Die Winnetou-Trilogie von Helmut Schmiedt

Jetzt muss ich erst mal was beichten: Die Winnetou-Trilogie gehört zu den Karl-May-Büchern, die ich am wenigsten gelesen habe … Vor allem um den dritten Band hab ich immer einen Bogen gemacht. Genau wie bei den Filmen – ein Mal hat mir gereicht. *ßu ßu traurig*

Jetzt ist es raus.

Das Buch  von Helmut Schmiedt zur Winnetou-Trilogie hab ich trotzem mit Gewinn und Genuss gelesen. Helmut Schmiedt ist ein ausgewisener Karl-May-Spezialisten, dessen Karl-May-Biographie ich 2012 rezensiert habe. Weiterlesen

Winnetou I-Film – ein paar Anmerkungen

Karl May

Ob er gerne Diplom-Ingenieur gewesen wäre?

Wie bereits gesagt: Ich bin keine besonders große Cineastin – Film als Medium liegt mir nicht so. Trotzdem habe ich jetzt mal in die Verfilmung der Winnetou-Geschichten von RTL reingeschaut.

Dass die Story so gut wie nichts mit dem Buch zu tun hat – geschenkt. Das war bei den Klassikern aus dern 60ern auch in vielen Teile so. Nicht so extrem, aber auch die waren nur an Karl Mays Geschichte angelehnt. Es gibt aber ein paar Sachen, die mich echt gestört haben:

  • In einem Gespräch mit Nscho-tschi sagt Karl May, er glaube nicht an Götter, sondern an die Vernunft. Das widerspricht Karl Mays Selbstdarstellung in allen seinen Büchern diametral (ob er nun tatsächlich so fromm war …? Immerhin hat er auch geistliche Musik geschrieben (ich hab davon 2012 mal was im Chor gesungen))
  • Die als gebrochen rüberkommende Sprechweise von Winnetou, Intschu-tschuna und Nscho-tschi lässt besonders Winnetou gegenüber Karl May als unterlegen erscheinen – und gerade das ist er ja nicht. Auch der Boxunterricht passt nicht in das Original-Muster von Karl May, der sich als Schüler Winnetous verstand (zumindest am Anfang) und später einen Freund auf Augenhöhe

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Freunde und Gefährten bei Karl May oder Old Shatterhand und seine Entourage IV

Karl MayHalef, Sam und natürlich erst recht Winnetou, sind Gefährten des Ich-Erzählers, die immer wieder auftreten.

Sam und Halef vereinen dabei zwei Funktionen auf sich: Einerseits sind sie ernstzunehmende Freunde, auf die sich die Ich-Figur im Großen und Ganzen verlassen kann – na gut, ihnen passieren gelegentlich Fehler aufgrund von Selbstüberschätzung; dann müssen sie von Old Shatterhand/Kara Ben Nemsi befreit werden und alles ist wieder in Ordnung. Aber sonst sind sie verlässlich und selbständig

Andere Figuren tauchen nur in einer Geschichte auf, z. B. Old Surehand. Im Grunde ein ernst zu nehmender Westmann, kommen er und Old Shatterhand zuerst in Kon­takt, weil Old Surehand befreit werden muss – er ist in der unterlegenen Position. Der Erzähler schildert eine beeindruckende Persönlichkeit:

Ich hatte bald Licht genug, meinen neuen und berühmten Bekannten zu betrachten.

Da lag er jetzt vor mir, ruhig schlafend, ein wahrer Riese von Gestalt. Seine mäch­tigen Glieder waren ganz in Leder gekleidet, doch so, daß die von der Sonne gebräunte Brust unbedeckt blieb. Sein langes, braunes, seidenweiches Haar lag wie ein Schleier bis auf den Gürtel herab, und selbst im Schlafe, während dessen doch sonst das geistige Leben aus den Zügen zurückgetreten zu sein pflegt, lag auf seinem Gesichte der Ausdruck jener Energie, ohne welche ein guter Westmann undenkbar ist. Grad so, wie ich ihn hier liegen sah, hatte ich ihn mir vorgestellt, allerdings, weil er mir so beschrieben worden war; denn es ist keineswegs richtig, sich jeden namhaften Westläufer als eine solche Figur vorzustellen. Wer das thut – und das geschieht aller­dings sehr häufig -, der fühlt sich dann später, wenn er den Betreffenden zu sehen bekommt, meist sehr enttäuscht. Berühmte Jäger von so riesiger Gestalt habe ich nur zwei gesehen, Old Firehand und Old Surehand. Man macht ja oft die Erfahrung, daß körperliche Hünen ein wahrhaft kindliches Gemüt besitzen und aller Kampfeslust und Kampfesfertigkeit ermangeln, während dürftiger gebaute Menschen sich lieber zerreißen als in die Flucht schlagen lassen. Doch soll dies natürlich keineswegs als Regel gelten. Das Leben im wilden Westen ist der Bildung voller Körperformen nicht günstig, doch schafft es eiserne Muskeln und Sehnen wie der Stahl.

Es war Zeit, die Schläfer zu wecken; ich that es, und als Old Surehand sich aufrich­tete, konnte ich erst richtig sehen, in welcher Harmonie die einzelnen Teile und Glie­der seines Körpers zu einander standen.

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Freunde und Gefährten bei Karl May oder Old Shatterhand und seine Entourage III

Karl MayDie einzige Figur, die bei Karl May dem Ich-Helden Old Shatterhand oder Kara ben Nemsi annähernd als gleichwertig geschildert wird, ist – na? Klar: Winnetou. Dessen einziges „Manko“ ist sein Heidentum und auch das legt er formal kurz vor seinem Tod ab.

Frühes Auftreten Winnetous

Sie meinen vielleicht, die Schilderung Winnetous in Winnetou I sei dessen erster Auftritt? Ist es nicht.

1875 erschien die Erzäh­lung „Old Firehand“, ein Vorläufer des gleichnamigen Abschnitts in Winnetou II , aber noch mit ganz anderem Charakter. Hier tritt ein uns unvertrauter Winnetou auf – erst mal ohne Beschreibung seines Äußeren, er präsentiert sich selber:

 »Mein bleicher Bruder kennt mich. Er hat mit mir den Lasso um die Hörner des Büffels geworfen und den Bär des Gebirges in der Höhle getödtet; er ist an meiner Seite gestanden gegen die Uebermacht des Arrapahu’s und hat die Mandans im Blute zu meinen Füßen gesehen; er zählte die Scalps an den Wänden meines Wigwams und sieht die Locken meiner Feinde an meinem Gürtel hangen. Winnetou hat seinen Stamm verlassen, um die großen Hütten der Weißen zu sehen, ihre Feuerrosse und ihre Dampfcanoes, von denen ihm der Freund erzählt hat; aber sein Haupt wird von keinem Messer berührt werden!«

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Freunde und Gefährten bei Karl May oder Old Shatterhand und seine Entourage II

Karl MayWahrscheinlich wissen Sie, dass es Bücher gibt, in denen Karl May als Ich-Erzähler figuriert und solche, die in der Er-Perspektive geschildert werden. Woran das liegt?

Wie letzte Woche schon erwähnt, hat Karl May  eine Zeitlang für Jugendzeitschriften geschrieben. Das sind die Geschichten vom Silbersee, vom Ölprinz und vom Sohn des Bärenjägers. Obwohl Old Shatterhand hier vorkommt, hat May die Außenperspek­tive gewählt. Die Winnetou-Bände sind erst deutlich danach enstanden.

Aber auch in der Frühphase gab es Geschichte aus der Ich-Perspektive, z. B. „Old Firehand“ von 1875 – hier war an Old Shatterhand noch nicht zu denken. Der Ich-Erzähler bleibt namenlos.

Auch andere Figuren aus der Wild-West-Welt Mays treten in diesen und noch frühe­ren Geschichten auf. Zum Beispiel Sam Hawkens, eine ganz wichtige Figur in Karl Mays Wild-West-Kosmos.

Sam Hawkens

In „Old Firehand“von 1875, steht Sam vor der Burg des Titelhelden Posto:

Bei dem letzten Worte theilte sich dasselbe und ließ einen Mann hindurch, bei dessen Anblicke ich mich eines leisen Lächelns nicht erwehren konnte.

Unter der wehmüthig herabhängenden Krämpe eines Filzhutes, dessen Alter, Farbe und Gestalt selbst dem schärfsten Denker einiges Kopfzerbrechen verursacht haben würde, blickte zwischen einem Walde von verworrenen, schwarzgrauen Barthaaren eine Nase hervor, welche fast von erschreckenden Dimensionen war und jeder belie­bigen Sonnenuhr als Schattenwerfer hätte dienen können. In Folge des gewaltigen Bartwuchses waren außer diesem so verschwenderisch ausgestatteten Riechorgane von den übrigen Gesichtstheilen nur die zwei kleinen, klugen Augen zu bemerken, welche mit einer außerordentlichen Beweglichkeit begabt zu sein schienen und mit einem Ausdrucke von schalkhafter List von Einem zum Andern von uns Dreien sprangen.

Diese Oberparthie ruhte auf einem Körper, welcher uns bis auf das Knie herab vollständig unsichtbar blieb und in einem alten, bockledernen Jagdrocke stak, wel­cher augenscheinlich für eine bedeutend stärkere Person angefertigt worden war und dem kleinen Mann vor uns das Aussehen eines Kindes gab, welches sich zum Ver­gnügen einmal in den Schlafrock des Großvaters gesteckt hat. Aus dieser mehr als zu­länglichen Umhüllung guckten zwei dürre, sichelkrumme Beine hervor, welche in ausgefransten Leggins staken, die so hochbetagt waren, daß sie das Männchen schon vor einem Jahrzehnt ausgewachsen haben mußte und dabei einen umfassenden Blick auf ein Paar Indianerstiefel gestatteten, in welche zur Noth der Besitzer in voller Person hätte Platz finden können.

In der Hand trug der Mann eine alte Rifle, die ich nur mit der äußersten Vorsicht angefaßt hätte, und als sich so mit einer gewissen Würde auf uns zu bewegte, konnte ich mir keine größere Carricetur [sic!]eines Prairiejägers denken, als ihn. –

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Freunde und Gefährten bei Karl May oder Old Shatterhand und seine Entourage I

Karl MayFreunde und Gefährten bei Karl May sind für seine Ich-Helden Old-Shatterhand und Kara Ben Nemsi völlig unerlässlich. Heute und in den folgenden Beiträgen möchte ich Ihnen einige dieser Figuren vorstellen und schauen, was es mit ihnen auf sich hat:

  • Welche Typen gibt es?
  • Welche Funktion haben sie?

Karl May war ja mehr als nur ein Jugendschriftsteller – er hat im Laufe seines Lebens für unterschiedliche Medien geschrieben, bevor er ein ergolgreicher Schriftsteller wurde: katholische Zeitschriften, Heimatblätter, Jugendzeitschriften – ja auch das – und für den Kolportage-Verlag Münchmeyer. Auch wenn die Freunde und Gefährten, die wir heute noch mal betrachten werden, vor allem aus den Reiseer­zählungen und den explizit für Jugendliche geschriebenen Geschichten stammen, sollten wir das nicht aus den Augen verlieren.

Der junge Karl May als Redakteur

Der junge Karl May als Redakteur

Was erwartet Sie nun?

Die Freunde und Gefährten, die May in seinen Büchern einführt, haben unterschied­liche Positionen zum Ich-Erzähler – mal sind sie näher dran, mal begleiten sie ihn in verschiedenen Geschichten, mal sind es Randfiguren. Und viele von ihnen haben eine komische Seite oder sind gar komische Figuren.

Ich beginne mit den nahestehenden, mit denen, die öfter vorkommen. Das sind vor allem drei: Im Orient ist es Halef – der ist heute dran -, im Wilden Westen Sam Hawkens einerseits (nächste Woche) und Winnetou sowieso – dazu kommen wir übernächste Woche.

Dann folgt in drei Wochen der ernstzunehmende Gefährte, der aber nur in einer Geschichte vorkommt – Old Surehand. Und in vier Wochen kommen die anderen: komische Gestalten, Freunde im Doppelpack und spleenige Engländer. Weiterlesen

Blogstöckchen – #Buchstöckchen – meine Antworten

Wibke Ladwig von Sinn und Verstand hat vor einiger Zeit ein Blogstöckchen zum Lesen in die Runde geworfen und vor ein paar Tagen (ähem …) ist es bei mir gelandet – Andrea Groh hat es mir zugeworfen. Die Fragen beantworte ich natürlich gern:

Welches Buch liest Du momentan?

Immer mehrere gleichzeitig. Im Moment gerade sehr viele Sachbücher zum Ersten Weltkrieg, weil ich da was für meine Lesungen vorbereite. Ansonsten, mal wieder und zum Durchatmen, Jane Austens “Stolz und Vorurteil”.

Warum liest Du das Buch? Was magst Du daran?

Ich liebe die Ironie von Jane Austen, ihre feinen Beobachtungen menschlichen Verhaltens. Und ich mag Elizabeth Bennet  gern. Das Buch ist wie eine gute Freundin – ich kenne sie schon lange und wir haben uns immer wieder was zu erzählen.

Wurde Dir als Kind vorgelesen? Kannst Du Dich an eine der Geschichten erinnern?

Ja, viel. Ich liebte den Glücklichen Löwen. Mein Vater brachte viele, viele Bilderbücher aus der Werksbibliothek mit. An Vorlesestoff hat nie Mangel geherrscht. Allerdings nach einer Zeit an Vorlesewilligen, da ich „meine“ Texte so genau kannte und immer unterbrach, wenn da mal was anders war. Letzten Endes hat sich meine – ansonsten nicht besonders leselustige – Patentante meiner erbarmt und mir vorgelesen, egal, wie oft ich sie verbessert habe. Tolle Frau.

Gibt es einen Protagonisten oder eine Protagonistin, in den/die die Du mal regelrecht verliebt warst?

Winnetou, ganz klar. Und Peter Wimsey.

In welchem Buch würdest Du gern leben?

Hm, schwierig. Mich würde das England Jane Austens schon sehr reizen – aber manche moderne Errungenschaft in Hinblick auf Hygiene & Co. würde mir wohl fehlen. Also vielleicht doch eher das Schweden von Kalle Blomquist und Saltkrokan.

Welche drei Bücher würdest Du nicht mehr hergeben wollen?

Meinen Band mit allen Jane-Austen-Romanen auf englisch, die Bibel (da sind so wahnsinnstolle Geschichten drin, die man immer wieder lesen kann) und dann noch einen großen Sammelband mit Sayers-Geschichten (am liebsten alle Peter-Wimsey-Romane in einem Band, aber ich glaube, den gibt es nicht).

Ein Lieblingssatz aus einem Buch?

Im Augenblick bot er allerdings etwa so viel Schutz wie ein Dosenöffner. (Dorothy L. Sayers: Aufruhr in Oxford, Rowohlt, Reinbek, 1985, ISBN: 3499152711, S. 313)

So und nun darf ich das Stöckchen weiterwefen und rufe Petra Öllinger vom Duftenden Doppelpunkt und Beatrice Krause von Blog4Search zu: Viel Spaß beim Lesen und Davon-Erzählen. Die Fragen zum Runterladen gibt es bei Wibke Ladwig am Ende ihres Einführungsartikels.