Irrungen und Wirrungen … von Brigitte H. Hammerschmidt

Irrungen und Wirrungen … von Brigitte H. Hammerschmidt

Nein, keine Angst, Brigitte H. Hammerschmidt ist kein Pseudonym für Fontane … Ihr Titel geht noch weiter „… auf Pemberley“ – puh, kein Fontane-Verschnitt, sondern Fanfiction zu Jane Austen verbirgt sich dahinter.

Wir befinden uns auf Pemberley und Lizzie begrüßt ihre Schwester Jane Bingley, die überraschend zu Besuch gekommen ist. Beide „Bennet-Mädchen“, wie es in der Vorschau zum Folgeband heißt, sind inzwischen rund ein Jahr verheiratet und haben so ihre Päckchen zu tragen. Janes heißt Caroline. Ihre Schwägerin ist ihr unerträglich, deshalb – nichts wie weg nach Pemberley. Doch auch dorthin folgen Caroline und Louisa ihrem Bruder und ihrer Schwägerin (bitte Mr. Hurst immer mitdenken – er kommt fast nie zu Wort, ist grundsätzlich uninteressiert, aber immer dabei). Elisabeth (sic!) Darcy ist über den Besuch von Caroline nicht glücklich, denn Caroline Bingley mobbt sie. So empfindet es Lizzie zumindest – ihr Mann kann in der Art, wie Caroline nie „Mrs. Darcy“ zu ihr sagt nichts finden.

Bei einem Spaziergang stürzt Elisabeth, verliert das Bewusstsein und wird erst nach Stunden gefunden – eine schwere Erkrankung ist die Folge und Caroline hofft. Doch Jane und Georgiana pflegen Elisabeth gesund, Darcy äußert sehr klar, dass er genau die Frau hat, die er will und sollte sie ihm genommen werden, werde er keine andere nur anschauen. Drama! Zur Erholung fahren dann alle nach Bath; dort gibt es Heimlichkeiten gegenüber Elisabeth (ich mach da jetzt nicht bei jeder Wiederholung mein „sic!“ dran; Brigitte H. Hammerschimidt hat sich bei der vollständigen Namensnennung für die deutsche Schreibweise entschieden, auch wenn sie sonst „Lizzie“ und „Eliza“ benutzt). Lizzie glaubt nach einem belauschten Gespräch zwischen den Bingley-Schwestern, da gäbe es für Darcy eine andere, aus einer früheren Epoche seines Lebens – Drama!

Ham House - geograph.org.uk - 1079251
Ein eigener Landsitz, fern von Janes Eltern, ist der Wunsch von Jane und ihrem Mann – sie suchen ihn in der Nähe von Pemberley David Howard, Ham House – geograph.org.uk – 1079251, CC BY-SA 2.0
Darcys Cousin Fitzwilliam ist streckenweise auch mit von der Partie – er klärt das mit dem belauschten Gespräch, beruhigt Elisabeth. Dann versuchen alle, Caroline unter die Haube zu kriegen – sie ist an Fitzwilliam interessiert -, doch daraus wird nix. Er bekommt dafür eine andere – das ist die glückliche Auflösung dieses Bandes.

Brigitte H. Hammerschmidt übernimmt die Charaktere 1:1 – da ist kein Wandel spürbar. Wenn Sie jetzt denken „Na, die Charakterveränderungen bei Joan Aiken oder so haben ihr ja nicht gepasst – das wird ihr jetzt gefallen haben“ – tut mir, leid, dann irren Sie. Sie übernimmt zwar die wesentlichen Charakterzüge, also die markanten: Elizas Eigenwilligkeit, Janes Nachgiebigkeit und auch Gewohnheiten, z. B. die Spazierfreude Elizas. Doch noch stärker als bei anderen Autorinnen fehlt es hier an Feingefühl, was die Sprache der Figuren betrifft, was die „Angemessenheit“ des Betragens betrifft – da klafft einfach ein Riss zwischen den bekannten Personen bei Jane Austen und den Figuren bei Brigitte H. Hammerschmidt. und der ist umso deutlicher, als die Charaktere von der Idee ja keinen Wandel durchlaufen haben (sollen).

Normalerweise schreibe ich keine Verrisse, denn mein Blog hat nicht nur einfach so  den Begriff „Leselust“ im Titel. Das hier ist aber zumindest keine freundliche Rezension zu einem Buch, das mir gefallen hat. Ich finde, die Autorin hat es sich zu einfach gemacht, nicht genau genug recherchiert, ihre Sprache nicht genau genug auf das Sujet eingerichtet. Ständig hatte ich Reibungspunkte. So mit dem Begriff  „Türklinke“ (S. 141) – sorry, im England jener Zeit (und noch lange danach) gab es Drehgriffe an den Türen. Oder Lektoratsfehler – da sieht sich jemand „gemüßigt“ (S. 179) – sorry, geht gar nicht. Deren gab es einige …

Vom Plot her ist die Geschichte nicht uninteressant. Brigitte H. Hammerschmidt stellt ein paar Entwicklungsmöglichkeiten vor, die spannend sind. Wer also nicht solche Probleme mit historischer oder sprachlicher Genauigkeit hat, kann sich durch die Bücher der Autorin (inzwischen gibt es drei Bände) durchaus unterhalten fühlen.

Brigitte H. Hammerschmidt: Irrungen und Wirrungen auf Pemberley, Schenk Verlag, Passau, ISBN: (E-Book): 9783944842646

Die Besprechung gehört zu meiner Reihe „Beloved Jane“ zum 200. Todestag von Jane Austen im Juli 2017.

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