Thema 1914: Sommer 1914 von Tillmann Bendikowski

Thema 1914: Sommer 1914 von Tillmann Bendikowski

„Zwischen Begeisterung und Angst – wie Deutsche den Kriegsbeginn erlebten“, das ist der Untertitel des Buchs von Tillmann Bendikowski. Dazu nimmt er fünf möglichst unterschiedliche Personen als Beispiele dafür, wie man den Sommer 1914 erleben konnte:

  • Kaiser Wilhelm II
  • Alexander Cartellieri, Professor für Geschichte in Jena
  • Wilhelm Eildermann, junger Sozialist aus Bremen
  • Gertrud Schädla, Volksschullehrerin in Verden an der Aller
  • Ernst Stadler, Lyriker und Literaturprofessor, eigentlich auf dem Weg von Brüssel nach Toronto

Anhand von Tagebucheintragungen und Briefen der vier bürgerlichen Personen – bei Wilhelm II sind es eher die seiner Umgebung – geht Tillmann Bendikowski detailliert den Entwicklungen nach, die von Juni 1914 bis Oktober 1914 reichen:

  • Wie war die Stimmung vor dem Attentat in Sarajevo und wie danach?
  • Welche politischen Einstellungen gab es in Deutschland zu der Zeit?
  • Wie veränderte die Juli-Krise das Empfinden? Und erst der Kriegsausbruch?

Neben den Briefen und Tagebüchern greift Tillmann Bendikowski auch auf die örtliche Presse zurück – Zeitungen aus Jena, Bremen und Verden an der Aller bringen uns den Informationsstand der Menschen damals ins Bewusstsein. In der Provinz wusste man wirklich erschreckend wenig …

In dieser Ausgabe der preußischen Kreuz-Zeitung wurde am 7.8. von Greueln gegenüber deutschen Soldaten berichtet - also das Gegenteil dessen, was in Belgien tatsächlich geschah; ein Beispiel für die Informationen in Deutschland. Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/02/Kreuz_1914_0708.gif
In dieser Ausgabe der preußischen Kreuz-Zeitung wurde am 7.8. von Greueln gegenüber deutschen Soldaten berichtet – also das Gegenteil dessen, was in Belgien tatsächlich geschah; ein Beispiel für die Informationen in Deutschland. Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/02/Kreuz_1914_0708.gif

Die fünf Menschen sind im Grunde „Aufhänger“ für einzelne Themen, die Tillmann Bendikowski dann teils sehr ausführlich abhandelt – und dabei noch weitere Quellen nutzt. Die Breite der Darstellung geht wirklich weit über den Horizont der „Protagonisten“ hinaus.

Gerade die Verwendung von Provinzzeitungen erlaubt einen Blick auf den Alltag von 1914, der in großen Gesamtschauen fehlt. Tillmann Bendikowski erzählt mit Lust am Detail, schafft es aber immer, den Faden der Gesamterzählung straff zu halten. Wer wissen will, was 1914 in der Bevölkerung gewusst wurde, welche unterschiedlichen Meinungen es gegenüber den politischen Ereignissen vor dem Kriegsausbruch und in den ersten Kriegsmonaten gab, ist mit „Sommer 1914“ gut bedient.

Im Abschlusskapitel gibt es dann noch Informationen über die weiteren Schicksale der Menschen, in deren Tagebücher und Korrespondenz wir geschaut haben. Vieleicht sagt der Name Wilhem Eildermann dem Einen oder der Anderen unter Ihnen ja auch so schon was (ich setzte hier jetzt extra keinen Link …).

Tillmann Bendikowski: Sommer 1914. Zwischen Begeisterung und Angst – wie Deutsche den Kriegsbeginn erlebten, C. Bertelsmann Verlag, München, 2014, ISBN: 9783570101223

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