Das Perlenbuch ist verlost

Martin hatte heute seinen ersten Einsatz seit langem, es galt die Namen derer zu ziehen, die das Perlenbuch gewinnen:

7 Zettelchen liegen bunt durcheinandergewürfelt in der Schale - welche Namen kommen raus?

7 Zettelchen liegen bunt durcheinandergewürfelt in der Schale – welche Namen kommen raus?

Es sind so schöne Geschichten, die zu Perlen und Perlenschmuck zusammengekommen sind – gut, dass hier das Los entscheidet und nicht ich, denn dann hätte ich ein paar Bücher dazukaufen und alle beschenken müssen; lesen Sie selber noch mal in die Kommentare hinein.

Ich selber habe auch ein paar Perlenschmuckstücke geerbt und trage sie gern.

Ach ja, ein Kommentar hat sich ein bisschen verlaufen ;-), aber auch die Liebhaberin teils skurriler Perlenketten war mit im Lostopf ;-).

 

Und wer hat nun die beiden Exemplare vom Perlenbuch gewonnen?

Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt

Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Herzlichen Glückwunsch!

Jane Austens Northanger Abbey von Val McDermid

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgBisher kannte ich Val McDermid “nur” als Krimiautorin – doch so was kann sie auch: Einen Jane-Austen-Roman in die Jetztzeit tranportieren.

Northanger Abbey gehört – ebenso wie Emma – nicht gerade zu meinen Favoriten in der kurzen Reihe von Jane Austens Romanen, da ich zum Fremdschämen neige ;-) (Satire hin oder her) und Catherine genau wie Emma bietet dazu ja nun wirklich reichlich Gelegenheit. Nichtsdestoweniger habe ich das Buch von Val McDermid genossen, einfach, weil sie die Geschichte so völlig selbstverständlich in die Moderne tranferiert. Dabei schafft sie es, die den Personen von Jane Austen verliehenen Charaktere fast 1:1 zu modernisieren:

  • Statt auf Schauerromane steht Cat auf Vampirgeschichten
  • Informationen über die Famlienbeziehungen der Tilneys bekommt sie über Facebook
  • Die Angebereien von John Thorpe sind durchaus angepasst …

Andere Gegebenheiten ändert Val McDermid aber auch, so dass die Aktualität gewahrt bleibt, so z. B. den Umgang Cats mit dem Ehepaar Allen – gemäß unserer Zeit herrscht hier sehr viel mehr Gleichberechtigung und Lockerheit im Ton als zu Zeiten Jane Austens. Drogen sind Thema – nur mal so als Beispiel. Und der Verdacht, aus dem sich das Missverständnis zwischen Cat und Henry entwicklen kann, ist ebenfalls aktueller als der Vorwurf, sie sei ja keine reiche Erbin, wie er im Original erhoben wird.

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Obwohl Jane Austen ihre Satire viel früher geschrieben hatte, erschien sie erst nach ihrem Tod, zusammen mit ihrem letzten Roman Persuasion

Auch Cat ist eine junge Frau von manchmal etwas beschränktem Verstand, wie ihr historisches Vorbild, und ebenso wenig wie Catherine in der Lage zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden – sie benimmt sich also mehr als nur einmal äußerst albern. Doch am Ende gibt es wie bei Jane Austen ein glückliches Paar.

Man kann den Roman auch einfach so genießen – mit dem Wissen um das Original gibt es aber noch mehr Spaß.

Val McDermid: Jane Austens Northanger Abbey, übersetzt von Doris Styron, HarperCollins Germany, Hamburg, 2016, ISBN: 9783959670180

Dieser Beitrag gehört in meine Reihe zum 200. Todestag von Jane Austen im Juli “Beloved Jane”.

In der Stadtbibliothek Köln gibt es den Titel als E-Book, als Buch und im Original.

Blogger schenken Lesefreude 2017

rp_blogger2015-300x156.pngHeute ist es wieder so weit: Welttag des Buches ist heute und heute startet – nicht nur bei mir – eine Verlosungs- oder Verschenkaktion rund ums Buch, dank der Leute, die “Blogger schenken Lesefreude” ins Leben gerufen haben.

Hm, Lesefreude bedeutet ja für viele Unterschiedliches, sprachlich wie inhaltlich. Deshalb ist es gut, dass so viele Bloggerinnen und Blogger an der Aktion “Blogger schenken Lesenfreude” teilnehmen – irgendwen, der das verlost oder verschenkt, was gerade Sie interessiert, finden Sie da bestimmt. Und Sie haben die Möglichkeit, unterschiedliche Literatur- und Buchblogs kennenzulernen, wenn Sie mit dem Slogan durchs Netz surfen oder der Teilnehmerliste folgen.

Bei mir gibts ein etwas älteres Schätzchen zu gewinnen – “Die Welt des Sherlock Holmes” von Maria Fleichhack. Eine spannende und informative Lektüre.

Sie sind interessiert? Dann kommentieren Sie doch bitte diesen Beitrag bis zum 30.4.2017 um Mitternacht – Martin wird den Tag der Arbeit dann mit der Verlosung beginnen ;-) Bitte geben Sie Ihre Mail-Adresse an, damit ich Sie im Falle eines Gewinns benachrichtigen kann (sie wird nicht veröffentlicht). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es handelt sich um ein gelesenes Exemplar.

Martin bei der Arbeit - so sieht das dann am 1.5.2017 auch aus

Martin bei der Arbeit – so sieht das dann am 1.5.2017 auch aus

Perlen – ich verlose das Buch von Rolf-Bernhard Essig

Gestern habe ich Ihnen das Büchlein von Rolf-Bernhard Essig vorgestellt:

Rolf-Bernhard Essig: Perlen, Perlen, Perlen. Eine Liebeserklärung in sieben schimmernden Kapiteln, Illustrationen von Birgit Schössow, mareverlag, Hamburg,  2017, ISBN: 9783866482500

Der Verlag hat mir freundlicherweise zwei Exemplare für eine Verlosungsaktion zur Verfügung gestellt. Wenn Sie also mögen:

Erzählen Sie hier in den Kommentaren, was Sie mit Perlen verbinden.

Eine besodners geformte Perle - Perlen sind ja nicht nur rund

Eine besodners geformte Perle – Perlen sind ja nicht nur rund

  • Ist es eher der Gedanke an ältliche Damen der Bekannt- oder Verwandtschaft?
  • Oder hängt an Ihrem Perlenschmuck eine schöne Geschichte?
  • Oder was ganz anderres?

Sie haben Zeit bis zum 23.4. um 23.59 Uhr – danach ist Martin dran (er freut sich schon sehr, mal wieder einen Einsatz zu haben).

  •  Bitte geben Sie Ihre Mail-Adresse an, damit ich Sie im Falle eines Gewinns benachrichtigen kann (sie wird nicht veröffentlicht). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Martin waltet dann am 24.4.2017 seines Amtes – und dann machen sich die beiden Bücher auf die Reise.

Viel Glück!

 

Perlen, Perlen, Perlen von Rolf-Bernhard Essig

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgIm Vorwort gibt Rolf-Bernhard Essig ein winzigen Hinweis auf seine Verbindung zu Perlen – Kleopatra und Asterix haben damit zu tun. Klingelt’s schon? Sein Nachmname übrigens auch.

Aber jetzt, oder?

Okay, dann mach ich es wie der Autor und sage: “Später mehr dazu.” Und konzentriere mich zuerst auf das schimmernde Büchlein, das der mareverlag da herausgegeben hat. Sieben schimmernde Kapitel werden versprochen, eine Illustration, deren Stil ein bisschen an die 50er Jahre und die Diven von Hollywood denken lässt – das macht neugierig. Tatsächlich hat Rolf-Bernhard Essig einiges zu bieten:

  • Kulturgeschichte in Europa und Asien
  • Naturkunde
  • Methoden der Perlenzucht
  • Volkskunde
  • Kunsthandwerk
  • Geschichte
  • Märchen
  • Literatur

Michelangelo Caravaggio 064

Perlen in der Kunst – eine Herausforderung an den Maler

und eben was zu Asterix und Kleopatra. Es geht um die Szene, als Kleopatra in Essig (!) gelöste Perlen zu sich nimmt –  eine Initialszene für Rolf-Bernhard Essig (in meiner Familie ist aus dem Band der Satz “Mandeln – ich mag Mandeln” ein geflügeltes Wort).

Rolf-Bernhard Essig mäandert assoziativ durch sein Thema, auch wenn die sieben Kapitel durchaus einen inhaltlichen Zusammenhang haben. Es mutet wie ein Plauderei zu einem Lieblingsthema an. Sprachwitz legt der Autor dabei auch an den Tag. “Bezaubernde Bedeutungslosigkeit” als Einordnung einer Klatschapaltengeschichte klingt doch nett, oder?

Eine Geschichte in dem Buch hat es mir besonders angetan: Da wird Michelle Obama, zur Zeit der Abfassung noch First Lady der USA, nachts von Jackie Kennedy und Coco Chanel besucht und die drei Modequeens plaudern über Perlen und anderes. Sehr nett.

Man kann das Büchlein von vorne an weglesen – nett ist aber auch der Zugang übers Blättern und Stöbern. Ein kleines Bändchen, das ich sicher gern mal wieder zur Hand nehme.

Rolf-Bernhard Essig: Perlen, Perlen, Perlen. Eine Liebeserklärung in sieben schimmernden Kapiteln, Illustrationen von Birgit Schössow, mareverlag, Hamburg,  2017, ISBN: 9783866482500

PS: Ich hatte das Buch im Urlaub mit – das hatte Auswirkung auf mein Souvenir ;-):

Mein neuer Schmuck aus Perlen

Mein neuer Schmuck aus Perlen

Urban Yoga von Amiena Zylla

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgAlso hier fühle ich mich absolut nicht als Zielgruppe – mittleren Alters und weder rank noch schlank, wie ich nun mal bin. Aber Amiena Zylla hat trotzdem ;-) ein gutes Anleitungsbuch für Yoga-Interessierte geschrieben, die sich von einem Yoga in Form von, wie sie etwas spöttelt “Sitzen im Rauchqualm von Räucherstäbchen, “Om” singen, indische Flatterklamotten und Wollsoscken” nicht angesprochenn fühlen. Hippe Namen kommen ins Spiel – Yoga-Menschen wie Madonna, Lady Gaga z. B.; was sie vermittelt ist hip und in und klamottentechnisch als andere als altbacken. Und die Fotos haben was – urbane Umgebung als Übungs”raum”. Es gibt aber auch immer die Option, das Ganze zu Hause zu machen (meine Option ;-) )

Amiena Zylla bringt aber nicht nur – dazu gleich mehr – ansprechende Körperübungen in hippem Gewand daher, sondern vermittelt – ebenfalls an die urbane Umgebung angepasst – ein paar Basics, die ebenfalls zu Yoga gehöre: Achtsamkeitsübungen, Gedanken zu einer bewussten Lebenshaltung. Einiges davon findet sich dann auch in den Beschreibungen der Übungen wieder – Amiena Zylla verknüpft die Ebenen gut miteinander.

Hauptsache sind trotz allem die Anleitungen, um mehr Beweglichkeit zu erlangen, fitter zu werden und auch mal abzuschalten. Wie in ihren Videos nutzt Amiena Zylla eine direkte, zugewandte und etwas mit Anglizismen und anderen trendsprachigen Elementen gewürzte Sprache, zumindest in den “Anmoderationen”; die Anleitungen selber sind nüchtern und klar (okay, ein paar Ausrufe darin, zur Motivation …). Alle Haltungen und Übungen haben englische Titel – allerdings ergänzt Amiena Zylla ggf. auch die klassischen Yoga-Namen in Klammern. Besondere Herausforderungen sind die Übungen, die auf einem “Rollbrett” – ja, ich weiß: Board – ausgeführt werden sollen – eigentlich ganz einfache Sachen, wenn da nicht der fahrbare Untersatz wäre …

Halasana Yoga

Der “Pflug” aus der Rishikesh-Reihe, Joseph RENGER, Halasana, CC BY-SA 3.0

Schön finde ich die Möglichkeit, sich einzelne Sachen rauszusuchen und zu experimentieren. Neben den Einzelübungen bietet Amiena Zylla auch “Flows”, also kombinierte Bewegungsabläufe – Alternativen zu Sonnengruß und Rishikesh-Reihe, mit denen ich damals mal ins Yoga gestartet bin (das ist echt schon über 20 Jahre her …).

Da ich wegen der Sprache ein bisschen unsicher war, habe ich einen Verteter der Zielgruppe gebeten, sich das Buch unter diesem Aspekt mal anzuschauen. Reaktion: Was soll da  besonders sein? Alles easy.

Amiena Zylla: Urban Yoga. Finde Deine Übungen zum Auftanken und Runterkommen, Gräfe und Unzer Verlag, München, 2016, ISBN: 9783833848162

Heute von Heidi Julavits

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgDer “Klappentext” zu “Heute . Dem Leben auf der Spur” von Heidi Julavits klang so verheißungsvoll:

Ein magisches Buch über das Abenteuer, das wir ‘Leben’ nennen: Heidi Julavits erforscht die eigene Existenz und bringt dabei das Außergewöhnliche im Alltäglichen zum Leuchten: radikal persönlich, zutiefst wahrhaftig und hinreißend komisch.

Doch ich hatte große, sehr große Probleme, der Ich-Erzählerin zu folgen.

  • Erste Irritiation: Die Einträge dieser als Tagebuch geschriebenen Texte über zwei Jahre im Leben der Autorin sind nicht chronologisch.
  • Zweite Irritation: Bei vielen Einträge habe ich mich gefragt “Was soll das heißen? Worauf zielt das ab?” – Fragestellungen, Assoziationen und Lebensprobleme weit ab von allem, was mich angeht oder mir nachvollziehbar erschien.

Der Gegeenpol: Sprachbilder, Sätze, die mich berührt haben. Und so habe ich es dann doch gelesen, nicht von vorn nach hinten, sondern zufällig – aufgeschlagen und entweder hängengeblieben oder zu gemacht, völlig ohne System. Dabei habe ich natürlich Sachen auch mehrfach “gefunden” und mich mal mehr mal weniger damit befassen mögen.

Ach, Sie wollen jetzt mindestens ein Beispiel für so gelungene Sätze – mal sehen *blätterrascheln*:

Manchmal denke ich, keiner von uns glaubt wirklich, was er sagt; wir verteidigen nur unseresgleichen. (S. 264)

Unsere Verabschiedung war zwanglos, als würden wir uns in drei Tagen oder niemals wiedersehen. (S. 356)

Und diese Auswahl ist jetzt natürlich von meinem Geisteszustand abhängig, in dem ich das auswähle – morgen könnte ich anderes gut finden ;-) Insgesamt ein Buch, auf das man sich einlassen “muss” und das dann etwas zu bieten haben kann, nicht muss.

Heidi Julavits: Heute. Dem Leben auf der Spur, übersetzt von Britt Somann-Jung, Atrium Verlag, Zürich, 2016, ISBN: 9783855350056

 

Geniale Störung von Steve Silberman

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x150111.jpgWieder so ein Aha-Erlebnis: Steve Silberman geht in seiner Geschichte zum Autismus auch auf die unterschiedlichen Therapieansätze im 20. Jahrhundert ein, darunter auch dem, das Kind festzuhalten, anzuschauen und ihm zu sagen, wie man sich fühlt – so eine Szene gibt es auch in “Erst grau, dann weiß, dann blau” von Margriet de Moor und sie hat mich ziemlich irritiert. Das tut die Therapievorstellung, die dahinter steht auch, aber Steve Silberman bettet die verschiedenen Therapieformen in die Geschichte rund um Entdeckung und Erforschung des Autismus ein.

Aber der Reihe nach. Der Einstieg ins Buch ist mir nicht leicht gefallen, denn das Vowort von Oliver Sacks und die Einleitung vom Autor selber nehmen so viel Raum ein, dass ich mich echt überrollt fühlte – auch wenn es “nur” rund 20 Seiten sind, sind sie so voll Information, dass man meinen könnte, mehr könne im Buch auch nicht stehen. Tut es aber natürlich doch ;-) Es umfasst schließlich rund 500 Seiten.

Steve Silberman beginnt mit Henry Cavendish, einem verschrobenen Gelehrten des 18 Jahrhunderts. Seine festen Gewohnheiten, seine Menschenscheu, seine Gründlichkeit – klar, der Gedanke liegt nahe, wenn der in einem Buch über Autismus vorkommt, ist er ein Betroffener. Eindeutig nachweisen lässt sich das heute nicht mehr, aber die Indizien, die  Indizien. So wird auch mit anderen historischen Persönlichkeiten im Laufe des Buches verfahren. Die Argumente wirken dabei überzeugend – aus heutiger Sicht können viele dieser Leute tatsächlich als autistisch angesehen werden, das wird deutlich.

Steve Silberman schreibt sehr persönliche Geschichten – über die Autisten, die Forscher, die Familien. Und manchmal holt er etwas sehr weit aus. So habe ich die lange Ärzteodyssee einer der Familien im 2. Kapitel nur überflogen – das ging mir zu sehr ins Detail. Auch die Auslassungen Silbermans zur Nazi-Gesundheits-Doktrin oder zu den Funkern und Bastlern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lenken teilweise vom eigentlichen Thema ab, so spannend sie sind.

Cavendish Henry signature

Den Rock und die Spaziergänge von Henry Cavendish bilden den Auftakt zum Buch von Steve Silberman

Spannend ist auch die Entwicklung der Forschung. Zeitgleich und angeblich unabhängig voneinander haben Hans Asperger in Wien und Leo Kanner in den USA den Autismus “entdeckt”. Ihre Interpretationen über diese Störung gingen weit auseinander – da Asperger wegen der Nazi-Herrschaft nicht frei arbeiten konnte, seine Arbeiten erst ins Englische übersetzt werden mussten, ging man davon aus, dass Kanner die etwas optimistischere Einschätzung Aspergers nicht gekannt haben konnte; andererseits waren aber nach ihrer Emigration Georg Frankl und Anni Weiss an derselben Klinik wie Kanner tätig, arbeiteten definitiv mit ihm zusammen; beide haben zuvor mit Asperger zusammen gearbeitet.

Leo Kanner hat nach Ansicht Silbermans die Arbeiten Aspergers nie anerkannt. Er selber hatte eine hohe Popularität in den USA und äußerte seine Ansichten vor großem Publikum. So beeinflusste er das Bild des Autismus über lange Zeit – mit der Folge, dass die Forschung nicht wirklich voran kam, denn er ging davon aus, dass es sich um eine sehr seltene frühkindliche Störung handele, die heilbar sei und dass die Eltern der Kinder als Ursache anzusehen seien – “Kühlschrankmutter” ist so ein Begriff aus dem Zusammenhang. Erst viel später gingen Forscherinnen und Forscher neue Wege – bis dahin wo wir heute stehen: Autismus ist keine fest umrissene Störung oder gar Krankheit, sondern ein Anders-Sein.

Stever Silberman erzählt lebhaft und anschaulich, er nimmt mich als Leserin nicht nur in die Familien der Betroffenen mit, sondern auch in die Welt der Ärztinnen und Pfleger. Manche Passage hätte sicher kürzer ausfallen können, aber gut erzählte Geschichten sind was Feines. Was mich tatsächlich gestört hat, waren die Worterklärungen in Klammern hinter manchen Begriffen. Bei der Auflösung amerikanischer Kürzel wie APA usw. kann ich das ja noch nachvollziehen, aber die Häufung und auch die Qualität  – nee, das hat mich irritiert. Ich hab mich ein bisschen für dumm verkauft gefühlt. Das Mittel hätte das Lektorat sparsamer einsetzen sollen. Ansonsten: EIn tolles Buch zu einem spannenden Thema, gut lesbar, verständlich und erhellend.

Steve Silberman: Geniale Störung, übersetzt von Harald Stadler und Barbara Schaden, DuMont Buchverlag, Köln, 2016, ISBN: 9783832198459

Das Buch finden Sie auch in der Stadtbibliothek Köln: Geniale Störung

Gedicht zum Tag – Frühling ist wiedergekommen von Rainer Maria Rilke

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Frühling ist wiedergekommen. Die Erde
ist wie ein Kind, das Gedichte weiß;
viele, o viele…. Für die Beschwerde
langen Lernens bekommt sie den Preis.

Streng war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße
an dem Barte des alten Manns.
Nun, wie das Grüne, das Blaue heiße,
dürfen wir fragen: sie kanns, sie kanns!

Erde, die frei hat, du glückliche, spiele
nun mit den Kindern. Wir wollen dich fangen,
fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts.

O, was der Lehrer sie lehrte, das Viele,
und was gedruckt steht in Wurzeln und langen
schwierigen Stammen: sie singts, sie singts!

Rainer Maria Rilke
Aus: Die Sonette an Orpheus, Erster Teil

Love and Friendship von Jane Austen – deutsch

rp_Bild-Klassiker-300x19921-300x199.jpgHa – da hatte ich mich doch nicht getäuscht, als meine erste Assoziation zum Film „Love & Friendship” der Satz war: „Wir fielen abwechselnd auf dem Sofa in Ohnmacht.“ Er stammt nämlich nicht aus dem Buch „Lady Susan”, das die Vorlage für den Film abgibt, sondern aus den Jugendwerk „Love and Friendship“, auf Deutsch „Liebe und Freundschaft“, von Jane Austen.

Auch hierbei handelt es sich – angeblich – um einen Briefroman. Doch was ist das für ein Briefroman? Es gibt nur eine Schreiberin. Nur der allererste Brief stammt nicht von Laura; in ihm bittet Isabella ihre Freundin Laura ihrer Tochter Marianne aus ihrem Leben zu erzählen. Nachdem Laura diesem zweiten Brief dies zugesichert hat, folgen nun die Briefe Lauras an Marianne. Völlig von sich selbst überzeugt schildert Laura nun Ereignisse, die sich in ihrer Jugend zugetragen haben – was für eine Farce. Jane Austen überspitzt in diesen Briefen jedes romanhafte Klischee, dass in zeitgenössischen Romanen genutzt wurde:

  • das empfindsame junge Mädchen
  • der empfindsame junge Mann
  • Widerstand gegen elterliche Autorität in Ehedingen
  • aufopferungsbereite Freundschaft
  • unerwartetes Auftauchen reicher Verwandter
  • usw., usw.

Das empfindsame junge Mädchen in den Briefen war Laura in ihren jungen Jahren, doch außer, dass sie ihre Empfindsamkeit verbal betont, ist sie alles andere als empfindsam. Ähnlich wie Lady Susan handelt es sich um ein völlig egoistisches und amoralisches Geschöpf. Jane Austen setzt genussvoll alle oben genannten Elemente und noch einige mehr in so gehäufter Form ein, dass eine überstürzt hastige Abfolge unglaubwürdiger Ereignisse dazu führen, dass Laura als junge Witwe mit 400 £ pro Jahr in der Einsamkeit lebt.

Ein paar Kostproben gefällig?

  • Ein junger unbekannter Mann kommt auf der Flucht vor seinem Vater zufällig in das Haus von Lauras Familie; Liebe auf den ersten Blick zwischen den jungen Leuten und Eheschließung durch Lauras Vater, der zur Theologie studiert hat, doch nicht ordiniert war.
  • Das junge Paar reist – mit kurzer Station bei einer Tante des jungen Mannes – zu einem Freund, der ebenfalls ohne väterlichen Segen geheiratet hat. Zum Lebensunterhalt dienen ihm, seiner Frau und dem angereisten Pärchen die Geldscheine, die er aus dem Schreibtisch des Vaters entwendet hat.
  • Die Schulden des gastgebenden Pärchen sind so immens, dass der junge Mann in Schuldhaft genommen wird. Sein Freund reist ihm nach. Die beiden jungen Frauen machen sich auf den Weg nach Norden, um Verwandte zu besuchen. Zufällig begegnet Laura in einer Gaststätte ihrem Großvater, der auch der ihrer Freundin ist, mit der sie im Gasthaus abgestiegen ist. Außerdem tauchen zwei junge Cousins auf. Das Geld, dass der Großvater den vier jungen Leuten gab, entwenden die jungen Männer den jungen Frauen und verschwinden.
  • Der Verwandtschaftsbesuch erweist sich als nicht erfreulich, die jungen Frauen machen sich wieder auf den Weg, rasten an einem See und jammern. Ein vorbeifahrender Wagen verunglückt direkt neben ihnen. Die beiden darin befindlichen jungen Männer sind die Männer von Laura und ihrer Freundin, doch überleben sie das Unglück nicht.
  • Die Freundin hat sich verkühlt und verscheidet kurz darauf. Bei einer nächtlichen Kutschfahrt begegnet Laura lieben Verwandten – auch den beiden Cousins aus aus dem Gasthof –, erhält die Zusage für die 400 £ pro Jahr und damit ist die Geschichte aus.

Ähnlich wie Lady Susan ist Laura also völlig amoralisch – doch im Gegensatz zu dem längeren Werk setzt Jane Austen hier nur auf Parodie und Spaß.

Letter from Jane Austen to her sister Cassandra, 1799 June 11. Page 4 (NLA)

Brief von Jane Austen an ihre Schwester Cassandra, 11.6.1799, also nah an der Zeit ihrer Jugendwerke; besonders hübsch der Satz: “Dr. Gardiner was married yesterday to Mrs. Percy and her three daughters.”

Was ich allerdings nicht vertehe, ist die Betitelung des Films, der auf “Lady Susan” beruht, mit dem Titel des satirischen Frühwerks. Sollte mal jemand auf die Idee kommen, diese Parodie verfilmen zu wollen – welchen Titel nimmt man dann? Einen aus der vielen anderen Frühwerken von Jane Austen?

Ich habe diese Satire in meinem guten alten Reclambändchen “Jane Austen” von Christian Grawe – es handelt sich um eine frühere Version von “Darling Jane”. Und ich habe seit einiger Zeit die anderen Juvenilia von Jane Austen  – “Die schöne Cassandra” – hier liegen – ebenfalls von Christian Grawe übersetzt und herausgegeben – ich freu mich schon drauf.

Christian Grawe: Jane Austen. Mit einer Auswahl von Briefen, Dokumenten und nachgelassenen Werken, Reclam Verlag, Stuttgart, 1988, ISBN: 3150085063

Dieser Beitrag gehört in meine Reihe zum 200. Todestag von Jane Austen im Juli “Beloved Jane”

 

 

Darling Jane” gibt es in der Stadtbibliothek Köln.

Ebenso den Band mit den Frühwerken von Jane Austen: Die schöne Cassandra