Märchen in modernem Gewand von Nina Bodenlosz

Bei Büchern, die man lange nicht in die Hand genommen hat, kann schon mal die Erinnerung daran schwinden, was drin steht. So ging es Nina Bodenlosz mit ihrem alten Märchenbuch. Oder? In ihrem neuen Buch stellt sie jedenfalls 14 Märchen vor, “die sich neu erfunden haben“, wie der Untertitel verrät. „Dornröschen, wir müssen reden!“ lautet der Titel der Sammlung. Weiterlesen

Kinderbuchautor Paul Maar wird Gastprofessor

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Ausschnitt aus dem berühmten Doppelpoträt der Brüder Grimm von Elisabeth Jerichau-Baumann

In Kassel gibt es die Grimm-Professur – eine Gastprofessur, mit der Autorinnen geehrt werden, die in irgendeiner Weise mit den Brüdern Grimm verbunden sind; die Wahl für die Gastprofessur beeinflusst 2015 auch den Lehrplan. Dieses Jahr ist nun Paul Maar dran. Unter anderem, weil er in seinen Kinderbüchern immer wieder auf den literarischen Kanon – einschließlich Motiven der Grimmschen Märchen – rekurriert, aber auch weil seine Sprache literarischen Ansprüchen genügt.

Mit drei Veranstaltungen im Sommersemester ist er selber vor Ort:

  • 9. Juni (18 Uhr, Gießhaus) öffentlicher Vortrag
  • 10 Juni (12 Uhr, Gießhaus) ein wissenschaftliches Seminar zu seinem Buch „Kartoffelkäferzeiten“
  • 10. Juni (18 Uhr, Campus Center, Hörsaal HS-1139) liest er aus seinem neuen Roman „Der Galimat und ich“. Zu dieser Lesung sind Kinder ausdrücklich willkommen.

Am Institut für Germanistik gibt es einen Lehrschwerpunkt „Kinder Literatur Sprache“. Diese Einbindung in die Lehre ist in den 20 jahren, seit die Professur vergeben wird, erstmalig – 20 Veranstaltungen sind kein Pappenstiel, noch dazu wenn hier neben der Litertur- auch Sprachwissenschaft und Didaktik eine Rolle spielen.

Eine schöne Sache das 🙂

Links

Ich Glückspilz … von Cornelia Boese

Bild zu Klassiker von Heike BallerLyrische Märchen möchte ich Ihnen heute vorstellen – und nein, es sind keine Kunstmärchen mit etwas esoterischem Touch, sondern ganz handfest Grimms Märchen in Reimform. Cornelia Boese  hat 170 (!) Märchen der Brüder Grimm neu getextet, sauber in Reim und Versmaß, mit Augenzwinkern und auf den Punkt. Zauberhaft!

Beispiel gefällig? Bitte sehr:

Es lebten einst, vielleicht noch heute

zwei königliche Eheleute,

die sehr betrübt gewesen sind:

Sie wünschten sich so sehr ein Kind,

PL Or-Ot - Śpiąca królewna (1900) page02

“…so etwas Süßes, Liebes, Kleines, …” Illustration von 1900 in einem polnischen Märchenbuch

so etwas Süßes, Liebes, Kleines,

sie kriegten aber leider keines.*

(Cornelia Boese: Ich Glückspilz, rief vergüngt der Hans, S. 90)

*Ist klar, oder? Es handelt sich um den Anfang von “Dornröschen“.

Cornelia Boese nutzt eine Vielzahl an Synonymen für alle Begriffe, um Abwechslung und Reimvielfalt zu gewinnen. Es macht wirklich Spaß, daraus vorzulesen (wenn man eine Begründung mit Bildungsziel braucht: Es ist garantiert eine Erweiterung des Wortschatzes zu erwarten! – Aber sowas braucht das Buch nicht!). Das gilt ebenso für ihre Vorstellung im Internet – Reim wirkt bei ihr völlig ungezwungen und natürlich.

Das Buch ist im Peter-Hellmund-Verlag in Würzburg erschienen, wie die Autorin selber auch eine Würzburgerin ist. Es ist liebevoll gestaltet, mit einem stabilen Schutzumschlag, mit Lesebändchen und in einem schönen satten Rot (der Schutzumschlag ist grün). Ein richtige bibliophile Freude!

So sauber wie das gereimt ist, gehört es eigentlich auch noch in die Rubrik “Hauptsache Lyrik” 😉 rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111.jpg

Cornelia Boese: Ich Glückpilz, rief vergügt der Hans, Peter-Hellmund-Verlag, Würzburg, 2012, 2. Auflage, ISBN: 9783939103240

Diese Rezension gehört in die Reihe 12 Monate, 12 Bücher, eine Blogparade von Eva Maria Nielsen.

Ach so: Das Zitat  im Titel, geht auf der Rückseite des Schutzumschlags weiter:

“… und trennte sich von seiner Gans”

Grrrimm von Karen Duve

Passend zum Jubiläum der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen (KHM) im letzten Winter hat Karen Duve ihre kleine Sammlung eigener Bearbeitungen vorgelegt. Und das sind garantiert keine Kindermärchen.

Mit sehr viel Sinn für die Abgründe im menschlichen Gemüt geht Karen Duve Fragen nach, die Erwachsenen bei “unvoreingenommener” Lektüre der Märchen schon mal kommen können:

  • Was empfinden die Zwerge, wenn Tag für Tag ein wunderschönes Mädchen bei ihnen rumwirtschaftet?
  • Was passiert mit einem Prinzen, der 100 Jahre auf seine Prinzessin warten muss?
  • Was denken sich Feen eigentlich bei ihren Geschenken?
  • Können Wölfe, die sprechen, eigentlich “normale” Wölfe sein? Weiterlesen