Timothée de Fombelle: Vango. Prinz ohne Königreich

Timothée de Fombelle: Vango. Prinz ohne Königreich

Ich möchte Ihnen meinen Leseeindruck vom zweiten Band der Vango-Geschichte nicht vorenthalten.

Ein kurzer Vorspann erläutert kurz die Hintergründe und los gehts – erst mal mit einer frühen Szene aus den 20ern: Vango ist 14, Ethel ist 12 und sie haben sich gerade, auf der Weltreise mit dem Zeppelin, kennengelernt. Die Szene endet mit einer dramatischen Flucht. Damit ist der Rhythmus des Buches vorgegeben: Immer wieder gibt es ruhige Abschnitte, die wie aus dem Nichts heraus in wilde Action übergehen. Fassaden-, Gerüst- und Dachkletterei sind für Vango, Maulwurf und sogar Zefiro normale Fortbewegungsmehtoden. Es gibt Personen, die ständig ihre Identität wechseln und trotzdem immer wieder gefunden werden. Und es ist Krieg – zweiter Weltkrieg, um genau zu sein. Die Résistance, Waffenhandel und Spionage sind die damit verbundenen Elemente. Handlungsorte: New York, Schottland, Paris, ein normannisches Kloster, die äolischen Inseln und Russland, respktive die Sowjetunion – die Protagonistinnen reisen ständig. Wie schon im ersten Band empfiehlt es sich, die Zeitangaben bei jedem Abschnitt im Hinterkopf zu behalten.

Was hat es denn nun mit diesem Vango auf sich? Warum wird er verfolgt? Diese Antwort findet zuerst ein Mann, der mit der ganzen Hektik nichts zu tun hat; ein Brief taucht auf, als er der geheimnisvollen Mademoiselle – Vangos Amme – nachspürt, die zu seinem großen Kummer vor Jahren spurlos verschwand. Als Leserin bekomme ich die Geschichte von Vangos Eltern dann auch noch in zwei Kapiteln erzählt – da habe ich es besser als Vango selber.

Ständig verpassen sich Leute gerade so ganz knapp: Hätte der bei den Mönchen untergetauchte Pippo nur ein bisschen länger unter dem Fenster seiner verlassenen Frau gelauscht, hätte Andrej auf seinem Weg weg von Everland den Mund aufgetan, als er dem Wagen mit der Prinzessin d’Albrac begegnete, hätte Ethel dem Telegramm misstraut – alles wäre anders gekommen, hätte sich vielleicht leichter gelöst. Aber nix da – Thimothée de Fombelle lässt seine Figuren den schweren Weg gehen und mich als Leserin in der Regel als die besser Informierte auf den Fingern rumkauen. Das ist jedenfalls der Sinn hinter solchen Konstellationen. Für mich manchmal ein bisschen zu durchsichtig. Aber schließlich will ich ein unterhaltendes Buch lesen – und das ist der zweite Band der Vango-Geschichte auf jeden Fall.

Ein paar Ideen sind wunderbar – die Geschichte mit der Prinzessin d’Albrac z. B. Oder die Idee des Glöckners, dass sich die Besuche Vangos beim regelmäßig in seiner Familiensituation niederschlagen.

Es ist ein Jugendbuch, Es ist ein Abenteuerbuch. Es ist kein realistisches oder problemorientiertes Buch, sondern Unterhaltung. Mit durchaus interessanten historischen Einzelheiten. Gut zu lesen, aber keine Spitzenliteratur: Das wäre mein Kurzfazit. Und nein, im Gegensatz zu anderen Seiten im Netz verrate ich nicht den gesamten Handlungaublauf – das gelesen zu haben, hat mir nämlich ein bisschen den Spaß an der Lektüre verdorben.

Timothée de Fombelle: Vango. Prinz ohne Königreich, Gerstenberg, Hildesheim 20125, übersetzt von Tobias Scheffel und Sabine Grebing, ISBN: 9783836954761

Das Buch wurde übrigens für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 nomniert.

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