Der irische Löwe von Annelie Wendeberg

„Der irische Löwe“ – was kann ich mir darunter vorstellen? Annelie Wendeberg steigt mit diesem historischen Krimi in die Slums von London Ende des 19. Jahrhunderts. Der männliche Part des Ermittlerduos ist ein irischer Einbrecher von hünenhafter Gestalt und mit roter Mähne. Er heißt Garret. Der weibliche Part heißt Anna, lebt im Slum, ist als Krankenschwester bekannt und birgt ein Geheimnis.

Der erste Kontakt der beiden ist dramatisch: Garret taumelt mitten in der Nacht schwer verletzt in Annas Wohnung, um sich verarzten zu lassen. Bei ihrer Arbeit im Slum begegnet Anna eine junge Prostituierte mit aufgeschlitzter Wange. Sie versorgt die Wunde des Mädchens und will wissen, wer ihr diese Verletzung zugefügt hat. Da das Mädchen kein Geld verdienen kann, fliegt es aus dem Puff – Anna macht sich Sorgen. Bei ihren Nachforschungen erfährt sie von einem vornehmen Freier mit merkwürdigen Gelüsten: Er pflegt die Prostituierten mit einem Messer zu „kitzeln“, fügt ihnen also Verletzungen zu – aber nur “leichte”. Außerdem bevorzugt er Frauen während ihrer Menstruation.

Mit ihren Nachforschungen begibt sich Anna auf gefährliches Gelände, was sie im direkten Kontakt mit diesem Freier auch zu spüren bekommt. Garret, der für die zierliche Frau Zuneigung empfindet, schwingt sich zu ihrem Beschützer auf. Immer wieder begegnen die beiden einander und Anna fasst nach und nach Zutrauen. Doch ist sie nicht bereit, ihr tiefstes Geheimnis mit ihnen zu teilen. Da führt auch der Klappentext ein wenig in die Irre, denn ihre Tätigkeit als vorgeblich männlicher Arzt in einer Klinik spielt im Roman selber nur diese Rolle: Annas großes Geheimnis.

Wentworth st, Whitechapel Wellcome L0000878

An solchen Szenen muss Anna jeden Tag vorbei – statt wegzuschauen, bringt sie Hilfe. (c) https://wellcomeimages.org/indexplus/image/L0000878.html

Annelie Wendeberg entfaltet das Elend im Slum in vielen Facetten. Da sind die unterschiedlichen Kategorien von Prostituierten, die verwahrlosten Kinder, der Dreck und die schlechte Luft, das schlechte Essen und das wenige saubere Wasser. Anna und Garret sind die beiden Figuren mit Erfahrungen von außerhalb des Slums, die dieses Elend mit einem wünschenswerteren Leben vergleichen können. Sie beide und mit ihnen Annelie Wendeberg akzeptieren die Umstände im Slum sehr nüchtern. Auch wenn ich manchmal den Eindruck hatte, dass Annelie Wendeberg ein bisschen zu sehr ins Detail ging, hat sich in den meisten Fällen die Zusatzinformation als durchaus relevant erwiesen. Allzu detailliert möchte ich mir die Umstände, unter denen Anna und Garret leben und ermitteln, nicht vorstellen.

Im Grunde ist ein Großteil des Buches die Annäherung der beiden unterschieldichen  Menschen Anna und Garret – eine Liebesgeschichte. Und: Ja, es ist auch ein historischer Krimi. Deshalb werde ich über die Handlung weiter nichts verraten. Nur soviel: Als Leserin weiß ich mehr als Anna und Garret je erfahren. Und wirklich beruhigt kann ich am Ende nicht sein …

Mit gerade mal 200 Seiten ist diese Buch überschaubar – eine durchaus spannende und informative  Lektüre für zwischendurch (also “infomativ”, wenn man ws über die Elendsquartiere von London Ende des 19. Jahrhunderts wissen will und für Dickens’ Schmöker gerade nicht die rechte Muße hat 😉 )

Der Roman ist der erste einer Reihe.

Annelie Wendeberg: Der irische Löwe. Ein Anna Kronberg Krimi, übersetzt von Kathrin Bilefeldt und Jürgen Bürger, Kiepnehuer & Witsch Verlag, Köln, 2018: ISBN: 9783462047639

Das Buch ist in der Stadtbibliothek Köln vorhanden – ebenso wie weitere Bände dieser Reihe.

Jane Austen und ihre Nachfolgerinnen – Nachahmerinnen?

Es gibt ja eine Menge Romane, die auf die Texte von Jane Austen zurückgehen – heute ist eine besondere Gruppe dran (in Auszügen!): die der Chick-Lit.

Zu Chick-Lit gibt es hier  und hier ein paar grundlegende Informationen. Im Rahmen von „Beloved Jane“ bin ich über solche Bücher gestolpert. Hier will ich nun drei Beispiele vorstellen – es gibt sehr viel mehr …

“Vermählung” – nach “Stolz und Vorurteil” von Jane Austen

Curtis Sittenfeld hat mit „Vermählung“ (im Original „Eligible“) eine Adaption von „Stolz und Vorurteil“ verfasst, was auch als Untertitel angegeben ist. Namen und Charaktere hat sie fast 1:1 übernommen, das Ganze aber ins Heute verlegt. Die größte Änderung ist das Alter der Leute: Jane ist fast 40! Gut, nach damaligem Verständnis war auch die originale Jane Bennet ein spätes Mädchen, mit 21 Jahren und noch nicht verlobt, geschweige denn verheiratet. Die aktuelle Jane ist also fast 40 und darauf aus, endlich Mutter zu werden, das ist aber eine andere Kategorie. Mr. Bingley ist hier ein schüchterner Arzt, der als Kandidat in der Fernsehshow „Vermählung“  zu sehen war (entspricht im realen Fernsehleben wohl „Der Bachelor“ – so eine Kuppelshow eben.) Jane wird schwanger – künstliche Befruchtung. Und Bingleys Freund Darcy interessiert sich für Janes Schwester Liz – Zoff zwischen den beiden ist die Regel. Am Ende kriegen sich alle. Weiterlesen

Ein Gentleman in Moskau vom Amor Towles

Der Klappentext zum zweiten Roman von Amor Towles ist leider etwas irreführend. Sein Held, Graf Alexander Rostov, ist keineswegs „gezwungen“, als Hilfskellner zu arbeiten. Er wird 1922 zu lebenslangem Hausarrest verurteilt – in demselben Hotel, in dem er sowieso residiert. Von seiner Suite muss er in eine Dachmansarde umziehen und sich von einigen, naja, okay, von sehr vielen seiner weltlichen Besitztümer trennen. Als eine sehr frühe Szene des Buches erscheint die lockere Akzeptanz dieser Verschlechterung seiner Situation erst einmal ungewöhnlich. Sobald ich aber die Gelegenheit habe, Alexander Rostov näher kennen zu lernen, kommt mir seine Haltung – für ihn – sehr natürlich vor.

Aufgewachsen im Zarenreich, streng und liebevoll zugleich erzogen und sowohl finanziell als auch geistig offen für die Genüsse des Lebens, entspricht er in keiner Weise dem Menschenideal des neuen Regimes. Neben der Freude am Genuss sind auch Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein bei ihm tief verwurzelt. So reiste er 1918 von Paris unter großen Schwierigkeiten auf das heimatliche Gut, um seiner geliebten Großmutter eine friedliche Ausreise zu ermöglichen. Amor Towles nutzt immer wieder die Rückblicke, um die Position von Alexander in der erzählten Jetztzeit zu erläutern. Dass er 1922 nicht zum Tode, sondern “nur” zu Hausarrest verurteilt wird, hat er einem Gedicht zu verdanken, dass – noch weit vor jeder Revolution in Russland – mit revolitionären Ideen sympathisierte. Es wurde mit seinem Namen verbunden.

Für die nächsten 35 Jahre muss er sich nun im Hotel einrichten. Finanzielle Notlage kennt er dabei nicht. Er ist trotz des Hausarrestes in der Lage, neue Gewohnheiten und auch neue Kontakte zu pflegen. So lernt er Nina kennen, ein neunjähriges Mädchen, das genauswenig wie er aus dem Hotel herauskommt. Doch Nina weiß sich zu helfen. Sie kennt sich im Hotel aus wie sonst niemand; ihr Geheimnis: ein Generalschlüssel. Den „hinterlässt“ sie dem Grafen, als sie das Hotel verlassen muss. Auch in späteren Jahren taucht sie gelegentlich im Hotel auf, so dass Alexander ihr Leben mitverfolgen kann. Nachdem ihr Mann vom Regime verhaftet worden ist, vertraut sie Alexander ihre kleine Tochter Sofia an, die er nun, in seiner Situation im Hausarrest, groß zieht.

Alexander hat im Hotel viele Freunde und Verbündete: der Koch und der Restaurantchef, die Näherin, der Barbier, der Portier und die Pagen stehen treu an seiner Seite. Neben Nina und ihrer Tochter lernt er weitere Leute kennen, die teils zum Regime gehören, teils auswärtige, ja sogar ausländische Gäste sind. Gegner hat er natürlich auch. Besonders mit dem Hotelchef steht er auf gespanntem Fuß.

Und was ist das Thema des Romans von Amor Towles?

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In diesem Luxusrestaurant macht sich Alexander Rostov in Roman von Amor Towles als Kellner unentbehrlich. © A.Savin, Wikimedia Commons

In einem Statement zu seinem Buch hat Amor Towles gesagt, es gehe um Bildung. Das stimmt. Es geht aber auch um Herzensbildung, um die eigene Persönlichkeit in schwieriger Zeit und um den moralischen Kompass. Mit Alexander Rostov hat Amor Towles eine liebenswerte und überzeugende Figur geschaffen, die, ohne wirklich vollkommen zu sein, solche Ideale lebt. Der feine Humor des Autors macht es mir leicht, dieser Figur zuzuhören, denn wenngleich Amor Towles seinen Grafen sehr ernst nimmt, tut es nicht in allen Belangen. Besonders hübsch finde ich die Art und Weise, in der er seine Hauptfigur altern lässt. Während Alexander als junger Mann alle Treppen bis in den sechsten Stock mit zwei Stufen auf einmal nimmt, wird er im Laufe der Jahre langsamer. Seine Morgengymnastik, die ab einem gewissen Punkt erwähnt wird, verändert sich schleichend: Von 30 Kniebeugen am Anfang geht es runter bis auf fünf am Ende. Nun ja, es sind ja auch 35 Jahre, die Amor Towles schildert. Alexander Rostov lebt nicht nur die Werte, die Onkel (er war Waise) und Großmutter ihn lehrten, er gibt sie auch weiter und er steht zu ihnen. Ein aufrechter, ja, eben “Gentleman”.

An dieser Stelle möchte ich ein paar kurze Zitate bringen, um den Erzählstil von Amor Towles zu verdeutlichen:

Es ist recht schmerzhaft, mit dem Hammer den Daumen zu treffen, und führt unweigerlich dazu, dass man auf und ab springt und den Namen des Herrn unnütz führt. (S. 75).

Als Nina und Alexander heimlich eine Sitzung eines der vielen Komitees verfolgen, die im Hotel tagen, ergeht sich Amor Towles in folgende Betrachtung über einen Satz in der Satzung des tagenden Gremiums.

Und was für Satz das war: Einer, der sich im Reich der Kommata auskannte und den Punkt aufrichtig ablehnte. Denn offensichtlich bestand der Zweck des Satzes darin, ohne Zaudern und Zagen jeden einzelnen Vorzug der Gewerkschaft aufzulisten, einschließlich – aber ohne sich darauf zu beschränken – der unermüdlichen Schultern, der unverdrossenen Schritte, des Klopfens der Hämmer im Sommer, des Schaufelns von Kohle im Winter und des hoffnungsvollen Pfeifens bei Nacht. (S. 79)

Eine Betrachtung zur Zeit gefällig? Amor Towles zum Warten und wie sich die Sekunden gebärden.

Nicht nur verlangt jeder einzelne ihren Auftritt auf der Bühne, sondern sie besteht auch darauf, einen Monolog zu halten, voll mit schweren Pausen und kunstvollen Zögern, und gibt eine Zugabe, sobald man nur die Hand zum Applaus hebt. (S. 350)

Sie können sich also vorstellen, welchen Spaß ich beim Lesen hatte.

Amor Towles: Ein Gentleman in Moskau, übersetzt von Susanne Höbel, Ullstein Verlag, Berlin, 2017, ISBN: (E-Book) 9783843716192

Die englische Originalversion können Sie in der Stadtbibliothek Köln entleihen.

Jane Austens Romane von Christian Grawe

Dieses Buch ist für mich eine Mischung aus Frank Schätzings “Nachrichten aus einem unbekannten Universum” und “Thomas Mann. Ein Porträt für seine Leser” von Hermann Kurzke. Zum einen kann Christian Grawe hier voll in seine große Wissenskiste rund um Jane Austen, ihre Zeit und englische Literatur greifen; das ist der Bezug zu Schätzings Buch. Das Ganze listet er dann in Stichworten alphabetisch sortiert auf – das ist der zu Kurzke, der ja Stichwörter benutzt, um das Werk Manns zu erschließen..

Ich habe ja nun immer mit Gewinn die ganzen Nachworte und Anmerkungen in den Reclam-Ausgaben der Jane-Austen-Romane von Christian Grawe gelesen. Also dachte ich, ich kenn’ das alles. Also, entweder habe ich Details vergessen (was nicht auszuschließen ist) oder Christian Grawe hat hier tatsächlich noch mal ein paar Informationen oben drauf gepackt. Weiterlesen

Zitatsammlungen von Jane Austen

Eine Autorin, die für ihren Witz, ihre Ironie und ihre Beobachtungsgabe gerühmt wird, ist natürlich eine Quelle für Zitate. Also gibt es zu Jane Austen solche handlichen Büchlein, die, thematisch sortiert, ihre Worte verbreiten.

Mein Liebling ist ja das “Jane-a-day“, von dem ich mindestens einmal pro Woche was bei Twitter einstelle (immer zum Datum, da wird nicht gepfuscht). Außerdem denke ich, dass ich daran länger als fünf Jahre Freude haben werde 😉

“Witziges und Weises, Geniales und Gemeines von Jane Austen”

Im Insel-Verlag ist gerade ein sehr handliches kleines Büchlein erschienen: “Witziges und Weises, Geniales und Gemeines von Jane Austen” heißt es. Die Übersetzungen, die ihm zugrundeliegen, stammen alle ebenfalls aus dem Insel-Verlag – kommen mir also manchmal etwas unvertraut vor (das kann den Blick aufs Original nur schärfen!). Weiterlesen

Lostage von Tina Pruschmann

Da hab ich mich auf das Debut von Tina Pruschmann gefreut und erwartungsfroh den E-Reader angeschmissen – und musste feststellen, dass es sich um ein Buch handelt, das bei mir als E-Book nicht funktioniert. Als ich es dann in der Bibliothek als Druckwerk bekam, war ich froh – endlich konnte ich das Werk so lesen, wie es mir gefiel.

Tina Pruschmann erzählt nämlich nicht chronologisch. Jeder Abschnitt ist mit einem Datum versehen (Zeitraum 1960 bis heute, zuzüglich der Kriegszeiten, von denen einzelne Personen erzählen) und ich musste immer mal wieder zurückblättern, um Personen und Zeiten zuzuordnen. Weiterlesen

Jane Austen. 100 Seiten von Christian Grawe

Nun habe ich schon so vieles von Christian Grawe über Jane Austen gelesen – und da schafft er es doch mich noch mal zu überraschen 🙂 Klar, einige Fakten und auch die Nacherzählungen ändern sich inhaltlich nicht. Aber allein der Anfang – sehr persönlich, seine eigene erste Begegnung mit “Pride and Prejudice”. Die sofort aufkommende Begeisterung gerade für den berühmten Anfang vermittelt er in ein paar Absätzen – auch als alte Häsin in Sachen Jane Austen habe ich sie noch mal als so eine Art Augenöffner erlebt. Und schon so am Anfang: Erstaunlich, wie viele Informationen Christian Grawe auf so wenigen Seiten zusammenträgt.

Man kann es sich heute gar nicht vorstellen, wie unbekannt Jane Austen vor 50 Jahren in Deutschland war. Christian Grawe macht das an der Reaktion von Verlegern deutlich; einer meint, Chrstian Grawe wolle mit einer Biographie

einer noch lebenden jungen Autorin zu unverdientem frühen Ansehen verhelfen. (S. 5)

Ziel des Bändchens ist eine Einstiegshilfe in die Lektüre von Jane Austens Büchern. Deshalb gibt es eine kurze Inhaltsangabe zu allen Romanen und auch zu den Jugendwerken, mit ein paar besonders typischen Zitaten als Schmakerln garniert. Es fehlt auch nicht der kurze Abriss zum Leben und zur Gesellschaft vor 200 Jahren. Und zu guter Vorletzt geht Christian Grawe noch etwas ausführlicher auf das Besondere in Jane Austens Stil ein. Um die Leseeinladung perfekt zu machen, gibt es eine Liste zur empfohlenen Einstiegsdroge – äh, pardon, -lektüre.

CassandraAusten-JaneAusten(c.1810) hires lebenjunge Autorin à la Christian Grawe

Hier haben wir die “lebende junge Autorin” gezeichnet von ihrer Schwester Cassandra

Ach ja, und zu den Verfilmungen äußert er sich auch – für alle, die “das Buch zum Film” suchen 😉

Für mich ist klar – ich glaub, ich hatte es an anderer Stelle schon erwähnt: Ich muss mich noch mal an “Emma” machen. Und “Sense and Sensibility” noch mal lesen – Christian Grawe bezeichnet das Buch als Jane Austens bitterstes Werk …

Christian Grawe: Jane Austen. 100 Seiten, Reclam-Verlag, Stuttgart, 2016, ISBN: 9783150204177

Das Buch gibt’s auch in der Stadtbibliothek Köln.

Die Besprechung gehört in meine Reihe “Beloved Jane”, die ich anlässlich des 200. Todestags am 18.7.2017 in diesem jahr begonnen habe.

Die schöne Cassandra von Jane Austen

2012 erschien die Sammlung der gesammelten Jugendwerke von Jane Austen erstmals auf Deutsch – in der mir sehr vertrauten Übersetzung von Christian und Ursula Grawe (ich bin mit den Reclambändchen der Werke Austens sozialisiert).

Die Texte entstanden in der Teenagerzeit von Jane Austen, zwischen 1786 und 1793 und dienten der abendlichen Unterhaltung im Familien- und Freundeskreis. Insgesamt 27 Werkchen – im Umfang zwischen einer halben Seite und einer Novelle von ca. 50 Seiten – hat Jane Austen offensichtlich selber zusammengetragen, denn sie finden sich in drei Heften, säuberlich geschrieben und mit „Band 1-3“ bezeichnet, sorgfältig aufbewahrt. Ja, die Hefte wurden sogar regelgerecht vererbt – sie kamen im Testament vor.

Aber was erzählt sie denn nun? Weiterlesen

Emma Watson von Joan Aiken

Ehrlich gesagt bin ich die Version der “Watsons” von Joan Aiken sehr vorsichtig herangegangen, denn vor ewigen Zeiten hat mir ihre Version der Emma-Geschichte – “Jane Faifax” – so gar nicht gefallen. Und was ist passiert? Ich habs an einem Nachmittag ausgelesen 🙂 Ein weiterer Punkt, der zuerst gegen “Emma Watson” sprach: Ich hatte kurz zuvor die anonym vollendete Version von Jane Austens Fragment gelesen und war quasi in  Hinblick auf die zu erwartenden Ehen etwas voreingenommen.

Was genau macht Joan Aiken nun mit dem Stoff? Sie bedient sich der fünf Kapitel, die Jane Austen zu den “Watsons” hinterlassen hat, als Steinbruch, um auf Ereignisse vor dem Einsetzen ihrer eigenen Handlung zu verweisen. Sie stellt sie ihrem eigenen Werk aber nicht voran. Dabei nutzt sie, wenn ich der Übersetzung trauen darf, Satzteile und Formulierungen, die dann als vertraute Bausteine erkennbar sind. Ähnlich wie Mella von der Jane-Austen.de-Seite habe ich die Erwähnung der Alltagsrezepte usw. aus der Zeit um 1804 als etwas übertrieben empfunden. In meinen Augen nehmen sie aber nur im ersten Kapitel einen unbillig großen Raum ein; naja, gut, am Ende, die ganzen Tipps zum Kurieren von Pferden … Die ersten Kapitel, die den ersten Tag (!) der Handlung schildern, haben sowieso den Nachteil, etwas überfüllt zu wirken – in meinen Augen hat Joan Aiken hier zu viel reingepackt, nämlich: Weiterlesen

Geniale Störung von Steve Silberman

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgWieder so ein Aha-Erlebnis: Steve Silberman geht in seiner Geschichte zum Autismus auch auf die unterschiedlichen Therapieansätze im 20. Jahrhundert ein, darunter auch dem, das Kind festzuhalten, anzuschauen und ihm zu sagen, wie man sich fühlt – so eine Szene gibt es auch in “Erst grau, dann weiß, dann blau” von Margriet de Moor und sie hat mich ziemlich irritiert. Das tut die Therapievorstellung, die dahinter steht auch, aber Steve Silberman bettet die verschiedenen Therapieformen in die Geschichte rund um Entdeckung und Erforschung des Autismus ein. Weiterlesen