Noch eine Auszeichnung für die Stadtbibliothek Köln

rp_ZB-rot-150x150.jpgNachdem die Stadtbibliothek Köln im letzten Jahr “Bibliothek des Jahres” wurde, ist ihr gesten der Kölner Kulturpreis zugesprochen worden, genauer gesagt: Die Leiterin der Stadtbibliothek, Dr. Hannelore Vogt, ist  “Kulturmanagerin des Jahres 2015″. Da hat jemand das eigene Studium und das Dissertationsthema wirklich gut umgesetzt, denn im heutigen Kölner Stadt-Anzeiger habe ich gelesen, dass Hannelore Vogt neben ihrem Bibliothekarsstudium einen Magisterabschluss als Kulturmanagerin hat und zum Thema Besucherorientierung in Bibliotheken promoviert hat. Das merkt man den Angeboten der Stadtbibliothek ja seit Jahren an – auch wenn ich mit “Geeks@cologne” bspw. nicht wirklich was anfangen kann: Ich weiß, dass es das gibt und die eigentliche Zielgruppe – also Menschen, die nur halb so alt sind wie ich -, werden eben erreicht. Auch die Zusammenarbeit mit Schulen bekomme ich als Besucherin der Bibliothek immer wieder zu spüren, weil so oft Kindergruppen  eine Einführung in die Bibliothek bekommen. Ein hochverdienter Preis also.

Der Kölner Kulturpreis wird seit 2010 durch den Kölner Kulturrat vergeben; es gibt die Kategorien “Kulturmanager des Jahres” und “Kulturereignis des Jahres”. Außerdem gibt es noch einen Ehrenpreis – der geht für 2015  an Dr. Werner Jung, den Leiter des EL-DE-Hauses, dem NS-Dokumentations-Zentrum der Stadt Köln.

Die Preisverleihung findet am 29.6.2016 im Museum für angewandte Kunst statt.

Das Meer von Philipp Plisson

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x1501.jpgFast ohne Text, ein Buch zum Abtauchen: Fotos von Philipp Plisson (sechs davon sind auch von Guillaume Plisson, seinem Sohn) und alle zu einem Thema (Überraschung!): Das Meer.

Ein opulenter Bildband mit Fotografien, die einfach nur gefangennehmen: Lichtspiele im Nebel, ein winziger Delphin vor dem Bug eines riesenhaft wirkenden Schiffes (man sieht nur das Tier und ein Stück vom Bug, der so viel massiger ist als der anmutige Springinswasser), Leuchttürme in jeder Art von Gischt und Licht, die Takelung verschiedener Segelboote von Jolle bis Viermaster. Und dann diese Farben! Blau, türkis, grau, für Wasser und Himmel, die Boote setzen farbige Akzente. Die Schwarz-weiß-Aufnahmen sind in ihrer Aussagakraft oft dramatisch. Philipp Plisson hat den Titel “Peintre de la Marine” erworben – nicht zu Unrecht. Die rund 170  Bilder laden immer wieder zum Entdecken ein – wie mich jetzt mal wieder ;-)

Leider ist das Buch nicht mehr erhältlich. Aber wenn Sie den Namen des Fotografen recherchieren, werden Sie über Poster- und Kalender-Anbieter stolpern, die Produkte mit seinen Bildern verkaufen.

Mondschein überm Atlantik - fotografiert am Cape Cod (Foto:Christian Baller)

Mondschein überm Atlantik – fotografiert am Cape Cod (Foto:Christian Baller)

Philipp Plisson: Das Meer, mit einem Vorwort von Yann Queffélec, übersetzt von Veronika Straaß und Hannelore Leck-Frommknecht, Knesebeck Verlag, München, 2002, ISBN: 3896601431

Ein Beitrag zur Golden-Backlist-Challenge von Papiergeflüster

Kampf um Vorherrschaft von Brendan Simms

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x1501.jpgEin Wälzer, gut zu lesen und mit einem spannden Thema: Brendan Simms geht davon aus, dass die Entwicklung von Politik, Machstrukturen, Staaten, Bündnissen usw. in Europa in erster Linie von Deutschland abhing; “Eine deutsche Geschichte Europas” heißt dann auch der Untertitel. Das lag nicht immer daran, dass Deutschland danach strebte, sondern an seiner Lage und seiner langfristigen Uneinheitlichkeit. Die deutschen Lande – so konnte man das ja jahrhundertelang sehen – liegen seiner Auffassung nach halt in der Mitte Europas und alle anderen Akteure gruppieren sich darum, mal mit , mal gegen deutsche Herrscher. Die Kaiserkrone hatte auch einen Glanz, der viele reizte – Heinrich VIII von England zum Beispiel.

Der behandelte Zeitraum ist kein Pappenstiel: 1453 bis heute … Nach einer kurzen Einführung in das Europa um 1450 behandelt Brendan Simms die einzelnen Perioden – mal fast 200, dann wieder nur 60 Jahre umfassend – unter einer gemeinsamen Überschrift:

  • Reiche
  • Sukzessionen
  • Revolutionen
  • Emazipationen

– so heißen die ersten Kapitel. Am Ende jedes Abschnitts gibt er eine kurze Zwischenbilanz – sehr nützlich, um die Fülle an Informationen noch mal sortiert zu bekommen, bevor der nächste Schwung kommt  ;-)

Map-GermanConfederation

Auf diese Karte mit den Grenzen des Deutschen Bundes (rot) von 1820 kann man die zentrale Deutschlands gut erkennen. 52 Pickup at the English language Wikipedia, Map-GermanConfederation, CC BY-SA 3.0

Brendan Simms ist ganz klar einer, der auf die Außenpolitik schaut (kein Wunder, er ist Professor für internationale Beziehungen), und das eben mit einem ungewohnten Blick. Ob ich nun mit ihm übereinstimme oder nicht – ich habe auf jeden Fall eine spannende Geschichte in der Hand, die auch gut lesbar geschrieben ist – verständlich, mit einem Schuss Humor.

Brendan Simms: Kampf um Vorherrschaft. Eine deutsche Geschichte Europas. 1453 bis heute, übersetzt von Klaus-Dieter Schmidt, Deutsche Verlags–Anstalt, München, 2014, ISBN: 9783421043979

Free again von Heike Abidi

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgMeine überaus produktive Namenscousine Heike Abidi hat weder einen Roman vorgelegt – in der Reihe „feelings“, einem E-Book-Imprint des Droemer Knaur Verlags. Sprich: Es braucht dazu einen E-Reader … Der Reihentitel ist Programm, wobei Heike Abidi (zum Glück!) darunter weder Gefühlsduseligkeit noch schwüle erotische Fantasien versteht. Ihr Metier ist die heitere Unterhaltung – für „moderne“ Frauen – ohne dabei das Ziel aus den Augen zu verlieren: das Happy End (und das ist jetzt kein Spoiler!).

Wer andere Rezensionen von mir zu den Büchern von Heike Abidi kennt, wird nicht erstaunt sein, wenn ich verrate, dass auch hier eine Frau einen eher ungewöhnlichen Beruf ausübt. Juliane Frey, die Protagonistin, war bis zu ihrer Scheidung im Romantikhotel ihres Mannes als Hochzeitsplanerin beschäftigt und rutscht nun eher unfreiwillig in den Markt der Scheidungspartys. Schließlich muss sie sehen, wie sie Geld verdient. Ihre Wohnung hat sie an einen netten jungen Mann vermietet, ihr Auto verkauft und bei ihrer Freundin Lisa ein 12-Quadratmeter-Zimmer bezogen. Der Familienanschluss bei dieser und ihrem 14-jährigen Sohn Morten hat, wie es üblich ist, Vor-und Nachteile. Ihren Musikgeschmack teilen Juliane und Morten nun so gar nicht, dafür haben beide eine Vorliebe für Nussjoghurt. Die Annäherung zwischen den beiden ist teils unfreiwillig und teils unfreiwillig komisch.

Free again Heike Abindi NoWedding

Was tun mit dem Ehering nach der Scheidung? Die Kundinnen von Juliae Frey liefern da ein paar Ideen

Nein, zur Handlung sag ich jetzt weiter nichts. Dass es der erste nette, neue Mann in Julianes Leben nicht ist, bedarf ja auch keiner weiteren Erwähnung. Obwohl Heike Abidi die ach so sprechenden Namen der Figuren – Juliane nutzt ihren Nachnamen Frey auf Anraten Mortens für Ihr Unternehmen „Free again“, der Steuerberater Ohnesorg spielt eine zum Namen passende und dem sonstigen Bild von Steuerberatern widersprechende positive Rolle – von Juliane immer wieder ironisch betrachten lässt, war mir dieses Mittel ein bisschen zu gehäuft. Ansonsten: gut lesbar, immer ein Schuss Ironie. Das kenne ich so von Heike Abidi ;-)

Wie auch bei den anderen Romanen von Heike Abidi habe ich hier Stoff für ein paar Stunden Entspannung bekommen – genau das, was die Autorin liefern will.

Heike Abidi:Free again – alles auf Anfang, Droemer Knaur, München, 2016, ISBN: 9783426436981 (E-Book)

Die Kölner Leselust hat Geburtstag

Heute vor drei Jahren, am 1. Mai 2013, ging die Kölner Leselust an den Start – meine Plattform für vieles rund um Bücher.

Dankeschön!

Ich freue mich sehr, dass Sie als Leserinnen und Leser meines Blogs hier mit dabei sind. So ein Jahrestag ist eine gute Gelegenheit,  mal innezuhalten – nicht nur für einen Rückblick, sondern auch für Kritik, Wünsche und andere Überlegungen.

  • Was fehlt Ihnen bei der Kölner Leselust?
  • Was finden Sie nicht so gut?
  • Und auch: Was mögen Sie an meinem Blog?

Ich bin gespannt!

Rückblick

In den drei Jahren habe ich hier 229 Bücher rezensiert – fast anderthalb  ;-) pro Woche. Und da war vieles dabei:

  • viele Sachbücher
  • Unterhaltungsromane
  • ein paar Klassiker, Krimis, Kinder- und  Jugendbücher
  • historische Romane und Biographien

– da kann man schon sehen, dass mein Herz für Geschichte schlägt. Science Fiction und so richtig gruselige Thriller oder auch Fantasy à la Game of Thrones sind dagegen bei der Kölner Leslust klar unterrepräsentiert ;-) .

Zahlen zur Kölner Leselust

So verteilen sich die Zahlen meiner Beiträge auf die Kategorien. Beiträge zu den Literaturkreisen werden sich dabei in absoluten Zahlen nicht mehr verändern, da ich sie nicht mehr anbiete – da wird im Laufe der Zeit der prozentuale Anteil also kleiner.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein anderer Schwerpunkt ist ganz klar die Lyrik – die meisten der 70 Beiträge zu “Hauptsache Lyrik” sind Gedichte; deutlich weniger befassen sich mit Lyrik als Thema, auch wenn ich das mal so geplant hatte … Aus den Augen verloren habe ich die Idee nicht – es fehlt oft die Zeit.

“Allgemein” bringt einen bunten Gemischtwarenladen – da geht es um Geburts- oder Todestage von Autorinnen, um Aktionen in der Welt der Buchblogger oder gelegentlich um Veranstaltungen rund um Literatur hier in Köln und Umgebung.

Ich freue mich auf die nächsten 477 Beiträge für Sie und mit Ihnen. (Ja, so viele sind es nämlich insgesamt und das bedeutet: durchschnittlich bekommen Sie hier pro Woche drei neue Beiträge zu lesen.)

Mischlingskind von Richard Fraysier

rp_Rubrik-Biographie-300x20011-300x200-300x200.jpgRichard Fraysier hat in seinem Leben immer wieder erfahren, was es heißt, nicht dazu zu gehören, ja, eigentlich immer irgendwie verdächtig zu sein. Mit seiner autobiographischen Erzählung geht er dem detailliert nach. Er schildert seine Familiensituation – afrikanischer Arzt, weiße Krankenschwester, das sind seine Eltern -, den frühen Tod des Vaters, die Hilflosigkeit und Überforderung der Mutter und immer wieder: Ausgrenzung. Die Fakten als solche schildert er nüchtern – keinerlei Wehleidigkeit. Er lässt in diese Schilderung aber immer wieder auch seine aktuellen Gedanken einfließen, seine immerwährende Auseinandersetzung mit den Umständen seines Lebens ist so deutlich zu spüren.

Für mich, als Altersgenossin, ist es spannend zu sehen, wie anders man diese Welt der 60er und 70er Jahre erleben – musste, in seiner Situation, nicht nur “konnte”. Déja-vu und völlige Unkenntnis wechseln sich da ab (nun ja, ich war wohl auch nicht die “typische” Vertreterin meiner Generation …).

Der Lebensweg von Richard Fraysier ist abwechslungsreich aus der Not der inneren Heimatlosigkeit – Bonn, die USA, Sierra Leone sind die Stationen. Und an allen widerfährt ihm die Ausgrenzung, ja, Verdächtigung; das besonders eindrücklich nach dem Attentat von New York 2001 – der vielreisende IT-Fachmann sieht sich ständigen Anfeindungen und Verdächtigungen ausgesetzt und das in dem Land, in das er vor der Fremdheit seines Geburtslandes Deutschland geflohen war. Die Erfahrungen in der Heimat seines Vaters – Sierra Leone – sind erst recht verstörend; anstelle eines imaginierten Traumlandes findet er ein vom Bürgerkrieg gepeinigtes Land vor, voll Unsicherheit und Verletzungen.

Parallel zum Buch, das Richard Fraysier in Eigenregie herausgegeben hat, startete er im Dezember 2015 ein Blog dazu: Ecce homo. Meine Hautfarbe ist Mensch. Die Gedanken zu Themen rings um den für ihn alltäglichen Rassismus finden hier noch mal einen eigenen Platz.

Ein sehr persönliches Buch zu einem beunruhigenden Thema – und gerade wieder (!) bedauernswert aktuell.

Richard Fraysier: Mischlingskind. Über die eigene Wahrheit und die der Anderen. Die Geschichte meines Lebens zwischen den Rassen, Books on Demand, Norderstedt, 2016, ISBN (Print): 9783739224640 , ISBN (E-Book): 978373286693

Blogger schenken Lesefreude 2016 – meine Gewinnerinnen

Es waren drei Frauen, die sich mit einem Gedicht gemeldet haben – und bei zwei Preisen unter “Blogger schenken Lesefreude” wär das jetzt mit einer, die leer ausgeht, irgendwie blöd, finden Martin und ich. Und deshalb:

Blogger schenken Lesefreude - die Gewinnerinnen

Drei Einsenderinnen – drei Gewinnerinnen. Herzlichen Dank fürs Mitmachen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für jede gibt es also einen Band “April, Gedichte” aus dem Reclam-Verlag und ich hoffe, die drei haben Spaß daran (ich finde ja, dass die Herausgeberinnen Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjel mit ihrer Auswahl von Monatsgedichten immer was zu entdecken geben).

Und ja, nächstes Jahr wird die Aktion erst um den 23.4. herum beginnen – so viele Menschen rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x15011111111111111.jpgwaren gestern hier, um zu schauen, was ich mache und dann ist die Aktion schon vorbei. Ich gelobe Besserung. Es gibt aber zum Glück noch jede Menge anderer Blogs, auf denen die Aktionen erst gestern gestartet sind – frisch drauf los und entdecken!

Das Buch für die Stadt 2016 ist von Margriet de Moor

Heute, am Welttag des Buches, stand im Kölner Stadt-Anzeiger endlich, welches Buch im November in Köln und Umgebung intensiv gelesen werden wird: “Erst grau dann weiß, dann blau” von Margriet de Moor. Es stammt von 1991 (1993 kam die deutsche Übersetzung raus), es ist ihr Debutroman (für ihren ersten Erzählband von 1988 wurde sie ebenfalls ausgzeichnet) und wurde 1992 mit dem AKO-Literaturprijs bedacht.

Ich freu mich schon auf das Buch und darauf, dass ich bereits am 25. August 2016 beim Kulturfrühstück der Melanchthon-Akademie dazu was erzählen darf.

Heiliger Krieg von Philippe Buc

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x1501.jpgHier bekommen Sie Wissenschaft aufs Feinste – und Anspruchsvollste. Das ist kein Buch für mal eben so zwischendurch – Philippe Buc verlangt die ganze Konzentration seiner Leserschaft. “Gewalt im Namen des Christentums” lautet der Untertitel, doch nur mit den Kreuzzügen hat die Abhandlung nichts zu tun. Philippe Buc geht es darum, die Linien nachzuziehen, nach denen sich Kriege des “Westens” (was er darunter versteht, erläutert er im ersten Kapitel) vollziehen und da ist es völlig egal, ob diese im 16. Jahrhundert, im Mittelalter, während der Revolutionen in Amerika und Frankreich oder im 21. Jahrhundert stattfinden. Deshalb wechselt er auch ständig zwischen den unterschiedlichen Auseinandersetzungen hin und her, beleuchtet einen Aspekt in verschiedenen Epochen, zitiert philosophische und theologische Traktate und Zeitschriftenartikel (was da in den Zeitungen in Amerika im 19. Jahrhundert so alles behandelt wurde!) und gerne auch mal aus den Reden zur Lage der Nation verschiedener amerikanischer Präsidenten. Grundsätzlich ist sein Stil angenehm zu lesen – es empfiehlt sich aber, für diese hochinteressante Buch mehrere ruhige Stunden einzuplanen.

The-Taking-of-Beirut

Die mittelalterlichen Kreuzzüge waren zu Zeiten des Kolonialismus interessante Motive wie hier die Einnahme Beiruts 1197, nachempfunden von Alexandre-Jean Baptiste Hesse

Philippe Buc ist Mediävist und so nimmt es nicht Wunder, dass die kriegerischen und dazugehörigen theoretischen Auseinandersetzungen des Mittelalters – Kreuzzüge, hussitische Revolution, die Visionen der Johanna von Orléans, um nur einige Beispiele zu nennen – breiten Raum einnehmen. Seine “Linie”, dass christliche Religion, besonders als  Machtfaktor in verschiedenen Epochen ausgeprägt, Kriege und Terror der verschiedensten Akteure duch die Jahrhunderte miteinander verbinden, führt zu manchem Aha!-Erlebnis, manchmal auch zu fragend gerunzelter Stirn, ist aber nie uninteressant. Wenn Sie sich dieser Lektüre unterziehen, haben Sie auf jeden Fall Erkenntnisse gewonnen. Ob man Philippe Buc in seinen Argumenten immer so folgen mag, steht auf einem anderen Blatt. Mag ich auch manchmal Fragezeichen in den Augen gehabt haben, kann ich aufgrund einer wesentlich weniger fundierten Kenntnis der Quellen und Diskussionen auch nicht groß dagegen argumentieren.

Philppe Buc: Heiliger Krieg. Gewalt im Namen des Christentums, übersetzt von Michael Haupt, Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt, 2015, ISBN: 9783805349277

Hitlers militärische Elite von Gerd R. Ueberschär

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x1501.jpgEin bisschen ironisch mutet es schon an, dass die beiden ersten in der Liste von ranghohen Militärs der Nazi-Zeit Hitler-Gegner waren: Wilhelm Adam, der Hitler wegen dessen militärischer Unfähigkeit und Grausamkeit ablehnte und Ludwig Beck, der von Ende 1939 an alle Umsturzpläne gegen Hitler unterstützte.

Was legt Gerd R. Ueberschär hier eigentlich vor? Es werden 68 Männer, die zur Zeit des zweiten Weltkriegs ein “General” im Titel führten – oder “Admiral” -, vorgestellt. Sie sind nur ein Bruchteil der rund 3100 Männer der militärischen Führung dieser Zeit. Der Aufbau ist immer der gleiche: ein kurzer Lebens- und Karriereabriss, die fälligen Anmerkungen und eine spezielle kurze Literaturliste – auch wenn es eigentlich keine solche Vorgabe gegeben hatte; aber sie ergibt sich ja logisch. Eine Gesamtbibliographie findet sich am Ende des Bandes. Es handelt sich um eine Neuauflage einer Neuauflage: 1988 erschienen die 68 Portraits erstmals; nach den Erkenntnisgewinnen rund um die militärische Führung in den 90er und früher 2000er Jahren gab es 2011 eine aktualisierte Neuauflage, die nun wiederum erschienen ist.

Ziel war es bereits in der ersten Auflage, verständlich zu machen, wie hohe Militärs agierten, wie weit sie die Nazi-Herrschaft aktiv oder indirekt unterstützten oder auch, wo, in welchen Zusammenhängen sie Widerstand leisteten. War 1988 die Quellenlage zu einzelnen Personen noch so mau, dass das Kurzpotrait in diesen Bänden  – die Erstauflage erschien in zwei Bänden – als erste Darstellung gelten mussten, ist die Forschung inzwischen weiter. Trotzdem, so sagt es der Herausgeber Gerd R. Ueberschär in seinem Vorwort zur aktuellen dritten Auflage, können die Portraits immer noch als Grundlage für weitere Forschungen herhalten.

Bundesarchiv Bild 183-C13564, Ludwig Beck

Ludwig Beck 1937 – er guckt ein bisschen, als hätten ihn da schon Zweifel beschlichen. Bundesarchiv, Bild 183-C13564 / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-C13564, Ludwig Beck, CC BY-SA 3.0 DE

Als militärisch nicht besonders informierte Person fand ich spannend:

  • wie viele Ränge es mit “General” im Titel gibt ;-) (und wie geasagt – es ist nur ein Bruchteil des obersten militärischen Personals …)
  • wie militärische Laufbahnen sich so entwickeln können – häufig von der Kaiserzeit über den ersten Weltkrieg bis hin zur Nazi-Diktatur und dem zweiten Weltkrieg – viele nationalkonservativ zu Beginn, in der Nazi-Zeit, besonders im zweiten Weltkrieg gibt es dann die Unterschiede in der Einstellung gegenüber der Nazi-Doktrin und die daraus resultierenden Handlungen

Die Beiträge zu den 68 Männern wurden von 34 Wissenschaftlern verfasst, die international in militärhistorischen Bereichen gearbeitet haben oder arbeiten. Manche setzen die Zeitumstände, denen ihre “Forschungsobjekte” ausgesetzt waren, als bekannt voraus, andere schildern diese ausführlich. Man bekommt auf jeden Fall auch diesebezüglich noch mal einen Einblick in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die einzelnen Beiträge sind fundierte Darstellungen und geben einen guten Einblick in die beschriebene Person und ihre Umstände  – und damit eben auch in die Zeit.

Gerd R. Ueberschär (Hg.): Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe, Theiss Verlag, Darmstadt, 2015, ISBN: 9783806230383

rp_Rubrik-Biographie-300x20011-300x200-300x200.jpgJa, im Grunde handelt es sich um Kurzbiographien, deshalb auch die Einordnung in diese Kategorie ;-)Und da es auch um die Haltung derer geht, die das Kriegsende 1945 miterlebt haben: Thema ’45