Märchen in modernem Gewand von Nina Bodenlosz

Bei Büchern, die man lange nicht in die Hand genommen hat, kann schon mal die Erinnerung daran schwinden, was drin steht. So ging es Nina Bodenlosz mit ihrem alten Märchenbuch. Oder? In ihrem neuen Buch stellt sie jedenfalls 14 Märchen vor, “die sich neu erfunden haben“, wie der Untertitel verrät. „Dornröschen, wir müssen reden!“ lautet der Titel der Sammlung. Weiterlesen

Zufallsbuch #1: Der alte Garten von Marie Luise Kaschnitz

  • Kerstin Herbert Zufallsbuchgenerator LogoKerstin Herbert hat auf ihrem Blog in diesem Monat ein spannendes Projekt: Den Buch-Zufallsgenerator. Jeden Sonntag nennt sie eine Regalposition und das dort gefundene Buch sollen die, die mitmachen, dann vorstellen. Zufallsbuch #1 hat die Position “3. Regalreihe, 28. Buch“. Meine Frage lautet ja dann: Welches Regal …?
  • Eins der drei großen im Wohnzimmer mit den Büchern in zwei Reihen?
  • Eins der drei im Keller?
  • Das im Flur?
  • Oder eins der drei im Arbeitszimmer?

(Die rein fachbuchmäßig ausgelegten Buchregale meines Mannes lasse ich mal außen vor.)

Schwierig. Ich habe eins im Wohnzimmer gewählt, in dem genug Bücher in der ersten Reihe stehen und so wurde es: Marie Luise Kaschnitz, Der alte Garten.

Kerstin Herbert hat zum Zufallsbuch #1 auch ein paar Fragen:

  1. Worum geht es in dem Buch?
  2. Hast du das Buch schon gelesen? (Wenn ja, fandest du es? Wenn nein, warum nicht?)
  3. Wie hat das Buch den Weg in dein Regal gefunden?
  4. Wie lauten der erste und der letzte Satz?
  5. Wie viele Bücher umfasst deine Bibliothek insgesamt?

Zu Frage 1: Es nennt sich Märchen, ist auch eine Art Kinder-Entwicklungsroman und öko ist es außerdem 😉 : Zwei Kinder geraten in dem alten Garten in die unterirdischen Gefilde und bekommen mit, wie was im Garten lebt und wächst. Ihre Einstellung iat am Ende anders als am Anfang. Ist eine nüchterne Beschreibung eines sehr poetischen Buchs. Ich erinnere mich besonders an eine Szene am Anfang, als die geschrumpften Kinder den Weg durch eine Tulpenzwiebel versperrt sehen. Mit ihrer Kenntnis um die Schichten einer Zwiebel beginnen sie, die Schichten abzutragen, um so das Hindernis zu beseitigen – bis ihnen die Tulpenzwiebel klar macht, dass das weh tut. Märchen, ich sagte es 😉

Und damit bin ich bei Frage zwei: Ja, ich habe es gelesen und fand es wunderschön. Marie Luise Kaschnitz hat eine sehr poetische Sprache.

Zufallsbuch Der alte Garten Marie Luise Kaschnitz

zart gezeichnete Pflanzen und Tiere aus “Der alte Garten” von Marie Luise Kaschnitz – A. L. 1983

Zu Frage 3: Das weiß ich nicht mehr genau, aber es war noch zu Schulzeiten, vor 1983. Ich habe es damals meinem Mann geliehen und er hat mir ein Bild dazu gezeichnet (so haben wir das Jahre lang gemacht: Wenn wir voneinander Bücher liehen, lag bei der Rückgabe ein passenden selbst gemaltes Bild drin).

Frage 4:

Das Buch beginnt mit:

Mitten in der großen Stadt liegt ein sehr alter Garten. (S. 7)

Und es endet:

Aber das sagen alle Mütter, obwohl sie es im Grunde besser wissen (S. 183)

Zu Frage 5, die der Aufgabe beigegeben ist: Wie viel Bücher umfasst die eigene Bibliothek? Also im Wohnzimmer sind es rund 1200, im Keller rund 700, im Flur so 150, und im Arbeitszimmer 490. Macht in Summa: 2540 – so round about. Die, die darauf warten, in den offenen Bücherschrank zu wnadern habe ich jetzt nicht mitgezählt.

Marie Luise Kaschnitz: Der alte Garten. Ein Märchen, suhrkamp taschenbuch, Lizenzausgabe des Claasen Verlages, Düsseldorf, 1975.

Eine Hand voller Sterne von Rafik Schami als Buch für die Stadt

Die Häuser sind aus Lehm gebaut. In jedem leben mehrere Familien, und jedes Haus hat einen Innenhof, der allen Nachbarn gehört, sie zusammenbringt und streiten lässt. Das Leben der Erwachsenen findet in den Innenhöfen statt. Die Straße gehört uns Kindern, den Bettlern und den fliegenden Händlern. (Eine Hand voller Sterne von Rafik Schami, Beltz + Gelberg, Weinheim/Bergstraße,1987,S. 6f)

Biographie Rafik Schami

So schildert Rafik Schami die Gasse in Damaskus, in der er aufgewachsen ist in seinem ersten Roman „Eine Hand voller Sterne“ von 1987, dem diesjährigen „Buch für die Stadt“ in Köln.

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren – an welchem Tag ist unklar; in seinem Essay „Hürdenlauf“ (im Essayband “Damaskus im Herzen und Deutschland im Blick“; der Essay ist neben anderern aus dem Band die Grundlage für die folgenden biographischen EInzelheiten) schildert er die damalige Situation: 1946 gewann Syrien die Unabhängigkeit von der französischen Besatzung/Kolonialherrschaft. Da die Franzosen die Minderheiten ein bisschen besser behandelt hatten als die muslimische Mehrheit, fürchtete die aramäisch-christliche Familie Repres­salien und zog sich im Sommer ins Heimatdorf Malula zurück. Der Vater kehrte früh in die Stadt zurück, denn er hatte eine Bäckerei erworben; im Herbst folgte die ganze Familie und erst im Winter fand der viel beschäftigte Vater die Zeit, die Geburt seines Sohnes beim Amt zu melden. Da er nicht zugeben wollte, dass das Kind schon mehrere Monate zählte, gab er keine konkrete Angabe und der Beamte notierte eigenmächtig den 23.6. Weiterlesen

Lesung im Café Libresso

Die Sammel- und Redaktionstätigkeit der Brüder Grimm war ebenfalls Thema - und einige der Märchen im Programm stammen aus ihrer Sammlung

Die Sammel- und Redaktionstätigkeit der Brüder Grimm war ebenfalls Thema – und einige der Märchen im Programm stammen aus ihrer Sammlung

Wo ich gerade die anstehenden Termine vermeldet habe, möchte ich doch auch noch erzählen, wie es  mit meiner Lesung “Wie Märchen uns die Welt erklären” im Café Libresso am 16.8. gelaufen ist.

Eine neue Erfahrung für mich war der Szenenapplaus – nach fast jedem Märchen wurde geklatscht. Das war ein tolles Gefühl. In der Mitte des Vortrags gibt es dann ein bisschen Hintergrundwissen zum Märchensammeln im 19. Jahrhundert, zum ATU-Index und hier auch eine kleine Diskussion, die recht lebhaft ausfiel. Das war in dieser Form für mich auch neu – im Café Libresso gibt es halt öfter auch philosophische Diskussionen, das habe ich dem Publikum angemerkt.

Und wissen Sie, was das Schönste ist? Im Januar werde ich dort wieder lesen!

Am 10.1.2016, um 11 Uhr (Einlass ab 10 Uhr) und zwar zum Thema Mädchenliteratur.

Märchenstunde im Café Libresso in Köln

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Auch sie haben ätiologische Märchen in ihrer Sammlung – die Brüder Grimm

Ich freue mich sehr darauf, nächste Woche Sonntag im Café Libresso in Köln mit meiner Lesung “Wie Märchen uns die Welt erklären” zu Gast sein zu dürfen. Ab 10 Uhr können Sie dort Platz nehmen, um 11 Uhr beginnt die Lesung und insgesamt können wir uns dann bis 13 Uhr dazu austauschen.

  • Wo: Café Libresso, Fleischmengergasse 29 (gegenüber der Stadtbibliothek), 50676 Köln, Tel.: 0221-237379, Email: info@cafelibresso.de
  • Wann: So, 16.8.2015, 10-13 Uhr
  • Eintritt: 5,-/3,- €

 

Märchenstunde in der Buchhandlung Baudach

Mein nächster Lesungstermin steht vor der Tür:

Der Vollmond macht ein wunderbares Licht - warum er nicht jede Nacht scheint, erfahren Sie in einem meiner Märchen

Der Vollmond macht ein wunderbares Licht – warum er nicht jede Nacht scheint, erfahren Sie in einem meiner Märchen

Am 23.4.2015 lese ich in der Buchhandlung Baudach “Wie Märchen uns die Welt erklären” – es handelt sich um ätiologische Märchen aus aller Welt. Wenn Sie also wissen wollen, woher Sonne und Mond stammen, warum die Bohne eine Naht hat und anderes mehr – kommen Sie zur Lesung.

  • Wann: Donnerstag, 24.4.2015 umd 19:30 Uhr
  • Wo: Buchhandlung Baudach, Dellbrücker Hauptstr. 111, 51069 Köln
  • Eintritt: 5,- €/6,- € (VorverkaufAbendkasse)
  • Bestellmöglichkeit: Tel.: 0221 681425, E-Mail: info@buchhandlung-baudach.de

Ich Glückspilz … von Cornelia Boese

Bild zu Klassiker von Heike BallerLyrische Märchen möchte ich Ihnen heute vorstellen – und nein, es sind keine Kunstmärchen mit etwas esoterischem Touch, sondern ganz handfest Grimms Märchen in Reimform. Cornelia Boese  hat 170 (!) Märchen der Brüder Grimm neu getextet, sauber in Reim und Versmaß, mit Augenzwinkern und auf den Punkt. Zauberhaft!

Beispiel gefällig? Bitte sehr:

Es lebten einst, vielleicht noch heute

zwei königliche Eheleute,

die sehr betrübt gewesen sind:

Sie wünschten sich so sehr ein Kind,

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“…so etwas Süßes, Liebes, Kleines, …” Illustration von 1900 in einem polnischen Märchenbuch

so etwas Süßes, Liebes, Kleines,

sie kriegten aber leider keines.*

(Cornelia Boese: Ich Glückspilz, rief vergüngt der Hans, S. 90)

*Ist klar, oder? Es handelt sich um den Anfang von “Dornröschen“.

Cornelia Boese nutzt eine Vielzahl an Synonymen für alle Begriffe, um Abwechslung und Reimvielfalt zu gewinnen. Es macht wirklich Spaß, daraus vorzulesen (wenn man eine Begründung mit Bildungsziel braucht: Es ist garantiert eine Erweiterung des Wortschatzes zu erwarten! – Aber sowas braucht das Buch nicht!). Das gilt ebenso für ihre Vorstellung im Internet – Reim wirkt bei ihr völlig ungezwungen und natürlich.

Das Buch ist im Peter-Hellmund-Verlag in Würzburg erschienen, wie die Autorin selber auch eine Würzburgerin ist. Es ist liebevoll gestaltet, mit einem stabilen Schutzumschlag, mit Lesebändchen und in einem schönen satten Rot (der Schutzumschlag ist grün). Ein richtige bibliophile Freude!

So sauber wie das gereimt ist, gehört es eigentlich auch noch in die Rubrik “Hauptsache Lyrik” 😉 rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111.jpg

Cornelia Boese: Ich Glückpilz, rief vergügt der Hans, Peter-Hellmund-Verlag, Würzburg, 2012, 2. Auflage, ISBN: 9783939103240

Diese Rezension gehört in die Reihe 12 Monate, 12 Bücher, eine Blogparade von Eva Maria Nielsen.

Ach so: Das Zitat  im Titel, geht auf der Rückseite des Schutzumschlags weiter:

“… und trennte sich von seiner Gans”