Gekaufte Bücher zurückgeben …

Was denken Sie, wenn Sie diesen Flyer sehen? Bücher lesen und Bücher zurückgeben?

Read & Return Angebot Bücher zurückgeben

Dieses Leselzeichen hat mich interessiert

Meine erste Assoziation: Hä? Merkwürdige Bibliothek. Ist aber gar keine 😉 Es handelt sich um eine amerikanische Buchhandelskette, die mit vielen Filialen über die USA verbreitet ist. Und sie verkauft Bücher – klar.

ABER: Sie können die Bücher zurückgeben – innerhalb eines halben Jahres. Und Sie bekommen zudem die Hälfte des Kaufpreises erstattet. Quittung nicht vergessen! Und dann: Auf zu neuen Büchern.

Die zurückgenommenen Bücher landen zum halben Preis wieder in einem Regal, wenn sie gut erhalten sind. So kann man Bücher günstiger bekommen. Die nicht so gut erhaltenen Exemplare gehen an karitative Organisationen – eine Aktion in der Leseförderung.

Read & Return Leezeichen Bücher lesen und zurückgeben

Auf der Innenseite finet sich eine klein gedruckte Lsite der angeschlossenen Buchhandlungen.

 

 

 

Ich habe das Lesezeichen bei einem jungen Mann aus den USA gesehen, der mir im Zug gegenüber saß und habe ihn darauf angesprochen. Ja, er nutzt das System und gibt Bücher schon mal zurück, die er nur einmal lesen will. Laut Aussage der Buchhandelskette (und nein, ich nenne den Namen nicht, das wäre dann Werbung und ist mir im Moment zu kompliziert), nutzen besonders Menschen das Angebot, die beruflich viel unterwegs sind.

Keine dumme Idee, so alles in allem 🙂

 

Mischlingskind von Richard Fraysier

rp_Rubrik-Biographie-300x20011-300x200-300x200.jpgRichard Fraysier hat in seinem Leben immer wieder erfahren, was es heißt, nicht dazu zu gehören, ja, eigentlich immer irgendwie verdächtig zu sein. Mit seiner autobiographischen Erzählung geht er dem detailliert nach. Er schildert seine Familiensituation – afrikanischer Arzt, weiße Krankenschwester, das sind seine Eltern -, den frühen Tod des Vaters, die Hilflosigkeit und Überforderung der Mutter und immer wieder: Ausgrenzung. Die Fakten als solche schildert er nüchtern – keinerlei Wehleidigkeit. Er lässt in diese Schilderung aber immer wieder auch seine aktuellen Gedanken einfließen, seine immerwährende Auseinandersetzung mit den Umständen seines Lebens ist so deutlich zu spüren.

Für mich, als Altersgenossin, ist es spannend zu sehen, wie anders man diese Welt der 60er und 70er Jahre erleben – musste, in seiner Situation, nicht nur “konnte”. Déja-vu und völlige Unkenntnis wechseln sich da ab (nun ja, ich war wohl auch nicht die “typische” Vertreterin meiner Generation …).

Der Lebensweg von Richard Fraysier ist abwechslungsreich aus der Not der inneren Heimatlosigkeit – Bonn, die USA, Sierra Leone sind die Stationen. Und an allen widerfährt ihm die Ausgrenzung, ja, Verdächtigung; das besonders eindrücklich nach dem Attentat von New York 2001 – der vielreisende IT-Fachmann sieht sich ständigen Anfeindungen und Verdächtigungen ausgesetzt und das in dem Land, in das er vor der Fremdheit seines Geburtslandes Deutschland geflohen war. Die Erfahrungen in der Heimat seines Vaters – Sierra Leone – sind erst recht verstörend; anstelle eines imaginierten Traumlandes findet er ein vom Bürgerkrieg gepeinigtes Land vor, voll Unsicherheit und Verletzungen.

Parallel zum Buch, das Richard Fraysier in Eigenregie herausgegeben hat, startete er im Dezember 2015 ein Blog dazu: Ecce homo. Meine Hautfarbe ist Mensch. Die Gedanken zu Themen rings um den für ihn alltäglichen Rassismus finden hier noch mal einen eigenen Platz.

Ein sehr persönliches Buch zu einem beunruhigenden Thema – und gerade wieder (!) bedauernswert aktuell.

Richard Fraysier: Mischlingskind. Über die eigene Wahrheit und die der Anderen. Die Geschichte meines Lebens zwischen den Rassen, Books on Demand, Norderstedt, 2016, ISBN (Print): 9783739224640 , ISBN (E-Book): 978373286693

Krieg von Ian Morris

rp_Bild-Sachbücher-150x15011.jpgDas Buch von Ian Morris trägt einen provokanten Untertitel: “Wozu er gut ist” – der Krieg nämlich. Gerade zur Zeit ein unpassender Gedanke beim Blick auf Syrien, Irak, Sudan und  – für uns näher dran – den Ostteil der Ukraine, nicht wahr?

Was Ian Morris nun in seinem Buch macht, ist schon faszinierend: Er schreibet einerseits eine Geschichte des Kriegs – von der Antike bis heute. Dabei springt er aber – andererseits – in den Jahrhunderten munter vor und zurück, um einzelne Aspekte zu belegen.

Grundannahme seines Buches ist, dass der Anteil der Menschen, die in einer Gesellschaft gewaltsam – durch Krieg oder Verbrechen – zu Tode kommen, ein Indiz dafür sei, was der Krieg an Nutzen bringe: Nach einem Krieg konsoldiert sich demnach eine Gesellschaft oder ein Staat und bringt den Überlebenden und ihren Nachfahren mehr Sicherheit und Wohlstand. Je größer ein solcher Staat oder eine Gesellschaft, desto geringer ist der Anteil der gewaltsam zu Tode gekommenen Mitglieder. Bezugsgröße: auf 1000 Mitglieder der Gesellschaft.  Ian Morris zieht dazu die Geschichte und Theorien der Anthropologie heran. Zwei Grundthesen stehen sich hier gegenüber:

  • Der Mensch ist im Urzustand böse und gewalttätig und kann nur durch eine übergeordnete starke Instanz (Leviathan) gezähmt werden
  • Der Mensch im Urzustand ist friedlich – Gewalt kommt von außen herein; bei den Naturvölkern ist der Kontakt mit der westlichen Zivislisation der Ursprung für Gewalt. Weiterlesen

Internet in der Public Library – eine Infografik

bibliothekarisch.de hat eine Infografik weitergegeben, die mich interessiert, da ich ja letzten Sommer eine Public Library-Tour gemacht haben 🙂

Freier Internetzugang in Bibliotheken wird danach von von einem Drittel der Bibliotheksnutzer genutzt, v.a. für Bildung, aber auch Berufliches und Gesundheitsthemen sind wichtige Themen. Besonders wichtig ist der kostenlose Internezugang für Geringverdienende – oft kommen sie nur auf diese Weise ins Netz und an dort vorhandene Informationen.

Ziel der Infografik ist, die Bedeutung dieses Angebots zu veranschaulichen und – natürlich – eine bessere finanzielle Ausstattung zu fordern. Die Art der Bibliotheksfinanzierung ist ja in den USA ganz anders als bei uns.

Zu Infografiken allgemein:

Ich mag ja diese bunten Bildchen, die man entlang scrollen muss oder kann, um weitere informationen zu bekommen.

Screenshot von bibliothekarisch.de mit dem Anfang der infografik

Screenshot von bibliothekarisch.de mit dem Anfang der Infografik

English Summary

Today I’ve found an infographic that demonstrate the need of funding free internet access in public libraries; it’s important for many  – often poor – people in America. I’m always impressed by such images transporting information in an attractive way. On my tour in public libraries last summer I’ve seen these institutions with great pleasure – and I’ve learned about the difference in funding between Germany and the USA.

Public Library in Amerika – mein Fazit

Fünf Mal habe ich eine Public Library im August besucht, in teils sehr unterschiedlichen Orten:

  • Provincetown ist ein kleiner Küstenort mit saisonal aufflutendem Besucherandrang.
  • Newport ist eine kleine Stadt mit einer früher mal sehr reichen Bevölkerung – ebenfalls touristisch erschlosssen.
  • Mystic ist ein alter Walfängerhafen mit einem touristischen Anziehungspunkt im alten Seehafendorf – allerdings liegt die Bibliothek eher versteckt.
  • Jersey City ist eine Großstadt direkt neben New York City mit einer multikulturellen Gesellschaft.
  • Und New York ist halt New York …
  • Und dann war ich noch in einer Bibliothek einer Seniorenresidenz – aber das ist kein eigener Artikel  😉

In erster Linie ist jede dieser Bibliotheken v. a. für die ansässigen Leute gedacht. Frage ist nun: Was unterscheidet das amerikanische System von unserem? Dabei kann ich natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben – schließlich war ich nur in einem Minibruchteil von Amerika unterwegs und habe da auch nur einen Minibruchteil an Bibliotheken gesehen (die Zeit da drüben war ja mein Urlaub und zwar mit Familie).

Trägerschaft für eine Public Library

Wenn wir “öffentlich” hören, noch dazu in Zusammenhang mit Bücherei oder Schule, denken wir hier in Deutschland an “öffentliche Hand“, also die Stadt, das Land, den Bund – da wird etwas aus Steuergeld finanziert. Und gerade bei Bibliotheken, Schwimmbädern, Schulen und Kultureinrichtungen mussten wir in den letzten Jahren immer wieder die Erfahrung machen, dass da Geld gekürzt wurde – ein Teil davon ist nämlich eine so genannte “freiwillige Leistung”, was heißt, dass die “öffentliche Hand” nicht dazu verpflichtet ist, das vorzuhalten, oder nicht in dem bisherigen Ausmaß. Kennen wir alle.

Mit den Suchbegriffen >"freiwillige Leistung", Kultur, Haushalt< kommen  - nach der Werbung - gleich eine gnaze Reihe von Eiträgen, die deutlich machen, dass der Kampf gegen Kürzungen im Kulturbereich eine never endig story ist.

Mit den Suchbegriffen >”freiwillige Leistung”, Kultur, Haushalt< kommen – nach der Werbung – gleich eine ganze Reihe von Einträgen, die deutlich machen, dass der Kampf gegen Kürzungen im Kulturbereich eine never ending story ist.

“Public” bedeutet im Zusammenhang mit der Public Library aber nicht, dass hier die Stadt oder der Staat die Hand im Spiel hat, sondern, dass es eine öffentlich zugängliche Einrichtung ist. Für alle geöffnet. Zum großen Teil sogar kostenlos: Mitgliedsausweise gibt es für Bewohnerinnen oder Arbeitnehmerinnen im Ort umsonst. Man braucht nur eine Bescheinigung über Wohnort oder Arbeitsplatz.

Finanziert werden die Büchereien durch Stiftungen und Spenden. Das scheint gut zu funktionieren, denn z. B. in Mystic wurde vor knapp zehn Jahren noch ein schöner Anbau bewerkstelligt, alle Büchereien verfügen über moderne Arbeitsgeräte für die Nutzerinnen und aktuelle Medien.  Die Spendenaufrufe sind obligatorisch:

Für die Redwood-Library gibt es unterschiedliche Modelle:

  • Jährliche Zuwendung (wer mehr als 1.500 $ pro Jahr spendet, wird automatisch Mitglied in der Abraham Redwood Society)
  • testamentarische Verfügungen
  • Der jährliche Bericht steht online – Transparenz at its best.

Bei der Public Library in Mystic ist der “Donate-Button” direkt auf der Startseite.

Bei der Free Public Library in Jersey City gibt es einen Aufruf der Direktorin – es gibt auch direkt eine Seite “Donations” mit Sofort-Spende-Button.

In New York sind die Möglichkeiten, die Bibliothek zu unterstützen, sehr vielfältig:

  • Förder-Mitglied werden
  • freiwillig mitarbeiten
  • die Bibliothek bekannt machen
  • Geld spenden
  • eine Spenden-Veranstaltung besuchen (Frühlings-Dinner z. B.)
  • Bücher oder andere Medien spenden
  • im Shop einkaufen

(Also, zwei der Möglichkeiten habe ich ergriffen 😉 )

Diese Tüte beweist es: Ich habe im Shop der New York Public Library was eingekauft. Über den Einkauf erzähle ich ein ander Mal mehr.

Diese Tüte beweist es: Ich habe im Shop der New York Public Library was eingekauft. Über den Einkauf erzähle ich ein anderes Mal mehr.

Andererseits ist gerade bei den kleineren Bibliotheken der Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen üblich – auch das ist eine Folge von ressourcensparender Verwaltung. Das Engagement dieser Menschen läuft für mich auch unter “Spenden”.

Die Spendenbereitschaft ist in den USA – für mich an dieser Stelle deutlich spürbar – sehr viel höher als bei uns. Die Anerkennung von Spenden ist auch viel öffentlicher: In allen Büchereien gibt es Räume, die nach Wohltätern benannt wurden. Oder die Regale in P’town … Außerdem gibt es Bibliotheken, die ein “Memorial” im Namen tragen:

Aus den Wikipedia Commons habe ich mal Bildmaterial zu ein paar Bibliotheken in Connecticut ausgeschnitten - "Memorial" kommt in den Namen der Büchereien sehr oft vor. Hinzu kommen noch die, die nach jemandem benannt sind, ohne, dass "Memorial" dabeisteht.

Aus den Wikipedia Commons habe ich mal Bildmaterial zu ein paar Bibliotheken in Connecticut ausgeschnitten – “Memorial” kommt in den Namen der Büchereien sehr oft vor. Hinzu kommen noch die, die nach jemandem benannt sind, ohne, dass “Memorial” dabeisteht.

Unabhängig mal von den Bibliotheken gibt es das auch sonst viel mehr: Auf den Boardwalk in Sandwich habe ich ja schon hingewiesen. Ansonsten gibt es die Sache mit den Highways: “Adopt a highway” steht dann da und ggf. darunter der Name der Firma, die für die nächsten zwei Meilen zahlt. Das hat auch “unangenehme” Gründe: Ohne Spenden liefe da weniger, weil es halt weniger Steuergelder dafür gibt. Steuern sind in Amerika nicht so gut gelitten. Ich habe auch Brücken gesehen, die – oft nach militärischen – Männern benannt waren.

Geschichte der Public Library an sich in Amerika

Vielleicht ist es Ihnen ja auch aufgefallen: Alle fünf Bibliotheken haben ihre Wurzeln in derselben Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts. Da gab es eine regelrechte Gründungswelle von Bibliotheken. Jeder Ort sah zu, dass er eine Bücherei in seinem Gebiet hatte. Gegründet oft von  – meist – Söhnen der Stadt, die erfolgreich waren. Aber auch sonst gaben viele reiche Männer Geld für diese Projekte. So erklärt es sich, dass es viele Bibliotheken in den USA gibt, die nach demselben Menschen benannt sind, z. B. nach Andrew Carnegie, der über 1.000 Bibliotheken in den Staaten finanzierte (zu der in Jersey City hat er auch was beigetragen, als es an den Ausbau der Zweigstellen ging).

Eine nette Anzahl der über 1000 Bibliotheken, die ihre Existenz der Stiftung von Andrew Carnegie verdanken, ist bei Tante Wiki aufgezählt.

Eine nette Anzahl der über 1000 Bibliotheken, die ihre Existenz der Stiftung von Andrew Carnegie verdanken, ist bei Tante Wiki aufgezählt.

Da kein Krieg innerhalb der USA stattfand, konnten die Gebäude aus der Gründungszeit erhalten bleiben; mussten es im Grunde auch, denn die Stiftungsvermögen und Spenden reichen zwar zum Weiterbetrieb, aber Neubauten sitzen eher nicht drin. Bzw. die gibt es dann bei Zweigstellen oder anderen Erweiterungsmaßnahmen, denn die Bevölkerung ist ja inzwischen gewachsen und das erfordert mehr Raum. Der positive Effekt: Viele der Büchereien sind in schönen Gebäuden untergebracht: weitläufig, mit alten Holzarbeiten, Gemälden, stuckverzierten Decken oder Bibliotheksmöbeln von Anno Dunnemals.

Eine Konstante in der Public Library in den USA:

Webster’s Third New International Dictionary lag in jeder Bibliothek, die ich aufgesucht habe,  aufgeschlagen auf einem Tisch – sogar in der der Seniorenresidenz nördlich von New York. Entweder im Reference-Room oder im Lesesaal. Das fand ich total faszinierend. Webster’s scheint für Lesende und Schreibende in Amerika von großer Wichtigkeit zu sein (zumindest aber für die Bibliothekarinnen 😉 ). Und obwohl ein paar Exemplare in den großen Bibliotheken – Jersey City, New York – ein bisschen zerfledderter aussahen als in den kleinen, scheint der Gedanke an Vandalismus keine Rolle zu spielen.

So, nun habe ich Ihnen alles erzählt, was ich mit den Public Libraries während meines Urlaubs in Amerika erlebt habe. Ich habe tatsächlich zu einem guten Teil das gefunden, was ich aus den Büchern kannte: Büchereien mit meist recht großzügigen Öffnungszeiten, mit einer Vielzahl an Medien, die frei zugänglich sind. In den kleinen Orten einen sehr persönlichen Umgang zwischen den Angestellten und den Nutzerinnen. Und eine große Freundlichkeit gegenüber der Frau, die da reinkam und meinte, sie wolle in Deutschland in ihrem Blog über amerikanische Bibliotheken schreiben. Vielen, vielen Dank an alle, die sich mit mir unterhalten haben, die mir Schätze ihrer Bibliothek gezeigt haben, die sich Zeit für mich genommen haben.

English Summary

Five libraries – that’s all, what I’ve seen in three weeks in America. It has been as expected from the novels: great rooms with books and other media, free for all in the town. Very friendly librarians, who were interested to show me, what to find especially in their own library. And I’ve learned about the history of libraries in the United States about the funding by donations and foundations – so much different from the funding in Gemany, where libraries are to run by the urban administration. And I’ve seen a habit, that I’ve appreciated very much: In every library there was the Webster’s Third New International Dictionary on a table, reday for use. Very nice. My little tour has been a very pleasant experience – thank you so much!

Ein erfüllter Traum: Besuch einer Public Library! Teil 3: Mystic

Das wird ein bildlastiger Beitrag, denn in der Public Library in Mystic  in Connecticut durfte ich nach Herzenslust fotografieren – und es gab eine Menge Sehenswertes.

Die Bücherei wurde Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts von einem Sohn der Stadt, Captain Elihu Spicer, gegenüber seinem eigenen Sommerhaus gestiftet. Leider kam er vor Vollendung seines menschenfreundlichen Werks bei einem Unfall ums Leben. In seinem Testament hatte er aber alles genau festgelegt und eine seiner Schwestern kümmerte sich darum, dass alles wie von ihm vorgesehen umgesetzt wurde. Dass der Mann mit Schiffen zu tun hat, kann an der Decke im ersten Obergeschoss deutlich sehen:

Die Deckengestaltung erinnert an einen Schiffsrumpf und ist mit schönen Schnitzereien verziert.

Die Deckengestaltung erinnert an einen Schiffsrumpf und ist mit schönen Schnitzereien verziert.

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Ein erfüllter Traum: Besuch einer Public Library! Teil 2: Newport

Nachdem ich nun einmal gesehen habe, wie es “in echt” in einer amerikanischen Public Library aussehen kann, habe ich sofort die nächste Gelegenheit genutzt, mir eine anzuschauen. So entwickelt sich – für mich auch überraschend – eine kleine Serie über die Public Library in Amerika.

Redwood Library in Newport

Ebenfalls in historischem Ambiente findet sich die Redwood Library in Newport. Newport liegt in Rhode Island, dem kleinsten Budesstaat der USA, und ist reich an prachtvollen Gebäuden. Das Gebäude  dieser Bibliothek war allerdings von Anfang an – vor 265 Jahren! – als Bibliothek geplant. Auf dem Bild sehen Sie den ursprünglichen Eingang, der zu den ersten Räumen dieser wunderschönen Bücherei führt und heute nicht mehr genutzt wird.

Historischer Eingang der Redwood-Library mit den Transparenten zum 265-Jahre-Jubiläum

Historischer Eingang der Redwood-Library mit den Transparenten zum 265-Jahre-Jubiläum

Der Raumplan (zweites Bild) gibt nicht nur Auskunft über die Namen der Räume, sondern auch über die Kunstwerke, die dort stehen oder hängen. Deshalb ja auch der Zusatz Athenaeum …

In der kleinen Broschüre, die mir die Bibliothekarin überreichte, werden alle diese Kunstwerke genau vorgestellt. Weiterlesen

Was eine Bibliothekarin so alles sein kann: Infografik

Gerade bei bibliothekarisch.de gefunden – eine tolle Infografik:

Ideal einer Bibliothekarin

Ideal einer Bibliothekarin als Infografik

Bitte beachten Sie bei dem Link zu bibliothekisch.de auch die Kommentare und die Tags: Ja, so vielfältig sollte das Berufsbild “Bibliothekarin” sein – dabei müssen nicht alle alles können, es sollte aber für alles Ansprechpartnerinnen in einer Bibliothek geben. Die Diskussion darüber erscheint mir gerade nach meinem Besuch verschiedener Public Libraries in den USA noch wichtiger – das Bild in der Öffentlichkeit, der Grad der Bedeutung, das alles unterscheidet sich sehr voneinander. Und nach meinen kurzn Eindrücken finde ich manches drüben besser – v.a. selbstverständlicher. Dabei sind die mir bekannten Büchereien weitestgehend private Einrichtungen, die mittels Stiftungen finanziert werden.

Ein erfüllter Traum: Besuch einer Public Library! Teil 1: Provincetown

Wer amerikanische Literatur liest – seien es Krimis oder andere Bücher – kommt an der öffentlichen Bibliothek dort nicht vorbei. Sie ist, gerade in den kleinen Orten der fiktiven Welt der Platz, an dem Informationsstränge zusammenlaufen: Telefonbücher, Nachschlagwerke, kostenloser Internetzugang – und Bibliothekarinnen mit Hintergrundwissen und Recherchekompetenz. Da ich nun gerade in den USA weile, habe ich darauf bestanden, solche Public Libraries aufzusuchen. Selbst auf Cape Cod mit seinen nun wirklich nicht großen Orten ist mir aufgefallen, dass es überall sehr prominente Hinweise auf die öffentliche Bücherei gibt. Sie gehört einfach dazu. Auch zu wirklich kleinen Orten. Hübsch finde ich besonders das Icon: Es sieht aus wie ein „i“, das ein Buch hält. Leider habe ich es immer nur im Vorbeifahren gesehen und deshalb kein Foto. Aber bei der englischen Wikipedia gibt es das Icon – wegen der Aktion “Wikipedia loves Libraries“.

Provincetown – meine erste amerikanische Public Library!

Unser Besuch in Provincetown fand an einem sehr heißen Tag satt. Die Public Library dort befindet sich in den Räumen einer ehemaligen methodistischen Kirche (die zwischenzeitlich auch Museum war) und bot eine willkommene Abkühlung (ohne gleich auf so tiefe Temperaturen heruntergekühlt zu sein wie die Galerien und Geschäfte vor Ort).  Als erstes fiel mir, dass auf einigen der Regale – die sehr hübsch auf das Ambiente hin gestaltet waren: weiß gestrichenes Holz mit einem an Kirchenbänke erinnernden spitzen kleinen Aufsatz auf den Wangen – Inschriften waren, die auf die Spender hinwiesen. „In Memory of …“ oder „Dedicated by …“ (auf der Startseite  gibt es eine Slide-Show, in der ein Bild vorkommt, auf dem Sie diese Regale erkennen können). Das ist mir schon an vielen anderen Stellen aufgefallen: Parkbänke oder die Planken von Boardwalks tragen solche Aufschriften ebenfalls sehr gern – nach dem Motto „Tu Gutes und sprich darüber“.

Fast jede der Planken diese Boardwalks in SAndwich auf Cape Cod ist mit Namen und "memories" beschriftet

Fast jede der Planken diese Boardwalks in Sandwich auf Cape Cod ist mit Namen und “memories” beschriftet

Ich war jetzt nur im Erdgeschoss, wo sich die Belletristik sowie Internet-PCs, ein Mikrofiche-Lesegerät und ein Leseraum befanden. Es ging aber noch weiter. Im Leseraum z. B. war ein Hinweis auf einen ruhigen Arbeitsraum im Untergeschoss. Außerdem waren Kinder- und Jugendbücher in der oberen Etage, ebenso  Sachliteratur.

  • Es herrschte ein reges Leben – ruhig, aber  nicht auf Zehenspitzen oder so.
  • Es gab ausreichend Sitzgelegenheiten.
  • Die Bibliothekarin ging mit Nutzern an Regale, um ihnen was zu zeigen.
  • Es gab ein selbstverständliches Nebeneinander von alten und neuen Medien in traditioneller Umgebung.

Mir hats gefallen! Ein öffentlicher, freundlicher Ort, ohne Zugangsbeschränkung wie „Tagesausweis“ oder Ähnliches. Im Grunde genau, wie ich es mir vorgestellt habe. Und ein wohltuender Kontrast zum Trubel auf den Straßen in P’town  an dem Tage: Dort herrschte gerade „Carnival“ und es ging hoch her in dieser Homohochburg auf Cape Cod.

English Summary

I’ve read so often in american fiction about the public library in each town in the USA. So I was eager to visit such a library by my own. The first town was Provincetown on Cape Cod. The library is situated in a former methodist church and I’ve very much appreciated the style of the book-shelfs: they have a remembrance to the former church in their shape. It was only a short visit, but for me there was a fulfillement of what I’ve read about such institutions in american towns. Now I’ve started this little series about public libraries in America – next week it will be al report about the Redhook Library in Newport. Stay tuned.

Beim nächsten Beitrag am 5.9. geht es um die Redwood Library in Newport.

When the Emperor was Divine von Julie Otsuka

Da soll einer mal sagen, Reisen bilde nicht! In unserem Ferienhaus auf Cape Cod fand ich dieses Werk vor und habe – nach meiner vorherigen positiven Erfahrung mit der Autorin – sofort danach gegriffen.

Dieses Buch ist genauso gut wie “Wovon wir träumten”! Wieder geht es um Japaner in den USA. Es ist 1942, als die Geschichte beginnt. Eine Frau liest einen Aushang, macht sich Notizen, kauft ein bisschen ein und geht nach Hause, um zu packen. Zum Packen gehört das Weggeben der Katze an Nachbarn, das Schlachten der Hühner und das Töten des alten weißen Hundes. Sohn und Tochter müssen nach der Schule ebenfalls ihre Sachen packen. Das Haus ist jetzt leer.                       Bild zu Unterhaltung von Christian Baller

In nüchternen Worten, minimalistisch, berichtet Julie Otsuka von der Verlegung feindlicher Ausländer, in diesem Falle Japaner, in Lager, weit weg von der Westküste. Im Laufe der Lektüre erfahre ich als Leserin, dass der Ehemann und Vater schon direkt nach Pearl Harbour abgeholt wurde. Es gibt nur eine spärliche Briefverbindung. Aus der Sicht des Jungen werden die Auswirkungen der Zensur deutlich – manche Briefe kommen völlig unverständlich an.

Die Erzählerin lässt mich – mit viel Distanz – das Innenleben des Jungen, der Frau und des Mädchens erleben. Die Sätze sind kurz. Die Bezüge zwischen den einzelnen Elementen entwickeln sich im Laufe der Lektüre.

Gegen Ende passiert wieder der Wechsel von der außenstehenden Erzählerin hin zum „Wir“ – das „wir“ umfasst die beiden Kinder. Ich erlebe ihre Rückkehr nach Berkley direkt aus ihrer Sicht. Auch das vollkommen „trocken“. Große Emotionen zu schildern ist nicht die Sache von Julie Otsuka. Doch mit ihrer minimalistischen Erzählhaltung lässt sie mir den Atem stocken über das Unfassbare, was da geschieht und was es mit den Menschen macht. Am Ende kommt auch der Vater zu Wort – mehr will ich hier nicht verraten.

Ich finde, es ist ein großartiges Buch.

Julie Otsuka: When the Emperor was Divine, Anchor Books, New York, 2003, ISBN: 0385721811

Bisher ist das Buch nicht auf deutsch erschienen. Es war 2002 ihr Debut als Schriftstellerin.

English summary:

In this novel Julie Otsuka describes the circumstances of declasssification of the japanese Americains in World War II, after Pearl Harbour. It’s the story of one family, a woman, a boy and a girl. The father has been already arrested as an enemy alien. The three of them now are arrested, too. They have been transferred from one prisoner camp to another.

Julie Otsukas language is very impressive, although she never uses emotional words. She describes very objectively the preparations of the woman before the arrest (the packing of houshold hardwares, the cat, which is given to a neighbour, the killing of the hens and the old dog) and the situation in the prisoner camp (boring days, cold or hot days, waiting for letters – those censured and sometime nearly ununderstandable) through the eyes of the boy and the girl. And the end – to be back at Berkley. What does happen to a family in this situation? With the novel of Julie Otsuka you can get witness of this destroying times.

It’s a wonderful novel, which I really appreciated