Es muss nicht immer Kaviar sein von Johannes Mario Simmel

Es muss nicht immer Kaviar sein von Johannes Mario Simmel

Das war jetzt ein paar Tage lang meine Sommerlektüre – ein Klassiker der Unterhaltungsliteratur: Der achte Titel, den Johannes Mario Simmel verfasste und der wahrscheinlich nicht nur in meinem Haushalt sein Dasein in der Küche fortführen wird.

Bisher habe ich nichts von Johannes Mario Simmel gelesen – doch als mir eine Bekannte letztens davon erzählte und es dann so heiß wurde, war das genau die richtige Lektüre: leicht und heiter. Wer mein Blog schon ein bisschen kennt, weiß, dass ich Karl-May-Leserin bin und da habe ich eine besondere Schwäche für die Münchmeyer-Romane. Genau in die Kategorie fällt auch „Es muss nicht immer Kaviar sein“.

Brockhaus and Efron Encyclopedic Dictionary b53 416-1
Eine russische Lexikonillustration von Anfang des 20. Jahrhunderts zur Gewinnung und Verarbeitung von Kaviar
Der Held Thomas Lieven ist ja so was von begabt: Sprachen, rasche Auffassungsgabe, elegant, gebildet, ein Frauenheld, mutig und gerissen und kochen kann er auch ganz formidabel. Seine Kochkunst rettet ihm mehr als einmal das Leben und die Freiheit – und das in einer Zeit, zwischen 1939 und 1957 nämlich, als Essen auf große Strecken nichts mit Genuss zu tun hatte. Er hat Überzeugungen, die nicht in die Zeit passen – ist Pazifist! – und  eine Abneigung gegen Uniformen. Von einem Abenteuer stolpert er ins nächste, begegnet vielen Freunden und Freundinnen mehrfach, von den Feinden und Feindinnen ganz zu schweigen. Er übersteht Gestapo-Folter und Gefängnis, hasst den Geruch von Chloroform und neigt zur Schulmeisterei.

Genau wie die Helden bei Karl May ;-). Naja, die sind keine Frauenhelden. und von echter Eleganz ist da nichts zu spüren – sowas war May nie wichtig. Aber begabt sind sie alle, stark und schlau und wahnsinnig überlegen. Nur, was bei Karl May heute als unfreiwillige Komik rüberkommt, das ist bei Johannes Mario Simmel genussvoll zelebrierte Ironie und Heiterkeit. Es handelt sich also um einen abenteuerlichen Schelmenroman – oder einen sehr heiteren Abenteuerroman; das können Sie sich aussuchen.

Obwohl sein Roman in finsteren Zeiten spielt und Grausamkeiten thematisiert, verliert er nie seine Leichtigkeit; dazu kommt dann noch ein Schuss Gesellschaftskritik, wenn Johannes Mario Simmel andeutet, dass die Großen der Nazizeit noch heute (also 1960!) angesehene Leute sind.

Die Rezepte sind immer nett mit einem Ziel überschrieben – also was Thomas Lieven damit erreichen wollte oder erreicht hat. Er becirct so Menschen aller kriegführenden Nationen. Einige Sachen kochen wir heute anders – z. B. nehme ich bei Risotto nicht einfach Wasser sondern einen Schuss Wein und dann eine passende Brühe. Wer sich aber mal mit echtem Pudding auseinandersetzen will, hat hier die Auswahl zwischen süßen und herzhaften Varianten. Was wir unter „Schokoladenpudding“ kennen, ist ja schließlich  ein Flammeri …

Eine heitere Lektüre mit ein paar nachdenkenswerten Anregungen zu den Folgen von Krieg und Gewalt – eine leichte Sommerlektüre mit nahrhaftem Nebennutzen.

Johannes Mario Simmel: Es muß nicht immer Kaviar sein. Die tolldreisten Abenteuer und auserlesenen Koch-Rezepte des Geheimagenten wider Willen Thomas Lieven. Zürich, Schweizer Druck- und Verlags-Haus, 1960.

PS: Was mir gerade noch auffiel: Im Grunde kann das Buch auch zu „Thema ’45“ hinzugezählt werden ….

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