Bühlerhöhe von Brigitte Glaser

Bühlerhöhe von Brigitte Glaser

Dieses Buch ist auf Empfehlung meiner Buchhändlerin mein erster Kontakt mit der Autorin Brigitte Glaser (ich hab mir das Krimi-Lesen ein bisschen abgewöhnt …) und ich habe Freude dran gehabt. Es ist eine gute Mischung aus Krimi, Spionage-Geschichte und Gesellschaftsbild.

Gerade die Erinnerungen der drei Frauen im Mittelpunkt der Geschichte:

  • Rosa, aus Deutschland nach Palästina geflohen, die gesamte Familie bis auf die Schwester in der Nazi-Barbarei verloren und nun überzeugte Israelin
  • Sophie Reisacher aus Straßburg, die einen Nazi geheiratet hat und nun als Hausdame des Hotels Bühlerhöhe nach Höherem strebt, wieder erhobenen Hauptes durch ihre Heimatstadt gehen will
  • Agnes, die Buchhalterin aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen, fromm und mit, wie wir sagen würden, einer posttraumatischen Belastungsstörung

Die Lebensgeschichten der drei bieten eine recht breite Palette an Erfahrungen mit der Nazi- und Nachkriegszeit – Verlust der Heimat, der Familie, Gewalterfahrungen und die Position als Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft. Wie kommt eine Frau wieder auf die Füße, die solches erlebt hat? Alle drei – und noch mindestens die Schwestern von Rosa und Agnes – bieten da sehr unterschiedliche Antworten.

Bühlerhöhe
Schon ein prächtiges Hotel – nicht umsonst heißt es „Schlosshotel“. Ichneumon, Bühlerhöhe, CC BY-SA 3.0
Worum es in der Handlung geht? Adenauer will im Schwarzwald  Urlaub machen, im Hotel Bühlerhöhe. Und er will ein Wiedergutmachungsgesetz durchsetzen,  das in der deutschen Nachkriegsgesellschaft ablehnt wird, aber auch in zionistischen Kreisen nicht gern gesehen wird. Deshalb muss Rosa aus ihrem Kibbuz Omarim in den Schwarzwald reisen – sie hat als Kind in der Gegend Urlaub gemacht, kennt Sprache, Umgebung und bürgerliche Umgangsformen. An ihrer Seite soll ein erfahrener Agent alles Nötige regeln – sie soll „nur“ den passenden Hintergrund bilden und Hintergrundinformationen liefern. Doch der Agent kommt erst mal nicht – Rosa, die unerfahrene Agentin ist auf sich gestellt. Von Sophie Reisacher, der Hausdame des Hotels wird sie misstrauisch beobachtet – mit der angeblich so vornehmen Frau Goldmann stimmt doch was nicht, man sehe sich nur die Bäuerinnenhände an … Agnes, die im benachbarten Hotel Hundseck arbeitet, entdeckt unter den Hotelgästen einen sehr unliebsamen alten „Bekannten“ und gerät in Panik. Von den deutschen Sicherheitsbehörden genau wie vom Geheimdienst Israels wird ein Attentat auf den Kanzler vermutet, allerdings aus unterschiedlichen „Richtungen“ – von den einen aus der linken, von den anderen aus der zionistischen Ecke. Rosa und ihr Partner sind dem Sicherheitschef des Kanzlers angemeldet; er hält die Anwesenheit der beiden – anfangs nur Rosas – für völlig überzogen.

Ehrlich gesagt, hatte ich den Knackpunkt der Spannungshandlung (also, wer ist der „Bösewicht“ im Sinne der Aufgabe von Rosa?) relativ schnell entdeckt – da hat mir Brigitte Glaser keine große Überraschung mit ihrem Showdown geboten. Aber das Drumrum, die Erfahrungen der Menschen in den 40er und 50er Jahren und wie man mit denen der Nazizeit in der Nachkriegszeit zurechtkommt – oder eben auch nicht -, das fand ich spannend und bin der Geschichte gern gefolgt. Dass Konrad Adenauer hier nur als Staffage dient, ist weiter nicht überraschend – sein Gesetz gibt ja nur den Anlass für eine Handlung, deren Schwerpunkt für mich in der Verfechtung unterschiedlicher Erfahrungen in den Jahren des Grauens und des beginnenden Wiederaufbaus liegt.

Brigitte Glaser: Bühlerhöhe, List Verlag, Berlin, 2016, ISBN: 9783471351260

Bisher gibt es noch keine Kommentare

Einen Kommentar hinterlassen

Ich akzeptiere