Scarlet Pimpernel von Baroness Orczy

Scarlet Pimpernel von Baroness Orczy

Vor rund 40 Jahren bekam ich einen Sammelband von Reader’s Digest geschenkt – darin fand ich vier gekürzte Romane (dass sie gekürzt waren, war mir damals noch nicht bewusst). Unter den vieren war auch einer, der meinem kitschresistenten Abenteuergeschichtengeschmack entsprach: Scarlet Pimpernel von Baroness Orczy. Ich habe die Geschichte immer wieder gern gelesen. Die farbigen Illustrationen taten ein Übriges – vielleicht kein absolutes Lieblingsbuch, aber ein gern zur Hand genommener Schmöker.

Nun fiel mir vor einiger Zeit die ungekürzte Fassung des Buchs in die Hände. Begierig auf neue Erkenntnisse machte ich mich an die Lektüre. Und war enttäuscht.

Nein, nicht nur, weil sich mein Geschmack inzwischen geändert hat – das auch –, sondern weil es tatsächlich Längen im Original gibt, die sehr ermüden. Baroness Orczy hat Anfang des 20. Jahrhunderts mit Romanen und Übersetzungen ihr und ihres Mannes Leben zu finanzieren versucht; der erste Roman war ein Flop. Dann bot sie ein Theaterstück um Percy Blakeney an – es wurde vier Jahre lang gespielt. Daraus entwickelte sie dann den Roman.

Nachdem ich diese Information hatte, konnte ich für mich analysieren, was die gekürzte Fassung so viel lesbarer machte:
Baroness Orczy neigt zu Erklärungen über die Zeit, 1792, in der ihre Geschichte spielt, stellt sich auf den Blickwinkel „aus großer zeitlicher Ferne“ ein und erläutert Mode, Sitten und politische Gegebenheiten. Leider wird da manches mehrfach erläutert – ermüdend.

Sie nutzt zur Beschreibung ihrer Frauengestalten in erster Linie drei Adjektive

  • hübsch
  • bezaubernd
  • lieblich

Ein klein wenig eintönig …

Das Innenleben der Figuren, besonders das von Marguerite, der Hauptperson, ist keineswegs einleuchtend, da Baroness Orczy den jeweiligen Seelenzustand auswalzt und in die Vergangenheit verlängert. Ist Marguerite angespannt, kommt ihr Gatte Percy Blakeney sehr schlecht weg. Sie habe damals nur gehofft, dass sie in mal lieben können werde; ist sie nun um ihn besorgt, ist die leidenschaftliche Liebe zu ihm schon sehr alt.

Nein, Baroness Orczy hat das Füllmaterial in ihren Theaterszenen nicht sorgfältig bearbeitet und so ist die Kürzung bei Reader’s Digest tatsächlich ein Gewinn für das Buch.

So sieht die Einzelblüte von Anagallis arvensis in Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomés Buch "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz", das 1885 erschien (Quelle: Wikipedia Commons)
So sieht die Einzelblüte von Anagallis arvensis in Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomés Buch „Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz“ aus, das 1885 erschien (Quelle: Wikimedia Commons)

Ach, Sie wollen auch was zum Inhalt lesen? 1792, wie gesagt – französische Revolution und Septembemorde. Eine anonyme Gruppe junger Engländer schafft es, verurteilte Adlige vor der Guillotine zu retten. Ein Gesandter der revolutionären Regierung veranlasst Marguerite Blakeney, geborene St. Just, um ihren Bruder zu retten, Hinweise weiterzuleiten, wer der geheimnisvolle Anführer ist, der mit dem Symbol der kleinen roten Blume – Scarlet Pimpernel – signiert. Erst als sie ihre Erkenntnisse weitergegeben hat, wird ihr klar, dass Percy Blakeney, ihr Mann, dieser Held ist und macht sich auf, ihn zu retten.

Baroness Orczy: Scalet Pimpernel. Das scharlachrote Siegel, übersetzt von Werner von Grünau, Kipenheuer und Witsch, Köln, ISBN: 3462623098

Nachtrag vom 14.3.2016: Ich melde diesen Beitrag zur Golden-Backllist-Challenge des Blogs Papiergeflüster an. Nähere informationen dazu gibt es auch noch in dem Beitrag zur Golden-Backlist-Challenge hier im Blog. #GoldenBacklist

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