Zum 130. Todestag von E. Marlitt

Die Gartenlaube (1868) b 021

So wurde E. Marlitt n ihren Lesern und Leserinnen vertraut – Bilder von ihr gibt es sonst so gut wie gar nicht. In dem Text unten wird sie als die Autorin der “Goldelse” und “Das Geheimnis der alten Mamsell” vorgestellt

Heute vor 130 starb die Starautorin der “Gartenlaube“; E. Marlitt hatte seit 1866 bis zu ihrem Tod für diese Familienzeitschrift geschrieben. Ihre Titel waren so erfolgreich, dass sich die Auflage der Zeitschrift während ihrer Schaffenszeit vervielfachte. Und sie gehört zu den Autorinnen, denen ich in meiner Kindheit begegnete (natürlich nur den Büchern …) und treu geblieben bin. Ja, ich stehe dazu – ich mag die Marlitt.

Im April wollte ich Ihnen eigentlich die Romanbiografie “Die Rache der alten Mamsell” von Herrad Schenk vorstellen; las sie noch einmal mit großem Vergnügen und stellte dann fest, dass ich das Buch bereits in der Anfangszeit meines Blogs vorgestellt hatte 😉

Was kann einer Frau des 21. Jahrhunderts an den alten Scharteken interessant erscheinen, fragen Sie sich? Nun gut, ich hab einen Hang zu Kitsch und Abenteuerlitereatur – denken Sie nur an meine Reihen über Karl May im Herbst und Winter. Wenn das aber das einzige Kriterium wäre, müsste ich auch die Bücher der Frau goutieren können, die mit E. Marlitt oft in einem Atemzug genannt wird: Hedwwig Courths-Mahler. Und das kann ich nicht. Deren Stil ist mir zu vage, zu schwülstig und der Gehalt so was von nicht vorhanden – Sie sehen, ich hab’s versucht 😉

Nun ist Marlitts Stil auch nicht gerade elegant oder im engerene Sinne literarisch; sie schildert manches sehr präzise, oft sehr stimmungsvoll und übertritt dabei so manches Mal die Grenze – eben zum Kitsch. Und das wurde auch zu ihrer Zeit schon so gesehen. Fontane hat sich entsprechend geäußert; ich ziehe das bekannte Zitat aus der Wikipedia:

„Die Sachen von der Marlitt (…) Personen, die ich gar nicht als Schriftsteller gelten lasse, erleben nicht nur zahlreiche Auflagen, sondern werden auch womöglich ins Vorder- und Hinterindische übersetzt; um mich kümmert sich keine Katze.“ Theodor Fontane  (Brief an Emilie Fontane, vom 15. Juni 1879)

Warum hat E. Marlitt geschrieben? Und was wollte sie mit ihren Büchern?

Geld verdienen war das eine; ihre Pension als gewesene Hofdame war nicht üppig, ihre Gesangskarriere musste sie aufgeben. Hinzu kam ihre Krankheit – Arthritis machte sie unbeweglich, bis hin zum Rollstuhl.

Aber sie wollte auch was sagen. Ganz klar hat sie sich in ihrer Zeit positioniert

  • gegen den Dünkel des Adels
  • gegen den skrupellosen Aufstiegswillen im Bürgertum
  • gegen die Machtbestrebungen der Kirche, besonders der katholischen
  • gegen, global gesagt, die soziale Ungerechtigkeit

Und das  alles in so einfachen Liebesgeschichten?

Ja. Wobei – sooo einfach sind ihre Geschichten nun auch wieder nicht gestrickt. Ich möchte Ihnen das anhand einiger Lektüreerfahrungen zeigen.

Das Geheimnis der alten Mamsell

Die Gartenlaube (1853) 001

Was für ein Idyll – so sollte sich die Leserschaft der “Gartenlaube” sehen.

Das war mein erster Kontakt mit E. Marlitt – eine Leseclub-Ausgabe im elterlichen Bücherschrank.

Was habe ich mit der armen Fee gelitten. Was habe ich die dünkelhafte Frau Helbig verabscheut. Aber worum geht es noch? Frau Helbig ist der Ausdruck heuchlerischer Frömmigkeit schlechthin; E. Marlitt führt in den Worten und Taten von Fee und der alten Mamsell freies Denken und Fühlen sowie ethische Gesinnung als Gegenbild vor.

Neben alltäglicher Heuchelei entpuppt sich das ehrenwerte Haus dann noch als Hort des Verbrechens – was dann nur die “guten” Charaktere zum Handeln zwingt.

Im Hause des Kommerzienrates

Der Titel im Titel lässt schon ahnen, in welchen Sphären  wir uns bewegen: großbürgerlich, reich und angesehen. Doch gleich am Anfang kommt es zu einer unschönen Szene, die ein Schlaglicht auf die Prioritäten einiger Figuren wirft: Es geht um Geld. Eigentlich wäre ja zu erwarten gewesen, dass als positiver Gegenpol zum gierigen Großbürger der Müller eine aufrechte Seele ist; weit gefehlt – er ist der Gierigste von allen. Seine Enkelin Käthe muss das erfahren – aufgewachsen fern der Heimat hat sie andere Prinzipien erlernt und sieht sich nun in ständigem Konflikt mit ihrer Verwandtschaft. “Hoch” und “niedrig” sind auch beim Geldadel relevante Kategorien zur Akzeptanz oder Ablehnung von Menschen. Der Kommerzienrat entpuppt sich als Schwächling. Die Industrialisierung mit ihren sozialen Folgen greift in die Lebensführung der Reichen ein. Der Kontakt mit den Arbeitern ist nicht konfliktfrei 😉

Ich hatte als Kind eine gekürzte Fassng des Buchs und kann noch heute in der ungekürzten Fassung die Passagen markieren, die für mich bei deren erster Lektüre “neu” waren.

Reichsgräfin Gisela

Hier bewegen wir uns einerseits in hochadligen Kreisen – auf der anderen Seite stehen die Dorfbewohner, die im Hüttenwerk arbeiten und die Pfarrersfamilie. Gleich zu Beginn wird ein Verbrechen geschildert, dessen Folgen die Personen in ihrem weiteren Leben bestimmen. Ich lasse die Geschichte um die Gräfin jetzt mal beiseite, in meinem Kontext hier ist das Engagement einer Figur, die von Brasilien aus Einfluss auf das Leben im Thüriger Wald nimmt, viel spannender: Der neue Hüttenbesitze aus Überseee baut nicht nur schmucke Häuser für die Arbeiter, sondern bietet ihnen auch Bildung, in Form von einer Bücherei z. B. Er fördert freien Gedankenaustausch in Vereinen.

Güldene Brücke 1

Uns erscheint das idyllisch – in “Reichsgräfin Gisela” werden die Schmelzwasser vielen Menschen zur Bedrohung. Christoph Radtke, Güldene Brücke 1, CC BY 3.0

E. Marlitt entwickelt am Anfang des Romans eine schaurige, reallistische Szenerie, als sie schildert, wie sich Wetterunbilden auf die Lebenserwartung der Menschen auswirken, die auf den Höhen des Thüringer Waldes oder nahe den Gewässern wohnen: Schneemassen schneiden Siedlungen von der Außenwelt ab, Schmelzwasser führen zu Überschwemmungen und jede nur ein bisschen geringere Ernte hat Hunger und Tod im Gefolge. Das ist nix zum Zurücklehnen – das hat Anflüge vom Weberlied. Und das ging bis ins 20.Jahrhundert so. Mein Vater und seine Familie wurden nach dem Krieg und der Flucht in einem thüringischen Dorf angesiedelt – sie haben unter Schmerzen erfahren, wie es ist, wenn es nicht genug gibt, schon mal gar nicht genug, um noch was an Flüchtlinge abzugeben.

Fazit

Mag E. Marlitt auch sprachlich manchmal etwas schwülstig daherkommen, ihre Bücher haben durchaus Anliegen, nehmen Bezug auf die gesellschaftliche Situation. Nur unterhalten wollte sie nicht. Bilden wollte sie. Deshalb sind ihre Frauengestalten auch so plastisch, im Positiven wie im Negativen. Ihr Ideal war der frei denkende Mensch, der aus Überzeugung moralisch und liebevoll agierte – und das Ideal galt für Männer wie Frauen. (Ja, ihr Frauenbild, ihre Vorstellung vom “Frauenberuf”, wie es immer heißt, ist nicht mit unserem vergleichbar – aber “die mitringende Gefährtin”, die sich Dr. Bruck “Im Hause des Kommerzienrates” wünscht, ist eben nicht nur Heimchen am Herde). So gibt es die trivialen Elemente in ihren Büchern, aber eben auch die anderen. Für mich sind die Bücher der Marlitt gute alte Bekannte, ein bisschen schrullig vielleicht, aber im Großen und Ganzen liebenswert.

Rückblick auf die LitBlog Convention 2017

Zum 2. Mal haben Kölner Verlage (Bastei Lübbe, Kiepenheuer & Witsch, DuMont Kalender Verlag, Community Editions und von außerhalb kam Diogenes dazu) Bloggerinnen und Blogger zu einem gemeinsamen Tag im Gebäude des Bastei-Verlages geladen – die LitBlog Convention 2017. Einblicke in Verlagsarbeit, Kontakte mit Autorinnen und Autoren und insgesamt eine tolle Atmosphäre – das macht diese Zusammenkunft aus.

Aus dem breit gefächerten Angebot habe ich mir folgende Sachen ausgewählt:

“Buchhandwerk” bei der LitBlog Convention 2017

LitBlog Convention 2017 Handlettering mit Suse Engel, vorbereiteter Tisch

Stifte, Begrüßungskärtchen und Übungsaufgaben für alle

Handlettering mit Suse Engel – für mich eine Herausforderung, da ich auf dem Gebiet nicht besonders begabt bin. So einladend war der Tisch vorbereitet – s. links.

Und weil ich schon mal beim “Handwerklichen” war, bin ich als nächstes zu dem Vortrag von Hanne Mandik gegangen, in dem sie uns erzählte, was zwischen Manuskriptabgabe und Auslieferung passiert.

Die eine Seite ist die zeitliche Planung – immer schön rückwärts rechnen:

Erscheinungstermin – Auslieferungstermin an Buchhandlungen – Drucktermin – spätestmöglcher Zeitpunkt zur Manuskriptherstellung. Klingt erst mal einfach. Aber, dann gibt es ja noch die Leseexemplare für die Buchhandlungen – fast der gleiche Zirkel an Abläufen und damit eine Vorverlegung der Manuskriptfertigstellung um rund ein Vierteljahr …

Zur Produktion eines Buches gehört aber viel mehr – auf die Layout-Gestaltung freut sich Hanne Mandik immer besonders und präsentiert das an einem Kochbuch und an einem kompliziert zu erstellenden Band zu der Serie “Twin Peaks” – sie muss Schriftarten finden, die Verteilung von Text und Bildmaterial einerseits abwechslungsreich, andererseits mit einheitlichem Konzept planen, es gilt die Papierqualität für die Art der Bilder sinnvoll auszuwählen. Das alles betrifft “nur” das Innere des Buches. Aber auch Einband,  Bindung und ggf. Schutzumschlag müssen bedacht werden.

LitBlog Convention 2017 Buchgestaltung

Die Farben der Illustrationen und des Covers als Muster, eine Farbkarte für Vorsatzpapier und Muster verschiedener Kopfbändchen – es wurde in zwei Gruppen lebhaft diskutiert

Und da kamen wir als Boggerinnen zum Zuge – ein in der Planung befiindliches Buch ist so weit, dass die Farben für Illustrationen fest stehen – jetzt müssen das Vorsatzpapier und das Kopfbändchen gewählt werden. Kopfbändchen? Ja, gibt es. Das ist das völlig unscheinbare kleine bisschen Stoff, das den Buchblock oben und unten im Einband abschließt. Fällt nie auf. Aber wehe, es passt mal nicht … Hanne Mandik sagte, sie wolle beide Vorschläge, die bei uns rauskamen mit in die entsprechende Konferenz nehmen. Im Herbst werden wir sehen, wofür man sich entschieden hat 😉

Die obere Farbkarte auf dem Bild ist übrigens die für den Leineneinnand – den kann man aus bereits gefärbtem Leinen herstellen und mit Titel, Austor usw. bedrucken (auch Prägungen sind möglich) oder weißen Stoff verwenden und den dann im Ganzen farbig bedrucken. Lesebändchen und farbiger Schnittt sind weitere Aspekte der Buchgestaltung.

Danach gabs die wohl verdiente Mitagspause 🙂

Autorinnen kennlernen bei der LitBlog Convention 2017

Im Nachmittagsangebot gab es dann ein Gespräch zwischen Dana Geissler, der Moderatorin, und den Autorinnen Anna Basener und Petra Hülsmann zum Thema Heimatgefühle.

LitBlog Convention 2017 Anna Basener

Anna Basener ließ hier die Omma aus ihrem Roman zu Wort kommen

Es war sehr charmant gemacht – vor allem Anna Basener hatte eine nette Art, das “Ruhrdeutsch”, wie sie immer sagte, dann auch mit einzubringen. Ihre vorherige Karriere als Groschenheft- und Ratgeberautorin kam ebenfalls ausführllich vor. Petra Hülsmann erzählte von der Liebe zu ihrer Wahlheimat Hamburg. In ihrem neuen Buch geht es ums Segeln – da sie selber keine Ahnung davon hat und keine Erfahrung auf Wasser, kommen die armen Protagonistinnen nie in den Genuss, das im Buch auszuleben ;-). Ein Einblick in die Arbeit zweier junger Autorinnen. Spannend fand ich Anna Baseners Hinweis, dass sie bei diesem Debutroman sich einer vorherigen Planung völlig verweigert habe – das sei im Rahmen von Groschenheften und Genreliteratur so üblich, dass sie hier mal völlig anders arbeiten wollte. Wie es ihr geglückt ist, werde ich berichten – ich hab ihren Roman jetzt vorliegen. Ihr Tipp an alle, die sich im Romanschreiben üben wollen: einen Heftroman verfassen, nach den strengen Mengen und Dramaturgierauflagen, die die Verlage da so haben. Tipps dazu in ihrem Ratgeber …

LitBlog Convention 2017 Mara Giese

Mara Giese von Buzzaldrins Bücher bei ihrem Vortrag

Mein vorletzter Termin auf der LitBlog Convention 2017 war Mara Giese, die aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen berichtete, wie man erfolgreich als Buchbloggerin agiert. Interagieren mit anderen – Blogs, Kommentratorinnen und Kommentatoren, auch in den Social Media – ist das Wichtigste.Leserinnen und Leser ernst nehmen. Gesicht zeigen, was von sich selber preis geben. Und bitte nicht nach 2 Wochen aufgeben  😉 Besonders spannend fand ich bei diesem Beitrag die Diskussion im Anschluss mit den Vertreterinnen der Verlage, die im Raum waren:

Es wird keine Lobhudelei erwartet, mal ein zugesandtes Buch nicht besprechen zu können ist kein Beinbruch, Kommunikation mit den Verlagsleuten ist immer erwünscht und bei Twitter & Co helfen Verlagshastags, dass die Pressestellen und anderen im Verlag mitbekommen, wenn wir dort was posten.

LitBlog Convention2017 Rebecca Gablé

Rebecca Gablé beantwortete alle Fragen engagiert und lebhaft

Auf den letzten Slot habeich mich sehr gefreut – Rebecca Gablé war da und hat mit ihrem Lektor ein Gespräch über ihre Arbeit geführt. Planung eines Romans, Dauer des Schreibprozesses, wie die Figuren sie finden, welche Einzelheiten für die historische Genauigkeit relevant sind – einmal durch den Garten quasi. Das alles vor allem anhand ihres aktuellen Romans “Die fremde Königin” – aber es gab immer auch Bezüge zu ihren anderen Büchern, auch zu meinem Alltime-Favoriten “Von Ratlosen und Löwenherzen“, den ich allen ans Herz lege, die sich für England im Mittelalter interesisieren. Sie ist tatsächlich so lebhaft und charmant, wie sie erzählt. Es war eine Freude.

Insgsamt war ein prall gefüllter Tag mit vielen Gesprächen, Kontakten und Austausch. Zum Come together udn Abendbuffet war ich leider nicht mehr dabei – es muss aber sehr schön gewesen sein, wenn man den Äußerungen bei Twitter glauben soll.

Für mich besonders interessant sind die Einblick in die Verlagsarbeit – dieses Jahr zur Produktion, letztes Jahr zur Covergestaltung. Ich freu mich schon auf 2018.

Die Watsons von Jane Austen und David Hopkinson

rp_Bild-historisches-300x1993-300x199-300x199.jpgTatsächlich gibt es mehrere Fortsetzungsversuche zu dem Fragement “Die Watsons”, das Jane Austen 1804 begann und nach dem Tod ihres Vaters nicht vollendete. Mir liegt die vor, in der David Hopkinson, der allerdings namentlich nicht genannt wird, im Nachwort die Erzähltradition von Janes Familie betont, in die er sich einreiht. Die Info, dass es sich um ihn handele, habe ich von einer deutschsprachigen Seite zu Jane Austen.

Den Beginn des Romans habe ich ja bereits bei meiner Besprechung von “Lady Susan” vorgestellt: Emma Watson, nach 14 Jahren der Trennung wieder bei ihrer Familie gelandet, gewinnt durch ihre Freundlichkeit gegenüber einem zehnjährigen Jungen auf einem Ball die Aufmeksamkeit einiger Menschen, darunter dreier junger Männer, die unterschiedlicher nicht sein können:

  • Tom Musgrove, ein Lebemann aus dem Ort, der laut ihrer Schwester Elizabeth mit jeder Frau zu flirten versucht, sich aber nicht festlegen will
  • der junge Lord Osborne, gesellschaftlich eher ungeschickt und recht wortkarg
  • Mr. Howard, der ehemaliger Lehrer Lord Osbornes und jetzt als Pfarrer der Gemeinde tätig

Noch vor Abbruch ihres Manuskripts fürhrt Jane Austen weitere Familienmitglieder von Emma ein:

  • Robert Watson, der älteste Bruder, ist Anwalt und hat die Tochter seines Dienstherrn geehelicht; all’ sein Sinnen und Trachten ist “Geld” – erlangen, verwalten, vermehren
  • seine Frau Jane ist sehr von sich und ihren 6000 Pfund eingenommen – noch unsympathischer als ihr Mann
  • Margaret, Emmas nächstältere Schwester, schwärmt ausdauernd für Tom Musgrove, ist launisch und zänkisch

Dann gibt es noch den jüngeren Bruder Sam, von dessen Hoffnungen auf die attraktive Miss Edwards Elizabeth ihre Schwester Emma vor dem Ball in Kenntnis setzte. Er macht eine Ausbildung als Wundarzt. Die letzte Schwester, die gerade eine Freundin besucht, heißt Penelope und ist nach Aussage von Elizabeth sehr darauf aus, sich möglichst gut zu verheiraten und immer bereit, für ihren eigenen Vorteil andere zu übervorteilen. Beide Geschwister haben im Teil, den Jane Austen verfasste, noch keinen Auftritt.

Mit dem 6. Kapitel setzt die Handlung ein, die David Hopkinson anhand der Vervollständigungen aus dem Familienkreis (Nichte und Großnichte von Jane) als so besonders nah an Jane Austens eigenen Plänen hält: Emma freundete sich nicht nur mit der Mutter ihres zehnjährigen Tanzpartners und dem dazugehörigen Bruder bzw. Onkel, also Mr. Howard, an, sondern auch mit der Schwester von Lord Osborne. Mit den auch bei Jane Austen üblichen Verwicklungen  – Emma sieht sich zwei Verehrern ausgesetzt, Henrietta Osborne spielt mit dem ihren – findet Emma am Ende ihr Glück, ebenso wie ihre Freundin Henrietta. Der  missgünstigen Schwester ist solch Glück nicht beschieden.

Chawton Church, Steventon, Hampshire

Die Kirche in Steventon,, wo der Vater von Jane Austen Pfarrer war – ihr Sehnsuchtsort auf dem Land, ähnlich wie für Emma, die das Stadtleben nicht mag.

Auch wenn David Hopkinson sich auf die Erzähltradition der Familie von Jane Austen berufen kann – die subtile Leichtigkeit seines Vorbilds fehlt ihm. Das gilt großenteils vor allem für die Sprache, aber auch die Verknüpfung der einzelnen Handlungsfäden wirkt gelegentlich etwas forciert. Auch die Meinungen, die die Figuren vortragen, sind deutlicher formuliert, als es zu Beginn des 19. Jahrhunderts möglich oder schicklich gewesen wäre. So antwortet Emma auf eine Frage nach ihrem Lebensziel

Aber man bewahre mich vor der Sklaverei, en grande dame leben zu müssen – ich wurde nicht so erzogen, und nichts als Brauchtum kann solche Ketten leicht und elegant erscheinen lassen. (S. 74)

Im Großen und Ganzen finde ich, dass David Hopkinson seine Sache gut gemacht hat – meine Neugier nach der Entwicklung der von Jane Austen vorgestellten Personen hat er angenehm befriedigt.

Jane Austen: Die Watsons, übersetzt von Elizabeth Gilbert, Droemer Knaur Verlag, München, 1978, ISBN: 3426006839

Wie Sie sehen, habe ich mir ein antiqarisches Schätzchen besorgt. Im dtv-Verlag gibt es das Buch aber noch.

Dieser Beitrag gehört in meine Reihe zum 200. Todestag von Jane Austen im Juli “Beloved Jane”.

Oh ein Tier von Felix Bork

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgMan sollte doch die Angaben zu Umfang und Größe eines Buchs lesen – als mich das Paket mit dem Buch von Felix Bork erreichte, war ich erst mal baff: ein Monstrum! Okay, übertrieben, aber Größe und Gewicht von einem Museumskatalog mittlerer Größe hat das Werk schon.

Und wie siehts drinnen aus?

Bunt 🙂

Viele der illustrationen von Felix ork sind ebenso korrekt wie ein Foto - allerdings käme bei ihm der Rosenkäfe ohe das Blatt darunter daher. Foto: Heike Baller

Viele der Illustrationen von Felix Bork sind ebenso korrekt wie ein Foto – allerdings käme bei ihm der Rosenkäfe ohne das Blatt darunter daher. Foto: Heike Baller

Und durchaus informativ, auch wenn bei manchen der kindlich anmutenden Bilder was anderes zu erwarten wäre. Felix Bork stellt auf diese unkonventionelle Weise alle möglichen Tiere vor, die in unseren Breiten leben. Jedem Abschnitt ist ein offensichtlich von Hand bearbeiteter informativer Text vorangestellt – unverständliche Wörter werden ersetzt (teils mit den drastischen Ausdrücken der Alltagssprache 😉 : Abdomen = Arsch), es gibt Seitenangaben, um die entsprechenden Informationen im Buch zu finden und Verweis innerhalb des Textes, damit man nicht frustriert zu lesen aufhört. Die Darstellungen der Tierwelt gibt es in seriös – also korrekte Illustrationen, in Comicform – kleine Geschichten mit absurdem Inhalt, um Wörter zu erklären, als eine Art Kinderzeichnung oder als Verweigerung – bei den Fischen gibt es einige Doppelseiten mit Blautönen und Fischschemen, weil,  so die Erklärung, sie unter Wasser so schlecht zu erkennen sind.

Felix Bork legt hier eine Mischung von Information und Spaß vor, die sich dazu eignet, gemeinsam beguckt zu werden. Als Erwachsener sollte man sich allerdings nicht vor allzu viel deftiger Sprache fürchten 😉

Ein ungewöhnliches Sachbuch mit Spaßfaktor. “Bestimmungsbuch” – na ja, zum Mit-Raus-Nehmen ist es aufgrund seines Umfangs nicht wirklich geeignet.

Felix Bork: Oh, ein Tier! Bestimmungsbuch mit fast allen hemischen Arten, Eichborn Verlag, Köln, 2017, ISBN: 9783847906339

Das Buch zu Sherlock Holmes ist verlost

Da hatte Martin ja richtig was zu wühlen – 27 Kommentare zum Buch über Sherlock Holmes macht 27 Zettelchen:

So voll war der Lostopf selten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einem gründlichen Tauchgang brachte Martin diesen Zettel zum Vorschein:

Gratulation an Kerstin, die Wortspielerin!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das wars dieses Jahr hier mit der Aktion “Blogger schenken Lesefreude” – andere Verlosungen (auch die von Kerstin, wie ich eben gesehen habe) gehen noch weiter; viel Spaß beim Stöbern 🙂 Und bis nächstes Jahr 🙂

Das Perlenbuch ist verlost

Martin hatte heute seinen ersten Einsatz seit langem, es galt die Namen derer zu ziehen, die das Perlenbuch gewinnen:

7 Zettelchen liegen bunt durcheinandergewürfelt in der Schale - welche Namen kommen raus?

7 Zettelchen liegen bunt durcheinandergewürfelt in der Schale – welche Namen kommen raus?

Es sind so schöne Geschichten, die zu Perlen und Perlenschmuck zusammengekommen sind – gut, dass hier das Los entscheidet und nicht ich, denn dann hätte ich ein paar Bücher dazukaufen und alle beschenken müssen; lesen Sie selber noch mal in die Kommentare hinein.

Ich selber habe auch ein paar Perlenschmuckstücke geerbt und trage sie gern.

Ach ja, ein Kommentar hat sich ein bisschen verlaufen ;-), aber auch die Liebhaberin teils skurriler Perlenketten war mit im Lostopf ;-).

 

Und wer hat nun die beiden Exemplare vom Perlenbuch gewonnen?

Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt

Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Herzlichen Glückwunsch!

Blogger schenken Lesefreude 2017

rp_blogger2015-300x156.pngHeute ist es wieder so weit: Welttag des Buches ist heute und heute startet – nicht nur bei mir – eine Verlosungs- oder Verschenkaktion rund ums Buch, dank der Leute, die “Blogger schenken Lesefreude” ins Leben gerufen haben.

Hm, Lesefreude bedeutet ja für viele Unterschiedliches, sprachlich wie inhaltlich. Deshalb ist es gut, dass so viele Bloggerinnen und Blogger an der Aktion “Blogger schenken Lesenfreude” teilnehmen – irgendwen, der das verlost oder verschenkt, was gerade Sie interessiert, finden Sie da bestimmt. Und Sie haben die Möglichkeit, unterschiedliche Literatur- und Buchblogs kennenzulernen, wenn Sie mit dem Slogan durchs Netz surfen oder der Teilnehmerliste folgen.

Bei mir gibts ein etwas älteres Schätzchen zu gewinnen – “Die Welt des Sherlock Holmes” von Maria Fleichhack. Eine spannende und informative Lektüre.

Sie sind interessiert? Dann kommentieren Sie doch bitte diesen Beitrag bis zum 30.4.2017 um Mitternacht – Martin wird den Tag der Arbeit dann mit der Verlosung beginnen 😉 Bitte geben Sie Ihre Mail-Adresse an, damit ich Sie im Falle eines Gewinns benachrichtigen kann (sie wird nicht veröffentlicht). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es handelt sich um ein gelesenes Exemplar.

Martin bei der Arbeit - so sieht das dann am 1.5.2017 auch aus

Martin bei der Arbeit – so sieht das dann am 1.5.2017 auch aus

Perlen – ich verlose das Buch von Rolf-Bernhard Essig

Gestern habe ich Ihnen das Büchlein von Rolf-Bernhard Essig vorgestellt:

Rolf-Bernhard Essig: Perlen, Perlen, Perlen. Eine Liebeserklärung in sieben schimmernden Kapiteln, Illustrationen von Birgit Schössow, mareverlag, Hamburg,  2017, ISBN: 9783866482500

Der Verlag hat mir freundlicherweise zwei Exemplare für eine Verlosungsaktion zur Verfügung gestellt. Wenn Sie also mögen:

Erzählen Sie hier in den Kommentaren, was Sie mit Perlen verbinden.

Eine besodners geformte Perle - Perlen sind ja nicht nur rund

Eine besodners geformte Perle – Perlen sind ja nicht nur rund

  • Ist es eher der Gedanke an ältliche Damen der Bekannt- oder Verwandtschaft?
  • Oder hängt an Ihrem Perlenschmuck eine schöne Geschichte?
  • Oder was ganz anderres?

Sie haben Zeit bis zum 23.4. um 23.59 Uhr – danach ist Martin dran (er freut sich schon sehr, mal wieder einen Einsatz zu haben).

  •  Bitte geben Sie Ihre Mail-Adresse an, damit ich Sie im Falle eines Gewinns benachrichtigen kann (sie wird nicht veröffentlicht). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Martin waltet dann am 24.4.2017 seines Amtes – und dann machen sich die beiden Bücher auf die Reise.

Viel Glück!

 

Perlen, Perlen, Perlen von Rolf-Bernhard Essig

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgIm Vorwort gibt Rolf-Bernhard Essig ein winzigen Hinweis auf seine Verbindung zu Perlen – Kleopatra und Asterix haben damit zu tun. Klingelt’s schon? Sein Nachmname übrigens auch.

Aber jetzt, oder?

Okay, dann mach ich es wie der Autor und sage: “Später mehr dazu.” Und konzentriere mich zuerst auf das schimmernde Büchlein, das der mareverlag da herausgegeben hat. Sieben schimmernde Kapitel werden versprochen, eine Illustration, deren Stil ein bisschen an die 50er Jahre und die Diven von Hollywood denken lässt – das macht neugierig. Tatsächlich hat Rolf-Bernhard Essig einiges zu bieten:

  • Kulturgeschichte in Europa und Asien
  • Naturkunde
  • Methoden der Perlenzucht
  • Volkskunde
  • Kunsthandwerk
  • Geschichte
  • Märchen
  • Literatur

Michelangelo Caravaggio 064

Perlen in der Kunst – eine Herausforderung an den Maler

und eben was zu Asterix und Kleopatra. Es geht um die Szene, als Kleopatra in Essig (!) gelöste Perlen zu sich nimmt –  eine Initialszene für Rolf-Bernhard Essig (in meiner Familie ist aus dem Band der Satz “Mandeln – ich mag Mandeln” ein geflügeltes Wort).

Rolf-Bernhard Essig mäandert assoziativ durch sein Thema, auch wenn die sieben Kapitel durchaus einen inhaltlichen Zusammenhang haben. Es mutet wie ein Plauderei zu einem Lieblingsthema an. Sprachwitz legt der Autor dabei auch an den Tag. “Bezaubernde Bedeutungslosigkeit” als Einordnung einer Klatschapaltengeschichte klingt doch nett, oder?

Eine Geschichte in dem Buch hat es mir besonders angetan: Da wird Michelle Obama, zur Zeit der Abfassung noch First Lady der USA, nachts von Jackie Kennedy und Coco Chanel besucht und die drei Modequeens plaudern über Perlen und anderes. Sehr nett.

Man kann das Büchlein von vorne an weglesen – nett ist aber auch der Zugang übers Blättern und Stöbern. Ein kleines Bändchen, das ich sicher gern mal wieder zur Hand nehme.

Rolf-Bernhard Essig: Perlen, Perlen, Perlen. Eine Liebeserklärung in sieben schimmernden Kapiteln, Illustrationen von Birgit Schössow, mareverlag, Hamburg,  2017, ISBN: 9783866482500

PS: Ich hatte das Buch im Urlaub mit – das hatte Auswirkung auf mein Souvenir ;-):

Mein neuer Schmuck aus Perlen

Mein neuer Schmuck aus Perlen