Jane Fairfax von Joan Aiken

So, nachdem ich es geschafft habe, Emma von Jane Austen noch mal zu lesen (hat gar nicht weh getan 😉 ), konnte ich auch mein letztes Buch von Joan Aiken zum Thema in Angriff nehmen. Wie bereits einmal erwähnt, hatte ich bei meinem Erstkontakt mit dem Titel vor 20 Jahren oder so ein paar Schwierigkeiten.

Janes Geschichte vor “Emma”

Joan Aiken erzählt die gesamte Geschichte von Jane Fairfax und Emma Woodhouse von der Kleinkindzeit der beiden an und beginnt, ehrlich gesagt, ziemlich schwach. Was mich dabei störrt, sind die vielen Erklärungen der Erzählstimme:

Und daß man ihr Woche für Woche ein Kind als leuchtendes Beispiel vor Augen hielt, das ihr in jeder anderen Hinsicht (…) so offensichtllich unterlegen war (…), fand sie verwunderlich und ebenso schwer zu ertragen wie zu begreifen (…)  (S. 11)

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Der Schmuck der Lady Catherine von Joan Aiken

Obwohl sie im Titel vorkommt, hat Lady Catherin de Bourgh in diesem Buch von Joan Aiken – entgegen ihres von Jane Austen ersonnenen Charakters – erst einmal nur wenig zu sagen.

Joan Aiken bedient sich des Personals, das Jane Austen eingeführt hat und ergänzt es nach ihren Bedürfnissen – völlig in Ordnung. Sie schreibt ja schließlich ein neues Buch. Was ich nicht so gut finde: Ihre Charakerisierung der Hauptperson, Mary Lucas, differiert ziemlich von der Mary, die Jane Austen eingeführt hat. Auch Anne de Bourgh hat sich stark verändert. Für beides gibt es gute Erklärungen, besonders bei Anne -, aber trotzdem hat es mich gestört, dass ein völlig naives Pflänzchen auf einmal nicht nur “Hausverstand” aufweist, sondern sich als selbständige und kritische Person entpuppt. Nicht, dass ich es Mary nicht gönnen würde … Weiterlesen

Rückblick auf die LitBlog Convention 2017

Zum 2. Mal haben Kölner Verlage (Bastei Lübbe, Kiepenheuer & Witsch, DuMont Kalender Verlag, Community Editions und von außerhalb kam Diogenes dazu) Bloggerinnen und Blogger zu einem gemeinsamen Tag im Gebäude des Bastei-Verlages geladen – die LitBlog Convention 2017. Einblicke in Verlagsarbeit, Kontakte mit Autorinnen und Autoren und insgesamt eine tolle Atmosphäre – das macht diese Zusammenkunft aus.

Aus dem breit gefächerten Angebot habe ich mir folgende Sachen ausgewählt:

“Buchhandwerk” bei der LitBlog Convention 2017

LitBlog Convention 2017 Handlettering mit Suse Engel, vorbereiteter Tisch

Stifte, Begrüßungskärtchen und Übungsaufgaben für alle

Handlettering mit Suse Engel – für mich eine Herausforderung, da ich auf dem Gebiet nicht besonders begabt bin. So einladend war der Tisch vorbereitet – s. links.

Und weil ich schon mal beim “Handwerklichen” war, bin ich als nächstes zu dem Vortrag von Hanne Mandik gegangen, in dem sie uns erzählte, was zwischen Manuskriptabgabe und Auslieferung passiert.

Die eine Seite ist die zeitliche Planung – immer schön rückwärts rechnen:

Erscheinungstermin – Auslieferungstermin an Buchhandlungen – Drucktermin – spätestmöglcher Zeitpunkt zur Manuskriptherstellung. Klingt erst mal einfach. Aber, dann gibt es ja noch die Leseexemplare für die Buchhandlungen – fast der gleiche Zirkel an Abläufen und damit eine Vorverlegung der Manuskriptfertigstellung um rund ein Vierteljahr … Weiterlesen

Die jüngste Miss Ward von Joan Aiken

Ja ja, ich weiß – der Name Ward erscheint gleich auf der ersten Seite von “Mansfield Park” von Jane Austen. Ich konnte den Titel von Joan Aiken trotzdem nicht sofort einordnen. Schließlich sind die Schwestern Ward – also  die Mutter von Tom, Maria, Edmund und Julia Bertram, ihre Schwester Mrs. Norris und “die arme Fanny” Price – nicht die Hauptpersonen des Romans.

Joan Aiken hat in ihrem Roman den drei Schwestern Ward eine vierte hinzugesellt, deren Lebenslauf sie verfolgt. Dabei kommt die bekannte Geschichte von Jane Austen immer wieder in den Blick – Harriet (genannt Hatty) hätte aber ebenso gut eine andere Familie haben können als die von Mansfield Park. War Ihnen bewussst, dass Mrs. Norris auch einen Vornamen gehabt haben muss? Mir nicht … Joan Aiken nennt sie Agnes. (Jetzt müsste ich glatt “Mansfield Park” noch mal lesen …. Ich meine aber, da ist nur von “Mrs. Norris” und in der Anrede “Schwester” die Rede. Wissen Sie mehr? Ich freu mich über Korrekturen, wenn nötig.) Weiterlesen

Elizas Tochter von Joan Aiken

Noch so ein “Folgeroman” auf Basis der Geschichten von Jane Austen, an dem sich Joan Aiken versucht hat (sie hat da wirklich eine Menge geschrieben). Und nein, mit Eliza ist nicht Eliza Bennet gemeint. Wir bewegen uns stattdessen im Umfeld von “Sense and Sensibility“, also “Verstand und Gefühl” (“Sinn und Sinnlichkeit” ist der deutsche Titel einer Verfilmung!).

Die Figur, die bei Joan Aiken die Hauptrolle spielt, wurde in “Sense and Sensibility” erst geboren; wir lernen Eliza, die Tochter von Eliza, deren Mutter Eliza (verwirrt? ja, aber so ist das nun mal: von Großmutter bis Enkelin – alle heißen Eliza) die unerreichbare Liebe von Oberst Brandon war, im Alter von vier Jahren kennen. Weiterlesen

Emma Watson von Joan Aiken

Ehrlich gesagt bin ich die Version der “Watsons” von Joan Aiken sehr vorsichtig herangegangen, denn vor ewigen Zeiten hat mir ihre Version der Emma-Geschichte – “Jane Faifax” – so gar nicht gefallen. Und was ist passiert? Ich habs an einem Nachmittag ausgelesen 🙂 Ein weiterer Punkt, der zuerst gegen “Emma Watson” sprach: Ich hatte kurz zuvor die anonym vollendete Version von Jane Austens Fragment gelesen und war quasi in  Hinblick auf die zu erwartenden Ehen etwas voreingenommen.

Was genau macht Joan Aiken nun mit dem Stoff? Sie bedient sich der fünf Kapitel, die Jane Austen zu den “Watsons” hinterlassen hat, als Steinbruch, um auf Ereignisse vor dem Einsetzen ihrer eigenen Handlung zu verweisen. Sie stellt sie ihrem eigenen Werk aber nicht voran. Dabei nutzt sie, wenn ich der Übersetzung trauen darf, Satzteile und Formulierungen, die dann als vertraute Bausteine erkennbar sind. Ähnlich wie Mella von der Jane-Austen.de-Seite habe ich die Erwähnung der Alltagsrezepte usw. aus der Zeit um 1804 als etwas übertrieben empfunden. In meinen Augen nehmen sie aber nur im ersten Kapitel einen unbillig großen Raum ein; naja, gut, am Ende, die ganzen Tipps zum Kurieren von Pferden … Die ersten Kapitel, die den ersten Tag (!) der Handlung schildern, haben sowieso den Nachteil, etwas überfüllt zu wirken – in meinen Augen hat Joan Aiken hier zu viel reingepackt, nämlich: Weiterlesen

Metaphysik der Röhren von Amélie Nothomb

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgEin ruhiges Baby ist eine feine Sache – für die Eltern, die können nämlich durchschlafen. Ein völlig bewegungs- und blickloses Baby dagegen hat etwas Beunruhigendes. Laut Amélie Nothomb, deren fiktive Kleinkindbiographie heute mein Thema ist, fanden die Eltern in diesem Falle das Kind ohne Reaktion ganz in Ordnung. Wie das Baby selbst sich empfand?

Gottes Augen waren ewig offen und starr. (…) Er war voll und dicht wie ein hartes Ei, mit dem er auch die runde Form und die Unbeweglichkeit gemein hatte. (S. 5)

Das Wesen in der Wiege nahm sich wenn überhaupt als Röhre wahr – geeignet, Nahrung durchzuschleusen, vom Trinken bis zum Endergebnis in der Windel.

Ort des Geschehens ist Japan – und hier werden Kinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr vergöttert. Das passte sehr gut zur Selbstwahrnehmung der kleinen Amélie, nachdem sie das Röhren- oder Pflanzendasein hinter sich gelassen hatte. Weiterlesen