Eine Liebe in Blackmoore von Julianne Donaldson

Wie schon in „Sommer auf Edenbrooke“ hat Julianne Donaldson mit „Eine Liebe in Blackmoore“ vor allem eine moderne Protagonistin in historischem Gewand gezeichnet. Kate Worthington hat einen sehr entschiedenen Charakter – und will Kate genannt werden, nicht Kitty. Erst mal denke ich als Leserin „Gut, das ist ihr zu kindlich“ – doch im Laufe der Geschichte erfahre ich mehr darüber. Liegt es an der Farbe – Black -, liegt es an den Assoziationen, die so ein Moor hervorruft: Der zweite Roman  der Amerikanerin Julianne Donaldson ist deutlich düsterer. Weiterlesen

Pflanzenrevolution von Stefano Mancuso

„Wie Pflanzen unsere Zukunft erfinden“ lautet der Untertitel  – eigentlich die logische Schlussfolgerung aus dem vorherigen Buch von Stefano Mancuso „Die Intelligenz der Pflanzen“. Denn ist Ihnen bewusst, dass Pflanzen sehr vieles wahrnehmen können? Nicht nur Licht und Regen, sondern auch regelrecht sehen? Dass sie kommunizieren?

Von diesen Phänomenen hatte ich ja schon gehört, aber Stefan Mancuso vermittelt die neuen Erkenntnisse rund um Pflanzen so einleuchtend, dass mein bisheriges Weltbild  – „vegetieren“ als Ausdruck für ein sehr reduziertes Leben als Beispiel – heftig ins Wanken geriet. Weiterlesen

Ratgeber für Ü-50 von Heike Abidi und Lucinde Hutzenlaub

Auch wenn im Untertitel steht “Ein Überlebenstraining für alle ab 50” ist es schon mehr eins für Frauen als für Männer, was an den Autorinnen Heike Abidi und Lucinde Hutzenlaub liegen mag; es ist kein gemischtes Doppel oder so 😉

Heike Abibdi ist hier im Blog ja wohl gelitten – ihre heiteren Romane empfehle ich immer gern. Lucinde Hutzenlaub war mir bis zu diesem Buch kein Begriff – gut, Reisen sind nicht so ganz mein Thema. Allerdings – Japan … Hm. Weiterlesen

Das Blaue Buch von Erich Kästner

Das wollte ich haben – Erich Kästner hat während des Krieges Tagebuch geschrieben und mich interessierte, wie er das Geschehen damals wahrgenommen hat.

Erst mal Äußerlichkeiten zum blauen Buch von Erich Kästner

Sven Hanuschek hat den Kriegstagebüchern eine ausführliche Einleitung vorangestellt – das ist auch gut so. Denn wie es beim Tagebuchsschreiben so ist: Erklärungen zu Namen oder so sind da nicht nötig. Schließlich ist das eine intime Angelegenheit, nur zwischen Schreiber und Papier. Weiterlesen

Der weiße Tiger von Aravind Adiga

Statt selber nach Indien zu reisen, habe ich das Buch von Aravind Adiga verschlungen. Und dabei zumindest theoretisch mehr über Indien gelernt als bei einer Studienreise. Die praktische Anschauung fehlt halt. Und das Erlebnis – Gestank und Duft, Paläste und Slums, altes und modernes Indien nebeneinander.

Was erzählt Aravind Adiga?

Sein Leben? Nein, das von Balram Halwai. In sieben Nächsten schildert dieser in Briefen dem chinesischen Ministerpräsedenten Wen Jiabao, wie er als Sohn eines Rikschfahrers aus der “Finsternis” – den bitterarmen Hinterland – zu einem Unternehmer wurde. Wen Jiabao soll nämlich Bangalore besuchen und das nimmt der weiße Tiger zum Anlass, um klarzumachen, wie es eigentlichin Indien aussieht und läuft. Weiterlesen

Cox oder Der Lauf der Zeit von Christoph Ransmayr

Zu meiner Schande sei es gesagt: Ich kannte bisher nix von Christoph Ransmayr. Aber jetzt! Im Rahmen dieses Buchvorstellungsabends, an dem ich “Herr Müller …” von Ewald Arenz vorstellen durfte, bekam auch “Cox oder Der Lauf der Zeit” eine Bühne.

Worüber schreibt Christoph Ransmayr?

Christoph Ransmayr hat analog zu dem echten Uhrmacher James Cox aus dem 18. Jahrhundert seinen Alistar Cox entwickelt. Ihm hat er einen Lebenslauf auf den Leib geschneidert – und dazu gehört der Auftrag, dem Kaiser von China Uhren und Automaten nach dessen Vorstellungen zu bauen. Dafür reist Alistar Cox mit drei Mitarbeitern nach China.

Das Buch hat mehrere Ebenen. Einmal die Geschichte, die Cox & Co in Beijing und Jehol erleben. Das exotische Leben am chinesischen Kaiserhof mit strengen Regeln und einer Fülle an Material, von der die Uhrmacher in London nur träumen konnten. Christoph  Ransmayr lässt die Gefahren, die den Fremden drohen, en passant mitschwingen. Wochenlang muss Alistar Cox die ganzen Verhaltensregeln lernen, die im Umgang mit einem gottgleichen Kaiser lebensrettend sind. Weiterlesen

Sex macht Spaß … von Susanne Thiele et alii

” .. aber viel Mühe”  so lautet der Titel dieses informativen und unterhaltsamen Buches vollständig. Susanne Thiele ist eine von drei im Team, das das Buch geschrieben hat: Steffen Münzberg und Vladimir Kochergin gehören auch dazu. Die drei schaffen es, so zu schreiben, dass nicht auffällt, dass drei Personen beteiligt sind.

Worum es geht? Um Sex, klar. Aber nicht (nur) das, was Sie jetzt denken. Es geht um Biologie. Um die Biologie der Fortpflanzung. Die beginnt nicht in irgendjemandes Bett, sondern bei den Genen.

Was macht es sinnvoll, sich geschlechtlich zu vermehren, was spricht für ungeschlechtliche Vermehrung – diese und andere Fragen rund um die Möglichkeit der Verbreitung von Genen bereiten die drei unterhaltsam und einleuchtend auf. Ich will gar nicht versuchen, etwas nachzuerzählen, denn das fiele gegenüber dem Original eh nur ab. Ein bisschen boshaft können Susanne Thiele & Co auch sein. Zur Produktion von “Schrumpelzellen” zur Vermehrung bei Schwämmen enden sie so:

Das männliche Geschlecht entsteht, weil es sich lohnen kann, Quantität statt Qualität abzuliefern. (S. 41)

Auch schlichten Nonsens gibt es:

Was macht ein Erdmännchen mit Hoden, wenn es sich auf die Hinterbeine setzt? Es macht Erdmännchenmännchenmännchen. (S. 82)

Chromosom-DNA-Gen

Das hier ist der Hauptakteur im Buch – sexy, oder? Thomas Splettstoesser (www.scistyle.com) (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chromosom-DNA-Gen.png), „Chromosom-DNA-Gen“, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode

Ich habs laut gesprochen und nachgezählt – es stimmt 😉

Susannne Thiele und die beiden Herren im Team geben Informationen über die Entwicklung der Geschlechter, erläutern – ich hab das Buch ein paar Tage nach der Verkündigung des Urteil zum dritten Geschlecht gelesen -, wie Trans- und Intersexualität entstehen und bringen noch sonst eine Menge Fakten rund um die Sexualität rüber, Sprachlich locker und witzig. Immer wieder verweisen sie auf die Verbindung von Sex und Tod – und meinen damit nicht den Tatort am Sonntagabend.

Ich habe vor dem Buch das eine oder andere rund ums Thema gewusst. Ich habe nach der Lektüre auf sehr nette und unanstrengende Weise noch eine Menge mehr gelernt. Der Sprach- und Wortwitz des Teams ist so, dass ich mir vorstellen kann, das Buch zwecks Vertiefung nochmals oder einzelne Passagen auch mehrmals zu lesen – einige Kalauer sind sicher nicht auf längere Sicht lustig, aber im Großen und Ganzen sind es eben nicht nur  billige Kalauer, sondern ein Stil mit Humor.

Susanne Thiele, Steffen Münzberg, Vladimir Kochergin: Sex macht Spaß, aber viel Mühe. Eine Entdeckungsreise zur schönsten Sache der Welt. Orell Füssli, Zürich, 2014, ISBN: 9783280055571

In der Stadtbibliothek Köln gibt es das Buch auch.

Licht aus dem Osten von Peter Frankopan

“Eine neue Geschichte der Welt” verspricht mir der Untertitel. Peter Frankopan will die uns bekannte Weltgeschichte aus der Perspektive des Orients zeigen. Das tut er auch – aber in meinen Augen fehlt da was.

Was im Klappentext am Anfang steht:

Peter Frankopan lehrt uns die Geschichte neu zu sehen – indem er nicht Europa, sondern den Nahen und Mitlleren Osten zum Ausgangspunkt macht. Er erzählt von den ersten Hockulturen und den drei monotheistischen Weltreligionen (…)

löst er in meinen Augen zu kurz ein. Bereits das 11. Kapitel “Wo das Gold lockt – die Eroberung der Neuen Welt” hat seinen Schwerpunkt bei den entstehenden Kolonialmächten. Und ab dem 13. Kapitel “Herrscher der Meere – die Handelsmächte des Nordens” liegt der Schwerpunkt dann doch wieder auf vertrautem Terrain; je später desto mehr auf England. Es folgen noch 2/3 des Buches – Peter Frankopan schildert besonders die Zeiten ab dem 19. Jahrhundert in großer Ausführlichkeit. Und das ist spannend – in dieser Zusammenstellung habe ich über die einzelnen Entwicklungen, besonders Englands, noch nicht wirklich was gelesen; das kann an meiner Interessenslage bei historischen Themen liegen. Auch die detaillierten Ausführungen zu den politischen Entwicklungen im 20. Jahrhundert, die Wichtigkeit der Ölreserven im Persischen Golf und die Konsequenzen der “westlichen” Politik über mehr als 100 Jahre mit ihren verheerenden Folgen bis heute – da habe ich eine Menge gelernt.

Doch mein Interesse war eben genau die Zeit, die etwas kurz wegkommt – die Hochkulturen in, ich sach mal “biblischer” Zeit und die Hochzeit der islamischen Welt mit ihren Errungenschaften in Kultur und Wissenschaft. Der Titel “Licht aus dem Osten” hat mich da wohl etwas gebelendet 😉 Der Blick auf den Originaltitel macht – wie so oft – einiges verständlicher: “Silk Roads” heißt  das Buch – es geht in der Hauptsache um Handelswege. Der Begriff “Seidenstraßen” kommt dann gerade fürs 20. und 21. Jahrhundert wiederholt in Anwendung – Peter Frankopan meint, dass die Verlagerung des Schwerpunkts des Weltgeschehens und -handels wieder gen Osten geht.

Lunar eclipse al-Biruni in Peter Frankopan: Licht aus dem Osten

Die Mondphasen, erklärt vom persischen Gelehrten al-Biruni. DasBild findet sich auch im Buch von Peter Frankopan

Aber zurück zu Mittelalter und Co: Auch wenn ich wusste, dass es “im Osten” wesentlich mehr Luxus und Annehmlichkeiten gegeben haben muss als bei unseren Vorfahren, fand ich es spannend, Peter Frankopans Ausführungen dazu zu folgen. Die große Angst vor den Hunnen und Mongolen – völlig unbegründet, sagt er, denn die hatten an diesem unterentwickelten Europa überhaupt kein Interesse. Es gab keine wertvollen Handelsgüter, die Menschen lebten unter vergleichsweise primitiven Bedingungen; da war nix zu holen. Tatsächlich hat sich das Bild der “unterentwickelten” Orientalen erst viel später ausgebildet – bis in die frühe Neuzeit war der Orient die Gegend mit den verfeinerten Lebensformen, die Quelle für Seide, Gewürze und andere Luxusartikel. Außerdem standen bis in die Zeit kurz vor der Renaissance im Westen Bildung und Künste im Osten in hohem Ansehen.

Peter Frankopan erzählt – er nutzt keine hochgestochene Wissenschaftssprache; klar, er ist ja auch Engländer. Gerade in späteren Teilen des Buches habe ich den Eindruck, dass auch mehr eigene Meinung, ja, politische Statements vorkommen. Ich entnehme diesen Teilen den Wunsch, die aktuelle Lage, die Beziehungen zwischen Ost und West erläutern zu wollen und vor Fallen zu warnen, die diese Beziehungen weiter gefährden können.

Für mich war, trotz der Enttäuschung über den zu kurz gekommenen Teil Mittelalter & Co., das Buch von Peter Frankopan lehrreich und durchaus auch unterhaltsam. Jedes der angerissenen Themen hätte sicher mehr Aufmerksamkeit verdient – eine Weltgeschichte, die noch lesbar sein will, kann das nicht leisten; schon so sind die knapp 750 Seiten plus Anhang (Anmerkungen und Literaturverzeichnis) nichts für mal eben zwischendurch. Insagesamt hätte ich eine größere Ausgewogenheit bei den Zeiträumen – konkret: weniger 19. und 20. Jahrhundert – begrüßt.

Peter Frankopan: Licht aus dem Osten. Eine neue Geschichte der Welt, übersetzt von Michael Bayer und Norbert Juraschitz, Rowohlt Verlag, Belin 2016, ISBN: 97838713448334

Ich hab das Buch aus der Stadtbibliothek Köln entliehen.

Thema 1914: Krieg nach dem Krieg von Anton Holzer

Als der Krieg zu Ende war, gab es – keinen Frieden. Das gilt wohl für die meisten Kriege. Auch für den ersten Weltkrieg, wie Anton Holzer in seiner Bild-Text-Sammlung noch mal deutlich macht.

Wie schon in dem Buch “Die letzten Tage der Menschheit” collagiert Anton Holzer historische Fotos mit Texten. In diesem Buch sind es nicht die Texte von Karl Kraus, sondern Tagebucheintragungen und andere eher private Äußerungen verschiedener Personen, u. a.:

  • Käthe Kollwitz
  • Kurt Tucholsky
  • Thea Sternheim
  • Harry Graf Kessler
  • Erich Mühsam

Bundesarchiv Bild 146-1998-009-16, Kämpfer in Bayern mit MG

So sah es 1919 in München aus – alles andere als friedlich, auch wenn das hier eine Pose ist. Bundesarchiv Bild 146-1998-009-16, Kämpfer in Bayern mit MG, CC BY-SA 3.0 DE

Auch wenn die Revolutionen gefühlt erst nach dem Krieg ausbrachen, die die Räterrepubliken nach Deutschland brachten – die Ursachen liegen schon in der Kriegszeit selbst, u. a. in der mangelhaften Versorgungslage sowohl an den Fronten als auch “zu Hause”. Deshalb umfasst der Zeitrahmen, den Anton Holzer absteckt bereits die Zeit ab Mai 1916 und geht dann bis 1925.

Anhand der Kapitelüberschriften wird das mit der Versorgung schon deutlich: Allein zwei Überschriften thematisieren den Hunger:

  • Erschöpfung und Hunger – Verbitterung über den Krieg
  • Hunger, Not und Verzewiflung – Der erste Winter nach dem Krieg

Es ist kein Buch zum Hintereinanderweglesen – es ist ein Buch zum Stöbern. Welcher Aspekt interessiert mich gerade? Dann schlag ich z. B. “Der erstickte Aufruhr” auf und sehe Bilder von 1919, die aussehen wie Krieg in der Stadt – Soldaten, Gewehre, Geschütze  – und lese die Erlebnisse von Harry Graf Kessler, Viktor Klemperer oder Käthe Kollwitz.

Jedem Abschnitt stellt Anton Holzer eine kurze Darstellung der Ereignisse voraus, so dass ich die Bemerkungen der Zeitgenossinnen “einordnen” kann (was sie nicht weniger erschreckend macht …). Sein Einführungsessay “Jahre der Gewalt” umfasst den gesamten Zeitraum. Einige der Zeitzeugenaussagen, die später den Bildern gegenübergestellt werden, zitiert er bereits hier. Hier findet er auch Platz, um Aussagen Einzelner zu kommentieren, z. B. den Satz von Ernst Troeltsch,

Das Ringen von fünf furchtbaren Jahren und, wenn man die Vorgeschichte hinzunimmt, eines Jahrhunderts, ist vorläufig und scheinbar zu Ende. (S. 19)

den Anton Holzer dahingehend interpretiert, dass die Unsicherheit mit dem gerade unterzeichneten Freidensvertrag nicht schwindet und die Demokratie, bis sie in Deutschland 1933 untergeht, vielfachen Angriffen ausgesetzt sein wird: Putschverscuhe und poltische Gewalt nennt er dabei.

Die Kombination von Bildern und persönlich gehaltenen Texten lässt, wie Anton Holzer es ja auch beabsichtigt ;-), das Geschehen dieser Jahre näher heranrücken, als es nackte Daten und Faktenaufzählungen können. Leider haben die Bilder eine beklemmende Aktualität – in anderen Regionen der Welt als in Deutschland, aber schließlich ist die Welt im Laufe der letzten 100 Jahre auch noch mal “kleiner” geworden.

Anton Holzer (Hrsg.): Krieg nach dem Krieg. Revolution und Umbruch 1918/19, Theiss Verlag, Darmstadt, 2017, ISBN: 9783806235609

Auch dieses Buch finden Sie in der Stadtbibliothek Köln.

German Glück von Sabine Eichhorst

“Reise durch ein unerwartet glückliches Land” lautet der Untertitel der Sammlung, die Sabine Eichhorst hier vorlegt. Der Titel spielt auf “German Angst” an – als Gegenpol. In ihrem Buch zeigt Sabine Eichhorst, wie unterschiedich glücklich Menschen in Deutschland sind. Sie zeigt es auf überzeugendere Weise, als es Titel und Cover vermuten lassen. Differentiert und zugewandt porträtiert sie sehr verschiedene Menschen – wie die Mittvierzigerin, die ihr Leben noch mal völlig auf den Kopf stellt und nach jahrelanger Schreibtischtätigkeit im Journalismus ein Geschäft für Wolle eröffnet – dabei kann sie gar nicht stricken. Doch in ihrer Schilderung macht Sabine Eichhorst diese Entscheidung nachvollziehbar und lässt mich als Leserin optimistisch zurück.

Auch der Pfarrer, der an MS erkrankt ist und dessen Einstellung in einer Gemeinde dort nun Entscheidungen in Richtung Barrierefreiheit verlangt, weil er nach einer gewissen Zeit im Rollstuhl sitzen muss. Auch Gedanken darüber werden mir abverlangt, wie wir mit Menschen umgehen, die sichtbar “ein Leiden” tragen – und dabei, so stelle ich mir den Mann vor, eine große Gelassenheit und Zufriedenheit ausstrahlen, weil das nun mal sein Leben ist und er das so annimmt.

Happy Planet

Dieser Glücksatlas stammt von 2007 – Deutschland hatte auch da schon viel Glück 😉


Was das Buch von Sabine Eichhorst so besonders macht, ist die Art, wie sie ihre Gesprächspartner zu Wort kommen lässt. Mit kleinen, sehr sparsam gesetzten Schilderungen von Gesten und Gesichtsausdruck holt sie mich als Leserin in die Gesprächssituation hinein, lässt mich teilnehmen. Sich selber bringt sie ähnlich sparsam ein – formuliert aber eben auch die Fragen, die mir in den Kopf kommen, wenn ich von jemandem lese, der oder die das Glück gefunden hat, obwohl so vieles – Krankheit, Verlust, Scheitern – dagegen zu sprechen scheinen. Die Antworten auf solche Fragen kommen auch nicht schnell, sondern nach Pausen fürs Nachdenken und Abwägen – das wird immer wieder deutlich. So entsteht nie der EIndruck, da mache sich jemand was vor. Die unangenehmen, die belastenden Seiten ihrer Biographie leugnen die Personen in Sabine Eichhorsts Buch nicht. Sie lügen sich nicht was in die Tasche – das kann ich ihnen abnehmen. Und manche Strategie finde ich so nachahmenswert, dass ich sie selber ausprobieren werde.

Mach ich ja selten, aber Weihnachten steht vor der Tür, deshalb meine Empfehlung: Wennn Sie jemandem was Gutes tun wollen, können Sie dieses Buch verschenken.

Sabine Eichhorst: German Glück. Reise durch ein unerwartet glückliches Land, Ludwig Verlag, München, 2017, ISBN: 9783453280892

Das Buch steht auch in der Stadtbibliothek Köln bereit.