Agatha Raisin und der tote Richter von M. C. Beaton

Agatha Raisin und der tote Richter von M. C. Beaton

Klingt juritistischer als es ist, denn der Richter hier beurteilt die Erzeugnisse, die bei ländlichen Dorfwettbewerben eingereicht werden – in diesem Fall eine für ihn tödliche Quiche. Die von Agatha Raisin eingereicht wurde.

Agatha Raisin ist keine sympathsiche Frau, nein, wirklich nicht. Sie hat sich in London als Werbeagenturbetreiberin bis ganz oben durchgeboxt. Immer busy, immer auf der Suche nach dem besten Coup und immer bereit, alle auszubooten oder auszunutzen, die irgendwie ins Bild kommen. Nun geht sie langsam auf die 60 zu und erfüllt sich einen Traum: ein Cottage in einem hübschen Dorf in den Cotswolds. Gekauft ist es, eingerichtet wird es und nach ihrem letzten Arbeitstag zieht Agatha ein. Doch irgendwie läuft die Sache nicht wie gedacht. Die Dorfbevölkerung ist höflich, aber distanziert – Kontakte fallen Agatha nicht einfach in den Schoß. Um das zu ändern, nimmt sie am Dorfbackwettbewerb teil. Da sie aber nicht backen kann …  Sie ahnen es: Agatha besorgt eine Quiche aus einem Feinkostgeschäft und gibt sie als Eigenprodukt aus. Vorher hat sie den maßgeblichen Preisrichter mit seiner Frau teuer zum Abendessen ausgeführt – trotzdem gewinnt sie nicht. Dass der Preisrichter an ihrer Quiche stirbt, macht ihr das Leben noch ein bisschen schwerer: Einerseits gilt sie manchen jetzt als Giftmörderin, andererseits ist jetzt allgemein bekannt, dass sie geschummelt hat. Agatha überlegt, das Cottage wieder zu verkaufen.

M. C. Beaton lässt Agatha Rasin in so ziemlich jeden Fettnapf treten, der rumsteht – und schafft es, dass diese unsympathische Person einem doch ein bisschen ans Herz wächst. Ansonsten bedient sie – also M. C. Beaton – genussvoll jedes, aber auch wirklich jedes Klischee, das an St. Mary Mead erinnern könnte:

  • das gütige Pfarrerehepaar,
  • die schwatzhafte Putzhilfe,
  • den Möchtegern-Vornehmen,
  • den jungen aufstrebenden und arroganten Stadt-Businessmann.

Sie alle sind im 21. Jahrhundert angekommen – aber sie können ihre Herkunft nicht wirklich verleugnen.

So wie früher in ihrem Beruf lässt auch in diesem Fall Agatha Raisin nicht locker – sie will wissen, wer für den Tod des Preisrichters verantwortlich ist. Also stochert sie rum – obwohl der nette Polizist Bill Wong alles versucht, um ihr klarzumachen, dass die Polizei die Sache für einen unglücklichen Zufall hält. Aller Häkeligkeit zum Trotz gibt es gegen Ende noch einen Showdown, einschließlich Rettungsaktion. Ganz zum Schluss, das sei doch noch verraten, beschließt Agatha im Dorf zu bleiben.

Das Buch ist der Auftakt zu einer Reihe, die, nach großem Erfolg in Großbritannien, nun auch die deutschen Buchläden „erobern“ soll. Es ist, wenn Krimi, eher ein ruhiger, „Häkelkrimi“, wie Manfred Sarrazin so was nannte. Interessant könnte hier sein, wie sich die Figuren im Lauf der Zeit entwickeln. Eine fürs Krimigenre eher beschauliche Lektüre, mit kleinen Spitzen und englischem Understatement – nett.

M. C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter, deutsch von Sabine Schilasky, Bastei Lübbe, Köln, 2013, ISBN: 9783404168286

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