Das klare Sommerlicht des Nordens von Petra Oelker

Bisher kannte ich Petra Oelker nur mit ihren Krimis um Rosina, die im Hamburg des 18. Jahrhunderts spielen. Der Ort dieses für mich neuen Buchs ist derselbe, aber die Handlung spielt im Jahre 1905.

Das Ambiente hat sich geändert: Technische Neuerungen und soziale Änderungen allenthalben, auf die die verschiedenen Figuren völlig unterschiedlich reagieren.
Petra Oelker teilt die Handlung zwischen zwei unterschiedlichen Gruppen auf. Die eine lebt wohl situiert an dem einen Ende Hamburgs, im Grünen, ruhig und vornehm. Es ist die Familie Wartberger, einmal Sidonie und Viktor und dann Victors Eltern Esther und Jakob, außerdem Viktors Jugendfreundin, die verwitwete Ellen Tessner, und die Familie Blessing. Sidonie und Viktor leben im Anbau der Villa der Blessings. Sidonie versinkt nach ihrer zweiten Fehlgeburt in eine tiefe Depression.Viktor bietet ihr nach der schlimmsten Phase an, einen Malkurs bei einem renommierten Lehrer zu absolvieren. Claire Blessing richtet für Sidonie in einem abgelegenen Raum des gemeinsamen Hauses ein Atelier ein. Weiterlesen

Drei Wünsche von Petra Oelker

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgAdventszeit – die richtige Zeit für (Weihnachts)Märchen 😉 – und das von Petra Oelker ist wirklich nett. Es spielt in Hamburg im Jahr 1773 und hat drei Protagonistinnen:

  • Eine Frau, die ihren Job verloren hat und in ihrer Heimat erwartet wird – die Zweckehe mit einem zweimaligen Witwer steht ihr da bevor. Das ist Theda.
  • Ein junges Mädchen, das sich verliebt hat und den bisherigen Lebenswandel in Frage stellt – sehr zum Unmut ihres Vaters. Das ist Elsi.
  • Madam Augusta, die sich einsam fühlt, weil ihre alte Vertraute seit zwei Jahren nicht mehr lebt. Diese eigenwillige Dame kennt, wer die historischen Krimis um Rosina von Petra Oelker gelesen hat.

Es ist die Zeit vor Weihnachten und die drei begegnen sich auf dem Weihnachtsmarkt in der Hamburger Domkirche. Geldmangel, ein zugelaufender Hund, ein nicht vorhandener Garten und bedrohlich auftretende Männer sorgen für Spannung.

Achja, da gibt es noch eine steinerne Madonna, die sich einmischt – oder nicht? Ihre Geschichte erzählt Petra Oelker dann noch separat in ihrem kleinen Beitrag über die Hamburger Domkirche am Ende des Büchleins.

Andrea Offermann als Illustratorin des Buchs zeichnet Bilder des Geschehens, die einerseits die Realität abbilden, andererseits aber auch einen Märchenton haben, nahe am Kitsch für mein Verständnis – aber es passt.Advent 2014

Petra Oelker kennt sich in der Zeit aus – das merkt man der Geschichte ab; so liefert sie gleichzeitig eine Geschichte der Weihnachtsbräuche der Zeit – der Christbaum oder Tannenbaum, wie wir ihn kennen, war damals was ganz Neues aus dem Süden Deutschlands; bis dahin gab es Weihnachtspyramiden, um nur mal ein Beispiel zu nennen (und die sahen auch anders aus als die erzgebirgischen Exemplare, die sich mittels Kerzenlichtwärme drehen, wenn ich das richtig verstanden habe).

“Eine Weihnachtswundergeschichte” steht im Untertitel – ja, so ist das wohl.

Petra Oelker: Drei Wünsche. Eine Weihnachtswundergeschichte, Illustrationen von  Andrea Offermann, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek 20144, ISBN: 9783499257728