Dies ist ein Buchdebüt, nachdem Susanne Gührs schon einige Gedichte in Anthologien und Kalendern veröffentlicht hat – der Verlag kündigt ein „Best of“ an.
Gleich ziemlich zu Anfang fangen mich erste Bilder ein:
ein schweigen liegt zart / auf den blättern
nebelsehnen,/ zu wünschen kristallisiert
Das sind die ersten Verse aus einem Morgengedicht mit dem lakonischen Titel „morgens“
So darf es weitergehen. Nach einem wunderschönen Gedicht zu Dichtern „Geh, Dichter“, in dem der Magen Gänsehaut bekommt und einem Liebesgedicht kommt wieder ein Frühlingsgedicht mit wunderbar humorvollen Bildern: Wie sich der Frost in der Sonne räkelt. 🤩
Susanne Gührs versteht es, Ungewöhnliches so zusammenzubringen, dass Erfahrung fast körperlich spürbar wird. Besonders eindringlich habe ich es bei einem Gedicht gespürt, in dem es um verschlossene, dunkle Räume geht – es endet mit einem Lichtschalter, der sich unberührbar gibt. Liebe, Freundschaft, Innenleben und das da draußen – alles findet seinen Platz und seinen Ausdruck.

Der andere Schwerpunkt ist, ich sag mal, Mathe. „Primwort“ zum Beispiel oder „Im Dialog mit Hyperbel“, in der ein „Herr Graph“ angesprochen wird. Auch das titelgebende Gedicht „Von innen, unten. Anderswo.“ nutzt in diesem Falle die Geometrie, um Erfahrungen lesbar zu machen.
Susanne Gührs spielt mit Worten und Erwartungen, mit Bildern und Berechnungen. Ihre Gedichte sind einladend – mir gefallen sie sehr.
Susanne Gührs: Von innen, unten. Anderswo, Kröner Verlag, Stuttgart, 2026, ISBN: 9783520774033

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