Bühlerhöhe von Brigitte Glaser

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgDieses Buch ist auf Empfehlung meiner Buchhändlerin mein erster Kontakt mit der Autorin Brigitte Glaser (ich hab mir das Krimi-Lesen ein bisschen abgewöhnt …) und ich habe Freude dran gehabt. Es ist eine gute Mischung aus Krimi, Spionage-Geschichte und Gesellschaftsbild.

Gerade die Erinnerungen der drei Frauen im Mittelpunkt der Geschichte:

  • Rosa, aus Deutschland nach Palästina geflohen, die gesamte Familie bis auf die Schwester in der Nazi-Barbarei verloren und nun überzeugte Israelin
  • Sophie Reisacher aus Straßburg, die einen Nazi geheiratet hat und nun als Hausdame des Hotels Bühlerhöhe nach Höherem strebt, wieder erhobenen Hauptes durch ihre Heimatstadt gehen will
  • Agnes, die Buchhalterin aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen, fromm und mit, wie wir sagen würden, einer posttraumatischen Belastungsstörung

Die Lebensgeschichten der drei bieten eine recht breite Palette an Erfahrungen mit der Nazi- und Nachkriegszeit – Verlust der Heimat, der Familie, Gewalterfahrungen und die Position als Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft. Wie kommt eine Frau wieder auf die Füße, die solches erlebt hat? Alle drei – und noch mindestens die Schwestern von Rosa und Agnes – bieten da sehr unterschiedliche Antworten. Weiterlesen

Gedicht zum Tag – Lied im Advent von Matthias Claudius

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Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen !

Matthias Claudius

Der Zauberlehrling von Erich Kästner

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgGut, ich habe nie das Gesamtwerk von Erich Kästner bewusst durchforstet – so sei es mir nachgesehen, dass ich von den Texten, die der Atrium-Verlag in diesem Band herausgibt, nie etwas gehört, geschweigen denn gelesen habe. Umso mehr freue ich mich, dass ich die Texte nun kenne 🙂

Es handelt sich um zwei Romanfragmente und einen Briefwechsel (eher ein “Briefwechselchen”) Kästners mit sich selber. Die Texte stammen aus den 30er Jahren, bzw. von 1940 – eine Zeit also, in der der vefolgte Autor nicht publiziern konnte.

Der früheste der drei Texte ist “Der Doppelgänger” – ein Romananfang im Gefolge des “Fabian” bzw. “Der Gang vor die Hunde”, der 1931 erschien. Ein Engel, der als Weinreisender auftritt, hindert die Hauptfigur am Selbstmord. Bei einem darauf folgenden Caféhausbesuch beobachtet dieser junge Mann – ein Schriftsteller, offensichtlich – seine Umgebung und mokiert sich über die Tatsache, dass er nur wenige Stunden nach seinem geplanten Tod Material für Roman und Essay sammelt. Der Engel kommt bei einem dort stattfindenden Selbstmord zu spät und beklagt den Personalmangel – offensichtlich wollen sich mehr Menschen ums Leben bringen, als es einsatzfähige Engel gibt. Neben der Leibesfülle ist ein Notizbuch des Engels Seibert markantestes Attribut. Anklänge an “Fabian” finden sich hier vor allem in den Beobachtungen Karls. Weiterlesen

Blogwichteln 2016

BlogwichtelbuttonEs ist wieder so weit – im besten Netzwerk aller Zeiten wird gewichtelt, denn das Blogwichteln 2016 ist ausgerufen. Also, für jedes meiner Blogs – das hier und Profi-Wissen – bekomme ich von je einer Kollegin einen Beitrag geschenkt und ich wiederum beschenke zwei andere Kolleginnen mit Beiträgen. Bewährte Praxis in den letzten Jahren ;-):

  • geschenkter Beitrag 2013 hier
  • geschenkter Beitrag 2014 hier
  • geschenkter Beitrag 2015 hier

Erfreulicherweise darf ich dieses Jahr das Blog Kinderohren von Daniela Dreuth beglücken – hach, mal wieder Kinderbücher in die Hand nehmen, was Altes oder was Neues, das weiß ich noch nicht, bin selebr gespannt 😉 . Bis 15.1.2017 habe ich Zeit.

Hier bei der Leselust dürfen wir uns auf einen Text von Maria Al-Mana freuen, die ebenfalls zwei spannende Blogs betreibt: das Unruhewerk und die Texthandwerkerin. Ich bin gespannt, was da auf uns zukommt. Ich weiß jedenfalls, dass sich Maria Al-Mana über die per Los zugefallene Aufgabe freut; hat sie gesagt. Ich freu mich auch 🙂

Blogwichteln als Ausbruch aus dem normalen Bloggen.

Blogwichteln als Ausbruch aus dem normalen Bloggen.

Ich bin jedes Jahr begeistert von der Aktion Blogwichteln, denn da der Texttreff ein großes Netzwerk ist, kann man gar nicht alle Blogs der Kolleginnen kennen – das Blogwichteln schafft da Abhilfe. und es gibt sehr sehr spannende Sachen zu entdecken. Sie können ja auf der Startseite des Textreff mal TT-Blog anklicken, dann kommen Sie hierhin – und links gibt es eine ganze Liste von Blogs, die von Texttreff-Frauen betrieben werden. Beeindruckend schon in der Zahl und sehr oft auch inhaltlich. Während der Aktion “Blogwichteln” werden hier auch häufig die einzelnen Beiträge gepostet – Sie können also die ganze Aktion verfolgen und sind nicht nur auf mein Mitlesen und Weitegeben angewiesen.

Viel Spaß!

Krieg von Janne Teller

rp_Bild-Jugendbücher-150x150.jpg„Krieg – Stell Dir vor, er wäre hier“ – und das Ganze in der Anmutung eines Passes, mit dem Verlagsnamen statt des Europasternenkreises. Janne Teller hat bereits 2001 (!!!) dieses kleine Buch verfasst – die Flüchtlingsdebatte drohte also bereits vor 15 Jahren europäische Grundwerte zu unterminieren. 2010 erschien dann die Version für Deutschland, die mir hier vorliegt. Ausgangssituation im Buch: Deutschland als das Land, das die europäische Solidargemeinschaft verlassen hat und deshalb mit Krieg überzogen wird, jahrelang.

Mit diesem Szenario beginnt das Büchlein: Kriegsalltag in Deutschland 2010 – Bomben, Leben in Ruinen, politische Verfolgung, alles, was wir aus Nachrichten kennen – nur hier mit umgekehrten Vorzeichen. Die Familie, die hier im Mittelpunkt steht, findet in Ägypten Zuflucht. Europäische Flüchtlinge sind hier gering geachtet, denn sie beherrschen nur Schreibtischtätigkeiten und zeigen wenig Integrationsbereitschaft. Asylverfahren dauern jahrelang und saugen den Migranten die Kraft aus den Knochen. Weiterlesen

Die Münchmeyer-Romane von Karl May – Der Weg zum Glück

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgIn der Zeit von Juli 1886 bis August 1888 erschien mit „Der Weg zum Glück“ der letzte der Münchmeyer-Romane von Karl May. Er stellt eine Art Denkmal für den kurz vor Beginn der Serie ertrunkenen bayerischen König Ludwig II dar. Neben dem immer wieder als Deo ex machina auftauchenden König ist die zentrale Figur schlechthin  der Wurzelsepp.

Der Inhalt

Die Geschichte beginnt ur-bayrisch auf einer Alp unter kräftigem Gesang und Gejodel: Der Wurzelsepp und seine Patentochter, die  Murenleni, musizieren miteinander. Nach dem Abschied des Alten muss sich die Leni gegenüber den Jager-Naz durchsetzen, der das hübsche Mädchen gern als seinen Schatz hätte. Wurzelsepp hingegen begegnet auf seinem Abstieg dem König, der in der Sennhütte übernachten will, um am nächsten Tag auf die Jagd zu gehen. Schon in diesen ersten Dialogen wird deutlich, wie hoch der Autor Frömmigkeit, Bescheidenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft stellt – und das gilt für alle Figuren, also auch für Ludwig II.

Wurzelsepp und Leni terffen sich - die groben Schnitte stammen aus der Erstausgabe

Wurzelsepp und Leni treffen sich – die groben Schnitte stammen aus der Erstausgabe

Der Krikelanton, ein bekannter Wilddieb, rettet in dieser Nacht nicht nur König Ludwig das Leben, sondern verspricht der Leni auch, sich der Polizei zu stellen und im Anschluss an seine Gefangenschaft ein ehrbares Leben zu beginnen. Er wird verfolgt, rettet sich auf halsbrecherische Weise über einen gefährlichen Grat, wird von einer verrückten Schriftstellerin über die Grenze ins Österreichische zu seinen Eltern gerettet, rettet dort seinerseits die Frau eines Musikprofessors aus den Bergen und stellt sich im Anschluss der Behörde. Inzwischen hat König Ludwig der Sennerin Leni unterbreitet, er möchte sie als Sängerin ausbilden lassen. Nach einigem Hin und Her entschließt sich Leni, das Angebot anzunehmen; vorher jedoch bittet sie den Krikelanton frei. Der nun ist von der Idee, dass das Mädchen, mit dem er sich so gut wie verheiratet sieht, zur Bühne gehen soll, überhaupt nicht einverstanden. In seinen Augen ist dies der erste Schritt in den moralischen Abgrund. Weiterlesen

Diese wunderbare Bitterkeit von Christoph Peters

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgEingebettet in die eigenen Erfahrungen von Christoph Peters bekomme ich hier eine kurzweilige Kulturgeschichte des Tees in aller Welt und streckenweise einen ebenso unterhaltsamen Rückblick in meine Jugendzeit. Was musste ich bei den Schilderungen von Teesitten und -sorten grinsen, an die ich mich so gut erinnere. Ich sag nur: 80er Jahre, aromatissierte Tees, Teenetz …

Der schmale Band umfasst neun Kapitel und folgt dem beliebten Getränk durch die Welt: angefangen in der niederheinischen Heimat von Christoph Peters über Japan, den vorderen Orient, China, England und Ostfriesland. Immer ist das, was der Autor erlebt, der Aufhänger für seine kleinen Geschichten. Dabei nimmt er sich auch selber auf die Schippe, erzählt launig – ich bin im auf seiner Reise gern gefolgt. Und überlege, ob ich an meinen Teezubereitungsmethoden was ändern soll 😉 Denn das ist ein großes Thema: Wie wird Tee am besten zubereitet. Der großen Auswahl an Gefäßen – Kannen und Schalen -, die der Autor sein eigen nennt, werde ich aber nicht folgen.

Christoph Peters: Diese wunderbare Bitterkeit, Arche Verlag, Zürich, 2016, ISBN: 9783716027561