Krieg von Janne Teller

rp_Bild-Jugendbücher-150x150.jpg„Krieg – Stell Dir vor, er wäre hier“ – und das Ganze in der Anmutung eines Passes, mit dem Verlagsnamen statt des Europasternenkreises. Janne Teller hat bereits 2001 (!!!) dieses kleine Buch verfasst – die Flüchtlingsdebatte drohte also bereits vor 15 Jahren europäische Grundwerte zu unterminieren. 2010 erschien dann die Version für Deutschland, die mir hier vorliegt. Ausgangssituation im Buch: Deutschland als das Land, das die europäische Solidargemeinschaft verlassen hat und deshalb mit Krieg überzogen wird, jahrelang.

Mit diesem Szenario beginnt das Büchlein: Kriegsalltag in Deutschland 2010 – Bomben, Leben in Ruinen, politische Verfolgung, alles, was wir aus Nachrichten kennen – nur hier mit umgekehrten Vorzeichen. Die Familie, die hier im Mittelpunkt steht, findet in Ägypten Zuflucht. Europäische Flüchtlinge sind hier gering geachtet, denn sie beherrschen nur Schreibtischtätigkeiten und zeigen wenig Integrationsbereitschaft. Asylverfahren dauern jahrelang und saugen den Migranten die Kraft aus den Knochen. Weiterlesen

Der Jugendclub bei Baudach – schwer aktiv

Das finde ich eine wirklich tolle Sache: Der Jugendclub der Buchhandlung Baudach, von dem ich im Frühjahr schon mal erzählt habe, trifft sich weiterhin einmal im Monat. Und gelegentlich – wie jetzt in der Vorweihnachtszeit – gestalten die Mädchen (ja – es ist zur Zeit ein reiner Mädchentreff) ein Schaufenster oder einen Tisch mit ihren Empfehlungen. Dazu gehören dann handgeschriebene Kurzrezensionen und Deko. Sehr ansprechend.

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Achtung Manuela kommt von Federica de Cesco

rp_Bild-Kinderbücher-276x3003-150x150.jpgDer Bücherschrank hier in Dellbrück bietet mir ja immer wieder mal Spannendes oder Entspannendes. Mädchen- oder Kinderbücher von Federica de Cesco gehören eindeutig in die letztere Kategorie – und heute war da eins drin, das ich tatsächlich noch nicht kannte.

Die Geschichte handelt von Manuela – Überraschung! -. die sich nicht gerade mädchenkonform beträgt: Sie will Pilotin werden, sie kann Judo und sie kann sehr energisch reden, wenn ihr was wichtig ist. Zivilcourage ist ihr wirklich nicht fremd. Befreundet ist sie mit Simone und Thomas. Außerdem gibt es da noch Dani, einen eher verschüchterten Jungen, der gern dazu gehören will. Streit mit älteren Jugendlichen (Manuela und ihre Freundinnen sind 11 oer 12 Jahre alt) schweißt die kleine Truppe zusammen. Es gibt Abenteuer im Umland von Lausanne – und jede Menge Gespräche über die merkwürdige Welt, in der Erwachsene über Kinder bestimmen.

Nett – aber eigentlich keine eigene Rezension wert.

Mir ist da aber noch mal was bewusst geworden, was die Bücher von Federica de Cesco für mich als Teenager so spannend gemacht hat: Diese starken Mädchen, die ihren Weg gehen, gegen Normen ankämpfen und ihren Platz im Leben fordern. Weiterlesen

28 Tage lang von David Safier

Das Grauen beginnt vorher – wahrscheinlich, damit man sich als Leserin dran gewöhnen kann: Ein Jahr vor dem Aufstand im Warschauer Ghetto wird die Jüdin Mira auf einem ihrer Schmuggelgänge außerhalb des Ghettos von ein paar polnischen “Schmalzowniks” angehalten – als Jüdin verdächtigt, ist ihr Leben keinen Groschen mehr wert. Rettung naht in Gestalt eines blonden, blauäugigen Jungen, der sie Lenka nennt und küsst. Sie erwidert den Kuss, nennt ihn Stefan – die Bluthunde lassen ab.

Der Alltag im Ghetto ist erschreckend armselig – aber noch erträglich. Doch der Händler, der Miras Schmuggelware entgegen nimmt, gibt ihr mehr als sonst – er hat Gerüchte gehört, dass bald das Ende des Ghettos droht.

Stück für Stück gleitet Mira in den Schrecken der Judenvernichtung – sie sieht, wie der verrückte Rubinstein mit seinem irren Singsang seinen Lebensunterhalt erpresst, sie verachtet ihren Bruder, der sich der Judenpolizei angeschlosssen hat. Sie will ihre kleine Schwester Hannah beschützen. Die Mutter liegt seit dem Selbstmord des Vaters nur noch apathisch in ihrer Ecke des Zimmers. Ihre Freundin Ruth “arbeitet” im Bordell. Ihr Freund Daniel lebt im Waisenhaus von Janusz Korczak, der sich weigert, “seine” Kinder zurückzulassen, wenn nur er von Anhängern gerrettet werden kann – und Daniel liebt und verehrt ihn rückhaltlos. Mira ist eine normale Sechzehnjährige – sie träumt von Reisen, von Kinobesuchen. Sie will Englisch lernen. Aber das darf alles nicht sein.

Mira, Hannah und Daniel sind Jugendliche in einer schrecklichen Zeit und David Safier führt seine Leser in diese Zeit hinein. Behutsam, aber ohne zu beschönigen legt er den Pfad – und mit dem einen oder anderen Zeichen von Menschlichkeit in der unmenschlichen Umgebung macht er das Unerträgliche lesbar. Mir ging es streckenweise wie nach der ersten Lektüre von Anne  Franks Tagebuch – so nah kommt mir die Geschichte.

Stroop Report - Warsaw Ghetto Uprising 13

Mit Waffen aufgegriffene Frauen im Warschauer Ghetto – ein Schicksal, das auch Mira droht.

Kurz vor dem Aufstand lebt nur noch jeder neunte derer, die vorher im Ghetto waren. Sie wissen, was das heißt, nicht wahr? Ich wusste es auch und habe allen meinen Mut zusammengenommen, um mich dem Schicksal vieler liebgewonnener Figuren zu stellen. Es geht. Mira landet bei den Aufständischen. “28 Tage lang” können sie den Deutschen widerstehen.

Eine Frage, die im Buch immer wieder gestellt wird lautet “Was für ein Mensch willst Du sein?” – und alle im Buch beantworten diese Frage auf ihre Weise. Z. B. die Frau, die Mira ihr Baby in den Arm legt, weil die Marke zum Überleben nur für sie und nicht für ihr Kind ist. Oder der Hehler, der Miras Schmuggelware entgegennimmt. Oder Miras Bruder Simon, der Judenpolizist.

David Safier erklärt in einem Gespräch mit Michael Töteberg, das am Ende des Buches in Auszügen abgedruckt ist, was ihn zu der Geschichte bewogen hat und warum er eine fiktive Figur genommen hat, obwohl es viele belegte Geschichten aus dem Ghetto gibt. So kann MIra alle Facetten des Schreckens erleben – und sei es, dass ihre Freundin Ruth ihr von Treblinka berichtet …

David Safier hat ein dichtes Buch geschaffen eins, das wirklich mitnimmt – in beiderlei Sinne des Wortes. Und wieder einmal bewiesen, dass er völlig überzeugend aus der Prespektive von Frauen schreiben kann – ein Phänomen, das mich schon bei seinen heiteren Büchen sehr beeindruckt hat.

Dass das geschilderte Grauen “lesbar” bleibt, liegt auch daran, dass sich Mira, aus deren Perspektive Daid Safier erzählt, immer noch in so einer gepflegter Schriftsprache ausdrückt: Sie kotzt sich zwar die Seele aus dem Leib – aber sie spricht von “spucken” oder “mich erbrechen” … Mit dieser Sprache schafft der Autor eine unmerkliche Distanz zum Geschehen.

Das Buch ist sowohl bei Kindler als auch bei rororo Rotfuchs erschienen.

David Safier: 28 Tage lang, rororo rotfuchs, Reinbeck 2014, ISBN: 9783499211744 / Kindler, Reinbek 2014, ISBN, 9783463406404

Die Feuerreiter seiner Majestät von Naomi Novik

Hierbei handelt es sich um eine Reihe pseudo-historischer Jugendbücher, die zur Zeit der Kriege gegen Napoleon spielen. Naomi Novik mixt historische Realität und Fantasy sehr gekonnt ineinander. Erzählt wird in mehreren Teilen die Geschichte des – bis dahin – Seekapitäns Will Laurence, der an Bord einer gekaperten französischen Fregatte ein Drachenei findet. Da der Drache bei ihm an Bord schlüpft und sich von ihm das Geschirr anlegen lässt, ist es mit der Seekarriere bald zu Ende. Bild zu Jugendbücher von Heike Baller

Im Laufe der Fahrten und Flüge der beiden Protagonisten entdeckt der Leser die geheimgehaltene Streitkraft der “Feuerreiter seiner Majestät” kennen – ein Batallion unterschiedlicher Drachen, die im Dienst des englischen Königs an Kriegshandlungen teilnehmen. Weiterlesen

Der Schatz auf Pagensand von Uwe Timm

Das ist mal ‘ne realistische Abenteuergeschichte – Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg und vier Jugendliche auf gefährlicher Fahrt. Uwe Timm schlüpft dafür in die Rolle des einzigen Mädchens Jutta und schildert Schul- und Familienalltag – und vor allem natürlich das Abenteuer von vier Freunden. Bild zu Jugendbücher von Heike Baller

Benno, Georg, Jan und Jutta sind Klassenkameraden. Kurz vor Schuljahresende bekommt Benno die Mitteilung, dass er nach den Ferien nicht wieder zu kommen braucht – Lehrer Schaper freuts. Weiterlesen

Schneider-Verlag wird 100 Jahre alt

Schneider-Bücher hatten in meiner Kindheit und Jugend zumindest in meiner Familie keinen guten Ruf. Schnelles, billiges Lesefutter, nix mit literarischem Anspruch oder inhaltlich Relevantem. Ich hab die Bücher natürlich trotzdem gelesen. Wer nicht ? Allerdings v. a. Bibliotheksxemplare … Zum Kaufen waren sie dann doch zu schnell gelesen. Manuel für Kinderbücher von Heike Baller

Nun feiert der Verlag von Onkel Franz seinen hundertsten Geburtstag, Sieh mal an. Als Kind macht man sich da ja keine Gedanken, wie lange so ein Unternehmen schon besteht. 1913 – das war kurz vor dem ersten Weltkrieg. Dann kamen da noch die Nazizeit und der zweite Weltkrieg – bewegte Zeiten, die dieser Verlag mit der Identifikationsfigur Onkel Franz da überstanden hat.

Diese Karten an Onkel Franz waren schon faszinierend, wenngleich ich nie eine abgeschickt habe. Der andere Vorteil der eingehefteten Seite war die Inspiration: Unbekannte Cover weckten Neugier, ebenso die zur Wahl gestellten Titel. Und dann gab es bei den Serien immer die Liste aller Titel – so behielt man den Überblick. Marketing war beim Schneider-Verlag also schon früh ein wichtiges Thema – das wäre meine heutige Einschätzung.

Bild zu Jugendbücher von Heike Baller Ich kann mich nicht erinnern, dann in der Lesegeschichte meines Nachwuchses Schneiderbücher noch eine große Role gespielt haben (naja, Schloss Schreckenstein (Bibi Blocksberg kam bei uns nicht vor)); eigentlich hatte ich sie schon fast vergessen. Aber da ist ja noch Berte Bratt mit ihren von mir immer gern gelesenen Mädchenbüchern, die zum Teil im Schneiderverlag erschienen sind. Oder das Buch “Junge, das ist Brasilien“, das ich zusammen mit andern alten Schätzchen von einem Kollegen meines Vaters geschenkt bekam. Doch, Schneiderbücher waren auch in meinem Leben wichtig und deshalb auch von mir:

Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag!

Timothée de Fombelle: Vango. Prinz ohne Königreich

Ich möchte Ihnen meinen Leseeindruck vom zweiten Band der Vango-Geschichte nicht vorenthalten.

Ein kurzer Vorspann erläutert kurz die Hintergründe und los gehts – erst mal mit einer frühen Szene aus den 20ern: Vango ist 14, Ethel ist 12 und sie haben sich gerade, auf der Weltreise mit dem Zeppelin, kennengelernt. Die Szene endet mit einer dramatischen Flucht. Damit ist der Rhythmus des Buches vorgegeben: Immer wieder gibt es ruhige Abschnitte, die wie aus dem Nichts heraus in wilde Action übergehen. Fassaden-, Gerüst- und Dachkletterei sind für Vango, Maulwurf und sogar Zefiro normale Fortbewegungsmehtoden. Es gibt Personen, die ständig ihre Identität wechseln und trotzdem immer wieder gefunden werden. Und es ist Krieg – zweiter Weltkrieg, um genau zu sein. Die Résistance, Waffenhandel und Spionage sind die damit verbundenen Elemente. Weiterlesen

Unabhängige Kinderbuchverlage

Ja, die gibt es auch. Um stärker auftreten zu können, haben sich einige unabhängige Kinderbuchverlage zusammengeschlossen  zur Kooperation unabhängier Kinderbuchverlage, kurz KuK. Der Schwerpunkt liegt auf der Absatzförderung im Buchhandel mit Hilfe von Messeauftritten, Werbemitteln und Informationsveranstaltungen für Buchhändlerinnen. Einzeln könnten die Verlage das nicht stemmen, da viel zu teuer. Aber gemeinsam sind sie stark.

Was machen denn nun solche Verlag für Bücher? Schaun wir mal:

Der österreichische Jungbrunnenverlag existiert seit 90 Jahren. Hier gibt es phantasievolle Bilderbücher, von denen einige auch in diesem Jahr Preise gewonnen haben. Anfang des Monats wurde der 90. Geburtstag gefeiert – natürlich mit einem Rückblick auf die Verlagsgeschichte. Wenn Sie in der linken Spalte “Autorinnen Illustratorinnen” anklicken, kommen Sie auf eine alphabeitsch “sortierte” Seite (ich verrat’ nix – schauen Sie selber nach, wie nett, das gemacht ist.) Weiterlesen

Timothée de Fombelle: Vango. Zwischen Himmel und Erde

Ja, ein Jugendbuch. Ich liebe Jugendbücher. Unter anderen …

Hier geht es um einen Jungen ohne Herkunft. Ein Junge, später ein junger Mann, der verfolgt wird. Wer die Alex-Rider-Bücher von Anthony Horowitz kennt, wird das Muster erkennen – ohne eigenes Wissen gerät ein Mensch in gefährliche Situationen und entkommt mittels Fähigkeiten, die das Normale übersteigen, aber als völlig normal aufgrund der Lebenssituation dargestellt werden. Vangos Kletterkünste z. B. lassen jeden Freeclimber vor Neid erblassen. Sind aber leicht erklärbar, wenn man sich vor Augen hält, wie er aufgewachsen ist. Sagt de Fombelle …  Bild zu Jugendbücher von Heike Baller Weiterlesen