Zufallsbuch #3 Der Erwählte von Thomas Mann

Dafür, dass ich lange Jahre große Schwierigkeiten mit Thomas Mann und seiner Schreibe hatte, hat es “Der Erwählte” recht schnell auf den Stapel der Lieblings- oder wie Kerstin Herbert sagt “Herzensbücher” gebracht. Ihre Fragen dazu lauten dieses Mal:

  1. Worum geht es in dem Buch?
  2. Wie oft hast du das Buch bereits gelesen? Und wann zuletzt?
  3. Warum ist es ein Herzensbuch?
  4. Wie lautet dein Lieblingszitat aus dem Buch?
  5. Warum hat sich dein Lieblingsmensch genau für dieses Buch entschieden?

Zu Frage 1: Thomas Mann erzählt hier auf seine Art den “Gregorius” von Hartmann von Aue nach. Der Handlungsablauf folgt in erweiterter Weise dem mittelalterlichen Vorbild – sehr inzestuös: Gregorius ist das Kind aus der Liebesbeziehung der Zwillinge Sybilla  und Willigis (das ist eine Idee von Thomas Mann (Nachtrag vom 20.2.2018:Maike Claußnitzer hat es gerade im Kommentar korrigiert: Den Zwillingsinzest gab es schon bei Hartman … ich bitte um Entschuldigung) und erringt später seine eigene Mutter zur Frau (der Mutter-Sohn-Inzest findet sich schon bei Hartmann), mit der er dann zwei Töchter hat. Als dieses Verhältnis offenbar wird, zieht sich Gregorius zur Buße auf einen einsamen Felsen im Meer zurück und lebt dort erstaunlich lange und sehr reduziert. In Rom wird nach einem blutigen Bütrgerkrieg ein neuer Papst gesucht und in einer Vision wird zwei Personen offenbart, es solle der Büßer Gregoris sein.

Thomas Mann gibt sich hier die Art eines alten Erzählers – tut dies aber in so ironischer und sprachspiefreudiger Weise, dass es eine Lust ist, der alten Geschichte zu folgen. Viele Begriffe, zum Beispiel aus der “englischen” Phase der Geschichte (Gregorius wächst auf englischem Boden auf), sind quasi lautmalerisch geschrieben – z. B. “puhr piepl” für die einfachen Leute. Da hat es mir geholfen, einfach laut zu lesen. Die beiden Römer mit ihren Visionen sind auch wunderbar grotesk und rührend.

Zu Frage 2: Auch wenn es ein Herzensbuch ist, gebührt ihm dieser Platz erst ca. 9 Jahre und deshalb habe ich es erst vier Mal gelesen … Das letzte Mal im Zusammenhang mit einem meiner Literaturkreise vor ein paar Jahren – dann aber gründlich 😉

Zu Frage 3: Hab ich ja im Grunde schon bei Frage 1 mit beantwortet – die Sprache ists. Und ich habe als Germanistin mit Studienschwerpunkt Mittelalter einfach ein Faible für die alten Geschichten.

Zu Frage 4: Da gibt es viele, aber hübsch finde ich das hier:

Ich bin der Mann hier und Euer Ehegemahl, wenn auch blödsinnigerweise, und so bestimm’ ich. (S. 176)

Da macht Gregorius seiner Frau und Mutter klar, was zu geschehen hat, nachdem die inzestuöse Beziehung offenbar wurde.

Thomas Mann Der Erwählte Zufalssbuch #3

Tja, die Lesezeichen wieder rauszunehmen habe ich dann vergessen

Zu Frage 5: Mein Lieblingsmensch meinte, dass dies das einzige meiner Herzensbücher sei, das ihm so gar nichts sage. Und außerdem seien da so viel schöne bunte Zettelchen dran … (Überbleibsel der letzten Lektüre vor ca. vier Jahren – für den Literaturkreis …)

Thomas Mann: Der Erwählte, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main, 1995, ISBN: 3596294266

 

 

Bachs Musik kombiniert mit Sayers und Thomas Mann – in Mettmann u.a.

Ich stell hier mal die Mail rein, die mich über eine Freundin erreicht hat – ich find die Idee so spannend:

Liebe Musikfreunde!

Für die länger Vorausplanenden hier schon einmal eine Einladung zu meinen nächsten Orgelkonzerten in Berlin und Mettmann: Tiefsinn und Leichtsinn – Orgelmusik von J.S. Bach in spielerischem Dialog mit Texten von Dorothy Sayers und Thomas Mann.

Sonntag, 3. November, 17 Uhr in Berlin, Philipp-Melanchthon Kirche Neukölln, Kranoldstr 16

Sonntag, 10. November, 18 Uhr in Mettmann, Evangelische Kirche Freiheitstr

Idee und Orgel: Ulrike Brand

Sprecher: N.N. (Berlin), Jürgen Artmann (Mettmann)

Im Mittelpunkt des Konzertes stehen zwei herrliche Bachwerke: das große Präludium mit seiner fantastischen, endlosen, verrückten Fuge in e-moll und die Triosonate in e-moll. “Triosonate” – das schreibt sich leicht und ist gleichzeitig Himmel und Hölle für die Performerin. Rechte, linke Hand und Füße bewegen sich in drei völlig unabhängigen Stimmen umeinander herum – ein Training für alle drei Gehirnhälften! Eine in sich ruhende, fließende Triosonate ist vielleicht der glücklichste Moment an der Orgel – doch gerade wenn man dann denkt “Augenblick, verweile doch, du bist so schön” – schon ist die Balance für einen Moment dahin.

Doch was wäre das Leben ohne Risiken?

Die Texte von Dorothy Sayers und Thomas Mann nehmen die Idee der Verflechtungen und Deutungen auf – und stellen sie schmunzelnd auf den Kopf.

Ich freue mich auf eine klangsinnige Stunde mit euch! Bringt reichlich Gäste mit – der Eintritt ist frei, großzügige Spenden sind erwünscht!

Nähere Informationen gibt es hier: Ulrike Brand – touch of Sound

Ich kann selber wahrscheinlich nicht – familiär bedingt. Aber reizen tät mich die Sache schon. Wär schön, wenn ich Rückmeldung bekommen könnte, falls jemand da hingeht.

Rezensionen von Sachbüchern – Links zu alten Texten

Lust aufs Lesen machen ja nicht nur die vielen tollen Romane, Lyrikbände und Jugendbücher, sondern auch manche Sachbücher. Zu solchen habe ich bei Profi-Wissen auch schon einige Rezensionen veröffentlicht. Die will ich Ihnen nicht vorenthalten und liste sie Ihnen einfach mal auf:

Vielleicht ist ja was für Sie dabei. Viel Spaß!

Links zu “alten” Rezensionen

So, in diesem meinem neuen Blog erscheinen nun meine Rezensionen. Da es aber  schließlich nicht meine ersten Buchbesprechungen sind, bekommen Sie jetzt eine völlig unsortierte Liste der Besprechungen, die vom letzten Jahr bis ins Frühjahr 2013 auf meiner Seite Profi-Wissen erschienen sind: