Poetica 4 – Lyrikfestival in Köln

Die Poetica hat 2018 nicht nur Lyrik zum Thema – in diesem Jahr geht um Verwandlungen: “Beyond identities” lautet das Thema. Und die erste “Literatur und Dialog”-Veranstaltung der Poetica “Von Tieren und Menschen” befasst sich mit Kafkas “Verwandlung”. Die Veranstaltungen der Reihe “Literatur und Dialog” sind Diskussionen, an denen sich auch das Publikum beteiligen kann. Diese hier findet am Dienstag, den 23.1.20178 um 14 Uhr im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln statt (im Hauptgebäude am Albertus-Magnus-Platz).

“Lesungen und Dialoge” heißt eine andere Reihe – hier kommen die Autorinnen der Poetica mit ihren Werken zu Wort und zwar zumindest immer drei.

Für Studierende der Universität gibt es zwei Workshops: Eine literarische Werkstatt mit der Kuratorin der Poetica, Yoko Tawada und einen mit Teju Cole (nicht öffentlich).

Kalligraphie ist bei einer japansichen Kuratorin kein wirklich überraschendes Moment, wenn auch die beschreibung der Veranstaltung durchaus Ungewöhnliches verspricht, denn Musik ist auch noch dabei.

Zum Schluss werden die Gedichte der Teilnehmerinnen “ins Szenische” übertragen – eine spannende Begegnung am Ende der Poetica.

Rosenkäfer Verwandlung Identität Poetica 4 2018

Ob Georg Samsa zu so einem schönenn Rosenkäfer wurde? Foto: Heike Baller

Das ausführliche Programm finden Sie hier.

Die Poetca 4 findet in diesem Jahr in der Zeit vom 22. bis 27.1.2018 statt. Orte sind die  Universität, das Internationale Kolleg Morphomata, das Literaturhaus Köln, das Japanische Kulturinstitut und die Zentralbibliothek Köln.

Die Teilnehmerinnen kommen zu einem großen Teil aus Asien: China, Japan, Südkorea, aber auch Niederlande, Deutschland und Dänemark sowie die Vereinigten Staaten von Amerika.

  • Yoko Tawada (Kuratorin)
  • Jaffrey Angles
  • Bei Dao
  • Anneke Brassinga
  • Teju Cole
  • Hiromi Itō
  • Kim Hyesoon
  • Barbara Köhler
  • Morten Søndergaard
  • Monique Truong
  • Jan Wagner

Poetica 3 – Lyrikfestival mit Tradition in Köln

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x150111111111111111.jpgSo ist das in Köln: Beim 3. Mal ist es eine Tradition. Und deshalb ist auch das Lyrikfestival Poetica nun eine Kölner Tradition. Es findet vom 9. bis 14.Januar 2017 statt, Orte sind die Zentralbibliothek am Neumarkt, das Depot 2 vom Schauspiel Köln, die Universität und das Wallraff-Richartz-Museum.

Thema dieses Jahr: Die Seele und ihre Sprachen

Die Auftaktveranstaltung mit den Autorinnen der Poetica findet am 9.1.2017 um 18 Uhr in der Aula II der Universität Köln statt.

Das Programm reicht von Veranstaltungen mit Diskussionsanteil über Lesungen bis zu Lehrangeboten für Studierende. Und auf diese Autorinnen und Autoren dürfen Sie sich freuen:

Aufstieg einer Minderheit – 500 Jahren Protestanten in Köln von Klaus Schmidt

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x15011.jpgErschreckend, dass hier in Köln zu Zeiten der Reformation Menschen ihrer Überzeugung wegen hingerichtet wurden. Klaus Schmidt schildert in den ersten Abschnitten seines Buches diese eher dunkle Zeit des Protestantismus in Köln anhand kurzer, prägnanter Porträts. Dass es Protestanten in Köln schwer hatten, war mir natürlich schon bekannt; auch Mühlheim als protestantischer Nachbar war mir bekannt, doch dass in Frühzeiten der Reformation Erzbischöfe mit diesem Projekt liebäugelten, war mir unbekannt.

Klaus Schmidt legt in seinem rund 150 Seiten umfassenden Buch die Geschichte der Protestanten in Köln sowohl mit der Schilderung der allgemeinen Ereignisse, als auch mit der einzelner Persönlichkeiten dar. Sie bietet damit einen überschaubaren knapp umrissenen Überblick. Bei manchen der historischen Ereignisse, gerade in der Frühzeit, wird entweder ein grundlegendes Wissen oder die Bereitschaft, sich Kenntnisse anzulesen, vorausgesetzt. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr Dokumente liegen vor und desto breiter wird die Schilderung. Da finden die quasi zeitgleich auftretenden Laura Oelbermann und Carl Jatho ebenso Raum, wie die kolonialen Bestrebungen des Kaiserreichs. Und natürlich ist auch die Haltung der evangelischen Kirche in der Nazi-Zeit Thema: Verhältnismäßig breiten Raum nehmen Kritikerinnen wie Georg Fritze und Ina Gschlössl ein; aber auch die willfährigen Helfer stellte Klaus Schmidt vor – beesonders tragisch im Fall des Theologen Ernst Flatow, der als konvertierter Jude durch den Stadtobermedizinalrat Carl Coerper nicht nur aus seinem Amt entfernt, sondern dessen Aufenthaltsort offiziell bekannt gegeben wurde – Ernst Flatow starb im Warschauer Ghetto.

Da Klaus Schmidt, inzwischen fast 81-jährig, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur Beobachter, sondern auch Akteur war – besonders im Rahmen der Politischen Nachtgebete mit Dorothee Sölle -, ist verständlich, dass die kirchliche Aufbruchsituation dieser Zeit – und bis heute –  breiten Raum einnimmt. So entsteht besonders gegen Ende des Buches ein breites Panorama kirchlichen Engagements, das durchaus eine persönliche Note trägt.

Adolf Clarenbach war der bekannteste der "Blutzeugen" der Reformation - 1529 wurde er mit Peter Fliestden zusammen verbrannt. Das bild stammt aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon

Adolf Clarenbach war der bekannteste der “Blutzeugen” der Reformationin Köln  – 1529 wurde er mit Peter Fliestden zusammen verbrannt. Das Bild stammt aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon

Insgesamt schreibt Klaus Schmidt einen angenehm lesbaren, teilweise lockeren Stil. Die Darstellungsweise erinnert an ein Mosaik, denn das Buch besteht im Großen und Ganzen aus den kurzen Schilderungen einzelner Gestalten und Ereignisse.

Ein gründlicheres Lektorat hatte diesem Band aus der Reihe „Kirchengeschichte regional“ jedoch gut getan um beispielsweise Uneinheitlichkeiten in den Zeitformen entgegenzuwirken oder die Textdoublette von S. 27 und 33 zu vermeiden. Im Großen und Ganzen handelt es sich um eine kompakte und informative Zusammenstellung der Geschichte der Protestanten in Köln. Ein Jahr vor dem Reformationsjubiläum eine interessante Neuerscheinung.

Klaus Schmidt: Aufstieg einer Minderheit – 500 Jahren Protestanten in Köln von Klaus Schmidt, in: Reiner Albert und Reiner Bendel (Hg): Kirchengeschichte regional, Band 6, Lit Verlag, Berlin, 2016. ISBN: 9783643133618

Wie der Dom nach Köln kam von Barbara Schock-Werner, Christoph Baum und Johannes Schröer

rp_Bild-Kinderbücher-276x3003-150x150.jpgEin richtig gutes Team, bestehend aus Barbara Schock-Werner und Johannes Schröer für den Text und Christoph Baum für die Illustrationen, hat ein Buch zum Kölner Dom gemacht, das “für alle” geeignet sein soll – für Junge und Alte, für Imis und Kölsche, und das den Dom in der Stadt thematisieren soll. Dieser Anspruch, den Dom in der Stadt zu inszenieren, war der Grund, dass Christoph Baum bei der Buchpräsentation einen Entschuldigungsbrief an den Dom verlas – er musste auf die Türme in seiner Darstellung verzichten, weil sie ein Format verlangt hätten, das in kein Regal mehr passt. Aber schließlich sollte auch das Drumherum des Doms mit ins Bild.

So ist es logisch, dass ein Buch über den Dom ohne den Dom beginnt – die erste der 14 Doppelseiten mit den großformatigen, kleinteiligen Bildern schildert den Bau der römischen Stadtmauer unter Kaiser Domitian. Die auf die Bilder folgenden Doppelseiten bringen im Text die Erklärungen – das veranlasst zum Zurückblättern, um die genannten Einzelheiten im Bild zu suchen (und dann noch andere zu finden). Von der römischen Stadtmauer geht es über die Blütezeit des römischen Köln direkt zu Erzbischof Anno und seiner Flucht und dann zum ersten Bauabschnitt.

Heutzutage hängt dieser Arbeitsplatz im Dachstuhl - früher schwebte man damit draußen an der Fassade ...

Heutzutage hängt dieser Arbeitsplatz im Dachstuhl – früher schwebte man damit draußen an der Fassade …

Hier ist der Freisitz aus dem Buch

Hier ist der Freisitz aus dem Buch

Die Texte auf den Erklärseiten sind leicht verständlich geschrieben, so dass das Buch dazu einlädt, es zusammen mit Kindern anzuschauen (die sehen noch viel mehr witzige Szenen und Figuren) – Barbara Schock-Werner wies darauf hin, dass das Format genau dazu passt, es über zwei Paar Beine zu legen 😉  Die Geschichte des Doms in Köln und die Geschichte Kölns wird bis heute geschildert – da der Dom jedoch die Hauptrolle spielt, sind viele, viele Jahre nicht berücksichtigt, denn die Baustelle ruhte über mehrere Jahrhunderte. So springt die Geschichte von 1300 bis 1700 und von dort direkt nach 1860. Die Frequenz der Darstellung im 20. Jahrhundert ist da sehr viel dichter: die Zeit vor dem ersten Weltkrieg, die Zeit zwischen den beiden Kriegen, das zerbombte Köln, die Jahre des Aufbaus, Papstbesuch 1980 und der bislang letzte Umbau der Domumgebung sind die Themen.

Ein einladendes Buch, um sich mit dem Dom und seiner Stadt zu beschäftigen. Neben der großformatigen Hardcoverausgabe, gibt es auch eine broschierte Ausgabe – die ist für Mitglieder (auch werdende …) des Zentral-Dombau-Vereins: Wer bis zum Jahresende Mitglied wird, erhält ein solches Exemplar. Ziel des Dombau-Vereins ist, im Jubiläumsjahr 2017 – der Verein wird 175 Jahre alt  – 17.500 Mitglieder zu haben.

Christoph Baum (Illustration), Barbara Schock-Werner, Johannes Schröer (Text): Wie der Dom nach Köln kam, herausgegeben vom Zentral-Dombau-Verein zu Köln von 1842, Greven Verlag, Köln, 2016, ISBN: 978-3-7743-0673-8

in dem Kasten (unterer Kreis) ging es zu einer Plankenbrücke (oberer Kreis), die dann in den Dachstuhl führt

in dem Kasten (unterer Kreis) ging es zu einer Plankenbrücke (oberer Kreis), die dann in den Dachstuhl führt

Und es soll keiner sagen, ich gäbe für dieses Blog nicht alles: Für die Vorstellung dieses Werks über den Kölner Dom hab ich mich in luftige Höhen begeben – sie fand im Dachstuhl des Doms statt. Und ich hab Höhenangst …

Erst grau dann weiß dann blau – Margriet de Moor hat das Buch für die Stadt geschrieben

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgUnd zwar schon vor 25 Jahren ;-). Es handelt sich um das Romandebut der Niederländerin Margriet de Moor; zuvor veröffentlichte sie zwei Bände mit Erzählungen. Anfang November beginnt die Veranstaltungswoche rund um das „Buch für die Stadt“ und mit diesem Beitrag möchte ich Ihnen einen kurzen Einblick in den Roman vermitteln, der dann eine Woche lang im Mittelpunkt vieler Veranstaltungen in Köln und Umgebung steht.

Zum Inhalt

Es ist ein Bericht in vier Teilen und jeder beschreibt aus der Perspektive einer anderen Person das Geschehen. Dabei geht Margriet de Moor sehr assoziativ und wenig chronologisch vor. Auch die Perspektive innerhalb eines Teils wechselt quasi ständig: Mal erleben wir die Ereignisse in der Ich-Perspektive, mal in der Er- oder Sie-Perspektive, mal tauchen wir förmlich in Gedanken und Gefühle ein, so dass sie ungefiltert ankommen, mal gibt es eine größere Distanz.

Die vier Personen sind zwei Männer und zwei Frauen, genauer gesagt zwei Ehepaare. Die beiden Männer, Erik und Robert, kennen sich von klein auf, die Frauen, Magda, Roberts Ehefrau, und Nellie – logischerweise die von Erik 😉 – lernen den jeweils anderen Mann und die andere Frau erst als Erwachsene kennen.

Erik

Das Buch setzt mit der Beschreibung eines normalen Morgens des Augenarztes Erik ein, der sich auf seinen Arbeitstag vorbereitet. Auf dem Weg in die Klinik sieht er im Garten von Robert und Magda einen der Hunde starr am Zaun stehen. Er hält an, steigt aus und geht ins Haus. Im ersten Stock macht eine erschreckende Entdeckung: Magda ist tot, offensichtlich erstochen und Robert kauert apathisch in einer Ecke. Seine Arme weisen Schnittverletzungen auf. Nach einer gewissen Schockstarre erledigt Erik, was zu tun ist und benachrichtigt die Polizei. In dem Gedankenkarussell, das ich als Leserin miterlebe, gehen diese aktuellen Ereignisse – Ankunft der Polizei, Aussagen gegenüber der Polizei, sich um Robert kümmern – fast unter. Weiterlesen

Crime Cologne und lit.Cologne spezial – September und Oktober in Köln

Boston 1

Parkbibliothek in Boston

Für beide Veranstaltungen hat der Vorverkauf bereits begonnen – wenn Sie also Interesse an Karten haben, sollten Sie sich schnellstmöglich über die jeweilige Website kundig machen und Ihre Karten bestellen:

Es lohnt sich in beiden Fällen.

Bei der Crime Cologne, die am 19. September beginnt, gibt es neben Lesungen und Gesprächen zum Beispiel auch ein Dinner zum 100. Geburtstag von Roald Dahl, „Infotainment“ und Poetry-Slam. Für ambitionierte Jung-Detektive wird ein Detektivkurs angeboten, wer will, kann ein Krematorium kennenlernen und den Auftakt bildet die Verleihung des Crime Cologne Award.
Und am 3. Oktober ist noch lange nicht Schluss – das Crime Cologne Special bietet vom 10. Oktober bis zum 15. Dezember weitere elf spannende Veranstaltungen.

Am 15. September startet bereits die lit.Cologne spezial – elf Literaturveranstaltungen in hochkarätiger Besetzung bis zum 23. Oktober: Christian Kracht, Mario Adorf, Anke Engelke und Tamara Dietl sind dieses Mal mit dabei.

Viel Spaß beim Auswählen, beim Zuhören und beim Austausch!

Liturgie von links von Anselm Weyer

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x15011.jpgAls Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky , Marie Veit und andere das politische Nachtgebet initiierten und durchführten, betete ich noch “Ich bin klein, mein Herz ist rein (meine Füße sind schmutzig, ist das nicht putzig?)”. An Anselm Weyer, den Autor des neu herausgekommenen Bändchens mit dem Untertitel “Dorothee Sölle und das Politische Nachtgebet in der Antoniterkirche” war noch gar nicht zu denken. Irgendwie war das immer “Geschichte” für mich. Doch in dem schmalen Buch wird diese Geschichte lebendig. Anselm Weyer schafft es, gerade auch den Weg hin zum politischen Nachtgebet lebendig nachzuzeichnen. Und bei vielen Sachen habe ich gedacht: Da hat sich in den 45 Jahren nicht viel verändert. Aber eben erst danach! Das politische Nachtgebet und die vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen darum, was Kirche darf und soll und was in ihren Räumen geschieht, das hat damals viel in Bewegung versetzt, was unser Gottesdienstverständnis und unseren Umgang mit Zeit- und Streitfragen in der Kirche bis heute beeinflusst.

Antoniterkirche Köln - Innenraum (4349)

Wie die Fotos von Oswald Kettenebrger zeigen, war die Antoniterkirche bei den politischen Nachtgebeten überfüllt. © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Antoniterkirche Köln – Innenraum (4349), CC BY-SA 4.0

Auch und gerade durch diese Aktion. Dorothee Sölle und die anderen haben mit großem Engagement rund vier Jahre lang jeden Monat ein aktuelles Thema beackert – der Vietnamkrieg war dabei sicher das “populärste” und brennendste, aber auch die Situation von Strafgefangenen oder die Entwicklung des Städtebaus haben sie unter dem Aspekt linker Einstellungen und der Anforderungen des Evangeliums durchleuchtet.

Die Informationsbeschaffung war Ende der 60er Jahre ein großer Aufwand – da mussten nicht nur Zeitungen durchstöbert werden, auch Rundfunkskripte galt es zu lesen; an die heranzukommen, war nicht so leicht wie heute – kein Internet hielt Informationsteile bereit, Netzwerke zwischen Menschen liefen “analog”, per Brief und Telefon und  persönlichem Gespräch.

Schockiert hat mich, die ich ja  damit groß geworden bin, dass Dorothee Sölle eine wichtige Figur in der evangelischen Kirche darstelle, der Widerstand, der sich gegen diese Bewegung formiert hat, von oberster Ebene aus: vom Präses der evangelischen Kirche im Rheinland genauso wie vom Erzbischof von Köln. Die Auffassung, dass das Christentum eine eminent politische Angelegenheit sei, wurde von diesen nicht so geteilt. Anselm Weyer versucht, diese Position von der Geschichte der Kirchen in der Nazi-Zeit her zu erklären und es wird klar, dass da zwei Welten aufeinander prallten – eine Einigung konnte nicht erzielt werden, obwohl der Präses sich der Bekennenden Kirche verbunden fühlte.

Ein anderer Name aus meiner Jugendzeit, den ich in diesem Zusammenhang nicht unbedingt erwartet hätte, war der von Ulrike Meinhof. Sie hatte einige Jahre, bevor in Köln die Nachtgebete begannen, den 12. Evangelischen Kirchentag begleitet und sich fundiert mit dem Anspruch von Kirche als gesellschaftlich relevanter Mitspielerin auseinandergesetzt.

Insgesamt legt Anselm Weyer eine gut lesbare Einführung in die Geschichte des politischen Nachtgebets vor, illustriert mit Fotos von Chargesheimer und Oswald Kettenberger (von diesem fotografierenden Ordensbruder kannte ich sonst nur eher meditative Bilder). Besonders die Aufnahmen von Kettenberger von einem der überfüllten Nachtgebete lassen die Stimmung der damaligen Veranstaltungen in unsere Zeit schimmern.

Anselm Weyer: Liturgie von links. Dorothee Sölle und das Politische Nachtgebet in der Antoniterkirche, hrsg. für die Evangelische Gemeinde Köln von Markus Herzberg und Annette Scholl, Reihe “Lesezeichen”, Greven Verlag, Köln, 2016, ISBN: 9783774306707

Köln im Hochmittelalter von Hugo Stehkämper und Carl Dietmar

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150.jpgLetzte Woche war ich bei der Buchpräsentation des dritten Bandes der Kölner Stadtgeschichte – Köln im Hochmittelalter. Das erste Mal in meinem Leben in der Ulrepforte, dem Heim der Roten Funken 😉 Professor Werner Eck führte in das Werk von Hugo Stehkämper und Carl Dietmar ein. Die Geschichte dieses Bandes selber ist schon recht umfangreich, denn Hugo Stehkämper konnte vor seinem Tod nur knapp neun Kapitel verfassen – dabei handelte es sich um rund 900 unlektorierte Seiten. Werner Eck als Herausgeber musste nun einen Nachfolger finden, der nicht nur die restlichen Kapitel verfasste, sondern auch den Text seines Vorgängers einer stilistischen Revision unterzog – durchaus in dessen Sinne. Der Nachfolger wurde Carl Dietmar, der als promovierter Mediävist bereits einschlägige Werke verfasst hat und lange Jahre als Journalist beim Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet hat.

Herausgekommen ist ein beeindruckender Band (er umfasst über 400 Seiten) mit vielen gut reproduzierten Abbildungen. Als erstes fiel mir das kleinteilig strukturierte Inhaltsverzeichnis auf, das eine gute Orientierung im Band ermöglicht. Ich habe also erst einmal darin gestöbert und mir einzelne Abschnitte ausgewählt, die mich besonders interessierten, zum Beispiel:

  • den Abschnitt über die Rolle der Frau in der städtischen Gesellschaft
  • die Erläuterungen zum Kölner Pfennig und zur Kölner Mark
  • den Abschnitt über die Wasserver- und -entsorgung der Stadt

Natürlich war es mir bisher nicht möglich, das Werk in seiner Gesamtheit zu lesen aber die einzelnen Appetithäppchen haben mir bereits spannende Einblicke gewährt, die zum Weiterlesen verführten. Ich freu mich schon auf die weitere Lektüre.

Battle of Worringen 1288

Die Schlacht von Worringen in einer Darstellung aus dem 15. jahrhundert

Will man den Inhalt des Bandes von Hugo Stehkämper und Carl Dietmar zusammenfassen, läuft es darauf hinaus, dass in der Zeit zwischen 1074 und 1288 die Stadt Köln ihren Charakter gründlich veränderte: Von einer Bischofsstadt wandelte sie sich zu einer Kommune mit bürgerlicher Selbstverwaltung. Und das zu eienr Zeit, in der die herrschende Ständeordnung von “Beter, Kämper und (lad)Arbeiter” städtischen Berufen und Rollen keinen Platz einräumte.

Den Anfang dieser Entwicklung bildete der Aufstand gegen den Bischof Anno II – eine spontane Reaktion auf eine unrechtmäßige Einschränkung verbindlicher Freiheiten; Anno II wollte das Schiff eines Kaufmanns für die Rückfahrt des Bischofs von Münster beschlagnahmen. Den Endpunkt dieser Entwicklung stellt die Schlacht von Worringen dar. Am Ende der Zeit ist Köln zwar immer noch eine Bischofsstadt, hat sich aber Freiheiten  – unter anderem die Wehrhoheit – erkämpft, die die Herrschaft des Erzbischofs über die Bürger der Stadt stark einschränkten.

Sowohl in der Präsentation letzte Woche als auch im Vorwort kommt zur Sprache, dass Hugo Stehkämper als Historiker und Archivar einen eher vorsichtigen Schreibstil pflegte. Carl Dietmar, der ja auch als Journalist gearbeitet hat, formuliert da deutlich pointierter; in diesem Sinne hat er die neun Kapitel von Hugo Stehkämper bearbeitet. So liegt nun eine gut lesbare, wissenschaftlich fundierte Darstellung vor.

Die Kölner Stadtgeschichte ist insgesamt auf 13 Bände angelegt. Mit dem nun erschienenen Band sind in den letzten 20 Jahren sechs Bände erschienen. Das Ziel des Greven Verlags und der Historischen Gesellschaft, die als Herausgeberin der Reihe fungiert, ist es, die noch ausstehenden Bände im Jahresabstand zu publizieren. Somit müsste, ein paar Unwägbarkeiten „eingeplant“, im Jahre 2025 die Geschichte der Stadt Köln von der Römerzeit bis heute erschienen sein.

Hugo Stehkämper und Carl Dietmar: Köln im Hochmittelalter. 11074/75-1288, in der Reihe: Geschichte der Stadt Köln, Bd. 3, herausgegeben von Werner Eck, Greven Verlag, 2016, ISBN: 9783774304420 (Ausgabe in Halbleder ISBN: 9783774304437 )

Die Stadtbibliothek Köln wird 125 …

… und feiert das am Samstag (5.12.2015) ganz groß mit ihren Leserinnen. Hier finden Sie das Programm.ZB rot

Der “richtige” Geburtstagstermin der Stadtbibliothek ist der 3.12. – an diesem Tag im Jahre 1890 eröffnete die erste “Volksbibliothek”. Die Bücher und das Geld für andere Kosten wurden durch Spenden wohlhabender Bürger und Unternehmer zusammengebracht. Diese spätere Stadtbibliothek hatte schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Drang zu Innovativem – so gab es hier schon in den 30ern eine Fahrbücherei – also die Vorläuferin des heutigen Bücherbusses. Solcher Mut zu neuen Wegen hat der Stadtbibliothek in diesem Jahr ja den Preis als “Bibliothek des Jahres” eingebracht – also: Weiter so!

An dieser Stelle ein herzliches “Happy Birthday” und viel Spaß am Samstag!

Eine Hand voller Sterne von Rafik Schami als Buch für die Stadt

Die Häuser sind aus Lehm gebaut. In jedem leben mehrere Familien, und jedes Haus hat einen Innenhof, der allen Nachbarn gehört, sie zusammenbringt und streiten lässt. Das Leben der Erwachsenen findet in den Innenhöfen statt. Die Straße gehört uns Kindern, den Bettlern und den fliegenden Händlern. (Eine Hand voller Sterne von Rafik Schami, Beltz + Gelberg, Weinheim/Bergstraße,1987,S. 6f)

Biographie Rafik Schami

So schildert Rafik Schami die Gasse in Damaskus, in der er aufgewachsen ist in seinem ersten Roman „Eine Hand voller Sterne“ von 1987, dem diesjährigen „Buch für die Stadt“ in Köln.

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren – an welchem Tag ist unklar; in seinem Essay „Hürdenlauf“ (im Essayband “Damaskus im Herzen und Deutschland im Blick“; der Essay ist neben anderern aus dem Band die Grundlage für die folgenden biographischen EInzelheiten) schildert er die damalige Situation: 1946 gewann Syrien die Unabhängigkeit von der französischen Besatzung/Kolonialherrschaft. Da die Franzosen die Minderheiten ein bisschen besser behandelt hatten als die muslimische Mehrheit, fürchtete die aramäisch-christliche Familie Repres­salien und zog sich im Sommer ins Heimatdorf Malula zurück. Der Vater kehrte früh in die Stadt zurück, denn er hatte eine Bäckerei erworben; im Herbst folgte die ganze Familie und erst im Winter fand der viel beschäftigte Vater die Zeit, die Geburt seines Sohnes beim Amt zu melden. Da er nicht zugeben wollte, dass das Kind schon mehrere Monate zählte, gab er keine konkrete Angabe und der Beamte notierte eigenmächtig den 23.6. Weiterlesen