird keine Lobhudelei erwartet, mal ein zugesandtes Buch nicht besprechen zu können ist kein Beinbruch, Kommunikation mit den Verlagsleuten ist immer erwünscht und bei Twitter & Co helfen Verlagshastags, dass die Pressestellen und anderen im Verlag mitbekommen, wenn wir dort was posten.

LitBlog Convention2017 Rebecca Gablé

Rebecca Gablé beantwortete alle Fragen engagiert und lebhaft

Auf den letzten Slot habeich mich sehr gefreut – Rebecca Gablé war da und hat mit ihrem Lektor ein Gespräch über ihre Arbeit geführt. Planung eines Romans, Dauer des Schreibprozesses, wie die Figuren sie finden, welche Einzelheiten für die historische Genauigkeit relevant sind – einmal durch den Garten quasi. Das alles vor allem anhand ihres aktuellen Romans “Die fremde Königin” – aber es gab immer auch Bezüge zu ihren anderen Büchern, auch zu meinem Alltime-Favoriten “Von Ratlosen und Löwenherzen“, den ich allen ans Herz lege, die sich für England im Mittelalter interesisieren. Sie ist tatsächlich so lebhaft und charmant, wie sie erzählt. Es war eine Freude.

Insgsamt war ein prall gefüllter Tag mit vielen Gesprächen, Kontakten und Austausch. Zum Come together udn Abendbuffet war ich leider nicht mehr dabei – es muss aber sehr schön gewesen sein, wenn man den Äußerungen bei Twitter glauben soll.

Für mich besonders interessant sind die Einblick in die Verlagsarbeit – dieses Jahr zur Produktion, letztes Jahr zur Covergestaltung. Ich freu mich schon auf 2018.

Die vergessene Schwester von Jennifer Paynter

“Mary Bennets Stolz und Vorurteil” ist tatsächlich der Untertitel, den Jennifer Paynter ihrem Erstlingsroman gegeben hat … Auf dass der Bezug zu “Stolz und Vorurteil” von Jane Austen auch wirklich allen klar wird.

Mary erzählt selbst und beginnt schon vor ihrer Geburt – mit der Ehe ihrer Eltern. Anfangs war Mr. Bennet gar nicht sooo unbarmherzig gegenüber der Dummheit seiner Frau. Seine Enttäuschung über die ununterbrochene Reihe von Töchtern macht Jennifer Paynter sehr deutlich, mit allen Folgen im familiären Umgangston. Die weiteren Beziehungen in der Familie sind auch Thema: Zwei Schwesternpaare, die einander genügen und Mary als Einzelgängerin dazwischen. Sie gilt als weniger hübsch als ihre älteren Schwestern und weniger lebhaft als ihre jüngeren – doch alles hat seine Gründe:

  • sie ist hochsensibel und die Brüllerei des Mannes ihrer Amme bringt völlig durcheinander – sie fürchtet sich danach vor jedem Mann, auch dem eigenen Vater; keine gute Grundlage für eine vertrauensvolle Beziehung
  • sie benötigt eine Brille – bis das klar wird, geht Zeit ins Land, in der Mary als Dummkopf dasteht
  • in ihren Teeniejahren kommt sie bei der Mutter ihres ehemaligen Hauslehrers in Bath unter – wird also der Familie etwas entfremdet
  • eine der Szenen, die alle Stolz- und-Vorurteil-Leserinnen kennen, in der Mary eine schlechte Figur macht, ist ihr Klavierbeitrag beim Ball in Netherfield – einer der jungen Männer hat ihr vorher statt Limonade Punsch gegeben

Jennifer Paynter zeichnet das Porträt eines empfindsamen Kindes, dem vor allem Enttäuschungen begegnen.

Netherfield vor Bingley

Vor dem eigentlichen Geschehen von Jane Austens Geschichte ist bei ihr bereits Dramatisches geschehen. Netherfield war nämlich vor Bingelys Einzug bereits einmal verpachtet. Und da schlugen die Wellen hoch:

Jasper Coates – ein optischer Vorgänger von Fitzwilliam Darcy – lebte dort in einer Ménage à trois mit seiner Stiefschwester Christina und deren Mutter. Und das enthüllte die ältere der beiden Frauen beim Dinner eines geselligen Abends.

An dem Abend hatte Mary zusammen mit einen der Söhne von Christina einen Auftritt als Pianistin – George war ihr Freund. Der Erfolg des Abends als Musikerin war nach dem Skandal im Speisezimmer bedeutungslos.

George entdeckte kurz vor dem Konzert, dass die damals 14-jährige Elizabeth sich nach Netherfield geschlichen hatte, um Jasper Coates zu treffen; Mary konnte es wegen ihrer schlechten Augen nicht selber sehen, aber George behaupetete, Lizzy und Jasper hätten sich geküsst. Quelle horreur für die kleine brave Mary. Noch so eine Belastung für ihr Gewissen.

FortepianoAntonWalter

Ein elegantes Instrument – sehr gut möglich, dass ein solches Mary und George auf Netherfield zur Verfügung stand. Gérard Janot, FortepianoAntonWalter, CC BY-SA 3.0

Nach dem Showdown in Netherfields war die Familie von dort

a) weg und

b) durfte sie nicht mehr erwähnt werden.

Mary verfiel danach in eine Depression – weil sie einerseits George vermisste, dann noch den Tod einer kleinen Cousine betrauerte und sich allgemein schuldig fühlte. Gesund wurde sie erst, als sie zur Mutter ihres ehemaligen Hauslehrers nach Bath eingeladen wurde. Regelmäßige Abläufe, gleichmäßige Zuwendung – was braucht es mehr 😉 ? Ihre Frömmigkeit und Belesenheit, die bei Jane Austen so schlecht wegkommen, sind hier ganz “normale” Eigenschaften. Mrs. Knowles, bei der sie zwei Jahre lebte und selber von einer unaufgeregten Alltagsfrömmigkeit, regte sie an, in einem Buch Zitate und andere aufbauende Kleintexte zu sammeln – ihr Kollektaneenbuch (ehrlich, das Wort musste ich auch erst nachschlagen – bei mir hieß das immer “Sprüchebuch” …). Alle Zitate, die wir aus Jane Austens Version der Geschichte 😉 kennen, stammen daraus. Jennifer Paynter macht deutlich, dass Mary die Zitate oft benötigte, um sich selbst im Gleichgewicht zu halten, denn …

Hier kommt Jennifer Paynter nun zur bekannten Handlung

Ja, Mary ist auch aus dem Takt geraten. Peter Sheffels, der Sohn ihrer ehemaligen Amme, spielt zum Tanz auf. Geige. Das erste Mal gesehen hat sie ihn beim öffentlichen Ball in Meryton, wo die Bingleys und Darcy ihren ersten Auftritt haben. Und im Gegensatz zu ihren Schwestern nimmt sie diesen untergeordneten Menschen nicht nur wahr, sie beginnt auch ein Gespräch mit ihm, empfiehlt ihn für den Ball Bingleys und will Geigenunterricht bei ihm nehmen. Das bleibt nicht verborgen – und schon haben die Schwestern wieder was, womit sie Mary aufziehen können.

Mary erlebt eine Katastrophe in ihrem Umfeld mit, von der die anderen nichts wissen dürfen – wieder eine Belastung. Die beiden Nichten von Mrs. Long, die bei Jane Austen nur als solche apostrophiert werden, sind mit Mary näher befreundet. Sie bekommen nicht nur Namen (Cassandra (!) und Helen), sondern auch Charakter und eine eigene Geschichte. Cassandra verdient sich mit Zeichnen und Malen etwas Geld – so soll sie Bingleys Schwestern porträtieren und Mary wird benötigt, um vorzulesen oder Klavier zu spielen. Mary bekommt so Einblicke in die Beziehungen auf Netherfields, die ihren Schwestern verborgen bleiben. Cassandra ist ein ernsthafter, fast schon strenger Charakter – kein Wunder, dass sie und Mary sich verstehen. Helen dagegen ist ein Sausewind und sehr flirtbereit – sie fällt auf Wickham rein und zwar gründlich. Und Mary darf zu Hause nicht sagen, was für ein Schuft der allseits beliebte Offizier ist …

Die Handlung läuft in solch verschlungener Weise weiter – ein paar Passagen hätten da ruhig kürzer ausfallen können. Aber mit der Lebensgeschichte der Mary Bennet hat Jennifer Paynter durchaus ein anderes Sittengemälde der Zeit um 1810 entworfen als Jane Austen, sehr viel näher an der Realität, auch der rauen Realität – und trotz aller Einwände durchaus noch nah an Jane Austen. Das Schicksal Marys entwickelt sich stetig, endet auf überraschende Weise und zeigt, dass sie einersets geduldig ist und bleibt, andererseits aber ihre eigenen Vorurteile durchaus erkennt. Da wird ihr gegen Ende des Buches echt was abverlangt.

Die möglichen Einwände, sie sei weniger subtil als ihr Vorbild oder bringe zu viel Sex and Crime darin unter, sollten nicht zu schwer ins Gewicht fallen: Sie hat eine im Großen und Ganzen spannende Geschichte erzählt, eröffnet an manchen Stellen einen anderen möglichen Blick auf beliebte Gestalten. Insgesamt ein historischer Roman, der duch die Verknüpfung zu Stolz und Vorurteil Fans von Jane Austen durchaus Freude machen kann, sich aber auch selber trägt.

Amazon Crossing ist aufgrund meiner Abneigung gegenüber Amazon insgesamt kein von mir bevorzugter Verlag – aber das Thema hat mich einfach zu sehr gereizt. Mary Bennet ist ja wirklich das graue Mäuschen schlechthin in Jane Austens Roman, so dass ich mir die bekannte Geschichte aus ihrer Sicht nicht verkneifen wollte. Und es hat sich durchaus gelohnt 🙂

Jennifer Paynter: Die vergessene Schwester – Mary Bennets Stolz und Vorurteil, übersetzt von Annette Seifert, Amazon crossing Verlag, Luxemburg, 2016, ISBN: 9781503954731

Dieser Beitrag gehört in meine Reihe “Beloved Jane” zum 200. Todestag von Jane Austen im Juli.

Das klare Sommerlicht des Nordens von Petra Oelker

Bisher kannte ich Petra Oelker nur mit ihren Krimis um Rosina, die im Hamburg des 18. Jahrhunderts spielen. Der Ort dieses für mich neuen Buchs ist derselbe, aber die Handlung spielt im Jahre 1905.

Das Ambiente hat sich geändert: Technische Neuerungen und soziale Änderungen allenthalben, auf die die verschiedenen Figuren völlig unterschiedlich reagieren.
Petra Oelker teilt die Handlung zwischen zwei unterschiedlichen Gruppen auf. Die eine lebt wohl situiert an dem einen Ende Hamburgs, im Grünen, ruhig und vornehm. Es ist die Familie Wartberger, einmal Sidonie und Viktor und dann Victors Eltern Esther und Jakob, außerdem Viktors Jugendfreundin, die verwitwete Ellen Tessner, und die Familie Blessing. Sidonie und Viktor leben im Anbau der Villa der Blessings. Sidonie versinkt nach ihrer zweiten Fehlgeburt in eine tiefe Depression.Viktor bietet ihr nach der schlimmsten Phase an, einen Malkurs bei einem renommierten Lehrer zu absolvieren. Claire Blessing richtet für Sidonie in einem abgelegenen Raum des gemeinsamen Hauses ein Atelier ein.

Die Ereignisse rund um Sidonie werden unterbrochen durch die Szenen, in denen Dora Lenau die Hauptrolle spielt. Jahrelang hat sie mit Tante und Cousin im berüchtigten Gängeviertel Hamburgs gelebt. Bei der Choleraepidemie vierzehn Jahre zuvor hatte ihre Tante Anna ihren Mann und die kleine Tochter verloren. Sie hat Dora als Tochter ihrer Schwester an Kindes Statt angenommen. Ihr Sohn Theo hat nach längerer Arbeitslosigkeit eine gut bezahlte Stelle gefunden. So konnten die drei aus dem Gängeviertel wegziehen. Als Leserin erfahre ich früher als Mutter und Cousine, dass Theo ein Polizeispitzel ist. Zu seinem Charakter: sympathisch geht anders. Dora arbeitet in einer kleinen Manufaktur als Näherin, ihre eigene Ambition ist das Entwerfen moderner Kleidung.

Gängeviertel in Hamburg

Kein Wunder, dass Anna, Dora und Theo froh waren, hier rausgekommen zu sein … Chronik Hamburg, Chronik Verlag Gütersloh/München 1991, 2. Auflage 1997, ISBN 3-577-14443-2 via Wikicommons

Klar, dass die beiden Frauen sich kennenlernen und einige Gemeinsamkeiten entdecken. Beide erleben mehrere Wendungen im Verlauf der Geschichte – diese Story um zwei unterschiedliche Frauen folgt dabei bekannten Mustern, die Petra Oelker  gekonnt erzählt. Fast spannender sind dabei die Entwicklungen der anderen Figuren. Einen besonderen Narren habe ich an Jakob, Victors Vater, gefressen, der mit seinen Gedanken zu Gott und der Welt mich sehr mitnimmt in seine Zeit, eine Umbruchzeit. Die vermehrten Rechte für jüdische Bürger und der gleichzeitig ansteigende Antisemitismus gehört mit zu seinen Überlegungen. Es wird Sie nicht überraschen, dass Theo von der Emanzipationn der Juden so gar nicht wissen will.

Dramatik gibt es auch – für einzelne Figuren sowieso, aber auch für die Stadt Hamburg. Ähnlich wie in „Die Orangerie“ bildet die Stadtentwicklung Hamburgs den gesellschaftlichen und politischen Hintergrund für die Handlung um Sidonie und Dora. Hinzu kommen Auseinandersetzungen um moderne Kunst: Picasso wird genannt, Sidonie besucht die van-Gogh-Ausstellung und Edvard Much hat einen stummen Gastauftritt 😉

Peter Oelker legt einen gut erzählten und interessanten historischen Roman vor, der anhand persönlicher Konflikte und Veränderungen seiner Figuren die Themen, die in Hamburg um 1905 im Vordergrund standen, vermittelt.

Petra Oelker: Das klare Sommerlicht des Nordens, Rowohlt Polaris, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN: 9783499267772

Die jüngste Miss Ward von Joan Aiken

Ja ja, ich weiß – der Name Ward erscheint gleich auf der ersten Seite von “Mansfield Park” von Jane Austen. Ich konnte den Titel von Joan Aiken trotzdem nicht sofort einordnen. Schließlich sind die Schwestern Ward – also  die Mutter von Tom, Maria, Edmund und Julia Bertram, ihre Schwester Mrs. Norris und “die arme Fanny” Price – nicht die Hauptpersonen des Romans.

Joan Aiken hat in ihrem Roman den drei Schwestern Ward eine vierte hinzugesellt, deren Lebenslauf sie verfolgt. Dabei kommt die bekannte Geschichte von Jane Austen immer wieder in den Blick – Harriet (genannt Hatty) hätte aber ebenso gut eine andere Familie haben können als die von Mansfield Park. War Ihnen bewussst, dass Mrs. Norris auch einen Vornamen gehabt haben muss? Mir nicht … Joan Aiken nennt sie Agnes. (Jetzt müsste ich glatt “Mansfield Park” noch mal lesen …. Ich meine aber, da ist nur von “Mrs. Norris” und in der Anrede “Schwester” die Rede. Wissen Sie mehr? Ich freu mich über Korrekturen, wenn nötig.)

Vorweg sei gleich gesagt: Ich fand die Geschichte recht gelungen, die Anbindung an Austens Buch vor allem “nett”, weil es Joan Aiken ein paar Eigenheiten der Schwestern, wie man sie in ihren späteren Jahren kennenlernt, auf ihre Weise “begründet”.

Hatty wird gegen ihren und den Willen ihrer sterbenskranken Mutter aus der Familie weggegeben und zwar in die Familie des Onkels. Das eigentliche dramatische Geschehen findet erst mal bei anderen Personen statt: Die Freundin ihrer Mutter, Lady Ursula Fowldes, hat in jungen Jahren eine Enttäuschung in der Liebe erfahren und ist seitdem eine Frau von großer Strenge gegenüber sich selbst, erst recht aber gegenüber anderen. Sie soll bei der Hochzeit von Maria Ward, zukünftig Lady Bertram, die Hausfrau stützen., bzw. ersetzen Die kleine Hatty ist ihr unsympathisch und muss weg. Lady Ursula ist nicht in der Lage, den Umgang zwische der kranken Frau und ihrer jüngsten Tochter in seinem Wert einzuschätzen. Agnes Ward – später Mrs. Norris – unterstützt sie darin. Dass beide in ihrer vorgeblichen Strenge größtmögliche Egoistinnen sind, ist wohl klar – Ursula und Agnes vertragen sich prächtig. Hatty siedelt also um, ihre Mutter stirbt, ohne dass beide sich noch mal gesehen hätten und es laufen Gerüchte um, dass Lady Ursusla an Mr. Ward interessiert sei. Ihre Familie ist groß und verarmt – und sie ist nicht mehr die jüngste. Nach einigen Verzögerungen erreicht sie ihr Ziel.

Bei einem Familientreffen anlässlich einer Beerdigung trifft sie bei Hattys Pflegefamilie auf ihren ehemaligen Verlobten, Lord Henry Camber. Unversöhnlich ist sie. Er dagegen freundlich. Insgesamt ist er ein interessanter Charakter. Er will nichts von Standesunterschieden wissen, erweist sich als einfühlsamer, hilfsbereiter und humorvoller Zeitgenosse – Hatty mag ihn. Und er mag sie. Sein Projekt: Er will mit einer Gruppe von Gleichgesinnten nach Amerika auswandern und dort an den Ufern eines Flusses eine demokratisch organisierte Siedlung gründen und aufbauen.

Wie geht es Hatty in der Zeit? Sie hat sich mit einem ihrer drei Cousins angefreundet, wird von ihrer Tante sehr geschätzt und bemüht sich, den nachgeborenen Zwillingsschwestern im Haus, die offensichtlich geistig und körperlich beeinträchtigt geboren wurden, etwas Lebensfreude zu bringen. Ihre Schwester Fanny, die Maria und Thomas Bertram auf der Hochzeitsreise begleitet hat, kommt zu Besuch, freundet sich mit Familie Price an – alles Weitere über sie ist bekannt 😉 Harriet verschlägt es dann mitten im Winter auf den Heimweg in ihr Vaterhaus – aber statt dort zu landen, muss sie eines Schneesturms wegen im Cottage von Lord Camber unterkriechen und lernt völlig neue Ansichten kennen; hier fühlt sie sich wohl. Aber ihr Ruf … Lord Camber war nämlich noch nicht abgereist und im Haus (was bei Georgette Heyers Romanen immer durch die Gegenwart von Haushälterinnen entschärft wird – die gibt es hier auch, deshalb ist die Entrüstung der “lieben” Verwandtschaft pure Heuchelei).

Hattys geheime Leidenschaft gehört übrigens der Poesie – sie schreibt Gedichte. Lord Camber ist begeistert. Hübsch ist dann die Pointe im allerletzten Brief, der aus unserer Zeit stammt 😉 (zu den Briefen gibt es unten noch einen Satz).

Es gibt noch weitere Handlungsstränge – und für mich gabs durchaus mal andere Ostereier als sonst zu finden:

  • Der philantropische Lord hat sein Pendant in einem der Romane von Georgette Heyer – Mr. Moore in “Der schweigsame Gentleman” würde ein solches Projekt nur zu gerne ausführen, aber seine Gattin ist dagegen, aus pragmatischen Gründen. Solche Einwände gibt es auch hier, aber Lord Camber ist nicht zu bremsen.
  • Die Schwestern von Lady Ursula, die Hatty im Laufe der Geschichte zu unterrichten trachtet, erinnern in ihrer Zurückgezogenheit an die Brontë-Schwestern – allerdings wesentlich verstörter, boshafer und bei weitem weniger kreativ.

Joan Aiken hat einen durchaus dramatisch angehauchten Roman verfasst, der allerdings die Anbindung an Jane Austens “Mansfield Park” offensichtlich vor allem zum “Schmuck” braucht; dramaturgisch notwendig ist sie nicht. Gelegentlich streut Joan Aiken Briefe ein, um Handlungen näher ranzuholen, als es die Erzählperspektive erlaubt. Da sie diese Briefe immer in eigenen Kapiteln versammelt, funktioniert es ganz gut.

Joan Aiken: Die jüngste Miss Ward, übersetzt von Renate Orth-Guttmann, Diogenes Verlag, Zürich, 2000, ISBN: 978257233506

Dieser Beitrag gehört in meine Reihe “Beloved Jane” zum 200. Todestag von Jane Austen im Juli.

Elizas Tochter von Joan Aiken

Noch so ein “Folgeroman” auf Basis der Geschichten von Jane Austen, an dem sich Joan Aiken versucht hat (sie hat da wirklich eine Menge geschrieben). Und nein, mit Eliza ist nicht Eliza Bennet gemeint. Wir bewegen uns stattdessen im Umfeld von “Sense and Sensibility“, also “Verstand und Gefühl” (“Sinn und Sinnlichkeit” ist der deutsche Titel einer Verfilmung!).

Die Figur, die bei Joan Aiken die Hauptrolle spielt, wurde in “Sense and Sensibility” erst geboren; wir lernen Eliza, die Tochter von Eliza, deren Mutter Eliza (verwirrt? ja, aber so ist das nun mal: von Großmutter bis Enkelin – alle heißen Eliza) die unerreichbare Liebe von Oberst Brandon war, im Alter von vier Jahren kennen. Sie lebt in einem Dorf voller Ammen, die Kinder von Betuchteren großziehen. Viele der Kinder sind unehelich geboren, die meisten aber kennen ihre Eltern. Eliza nicht. Das wird sie fast das ganze Buch über beschäftigen. Wer das Austensche Original kennt, hat ihr da was voraus 😉

Gleich am Anfang gibt es geheimnisvolle Anmerkungen, dass Eliza was Besonders an sich hat – erst nach einiger Zeit wird das Geheimnis gelüftet: Sie hat an der rechteen Hand sechs Finger. Als sie auf der Suche nach einem kleinen Zögling mit Zigeunern in Kontakt kommt, hört sie das erste m Mal was Positives darüber – sonst wurde diese Anomalie eher mit Furcht und Ekel betrachtet.

Eliza wächst recht wild auf. Mütterliche Fürsorge kennt sie nicht – die Amme ist nicht an den Kindern, sondern nur an dem Geld interessiert, das sie ihr einbringen. Ihre Tochter verdingt sich ebenfalls als Amme – ihr Milchkind ist die kleine, sehr zarte Tochter aus dem adligen Haus in der Nachbarschaft (ehelich geboren …). Als die Mutter nach längerem Auslandsaufenthalt, zur Erholung nach der schweren Geburt, ihre Tochter abholen will, soll ihr die leibliche Tochter der Amme untergeschoben werden. Eliza, inzwischen ca. acht Jahre alt, verhindert das. Sie bekommt als Spielgefährtin der kleinen Triz Zugang ins Herrenhaus. Nach dem Tod des Hausherrn, Eliza ist inzwischen ein Teenager, müssen Triz und ihre Mutter England verlassen. Lady Heriot rät Eliza, sich bei den Anwälten ihres Vormunds Oberst Brandon zu melden.

So kommt Eliza nach Delaford und bei Elinor und Edward Ferrars unter. Oberst Brandon und Marianne sind in Indien. An dieser Stelle beginnt eine unangenehme Überraschungsreihe für Fans von Jane Austen: Joan Aiken gibt sich große Mühe, die aus Jane Austens Original liebgewordenen Charaktere niederzumachen. Edward ist verbittert, geizig und auch gegenüber Elinor streng und bevormundend. Elinor ist eine vergrämte Frau, grau, mager und geduckt. Die Tochter der beiden, die Eliiza später kennenlernt, scheint eher aus Robert Ferrars Holz geschnitzt zu sein – egoistisch und überheblich, dabei ignorant. Und Mrs. Dashwood leidet an Alzheimer …

Rendicion de Ciudad Rodrigo (Espana) 1812

Bei der Schlacht um Ciudad Rodrigo kommt Oberst Brandon ums Leben – das erfährt Eliza in Portugal

Die Ferrars können es sich nicht leisten, Eliza bei sich zu behalten, schicken sie nach Bath zu einer entfernten Verwandten und in die Schule. Eliza hat es nicht leicht, findet sich aber ab und verbringt vier Jahre recht geruhsam in Bath. Mit Unterrichten an der Schule, vor allem Musikunterricht, verdient sie sich etwas Geld. Der Haushalt ihrer “Gastgeberin” ist wohl situiert. Dann fällt Eliza auf einen charmanten Jüngling rein – obwohl sie der Vergewaltigung entgeht, ist ihr Ruf hin. So kommt sie zurück nach Delaford, wo gerade eine Überschwemmung schlimmen Schaden angerichtet hat. Sie macht sich im Haushalt der Ferrars nützlich, pflegt die schwer erkrankte Elinor. Dann ruft man sie nach Bath zurück – ihre Gastgeberin ist ebenfalls erkrankt. Eliza bringt sie vom Laudanum und Brandy ab, erfährt etwas über ihre Mutter und den möglichen Namen ihre Vaters. Doch statt eines gemütlichen “Weiterso” muss sie Bath nach dem Tod ihrer Gönnerin verlassen. Sie landet in London, erfährt noch mehr über ihre Eltern, besonders über das Schicksal ihrer Mutter. Deren Gönner nimmt sich – in väterlicher Art – ihrer und ihres Musiktalentes an. Ein Brief aus Portugal von Lady Heriot ruft sie nach Süden. Und dort erfüllt sich dann ihr Schicksal, nicht ohne, dass noch einige dramatische Dinge passieren. Dort trifft sie dann auch Marianne Brandon, die inzwischen verwitwet ist.

Joan Aiken hat eine spannungsgeladene Geschichte verfasst, ohne Zweifel. Ihre Einblicke in die dunkleren Seiten der Gesellschaft um 1815 sind eindrücklich und informativ. Die Charakterveränderungen der Austenschen Figuren kann man sicher den – teils ja historischen –  Zeitläuften und Enttäuschungen zuschreiben, aber befriedigend ist das nicht. Die Chrakteranlagen bei Jane Austen bricht Joan Aiken ziemlich gewaltsam ins Negative. Insgesamt: Ein spannendes Buch mit faszinierenden Facetten – und ein paar Flecken in der Figurenführung 😉

Joan Aiken: Elizas Tochter, übersetzt von Renate Orth-Guttmann, Diogenes Verlag, Zürich, 1996, ISBN: 325706098x

Die Besprechung gehört in meine Reihe “beloved Jane”, die ich auf den 200. Todestag von Jane Austen im Juli 2017 hin gestartet habe.

Die fremde Königin von Rebecca Gablé

Nach Lektüre aller bisher erschienenen historischen Romane von Rebecca Gablé weiß ich nun wirklich, wie ihre Dramaturgie tickt – und kann trotzdem nicht aufhören zu lesen. Sie kann einfach erzählen. Und so habe ich auch dieses Buch bis nachts verschlungen – egal, dass es mitten in der Woche ist.

Adelheid und Otto I

Im Mittelpunkt steht als historische Figur Adelheid von Burgund, die zweite Ehefrau von König Otto I. Rebecca Gablé stellt ihr den – fiktiven – Panzerreiter Gaidemar zur Seite: Er ist an ihrer legendären Flucht aus der Gefangenschaft Berengars von Ivrea beteiligt, indem er sie und ihre Tochter Emma auf dem Weg nach Canossa begleitet. Auf Adelheids Seite folgen nun in getreuer Abbildung der historischen Ereignisse die Heirat mit Otto I, die Geburt der vier gemeinsamen Kinder, ihre Mitregentschaft und zum wahrlich krönenden Abschluss die Kaiserkrönung – Adelheid wird Kaiserin. Außerdem bekomme ich Einblick in die Familienverhältnisse der “Ottonen” und lerne kennen:

  • seinen vorehelichen Sohn Wilhelm, der Erzbischof von Mainz wird
  • seinen Sohn aus erster Ehe, Liudolf, der gegen den Vater rebellier
  • Heinrich, den Bruder Ottos, der nach langen Querelen sich widerwillig dem König unterordnete
  • Brun, den geistlichen der Brüder, Erzbischof von Köln
  • Mathildis, die Mutter der drei
  • und erzählenderweise Thankmar, Halbbruder der drei anderen, der bei der Erbfolge ausgeschlossen worden war.

Die Schwestern Ottos kommen nur am Rande vor.

Die Regierungszeit Ottos I war von vielen Auseinandersetzungen geprägt, an denen seine Brüder und Söhne ihren Anteil hatten – teils auf seiner Seite, teils gegen ihn. Die größte Schlacht seiner Herrschaft war die auf dem Lechfeld gegen ein übermächtig erscheinendes Heer der Ungarn, die Otto I und seine Leute wider alles Erwarten gewannen.

Meissner-dom-stifter

Diese Stifterfiguren von Otto I und Adelheid am Meißener Dom haben Charme – so wie Rebecca Gablé sie auch schildert. User:Kolossos, Meissner-dom-stifter, CC BY-SA 3.0

Die ganzen historischen Fakten hat Rebecca Gablé mit gewohnter Akkuratesse recherchiert und eingebunden. Die Quellenlage ist in vielen Details ziemlich gut. Aber natürlich schildern die Chronisten nicht jede Einzelheit im Tagesablauf, so dass sich hier der Freiraum ergibt, in dem sie ihre Figuren an uns heranholt: Adelheid und Otto sind ein harmonierendes Herrscherpaar – das wird wohl schon aus dem Quellen deutlich; Rebecca Gablé zeigt sie als Eltern, die um ein gestorbenes Kind trauern, als Liebespaar, als politisch und strategisch denkende Menschen und als fürsorgliche Eltern. Aber auch ihre schwachen Seiten: Misstrauen gegenüber Liudolf z. B., das von beiden unterschiedlich motiviert war.

Ein wichtiger Aspekt der Geschichten rund um Otto I sind die Slawen und die Ungarn – sie sind Ursache vieler Kämpfe, denn Otto hat die Slawen zwar unterworfen, es gibt aber immer wieder Rebellion und Widerstand. Otto will, im Gegensatz zu seinem Vater Heinrich, nicht nur Tribut, sondern die Christianisierung der Heiden. Eine zusätzliche Belastung im Verhältnis zu den unterworfenen Slawen … Einige slawische Figuren holen die den Helden fremden Anschauungen und Kenntnisse heran. Vor allem die Heilkunst wird da wichtig. Nicht nur Gaidemar profitiert davon. Auch Otto selbst erkrankt einmal schwer – in Köln, wo gerade eine Seuche wütet – und wird eben durch slawische Heilkundige gerettet.

Gaidemar – der fiktive Held von Rebecca Gablé

Gaidemar hat im Gegensatz zu Ottto, Adelheid und den anderen nichts. Er ist ein Bastard – er hat lange keine Ahnung, wer sein Vater ist, bis es ihm Wilhelm, der Bastard Ottos, erzählt. Das Rätsel um seine Mutter bleibt noch länger ungelüftet. Er hat als Panzerreiter einen Eid auf Otto I geschworen, den er nie bricht – auch nicht um der Freundschaft mit Liudolf willen. Doch Otto traut ihm nicht, lieber hört er auf seinen Bruder Heinrich. Der aber hat was gegen Gaidemar. Und ja, Gaidemar geht es zwischendurch immer mal wieder so richtig dreckig: Gefangenschaft und Folter, unfaire Angriffe seiner Gegner aus dem Hinterhalt. Dabei steht er, wie sich das für einen Helden von Rebecca Gablé gehört, loyal zu seinem König und erst recht zu seiner Königin.

750 Seiten umfasst der Roman und sie werden nie langweilig. Ich bin immer wieder fasziniert, wie Rebecca Gablé die Dramaturgie handhabt. Es gibt ruhigere Passagen, in denen ich  die Personen näher kennenlerne, es gibt die lustvollen Sexszenen, immer recht kurz und dadurch wenig aufdringlich, es gibt Passagen innerer Aufgewühltheit und dann die Kampf- und Kriegsszenen. An denen hat Rebecca Gablé offensichtlich Freude. Ihre Personen reden verständlich – die Anrede “Ihr” ist gebräuchlich, ansonsten klingen ihre Menschen aus dem 10. Jahrhundert sehr ähnlich wie unsereins. Das entspricht sicher nicht der historischen Realität, macht das Lesen aber deutlich einfacher. Ein historischer Schmöker, wie er beser nicht sein könnte. Ich ziehe meinen Hut vor Rebecca Gablé, die seit vielen Jahren immer wieder solche Bücher vorzulegen vermag. Und sich dann auch noch die Zeit nimmt, auf neugierige Fragen zu antworten 🙂 Vielen Dank!

Rebecca Gablé: Die fremde Königin, Bastei Lübbe Verlag, Köln, 2017, ISBN: 9783431039771

Die Stadtbibliothek Köln verfügt über eine große Anzahl Exemplare im Bestsellerbereich (2 Wochen Leihfrist, 2,- € Leihbegbühren) – hier ist ein “normales” Exemplar verlinkt.