A Death-Scene von Emily Brontë in Hauptsache Lyrik

A Death-Scene

1. ‘O Day! he cannot die
When thou so fair art shining!
O Sun, in such a glorious sky,
So tranquilly declining;

2. ‘He cannot leave thee now,
While fresh west winds are blowing,
And all around his youthful brow
Thy cheerful light is glowing!

3. ‘Edward, awake, awake-
The golden evening gleams
Warm and bright on Arden’s lake-
Arouse thee from thy dreams!

4. ‘Beside thee, on my knee,
My dearest friend! I pray
That thou, to cross the eternal sea,
Wouldst yet one hour delay:

5. ‘I hear its billows roar-
I see them foaming high;
But no glimpse of a further shore
Has blest my straining eye.

6. ‘Believe not what they urge
Of Eden isles beyond;
Turn back, from that tempestuous surge,
To thy own native land.

7. ‘It is not death, but pain
That struggles in thy breast-
Nay, rally, Edward, rouse again;
I cannot let thee rest!’

8. One long look, that sore reproved me
For the woe I could not bear-
One mute look of suffering moved me
To repent my useless prayer:

9. And, with sudden check, the heaving
Of distraction passed away;
Not a sign of further grieving
Stirred my soul that awful day.

10. Paled, at length, the sweet sun setting;
Sunk to peace the twilight breeze:
Summer dews fell softly, wetting
Glen, and glade, and silent trees.

11. Then his eyes began to weary,
Weighed beneath a mortal sleep;
And their orbs grew strangely dreary,
Clouded, even as they would weep.

12. But they wept not, but they changed not,
Never moved, and never closed;
Troubled still, and still they ranged not-
Wandered not, nor yet reposed!

13. So I knew that he was dying-
Stooped, and raised his languid head;
Felt no breath, and heard no sighing,
So I knew that he was dead.

Emily Brontë

Minnelyrik im modernen Gewand

Aber nicht nur. Die Originale sind auch drin. Tristan Marquardt und Jan Wagner haben Dichterinnen und Dichter unserer Tage angefragt, ob sie wohl Minnelyrik in modernes Deutsch übertragen wollen. Sie wollten. Und wie!

Was habe ich gemacht? Ich habe nach der Lektüre des informativen Vorworts zur Kunst und Geschichte der Minnelyrik sofort nach hinten geblättert zu meinem speziellen Liebling Oswald von Wolkenstein, meinem Prüfungsthema vonn 1990.

Moderne Minnelyrik – ein paar Beispiele

Hier wurde mir die Besonderheit dieses Sammelbandes sofort deutlich: Die zwölf ausgewählten Gedichte des Wolkensteiners wurden von neun Personen übersetzt, übertragen oder nachgedichtet. Während Durs Grünbein recht nah am mittelalterlichen Text bleibt, Uljana Wolf  das Spiel der Mehrsprachigkeit in unsere Zeit überträgt und Hendrik Rost besonders die eindeutigen Zweideutigkeiten aktualisiert, verwandelt Oswald Egger das „Es fuegt sich“ in ein völlig neues Kunstwerk, obwohl er kein einziges Wort aktualisiert. Stattdessen lässt er alle Wörter weg, die mehr als eine Silbe haben. Es entstehen sieben Strophen die wie Blöcke auf den Seiten stehen.

Erste Zeile – auch mit den großen Abständen zwischen den Wörtern:

Es    fuegt   sich   do   ich   was   von   alt   ich (S. 273)

Besuch bei Oswald von Wolkenstein, spätmittelalterlicher Vertreter der Minnelyrik

1991 war ich am Gedenkstein für Oswald von Wolkenstein besuchen – ja, das auf dem Bild bin ich … Foto: privat

So vielfältig wie bei meinem Lieblingsdichter sind auch die Übertragungen der anderen.

So hat Ulrike Draesener das bekannteste Minnegedicht von Walter von der Vogelweide “Under der linden” fast wortwörtlich ins Neuhochdeutsche übertragen; direkt dahinter jedoch steht ein ähnlich bekanntes – “Nêment, frouwe, disen cranz” – von ihm in der Übertragung von Tom Schulz – dieser Text kann seine Zeitgebundenheit nun wirklich nicht verleugnen. Aus „vil edele gesteine“ werden „Klunker mit tausend Karat“ und damit gar kein Zweifel besteht bezeichnet er sie als „eine junge Frau aus dem 21. Jahrhundert“.

Nora Gomringer überträgt “Sol ich disen summer lang” von Gottfried von Neifen als Interview

Tristan Marquardt und Jan Wagner haben sich mit ihrem Projekt an englischen Gepflogenheiten orientiert; dort sind Neu- und Nachdichtungen mittelalterlicher Werke üblich. Die Einführung zu Minnelyrik ist kenntnisreich und unterhaltsam geschrieben. Das Buch lädt zum Blättern und Entdecken ein – sei es nun die mittelalterliche Minnelyrik im Original oder seien es die Nachdichtungen und somit auch die Namen von Dichterinnen und Dichtern unserer Tage.

Tristan Marquardt und Jan Wagner (Hgg.): Unmögliche Liebe. Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen. Zweisprachig, Hanser Verlag, München, 2017, ISBN: 9783446256545

Das Buch finden Sie auch in der Stadtbibliothek Köln.

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Gedicht zum Tag – Lob der schwarzen Kirschen von Anna Louisa Karsch

Lob der schwarzen Kirschen

Des Weinstocks Saftgewächse ward

Von tausend Dichtern laut erhoben;

Warum will denn nach Sängerart

Kein Mensch die Kirsche loben?

 

O die karfunkelfarbne Frucht

In reifer Schönheit ward vor diesen

Unfehlbar von der Frau versucht,

die Milton hat gepriesen.

 

Kein Apfel reizet so den Gaum

Und löschet so des Durstes Flammen;

Er mag gleich vom Chineser-Baum

In echter Abkunft stammen.

 

Der ausgekochte Kirschensaft

Gibt aller Sommersuppen beste,

verleiht der Leber neue Kraft

Und kühlt der Adern Äste.

 

Und wem das schreckliche Verbot

Des Arztes jeden Wein geraubet,

der misch ihn mit der Kirsch rot

dann ist er ihm erlaubet;

 

Und wäre seine Lunge wund

Und seine ganze Brust durchgraben:

So darf sich doch sein matter Mund

Mit diesem Tranke laben.

 

Wenn ich den goldnen Rheinstrandwein

Und silbernen Champagner meide,

Dann, Freunde, mischt mir Kirschblut drein

Zur Aug- und Zungenweide.

 

Dann werd ich ebenso verführt

Als Eva, die den Baum betrachtet,

So schön gewachsen und verziert,

Und nach der Frucht geschmachtet.

 

Ich trink und rufe dreimal Hoch!

Ihr Dichter singet im Ernst und Scherze

Zu oft die Rose, singet doch

Einmal der Kirsche Schwärze.

 

Anna Louisa Karsch (1792)

Gedichte in der Hörbar – Schullektüre

Verstehen Sie Gedichte auch besser, wenn Sie sie hören? Dann gibt es hier bald was Neues für Sie. Und auch für die, die sich mit Gedichten in ihrer Schullektüre herumplagen … Als Unternabteilung meiner Hörbar gibt es jetzt Texte der Schullektüre – zum Anhören.

Gerade Gedichte aus dem Barockzeitalter erscheinen uns heutzutage ziemlich schwer. Das liegt zum einen daran, dass sich die Rechtschreibung von unserer heutigen Form unterscheidet und zum anderen daran, dass einzelne Wörter nicht mehr bekannt sind oder heute anders benutzt werden. “Eitel” ist so ein Beispiel. Wir nutzen es, um zu sagen, dass jemand großen Wert darauf legt, für sein Äußeres oder auch manchmal für seine Leistung Anerkennung zu bekommen. Aber in der Barockzeit hieß “eitel” so viel wie vergänglich – “Alles ist eitel, du aber bleibst” – vielleicht kennen Sie diesen Kanon ja auch.

Beim ersten Anblick – und das im Wortsinne – erschwert uns oft die andere Schreibweise das Verständnis. Doppelkonsonanten und ein “v” anstelle von “u” bei “avff”, oder die Frage, wie denn “vmb” wohl ausgesprochen werden mag. Nun gehören aber gerade diese Gedichte auch heutzutage noch zur Schullektüre. Deshalb finden Sie in einer Unterabteilung meiner Hörbar nun Gedichte, die in der Regel auch in der Schule behandelt werden. Es sind Gedichte von Martin Opitz, Paul Fleming, Andreas Gryphius, Paul Gerhardt und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau. Ich trage sie vor – auf dass sie dadurch für Sie verständlicher und zugänglicher sind.

Andreas Gryphius Abend Sonett Schullektüre Gedicht Barockk

Doppelkonsonanten, wo wir nur einfache benutzen, “y” und “v” an unvertrauten Stellen – das ist nicht leicht zu lesen

Ich würde mich freuen, wenn ich mit dieser kleinen Starthilfe in die Lektüre Ihre Freude an diesen Gedichten wecken kann.

Die Reihe dieser “Vorleseungen” wird ständig aktualisiert – immer mal wieder reinschnuppern kann sich also lohnen.

Ach so, die Auflösung zur Aussprache von “vmb”: Das Wort wird einfach “um” ausgesprochen – das “b” bleibt stumm. 🙂 Klar, dass sich der Text so besser hören als lesen lässt, oder?

No Coward Soul Is Mine von Emily Brontë in Hauptsache Lyrik

No Coward Soul Is Mine

No coward soul is mine,
No trembler in the world’s storm-troubled sphere:
I see Heaven’s glories shine,
And faith shines equal, arming me from fear.

O God within my breast,
Almighty, ever-present Deity!
Life–that in me has rest,
As I–undying Life–have power in thee!

Vain are the thousand creeds
That move men’s hearts: unutterably vain;
Worthless as withered weeds,
Or idlest froth amid the boundless main,

To waken doubt in one
Holding so fast by thine infinity;
So surely anchored on
The stedfast rock of immortality.

With wide-embracing love
Thy spirit animates eternal years,
Pervades and broods above,
Changes, sustains, dissolves, creates, and rears.

Though earth and man were gone,
And suns and universes ceased to be,
And Thou were left alone,
Every existence would exist in Thee.

There is not room for Death,
Nor atom that his might could render void:
Thou–THOU art Being and Breath,
And what THOU art may never be destroyed.

Emily Brontë

Gedicht zum Tag: Frühlingsglaube von Ludwig Uhlaand

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste, Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland

Gedicht zumm Tag – Herbst von Rainer Maria Rilke

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

Gedicht zum Tag – Morgen von Christian Morgenstern

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111111111.jpgMorgen

Nun sind die Sterne wieder
von blaßblauer Seide verhüllt,
nun Näh’ und Ferne wieder
von junger Sonne erfüllt.
Ihr weißen Wasser, die ihr
hinab zur Ebne springt,
oh sagt den Freunden, wie mir
das Herz heut singt und klingt.

Christian Morgenstern am 15. August 1896