Hauptsache Lyrik – Poetry Atlas

Ich habe nur englischsprachige Texte gefunden – aber faszinierend ist das schon: Im Poetry Atlas kann man nach Gedichten suchen, die sich mit einzelnen Orten befassen:

  • Loblieder auf sie,
  • Kritik an ihnen
  • als Handlungsort einer Szene oder Geschichte

Und so kann ich einzelne Gedichte finden:

Ich wähle ein Land aus und zoome es mir in der unterlegten Google Map schön nah ran. Dann kann ich einfach auf das weiße Symbol mit Papier klicken udn bekomme alle Gedichte angezeigt, die mit Deutschland zu tun haben. Oder ich klicke ein roten Pin an – da erfahre ich, welcher Ort, ggf. auch welche Sehenswürdigkeit sich da verbirgt. Oder ich klicke eine einzelne Feder an und bekomme den oder die Titel angezeigt, in denen der Ort ein Rolle spielt.

Poetry Atlas Map Karte Orte

Hier sehen Sie die verschiedenen Optionen zum Anklicken im Poetry Atlas

 

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Frühling lässt sein blaues Band …

Die Vögel zwitschern, Tulpen, Kirschen und Forsythien blühen – es ist offensichtlich: Der Frühling ist so gut wie da (auch wenn die Temperaturen in Köln das noch nicht so wirklich vermuten lassen …) Und so richtig ausgebrochen ist er in “meiner” Buchhandlung im Schaufenster:

Bei Baudach gibt es neben Frühlingsbüchern und Neuerscheinungen auch Frühlingsgedichte - das alles passend dekoriert mit blauem (und grünem) Band

Bei Baudach gibt es neben Frühlingsbüchern und Neuerscheinungen auch Frühlingsgedichte – das alles passend dekoriert mit blauem (und grünem) Band

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Gedichte sind hübsch ausgedruckt angebracht - da sind gelatt ein paar Anregungen für meine "Gedicht zum Tag"-Reihe dabei ;-)

Die Gedichte sind hübsch ausgedruckt und dekoriert an der Rückwand angebracht – da sind glatt ein paar Anregungen für meine “Gedicht zum Tag”-Reihe dabei 😉

 

Gedichte hier – nur gemeinfreie Texte

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111111.jpgIn der Advents- und Weihnachtszeit fiel mir auf, dass das Schlagwort “Fliege Frieda” sehr häufig angeklickt wurde – wahrscheinlich  in der Hoffnung, das beliebte Gedicht von James Krüss hier zu finden. Doch da James Krüss erst 1997 gestorben ist, sind seine Texte noch (über 40 Jahre) urheberrechtlich geschützt.

Sie zugänglich zu machen, dazu bedarf es einer Erlaubnis der Rechteinhaber. Da mir die nicht vorliegt, lass ich es lieber. Das gilt auch für jede Menge anderer Texte, die ich Ihnen gern präsentieren würde – besonders Gedichte von Mascha Kaléko, Erich Kästner und moderneren Autorinnen.

Ähnlich wie bei der Sache mit den Buchcovern  (hier gibt es inzwischen die Regelung, dass die Verlage meistens die Coverabbildungen für Bloggerinnen zur Verfügung stellen – aber ich bleib bei meinen Rubrikenbildchen 😉 ) ist die Gefahr groß, deswegen abgemahnt zu werden. Und so halte ich mich beim Verbreiten von Jahrezeit- und anderen Gedichten an die Formel “Sicher ist sicher” und verwende ausschließlich Texte von Menschen, die bereits 70 oder mehr Jahre tot und deren Texte somit “gemeinfrei” sind.

Übrigens gibt es eine Velagsseite, auf der das Gedicht zur Fliege Frieda als PDF einsehbar ist – bitte sehr, hier! Da es sich um einen Verlag handelt, gehe ich davon aus, dass die rechtliche Seite der Sache geklärt ist.

Selma Merbaum von Marion Tauschwitz

rp_Rubrik-Biographie-300x2001.jpgDie Blogparade “12 Bücher in 12 Monaten” endet mit dem heutigen Beitrag – zumindest für das Jahr 2014 …

Ich hab zum Jahresende die Biographie einer Dichterin ausgewählt, die dieses Jahr 90 Jahre alt geworden wäre – hätte nicht im Dezember 1942 der Flecktyphus im Lager Michailowka ihr Leben beendet: Selma Merbaum, die ich Anfang der 80er Jahre als Selma Meerbaum-Eisinger kennen und schätzen lernte.

Marion Tauschwitz legt eine Biographie vor, für die sie Überlebende, Freunde und Verwandte Selmas, aufgesucht hat. In den Anmerkungen finden sich immer wieder  Sätze wie: “XY im Austausch mit Marion Tauschwitz am …” Sie hat die erhaltenen Unterlagen (Schulunterlagen vor allem, aber auch die Melderegister) in Czernowitz gesichtet und so die Sache mit dem Namen Selmas  – Merbaum, nicht Meerbaum und schon gar nicht Meerbaum-Eisinger – geklärt. Und sie ordnet die Gedichte Selmas, die ja mit Daten versehen sind, Lebensereignissen zu. Das kann den Blick auf die Texte schon sehr verändern – ein Gedicht, das für mich immer ein klassisches Liebesgedicht “Junge – Mädchen” war, interpretiert Marion Tauschwitz als Höhe- und Endpunkt von Mutter-Tochter-Querelen – nach dem zum Gedicht angegebenen Datum ist Selma zu ihrer Großmutter gezogen. Das ist ihr System: Zur Beschreibung des Lebens von Selma zitiert sie immer wieder Gedichtzeilen, um das Empfinden des Mädchens in einer Situation zu verdeutlichen.

Außerdem hat sie die handschriftliche Version der Blütenlese Selmas, des einzigen Zeugnisses

Marion Tauschwitz bei der Lesung auf der Frankfurter Buchmesse am 8.10.2014

Marion Tauschwitz bei der Lesung auf der Frankfurter Buchmesse am 8.10.2014

von eigener Hand, sorgfältig gesichtet und Übertragungsfehler ausgemerzt – denn, bitte schön: Am Ende der Biographie finden Sie alle Gedichte Selmas!

Und ich muss ein paar Texte neu auswendig lernen 😉 . Bei meinem ersten Selma-Gedicht “Stefan Zweig” heißt es – und ich habe mir von Marion Tauschwitz das entsprechende Blatt der Blütenlese aus ihrem Faksimile zeigen lasssen – nicht das “verzehrende”, sondern das “verzerrende” Wort. Ein anderes Beispiel ist im Buch abgedruckt: Das Gedicht “Rote Nelken” wurde unter “Rote Wolken” tradiert – in gewisser Hinsicht verständlich, denn Selma hatte eine ausgeprägt individuelle Handschrift.

Marion Tauschwitz spürt dem Leben des Mädchens und  der jungen Frau nach, ihre Einstellung zur Schule, ihr politisches Engagement, ihr Aufbegehren gegen Konventionen in Sachen Kleidung. Auch die Geschichte der Familie findet ihren Platz – so auch der Umgang mit Selmas Cousin Paul Celan. Und dann die Verschlechterung der Situation jüdischer Menschen in Czernowitz, die faschistische Einstellung der rumänischen Regierung; der Einmarsch sowjetischer Truppen wurde von vielen, gerade auch zionistisch engagierten Menschen, darunter Selma und ihrer Gruppe Hashomer Hazair, enthusiastisch begrüßt – die Enttäuschung war riesig, als sich die Sowjets als Besatzer und nicht als Befreier erwiesen. Indem Marion Tauschwitz das politische Auf und Ab in der Bukowina schildert, unterlegt sie nicht nur das Leben von Selma, Paul Celan und Rose Ausländer mit historischen Fakten, sondern zeigt anhand eines kleinen  Ortes das Auf und Ab der Hoffnung von Jüdinnen und Juden durch mehrere Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Ich habe im Oktober Marion Tauschwitz mit einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse erlebt und mich vorher lange mit ihr unterhalten können, denn da Selmas Gedichte mich lange begleitet hatten, hat mich diese Biographie einfach interessiert – meine Erwartungen an das Buch wurden dabei weit übertroffen: Marion Tauschwitz hat nicht nur eine Fülle an Material zusammengetragen und sorgfältig aufbereitet, sie schreibt auch lebendig und einfühlsam:

… oder (Selma) saß Renée zu Füßen, wenn die Freundin Klavier spielte. Nachmittage lang. Vertraut ohne Worte. Selma und Renée wussten auch im Schweigen, wie es jeder von ihnen zumute war. (S. 72)

Marion Tauschwitz: Selma Merbaum: Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben. Biografie und Gedichte. Mit einem Vorwort von Iris Berben, zu Klampen Verlag, Springe, 2014, ISBN: 9783866744042

100. Todestag von Georg Trakl

Ein paar Gedankensplitter zu Georg Trakl, der heute vor 100 Jahren starb:

Kokain war seine unmittelbare Todesursache – doch eine gefährdete Existenz war der junge Mann von klein auf:

  • eine drogenabhängige Mutter
  • selbst schon früh – zu Schulzeiten – Drogen probiert
  • nach erfolglosem Schulbesuch eine Ausbildung in der Apotheke – Zugang zu Drogen aller Art
  • inzestuöse Beziehung zu Schwester Margarethe
  • finanziell stand es auch nicht gut um ihn – Existenzängste waren die Folge

Georg Takl  wurde nur 27 Jahre alt – und hat mit seiner Sprache die Lyrik des 20. Jahrhunderts beeinflusst. In nur wenigen Jahren hat er eine sprachliche Entwicklung durchlaufen – von romantischen Einflüssen über expressionistische kommt er zu einer eigenen Sprache. Auch inhaltlich entwickelt er eine eigene Welt – manche Gedichte lassen sich nur in Zusammenhang mit seiner Biographie entschlüsseln.

Ich weiß, dass ich als Teenager manche Gedichte Takls sehr gemocht habe – die Intensität der Bilder; ich hatte allerdings keine Ahnung, wer er war – von  seiner Geschichte wusste ich nichts.

Die Liste der Vertonungen bei Wikipedia ist lang und vielfältig; neben Komponistinnen wie Holliger, Eisler und Szeghy tauchen auch Namen von Rockbands auf, die Texte von Georg Trakl verwendet haben.

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Lazarettbilder geben das Grauen nicht wieder, das für Sanitäter und Verwundete an der Front herrschte, denn dort war ja erst mal alles besser

Heute vor 100 Jahren ist er gestorben, an der Ostfront des ersten Weltkriegs, wo er als Sanitäter war, an einer Überdosis Kokain – das Grauen des Kriegs war ihm unerträglich.

Ein paar weiterführende Links:

  • Textlog – die Gedichte Trakls
  • Georgtrakl.de bietet Biographisches und Erhellendes zu seiner literarischen Entwicklung
  • Ein Beitrag von Matthias Kußmann beim SWR

Und zum Abschluss ein Gedicht:

Der Gewitterabendrp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111111.jpg

O die roten Abendstunden!

Flimmernd schwankt am offenen Fenster

Weinlaub wirr ins Blau gewunden,

Drinnen nisten Angstgespenster.

 

Staub tanzt im Gestank der Gossen.

Klirrend stößt der Wind in Scheiben.

Einen Zug von wilden Rossen

Blitze grelle Wolken treiben,

 

Laut zerspringt der Weiherspiegel.

Möven schrein am Fensterrahmen.

Feuerreiter sprengt vom Hügel

Und zerschellt im Tann zu Flammen.

 

Kranke kreischen im Spitale.

Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.

Glitzernd braust mit einem Male

Regen auf die Dächer nieder.

Von der Buchmesse mitgebracht: Rubbel-Lyrik

Im schon erwähnten Pavillon für Finnland gab es auf der Buchmesse in Frankfurt in einem anderen Kreis eine Installation: Wie ein großer Sockel stand ein Block in der Mitte, auf der Platte eingravierte Gedichte, daneben Papierblätter und Bleistifte, zum Abreiben der Gedichte.

Mein etwas respektloser Ausdruck dafür: Rubbel-Lyrik 😉 Ich habe mich auch im Rubbeln versucht – nicht besonders gut, ehrlich gesagt:

Hier ist mir der Anfagn zu dunkel geraten - das kann man nicht richtig lesen

Hier ist mir der Anfagn zu dunkel geraten – das kann man nicht richtig lesen

Hier ist dafür der zweite Teil nicht gut zu erkennen

Hier ist dafür der zweite Teil nicht gut zu erkennen

Kann hier jemand Finnisch und mir sagen, was genau ich da als Rubbel-Lyrik mit nach Hause genommen habe? Mich hat dieses wiederholte “Kerro” angesprungen.

Ich fand die Idee auf jeden Fall sehr charmant. Es handelt sich um eine Installation, die diese Texte in genau dieser Zusammenstellung nur einmalig gemeinsam präsentiert – eine Anthologie in Stein.

Nähere Informationen zum Finnland-Pavillon, die über meinen flüchtigen Eindruck hinausgehen, finden Sie hier.

Selma Meerbaum-Eisinger in der Schule

Das erste Gedicht, das ich von Selma Meerbaum-Eisinger gelesen habte, war ihr Gedicht auf Stefan Zweig: rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111.jpg

Stefan Zweig

Leuchtendes, glühendes, rauschendes Leben
springt an und reißt mit und läßt keinen mehr los,
macht heiß und macht kühn und macht freudig und groß,
rüttelt auf und macht wacher mit kraftvollem Stoß,
läßt die Fluten von Glanz nie und nimmer verebben –

packt dich und hält dich und sprudelt dich an.
Sturzflut erfaßt dich und rast mit dir fort –
was kein Wildbach, kein Wirbel, kein Hochwasser kann,
hat dies Atmen vieltausende Mal schon getan,
dieses heiße, verzehrende, glasklare Wort.

Kühl dann und still wie ein nordischer See,
glitzernd und weich wie frisch fallender Schnee,
sieht es uns an wie viel uraltes Gold,
das altrot und schwer durch die Finger rollt
und schön ist wie sonst nur unsagbarer Traum,
der dich ansieht, tiefleuchtend aus dunkelndem Raum –

und bäumt sich dann auf, als besinne es sich,
und packt wieder an und reißt wieder mit,
schreit dich an, lacht dich an, weint dich an: das bin ich!
Und es packt dich ein Sehnen, das süß ist und zieht,
ein Sehnen nach Menschen, ein heißes: “versprich!”
und dann klingt es aus wie ein Nachtigall-Lied. (Quelle: Selma.tv.de)

Darauf traf ich zu einer Zeit, als ich Stefan Zweig gerade meterweise las – ich glaube, ich habe zu der Zeit alles von ihm gelesen, was greifbar war. Kein Wunder also, dass mich die Gedichte des jungen Mädchens interessierten, das so genau in Worte fasste, was ich empfand. Die anderen Gedichte Selmas haben mich dann auch gepackt – kein Wunder, denn es sind Gedichte eines jungen Mädchens und das war ich ja auch.

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Eine Postkarte des alten Czernowitz – der Geburtsstadt von Selma Meerbaum-Eisinger

Dieser Gedanke – Gedichte einer Jugendlichen für Jugendliche – steht hinter dem Unterrichtsprojekt “Selma“. Weiterlesen

Politische Lyrik am 8.5.2014 in Köln-Dellbrück

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x150111111111.jpg2012 kam politische Lyrik wieder ins allgemeine Gespräch: Günter Grass veröffentlichte einen Text in der SZ. Neben der Frage, ob das denn ein Gedicht sei, wurde auch “poltische Lyrik” als solche thematisiert – drei Beispiele:

Politische Lyrik hat es immer gegeben – das können Sie in meiner nächsten Lesung hören “Politisch Lied – ein garstig Lied? – Politische Lyrik durch die Jahrhunderte” (das reicht vom Mittelalter bis eben 2012 😉 ):

Wann: Donnerstag 8. Mai 2014, 19:30 Uhr

Wo: Buchhandlung Baudach, Dellbrücker Hauptstr. 111, 51069 Köln, Tel.: 0221 681425, E-Mail, info@buchhandlung-baudach.de

Kosten: Vorkasse 5,- €, Abendkasse 6,- €

Abend der Politischen Lyrik bei Baudach

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x15011111111.jpgDer Abend zur politischen Lyrik rückt näher:

Am Donnerstag, dem 8.5.2014 um 19:30 Uhr lese ich Gedichte zu Krieg und Frieden, zu Herrschern und Parteien, zu politischen Ereignissen und sozialen Umständen quer durch ein paar Jahrhunderte. Anmeldung ist bei Buchhandlung Baudach per Mail oder telefonisch: 0221 681425 möglich. Eintritt: 5,- € Vorauskasse, 6,- € Abendkasse.

Adresse: Buchhandlung Baudach, Dellbrücker Hauptstr. 111, 51069 Köln

Lyrikmeile in Köln-Buchforst

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111.jpgSo kann man Lyrik auch präsentieren: In Geschäften auf den Einkausstraßen in Köln-Buchforst stellen Hobbydichterinnen und -dichter ihre Verse aus. Beteiligt sind Kinder und Senioren, junge Gitarristen und Einzelpersonen. Die Schaufenser an den Straßen Heidelberger Straße  und  Waldecker  Straße sind liebevoll hergerichtet, um den Gedichten einen guten Rahmen zu bieten. Dier  Eröffnung war bereits am 23. März. Die Ausstellung dauert bis zum 16. April. Es gibt also einen Ausflugstipp im Rechtsrheinische: Die Lyrikmeile. Kann man prima mit dem vorösterlichen Einkauf verbinden.

Vorausgegangen war eine Schreibwerkstatt, die von Drehbuchautor Marco Hasenkopf geleitet wurde. Nähere Infos bietet der Kölner Wochenspiegel.