Alan Bennett geht ins Museum

Und ja, das ist der Titel; weil er so ist, wie er nun mal ist, verschone ich Sie mit “Geht ins Museum von Alan Bennett”. Ich hoffe, das leuchtet ein. 😉

Und wie geht er nun ins Museum? Und in welches?

Alan Bennett besucht verschiedene Museen – viele englische, aber auch anderswo sucht er die Musentempel auf, z. B. in Boston, Venedig oder Luxor. Weiterlesen

Die Liebe zu so ziemlich allem von Christine Vogeley

rp_Bild-Unterhaltung-150x15011.jpgChristine Vogeley hat in ihrem neuen Buch ein Museum entworfen, das ich einfach großartig finde: Hier wird nicht zwischen wertvoll und nicht wertvoll unterschieden. In der Schmuckvitrine liegen Armbändchen aus dem Kaugummiautomaten neben Goldreifen, neben dem Bild eines niederländischen Meisters hängt eine Kinderzeichnung; auch thematische Zusammenhänge werden geschaffen: So finden sich in einem der Räume “nur” der Elfenstein, eine Platte mit versteinerten steinzeitlichen Riesenlibellen und ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert mit lebensecht gemalten Libellen.

Sie merken schon – ich fühle mich, als hätte ich das Museum tatsächlich besucht. Dabei ist es eine Erfindung der Autorin. Und das Museum spielt zwar eine große Rolle, aber die Hauptfiguren sind trotzdem Menschen – in der Hauptsache solche des 21, Jarhunderts. Es gibt allerdings auch solche aus dem 19. Jahrhundert, die mitspielen. Darf ich vorstellen:

  • Dr. Carlotta Goldkorn, Mädchen für alles im im Museum Fichtelbach, gerade mit der Entwicklung einer Ausstellung befasst, die den Gründer des Museums, August Gayette, ehren soll. Der war übrigens ihr Urgroßonkel.
  • Dr.  Jelena Gundrich, Direktorin mit sehr viel Inspiration, um den Geist August Gayettes lebendig zu halten – mit einem schwierigen, unberechenbaren Charakter.
  • Prof. Gösta Johansson, schwedischer Literaturwissenschaftler und Urgroßenkel des Malers Jasper Johansson, der im Auftrag August Gayettes Expeditionen in Südamerika malend begleitete.
  • Onkel Henri und Jule gehören zu Carlotta. Außerdem gibt es noch ihre Cousine Susan Gayette, die als Restaurtorin im Museum arbeitet.
  • Emiliy Grobkümmel ist die Frau fürs leibliche Wohl in der Caféteria des Museums. Ihr Sohn Leo soll nach der Vorstellung ihres Freundes ein Fußballer werden, dabei liebt er es, bei Onkel Henri zu schnitzen. Jule nimmt sich seiner in der Schule an.
  • Dann gibt es in Schweden noch Nils, den Sohn von Gösta, sowie Sture und seine Frau Kerstin in der Nachbarschaft – Sture macht in Göstas Abwesenheit eine großartige Entdeckung.

Da sind noch mehr, klar, auch die Figuren aus dem 19. Jahrhundert; aber deren Bekanntschaft machen Sie besser beim Selber-Lesen.

Gösta kommt mit einem Bild aus dem Bestand seiner Familie, um es für die Ausstellung auszuleihen. Er und  Carlotta haben sich nicht gesucht und doch gefunden. Stures Entdeckung eines Wandgemäldes in Schweden stellt die bisherige Geschichte rund um August Gayette und Jasper Johansson in ein neues Licht sowie Carlotta und Gösta vor einige Aufgaben. Jaspers erste Frau Lovisa spielt in dieser Geschichte eine Hauptrolle. Sie ist übrigens die erste Person, der ich als Leserin begegne …

Während Carlotta und Gösta versuchen, die Spuren der Vergangenheit zu lesen, entwickeln sich in ihrem Umfeld die Sachen auch neu – Eifersucht und unglückliche Liebe, Überforderung und ein falscher Partner sorgen für Spannung. Und dann taucht immer wieder die Frage auf: Wer hat denn nun welches Bild gemalt?

Stickande kulla av Anders Zorn 1901

Ein Gemälde von Anders Zorn, der im Buch erwähnt wird; Bilder ähnlichen Inhalts und Stils schildert Christine Vogeley sehr anschaulich.

Christine Vogeley schafft es, alle Handlungsbälle leicht und abwechslungsreich zu jonglieren. Den Charakteren ihres Buches merkt man einmal mehr an, dass sie ihre Figuren ernst nimmt und mag.  Der Fokus der Geschichte liegt im neuen Buch mehr auf der einen Frau, Carlotta, und dem einen Mann, Gösta – trotzdem bekommen alle anderen Protagonistinnen den ihnen passenden Raum.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend und auch berührend – alles Eigenschaften, die ich an den Büchern von Christine Vogeley sehr mag; besonders hat mich aber in diesem Buch eben das Museum fasziniert und dabei die unglaublich lebendige Schilderung von Kunstwerken, von Maltechniken und eben der ungewöhnlichen Präsentation in ungewöhnlichen Räumen. In kunsthistorische Zusammenhänge werden die Bilder auch eingeordnet – so habe ich hier das erste Mal von Anders Zorn gelesen, einem schwedischen Maler, Zeitgenosse der Figuren aus dem 19. Jahrhundert.

Ein Absatz, den ich aus dem Buch mitnehme, ist der hier:

“Und dann?”  – “Dann würde ich versuchen, Jule an der Zentralkasse umzutauschen. Ach, das geht ja gar nicht mehr, fällt mir da ein. Eure Reklamationsfrist ist ja leider abgelaufen. Mist. Na ja, dann müssen wir euch weiterlieben, wie es aussieht.” (S. 360)

Christine Vogeley: Die Liebe zu fast allem, Knaur Verlag, München, 2014, ISBN: 9783426653470

Die heutige Rezension gehört in die Blogparade “12 Bücher in 12 Monaten“.

Stefan Zweig Centre in Salzburg – Salzburger Impressionen

Für Fans von Stefan Zweig gibt es vom Stefan Zweig Centre in Salzburg ein interessantes Angebot: Die Zweighefte. Sie erscheinen 2x jährlich. Die kleinformatigen Hefte sind grundsätzlich kostenlos – und das Beste: Sie müssen nicht nach Salzburg fahren, um sie zu erhalten, denn es gibt sie auch online. Die Papierversion gibt es, so lange der Vorrat reicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, kann man sich für die Zusendung der Papierhefte in eine Liste eintragen lassen.

Zweigheft 1

Hier sehen Sie drei Zweighefte, die ich bei meinem Besuch dort erhalten habe. Das aktuelle Heft war gerade in der letzten Lektoratsschleife.

Was Sie darin finden? Unbekannte kleinere Texte von Stefan Zweig selbst, Berichte von Veranstaltungen, an denen das Stefan Zweig Centre beteiligt war, Einzelbeiträge zu verschiedenen Themen und Veranstaltungshinweise zu Kongressen, Tagungen usw., die sich mit Stefan Zweig befassen.

Ich war bei meinem Salzburg-Besuch selbst im Stefan Zweig Centre – und habe mich über die Adresse sehr gefreut, denn das Centre ist in der Edmundsburg am Mönchsberg untergebracht, wo ansonsten, Institutionen sitzen, die sich mit Europa befassen. Im  Nebengebäude findet man das Edith-Stein-Haus; neben der dem katholischen Hochschulwerk sind hier die österreichischen Institute für Menschenrechte und Europarecht zu Hause. Passt doch alles gut zusammen, oder?

Das ist die Edmundsburg – der Eingang ist an der linken Seite.

Das ist die Edmundsburg – der Eingang ist an der linken Seite.

Zum Stefan Zweig Centre gehört ein kleines Museum; in sechs Vitrinen werden unterschiedliche Lebensphasen Stefan Zweigs dargestellt: der Druckstock zur Visitenkarte von „Dr. Stefan Zweig, Wien“, eine Widmung von Joseph Roth, die mich sehr berührt hat, hand- und maschinengeschriebene Briefe von Stefan Zweig selbst, unterschiedliche Ausgaben seiner Werke und seine Reiseschreibmaschine.

Dann gibt es noch die Forschungsbibliothek – mehrere Bücherschränke voller Bücher von und über Stefan Zweig und zwar in allen möglichen Sprachen. Wer zu Stefan Zweig arbeiten will, kann sich hier anmelden und die Bibliothek nutzen. Es ist eine Präsenzbibliothek.

Das Stefan Zweig Centre kooperiert mit verschiedenen Institutionen, neben Universitäten auch mit Schulen und anderen Jugendeinrichtungen. Ergebnisse der Kooperationen finden Eingang in die Zweighefte. Spannend zu lesen, was Jugendliche als “Sternstunden” bezeichnen.

“Salzburger Impressionen” ist eine Minireihe über das, was ich letzthin in Salzburg so gesehen habe 😉