Das Buch von Ann Patchett ist verlost

Ein dickes Dankeschön an die Beiträgerinnen für meine Verlosung des kleinen Büchleins von Ann Patchett – ich fand die Geschichten rund um Eure Vorlieben und Strategien zum “stationären Buchhandel” wirklich spannend.

Martin hat nun heute seines Amtes gewaltet und aus den fünf Zettelchen einen gezogen:

Martin hat Maikes Namen gezogen - Herzlichen Glückwunsch

Martin hat Maikes Namen gezogen – herzlichen Glückwunsch

Der Umschlag geht raus, sobald ich Deine Postanschrift habe, liebe Maike.

 

What matters in Jane Austen? von John Mullan

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011.jpgDass ich ein Jane-Austen-Fan bin, brauche ich ja hier nicht mehr so sehr zu betonen. Und dass Bücher Bücher empfehlen, ist für engagierte Leserinnen eh eine Binsenweisheit. Bei meiner Rezension des Buchs Briefe von Simon Garfield fiel mir der Hinweis auf ein Werk von John Mullan auf. Übersetzt würde der Titel ungefähr so lauten: Was genau ist das Wichtige bei Jane Austens Romanen? Ich habe mir das Buch von John Mullan besorgt und große Freude daran gehabt.

“Twenty crucial puzzles solved” (20 grundlegende Rätsel gelöst) lautet der Untertitel und so ist das Buch in 20 Kapitel eingeteilt, die unterschiedlichen Fragestellungen nachgehen, die einem beim Lesen der Bücher von Jane Austen in den Kopf kommen (können …). Zum Beispiel:

  • How much does age matter? (Wie wichtig ist das Alter?)
  • What makes Characters blush? (Was lässt Personen erröten?)
  • Why is the Weather important? (Warum ist das Wetter so wichtig?)
  • Do We ever see the lower classes? (Bekommen wir die unteren Klassen überhaupt zu sehen?)
  • Is there any Sex in Jane Austen? (Gibt es Sex bei Jane Austen?)

John Mullan beschäftigt sich mit diesen Fragen anhand der Texte der Romane und gelegentlich auch der Briefe von Jane Austen. Dabei lässt er uns sowohl in die Gedanken der Heldinnen als auch die der Autorin schauen, er rekurriert auf damals übliche gesellschaftliche Standards und die übliche Literatur der Zeit. Auf unterhaltsame Weise ermöglicht er einen neuen Blick auf Emma, Elizabeth, Elinor und die anderen altbekannten Figuren. Es ist mir tatsächlich so gegangen, wie es Simon Garfield in seinem Buch schildert: Ich habe Lust bekommen, Jane Austens Romane erneut zu lesen; am liebsten auf Englisch, auch wenn mir da sicher manche Feinheit entgeht.

Diese - idealisierte - Porträt der jungen Jane ziert in etwas abgewandelter Form das Cover der mir vorliegenen Ausgabe.

Dieses – idealisierte – Porträt der jungen Jane ziert in etwas abgewandelter Form das Cover der mir vorliegenen Ausgabe.

Doch mein Blick wird geschärft sein für die Kommunikation zwischen Schwestern, seien sie so unterschiedlich wie Elinor und Marianne, die Steels, Maria und Julia oder Jane und Elizabeth. Und vielleicht lerne ich sogar, die dünkelhafte Emma zu schätzen. Ich werde das Personal bewusster sehen, dass das Leben der Gentry überhaupt ermöglicht. Dass Charlotte Lucas eine besonnene Person ist, ist mir schon klar gewesen – wie signifikant ihr Verhalten gegenüber Mr. Collins für die spätere Ehe ist, habe ich bei John Mullan gelernt.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit den literarischen Innovationen, die Jane Austen eingesetzt hat, wo sie sich von ihren Zeitgenossinnen unterscheidet. Uns ist “Erlebte Rede” (John Mullan spricht vom “free indirect style”) ein völlig vertrautes Stilmittel – Jane Austen ist die erste Autorin, die sie bewusst einsetzt, um ihre Leserinnen in das Innere ihrer Personen blicken zu lassen – und zwar mit all’ ihren Irrtümern und Fehleinschätzungen. Das ist dann wieder ein Novum: Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts waren klare Charakterzeichnungen gefragt – eine Heldin hatte makellos zu sein in Aussehen, Verhalten, Denken und Fühlen. Jane Austens Heldinnen sind alles andere als makellos. Deshalb haben sie überlebt 😉

English Version:

When I reviewed the Book “To the Letters” from Simon Garfield (the german translation), I got the hint to this book of John Mullan. As a fan of the novels from Jane Austen I was very interested – and I got a lot of informations about the well known books, which will change my future reading.  John Mullan has written about the Lower classes in Jane Austen, about Sisterhood in variations, sex in Jane Austen and other questions concerning manners, books and social relationships. He is writing a very agreeable style (well, I’m not realy to judge this, because my English is poor, but I’ve been delighted). And now I’m keen to reread the novels of Jane Austen with this informations and insights.

John Mullan: What matters in Jane Austen? Twenty crucial puzzles solved, Bloomsbury, London, 2012, ISBN: 978148820117

PS: Als ich meine Regale nach Austens Büchern im Original absuchte, habe ich festgestellt, dass “Emma” 2x im Regal steht; sollte also jemand interessiert sein …. Ich geb es gerne ab.

Verlosung: Aus Liebe zum Buch von Ann Patchett

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgDas hübsche kleine Bändchen von Ann Patchett lag so einladend neben der Kasse meiner Buchhandlung, dass ich nicht widerstehen konnte. Schon allein dieser i-Punkt in Form eines aufgeschlagenen Buchs … Da hatte ich noch keine Ahnung, worum es in dem Buch eigentlich geht.

Es ist die Geschichte, wie die Autorin Ann Patchett im Jahr 2010 in ihrer Heimatstadt Nashville Mitbegründerin eines Buchladens – “Parnassus Books” – wird. Gleich auf der ersten Seite wird deutlich, dass es um eine Erfolgsgeschichte geht. Der Laden brummt. Und das war vorher nicht so absehbar.
Nashville hat zur Zeit der Gründung keine einzige Buchhandlung mehr. Ein unhaltbarer Zustand. Denn:

Jetzt, da wir jederzeit jedes Buch bestellen können, ohne uns vom Bildschirm wegzubewegen, merken wir, was wir verloren haben: eine Begegnungsstätte, zwischenmenschlichen Kontakt, die Empfehlung eines klugen Lesers im Gegensatz zu einem Computeralgorithmus, der uns sagt, was andere Kunden gekauft haben. (S. 39)

Diesen Satz kann ich voll unterschreiben. Und Sie sicher auch. Was ist es, dass Sie an Ihrer Buchhandlung schätzen? Schreiben Sie einen oder zwei Sätze dazu unten in den Kommentar und vielleicht gewinnen Sie dann das kleine Bändchen von Ann Patchett. Frist ist der 28.2.2016 um Mitternacht. Ich bin sehr gespannt, was Ihnen, die Sie hier mitlesen, an “Ihrer” Buchhandlung wichtig ist, auf Ihr Statement zum “stationären Buchhandel” (schönes Wort, gelt? Bitte geben Sie Ihre Mail-Adresse an, damit ich Sie im Falle eines Gewinns benachrichtigen kann (sie wird nicht veröffentlicht). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ann Patchett: Aus Liebe zum Buch, übersetzt von Marion Hertle, Atlantik Verlag, Hamburg, 2016, ISBN: 9783455370287

PS: Martin freut sich auch schon, wieder in Aktion treten zu können.Martin1

Scarlet Pimpernel von Baroness Orczy

rp_Bild-historisches-300x1993.jpgVor rund 40 Jahren bekam ich einen Sammelband von Reader’s Digest geschenkt – darin fand ich vier gekürzte Romane (dass sie gekürzt waren, war mir damals noch nicht bewusst). Unter den vieren war auch einer, der meinem kitschresistenten Abenteuergeschichtengeschmack entsprach: Scarlet Pimpernel von Baroness Orczy. Ich habe die Geschichte immer wieder gern gelesen. Die farbigen Illustrationen taten ein Übriges – vielleicht kein absolutes Lieblingsbuch, aber ein gern zur Hand genommener Schmöker.

Nun fiel mir vor einiger Zeit die ungekürzte Fassung des Buchs in die Hände. Begierig auf neue Erkenntnisse machte ich mich an die Lektüre. Und war enttäuscht.

Nein, nicht nur, weil sich mein Geschmack inzwischen geändert hat – das auch –, sondern weil es tatsächlich Längen im Original gibt, die sehr ermüden. Baroness Orczy hat Anfang des 20. Jahrhunderts mit Romanen und Übersetzungen ihr und ihres Mannes Leben zu finanzieren versucht; der erste Roman war ein Flop. Dann bot sie ein Theaterstück um Percy Blakeney an – es wurde vier Jahre lang gespielt. Daraus entwickelte sie dann den Roman.

Nachdem ich diese Information hatte, konnte ich für mich analysieren, was die gekürzte Fassung so viel lesbarer machte:
Baroness Orczy neigt zu Erklärungen über die Zeit, 1792, in der ihre Geschichte spielt, stellt sich auf den Blickwinkel „aus großer zeitlicher Ferne“ ein und erläutert Mode, Sitten und politische Gegebenheiten. Leider wird da manches mehrfach erläutert – ermüdend.

Sie nutzt zur Beschreibung ihrer Frauengestalten in erster Linie drei Adjektive

  • hübsch
  • bezaubernd
  • lieblich

Ein klein wenig eintönig …

Das Innenleben der Figuren, besonders das von Marguerite, der Hauptperson, ist keineswegs einleuchtend, da Baroness Orczy den jeweiligen Seelenzustand auswalzt und in die Vergangenheit verlängert. Ist Marguerite angespannt, kommt ihr Gatte Percy Blakeney sehr schlecht weg. Sie habe damals nur gehofft, dass sie in mal lieben können werde; ist sie nun um ihn besorgt, ist die leidenschaftliche Liebe zu ihm schon sehr alt.

Nein, Baroness Orczy hat das Füllmaterial in ihren Theaterszenen nicht sorgfältig bearbeitet und so ist die Kürzung bei Reader’s Digest tatsächlich ein Gewinn für das Buch.

So sieht die Einzelblüte von Anagallis arvensis in Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomés Buch "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz", das 1885 erschien (Quelle: Wikipedia Commons)

So sieht die Einzelblüte von Anagallis arvensis in Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomés Buch “Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz” aus, das 1885 erschien (Quelle: Wikimedia Commons)

Ach, Sie wollen auch was zum Inhalt lesen? 1792, wie gesagt – französische Revolution und Septembemorde. Eine anonyme Gruppe junger Engländer schafft es, verurteilte Adlige vor der Guillotine zu retten. Ein Gesandter der revolutionären Regierung veranlasst Marguerite Blakeney, geborene St. Just, um ihren Bruder zu retten, Hinweise weiterzuleiten, wer der geheimnisvolle Anführer ist, der mit dem Symbol der kleinen roten Blume – Scarlet Pimpernel – signiert. Erst als sie ihre Erkenntnisse weitergegeben hat, wird ihr klar, dass Percy Blakeney, ihr Mann, dieser Held ist und macht sich auf, ihn zu retten.

Baroness Orczy: Scalet Pimpernel. Das scharlachrote Siegel, übersetzt von Werner von Grünau, Kipenheuer und Witsch, Köln, ISBN: 3462623098

Nachtrag vom 14.3.2016: Ich melde diesen Beitrag zur Golden-Backllist-Challenge des Blogs Papiergeflüster an. Nähere informationen dazu gibt es auch noch in dem Beitrag zur Golden-Backlist-Challenge hier im Blog. #GoldenBacklist

Der totale Rausch von Norman Ohler

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011.jpgStatt eines Vorworts bietet Norman Ohler seinen Leserinnen eine “Packungsbeilage”, die genau zu lesen sich empfiehlt, denn hier macht er gleich zu Beginn deutlich, wie sein Buch einzuschätzen ist:

Was hier präsentiert wird, ist eine unkonventionelle, verzerrte Perspektive, und die Hoffnung liegt darin, in der Verzerrung manches klarer zu erkennen. Die deutsche Geschichte wird nicht um- oder gar neu geschrieben. (S. 13f)

Worum geht es? Norman Ohler schildert, wie er über den Tageskalender von Theo Morell auf sein Thema stieß, denn darin wird, so interpretiert es Ohler, dokumentiert, welche Drogen in welcher Kombination und Häufigkeit dieser Arzt seinem Patienten A. verabreichte – dieser Patient A. ist Adolf Hitler.

In reportagehafter Manier beginnt Norman Ohler mit einer Beschreibung des heute in Ruinen befindlichen Pharmaziebetriebs Temmler-Werke in Berlin, in dem “Pervitin” hergestellt wurde. Das ist der damals gängige Handelsname für Methamphetamin, heute unter anderem als “Speed” oder “Crystal Meth” berüchtigt. Die angsthemmende, zumindest zuerst konzentrationsfördernde Wirkung dieser Substanz wurde im zweiten Weltkrieg anfangs unbedenklich, später etwas geringer dosiert, Soldaten aller Kampfeinheiten verabreicht – das Heer der Nazis stand also unter Drogen, als es die Blitzkriegsattacken gewann – so Norman Ohler.

Nun sind die Erkenntnisse von Norman Ohler nicht ganz neu. Bereits am 30.11.2011 erschien in der taz ein Beitrag zu diesem Thema; auch der Drogenkonsum Hitlers und seiner Führungsriege sind dort schon thematisiert.

Was Norman Ohler nun macht: Er schreibt eine durchgehende Geschichte des Drogenkonsums – einschließlich Goethe, der wie die meisten seiner Zeitgenossen Laudanum einnahm -, schildert die Entwicklung der chemischen Prozesse im Fabrikmaßstab in Deutschland und lässt so eine ganze Kette von Ereignissen und Entwicklungen logisch aufeinander folgen.

Auch dem Drogenkonsum Hitlers geht er minutiös nach. Dazu nutzt er neben dem Tageskalender besagten Theo Morells auch andere Quellen: Tagebuchaufzeichnungen, Briefe etc. Fast schon liebevoll detailliert schildert er, wie er sich die Szenen zwischen Hitler und seinem Arzt vorstellt – und das ist der Punkt: Wir wissen es nicht. Es ist seine Vorstellung. Da tut es vor dem Ärgern gut, sich den eingangs zitierten Satz aus der “Packungsbeilage” ins Gedächntnis zu rufen 😉

Schwieriger als diese Spekulationen finde ich den häufigen Bezug auf das nach Ohlers Worten einzige Buch, das sich dem Thema bereits gestellt hat: “Nazis on Speed” von Werner Pieper. Und nein, ich verlinke nicht auf dessen Seiten, denn mir erscheint ein Mann suspekt, der eine Rechtshilfe für Dealer ins Leben rief und selbst als Dealer bekannt und aktiv war.

Norman Ohler schreibt suggestiv und durchaus spannend; wer also eine durchgehende Darstellung zum Thema Drogenkonsum im dritten Reich lesen will, ist hier sicher nicht verkehrt – aber bitte immer den oben zitierten Satz im Hinterkopf behalten, ja?

Norman Ohler: Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reiche, Kiepenheur & Witsch, Köln, 2015, ISBN: 9783462047332

 

Gedicht zum Tag – Aschermittwoch von Alfred Lichtenstein

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Gesten noch ging ich gepudert und süchtig
In der vielbunten tönenden Welt.
Heute ist alles schon lange ersoffen.

Hier ist ein Ding.
Dort ist ein Ding.
Etwas sieht so aus.
Etwas sieht anders aus.
Wie leicht pustet einer die ganze
Blühende Erde aus.

Der Himmel ist kalt und blau.
Oder der Mond ist gelb und platt.
Ein Wald hat viele einzelne Bäume.

Ist nichts mehr zum Weinen.
Ist nichts mehr zum Schreien.
Wo bin ich –

Alfred Lichtenstein

Briefe! von Simon Garfield

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011.jpgDas erste Kapitel kommt ein bisschen kryptisch daher und hat mir den Einstieg versaut – aber dann hatte ich Freude an dem Buch von Simon Garfield.

Es ist eine unterhaltsame, manchmal respektlose und sehr authentisch daherkommende Biographie des Briefs – zumindest, wenn man mit dem 2. Kapitel beginnt 😉 . Da geht es um Brieffragmente der römischen Garnison in Vindolanda, nahe der schottischen Grenze. Ich erfahre etwas über Grußformeln in antiken Briefen und warum erst die Römer “persönliche” und “literarische” Briefe schrieben. Simon Garfield greift dabei immer wieder vor und zurück, beleuchtet z. B. die Formalitäten in Briefen in den verschiedenenn Epochen und vergleicht sie mit der heutigen, flüchtigen E-Mail-Korrespondenz.

Ein Kapitel, das mich besonders interessierte heißt: “Warum Jane Austens Briefe so langweilig sind (und andere gelöste Probleme rund um die Post)” – auch wenn ich der Prämisse Garfields nicht völlig zustimme, hat mir das Kapitel doch einiges gebracht, denn dass man den aus dem Korrespondenz-Zusammenhang gerissenen Einzelbriefen nicht so viel Vergnügen abgewinnen kann, wie sie die Schreiberinnen und Leserinnen damals wohl hatten, ist ja klar. Die  – auch in Austens Romanen vorgestellte – Praxis, erhaltene Briefe der gesamten Familie vorzulesen, nutzt Simon Garfield, um den Mangel an nach unserer Ansicht wirklich persönlichen Äußerungen zu erklären. Außerdem schildert er hier das Postwesen der Zeit – einmal ind en Büchern von Jane Austen, aber auch die Entwicklung danach in England, die dazu führte, dass es nun seit rund 175 Jahren Briefmarken gibt.Penny black

Gerade diese historischen Fakten rund um Brief und Poststellen, Transport, Auslieferung und Kosten erzählt Simon Garfield äußerst amüsant und reichert sie mit teils sehr skurrilen Ankdoten an, wie der der jungen Frau, die ein Zimmer mit Briefmarken tapezieren wollte und eine entsprechende Anfrage in die Zeitung setzte.

Briefratgeber für die verschiedenen Gelegenheiten – an eine höhergestelte Persönlichkeit zu schreiben, einen Sohn beim Studium zu ermahnen, einen Liebesbrief zu verfassen usw. – haben sich schon immer einer hohen Beliebtheit erfreut und werden hier mit Verve vorgestellt – insgesamt in drei Teilen, chronologisch angeordnet. Sehr hübsch: Lewis Carrolls Ratgeber für Leute, die noch nie einen Brief geschrieben haben – so lebensnah!

Chris Barker und seine Frau Bessie haben sich während der 40er Jahre im zweiten Weltkrieg viele Briefe geschrieben – da waren sei noch nicht verheiratet; die Korrespondenz diente eindeutug dazu, ihre Vertrautheit zu vertiefen und ihre Bindung zu festigen – diese Briefe bilden ab dem 3. Kapitel jeweils den Abschluss eines Kapitels und ich kann der Geschichte der beiden folgen. Im Nachwort erläutert Simon Garfield die Herkunft der Briefe und wie er an sie geriet.

Auch so ein E-Mail-Junkie wie ich kann nach der Lektüre dieses Buchs in Versuchung geraten, sich bei “Letters in the Mail” oder Postcrossing (gut, das sind jetzt “nur” Postkarten, aber immerhin; ich weiß, dass auf diese Weise schon Freundschaften über Ländergrenzen hinweg entstanden sind!) einzutragen.

Simon Garfield hat einen schönen Wälzer geschrieben, denn ich peu à peu durcharbeiten kann oder je nach Laune mir ein Kapitel, ein paar Briefe auswählen.

Simon Garfield: Briefe! Ein Buch über die Liebe in Worten, wundersame Postwege und den mann, der sich selbst verschickte, übersetzt von Jörg Fündling, Theiss Verlag, Darmstadt, 2015, ISBN: 9783806231755 (E-Pub-Ausgabe: 9783806231779 )