Die Römer kommen – von Armin Maiwald

Die Römer kommen  – von Armin Maiwald

Als ich dem Nachwuchs erzählte, ich läse ein Buch von Armin Maiwald, erntete ich zuerst ratlose Blicke. Die Bemerkung „Na, der von der Maus!“, brachte mir die denkwürdige Antwort ein: „Ach Armin!, Sag das doch gleich – den Nachnamen hab ich mir nie gemerkt.“ Ich bin alt – das ist nun endlich klar …

Was erzählt Armin Maiwald?

Er hat sich rund um die Stadtgründung von Köln eine Geschichte ausgedacht, wie es hätte sein können. Wichtig dabei ist ihm, die Perspektive der ursprünglichen Bewohner mit einzubeziehen. Darüber gibt es nur keine Quellen. Deshalb hat er sein Wissen um das Leben der Germanen genutzt, um mir als Leserin ein Bild vermitteln zu können.

Zuerst landen nur einige Römer am Rhenus, dem späteren Rhein. Sie vermessen den Abschnitt, den sie als günstig für die Anlage eines Lagers sehen – hoch genug, um nicht überschwemmt zu werden, groß genug, um alle notwendigen Gebäude errichten zu können. Das sind am Anfang die Zelte, später sollen aber auch Häuser stehen. Außerdem natürlich die große Palisade.

Hauptfiguren sind Quintus Agrippa, Septimus und Demosthenes. Die beiden letzten sind schon lange befreundet. In den drei Hauptfiguren und Salman, dem schreibkundigen Nubier, spiegelt sich gleich die Vielfalt der römischen Gesellschaft: Demosthenes ist Grieche, trotzdem aber römischer Bürger, Salman ist ein gebildeter Freigelassener.

Die ganze Aktion wird von einem Mann beobachtet, der in einem nahe gelegenen Germanendorf lebt. Keine gute Nachricht fürs Dorf. Bevor sie entdeckt werden können, machen sich die Dorfbewohner auf, um sich in einer Höhle zu verstecken. Die Römer stöbern sie auf. Um den Frieden zu wahren, werden Geiseln ausgetauscht: Der jüngste Sohn des Dorfältesten, Erik, geht mit ins römische Lager, Demosthenes bleibt bei den, in seinen Augen, Barbaren.

Armin Maiwald schildert nun Alltag und Konflikte, vor allem aber die viele Arbeit und die technischen Aufgaben, die so einer Lagergründung vorangehen. Und das fand ich nun wirklich spannend. Wie wird ein Brunnen gebaut? Wie geht das mit dem Brennen von Ziegeln? Wie genau wird eine Siedlung, erst einmal ein Lager, geplant? Welche Elemente gehören dazu?

Baracken, wie sie in einem rmömischen lagergestanden haben sollen. So beschreibt sie Armins Maiwald in seinem Buch.
So sollten die Baracken im neuen Lager am Rhenus auch aussehen – die ersten sind am Ende des Buches fertig. Dr. Christof Flügel (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baracken_document_Niedermünster.jpg), „Baracken document Niedermünster“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Wie erzählt Armin Maiwald?

Ehrlich gesagt – etwas erklärlastig … 😉

Aber da er ja Armin ist, einer, der Generationen von uns die Welt erklärt hat, ist das völlig in Ordnung. Wirklich. Ich hab am Anfang nachgeguckt, ob das als Roman für Kinder gedacht ist. Nein, ist es nicht. Armin Maiwald hat ein Buch geschrieben, das Sachinformationen in eine Geschichte packt. Noch nicht einmal ungeschickt – die Handlungsfäden sind spannend. Die Erzählweise halt weniger. Das macht sich schon am Anfang bemerkbar:

Die drei sprechen Griechisch miteinander, wie alle gebildeten Römer. In einem gewissen seitlichen Abstand und dahinter werden die drei Zivilisten von weiteren Legionären begleitet: Es sind insgesamt acht Mann und ein Hauptmann. Das ist die kleinste militärische Einheit, die es beim römischen Heer gibt: ein sogenanntes contubernium, eine Zelteinheit. Dieser Begriff wird benutzt, weil eine solche Einheit immer zusammen in einem gemeinsamen großen Lederzelt schläft. Auf Gedeih und Verderb ist sie aufeinander angewiesen. Das ist fast schlimmer, als miteinander verheiratet zu sein

S. 7

Nein, es isst keine große Literatur, die Armin Maiwald hier liefert. Aber ein sehr kundiges und leicht verständliches Buch über die Gründung Kölns (fiktiv) mit sehr viel Hintergrundwissen (Fakten!). Leicht verständlich auch deshalb, weil er für die Dialoge einfach unsere Alltagssprache verwendet. Bis auf den aus dem Süddeutschen stammenden Dolmetscher – der spricht Dialekt. Durchaus unterhaltsam. Unter der Prämisse „Wissensvermittlung in einer Geschichte“ hab ich es gern gelesen und mein Wissen rund um den römischen Alltag vertieft.

Doch eins hat mich geärgert: Der Druide Ansgar spricht Latein und deutet ständig an, dass er seine Kenntnisse über die Sprache und die Römer bitter erworben habe. Trotz seiner Versprechen gegenüber Septimus, ihm das mal zu erzählen – es kommt nicht dazu. Schade.  

Ganz am Ende verweist Armin Maiwald noch mal auf die spätere Geschichte Kölns – allerdings meint er erst mal nur die römische Zeit …

Armin Maiwald: Die Römer kommen. Der Roman einer Stadtgründung, Emons Verlag, Köln, 2018, ISBN: 9783740804183

Die Stadtbibliothek Köln hält den Titel als Hörbuch, E-Book und Hardcover vor.

Bisher gibt es noch keine Kommentare

Einen Kommentar hinterlassen

Ich akzeptiere