Woodwalkers von Katja Brandis

Woodwalkers von Katja Brandis

Da hat sich Katja Brandis ja wirklich eine tolle (Doppel-)Reihe einfallen lassen! Gestaltwandler kennen viele sicher aus den Büchern um Harry Potter. Ähnlich wie bei Harry Potter haben wir es hier auch mit einer Schulgeschichte zu tun – doch geht es nicht um Zauberei. Oh nein. Gestaltwandlung ist was ganz Natürliches 😉 .

Was erzählt Katja Brandis?

Im ersten Band geht es um Carag, der als gestaltwandelnder Puma in genau so einer Familie aufwächst: Mutter, Vater, Schwester – alle der Gestaltwandlung fähig und vor allem Berglöwen. Auch in Menschengestalt bleibt ihnen ein Teil ihrer tierischen Fähigkeiten erhalten, v. a. der Geruchssinn. Aber auch klettern kann Carag besser als normale Menschenjungen.

Nachdem er einmal mit Mutter und Schwester in der Stadt gewesen war und ein Eis gegessen hat, will er auf Dauer bei Menschen leben. Und hat einen Plan: Er gibt vor, sich an nichts erinnern zu können. Klappt. Zumindest halb …

Er landet bei einer Pflegefamilie: Der Vater pedantisch, der Pflegebruder tyrannisch, die Pflegeschwester ein Zickchen und der Hund knurrt ihn jedes Mal an. Nur die Pflegemutter mag ihn wirklich. In der Schule wird er gehänselt – bekanntes Muster. Er bekommt die Möglichkeit, die Schule zu wechseln, denn es gibt noch mehr seiner Art. Nicht alles Pumas, oh nein: Streifenhörnchen, Bison, Wolf, Rabe, Ameise und Spinne – es ist alles vertreten. Bei den Schülerinnen und Schülern genau wie im Lehrkörper.

Puma in einem Baum. Als Illustration zu Woodwalkers von Katja Brandis - die Hauptfigu ist Puma und Mensch
So ein Puma ist schon ein schönes Tier. Und gefährlich. Carag ist das auch. USFWS Mountain-Prairie (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:8th_Place_-_Mountain_Lion_(7487178290).jpg), „8th Place – Mountain Lion (7487178290)“, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Und natürlich fehlt es nicht an Konflikten – zwischen den Jugendlichen wie auch zwischen Lehrern und Schülern. Nicht so einfach, als Wapiti-Hirsch einen Puma zu unterrichten, oder?

Schon im ersten Band kommt Carag gut in Bedrängnis – dabei bekommt er seinen großen Feind erst am Ende des Buches … Kein Wunder, dass Katja Brandis insgesamt sechs Bände vorlegen konnte. Und schon im ersten gibt es den Hinweis auf die Parallelreihe „Seawalkers“ …

Wie erzählt Katja Brandis?

Spannend und auch lustig. Was sie sich als Schimpfwörter so einfallen lässt, ist nett. Das Streifenhörnchen – ein Mädchen namens Holly – betitelt alles Gute mit Nusssmetaphern …

„Bei der großen Nussheit, ich hab bestanden!“, jubelte sie. „Man fällt nur mit ’ner Fünf durch!“

S. 215

Als ein Lehrer Carags Befürchtungen vor seinem Gönner erst nimmt, liest sich das so:

„Logisch“, sagte ich und fühlte mich so leicht wie ein Löwenzahnsamen. Endlich glaubte mir jemand!

S. 164

Sicher, das ist keine große Literatur. Aber eine spannende Geschichte, ansprechend erzählt. Ich habe den Band in zwei Stunden mit Vergnügen durchgeschmökert. Ein Kritikpunkt: Warum muss die Geschichte eienr deutschen Autorin in den USA spielen? Klar, Puma und Wapiti klingen besser als Rothirsch und Wildkatze. Ginge aber auch. Das Schulsystem könnte ein Grund sein – Internate sind in deutschen Geschichten nicht so gängig wie in angelsächsischen – enschließlich Enid Blyton 😉 Wahrscheinlich ist es die Entfernung, die die Geschichte „besser“ macht. Da ist was dran, Aufgestoßen ist es mir trotzdem.

Zweiter Kritikpunkt: Es gibt vieles, was man aus anderen Geschichten mit magischen Elementen oder aus Internatsgeschichten kennt. Gerade die Konfliktsituationen. Irgendwie sind die Kinder in solchen Geschichten nie in der Lage, Erwachsenen so zu vertrauen, dass sie mobbende oder prügenlnde Schulkameradinnen verpetzen oder sich fundiert über Misshandlung durch Lehrpersonen beschweren. Klar, das gehört zum Konzept, erscheint mir als Erwachsener aber ziemlich dämlich. Sorry.

An der Geschichte von Katja Brandis hatte ich trotzdem meinen Spaß 😉

Katja Brandis: Woodwalkers. Carags Verwandlung, Arena Verlag, Würzburg, 2016, ISBN: 9783401601960

Die Stadtbibliothek Köln hat diesen ersten Band und auch die folgenden, jeweils als Buch und Hörbuch.

Das „Referenzkind“, das mir das Buch geliehen hat, hofft sehr, dass die neue Reihe eher sechs als drei Bände lang werden wird. Das hängt von denen ab, die die Bücher kaufen … (Ich hab in den ersten Band reingelinst – das klingt sehr verwandt zu dem, was ich hier gelesen habe.)

Bisher gibt es noch keine Kommentare

Einen Kommentar hinterlassen

Ich akzeptiere