Thema 1914: Der Sommer der Freiheit von Heidi Rehn

Thema 1914: Der Sommer der Freiheit von Heidi Rehn

Mögen Sie detailliert ausgemalte Szenen, mit Lichtwirkung, Vogelgesang (oder weniger angenehmen Geräuschen), mit Faltenwirkung in Gesicht und Kleidung? Und interessieren Sie sich dann noch für die Zeit von vor rund 100 Jahren? Dann sind Sie mit dem Buch von Heidi Rehn gut bedient.

Die Zeitspanne reicht von 1913 bis 1920 – der Weltkrieg ist also „mittendrin“. Es geht um eine junge Frau, Selma, die schon von Anfang an sehr emanzipiert auftritt: Autofahren ist ihre Passion. Und unberührbar ist sie, den Idealen ihrer bürgerlichen Gesellschaftsnorm entgegenstehend, auch nicht. Das alles bleibt auch so. Ihre Ansichten und ihre Lebensfürhung bringen – keineswegs unerwarteterweise – Turbulenzen in ihr Leben.

Das Personl neben ihr:

  • ihre Mutter Hedda, snobistisch, ignorant und leicht beleidigt
  • ihre Großmutter Meta, emanzipiert und offen (und ja, das ist eines der Klischées im Buch, die mich stören – die doofe Mutter und die tolle Großmutter)
  • Gero, ihr Verlobter mit dem dunklen Geheimnis
  • Grischa, ihr Bruder, der im Laufe der Zeit am Leiden reift
  • Constanze, eine technisch versierte junge Frau und beste Freundin von Selma
  • Robert, ein französischer Fotograf
  • die beiden Väter – von Selma und Grischa einerseits, von Constanze andererseits -, voll Verständnis für ihre Töchter

MHV Audi Typ C Alpensieger 1914 01
Das Auto, das Gero Selma zur Verfügung stellt, ist rot, aber sonst, dürfte es ähnlich ausgesehen haben.
Auch wenn die Zuordnung mit „verlobt“ so schön eindeutig daherkommt – gerade auf erotischem Gebiet ist hier nichts eindeutig. Daraus bezieht der Roman einen Großteil seiner Spannung. Der andere entsteht diuch die kriegsbedingten Gefahrensituationen – Rettung aus Lebensgefahr, schlimme Verwundung, auch Heldentod kommen vor.

Sie merken meinem Ton vielleicht an, dass mich das Buch nicht völlig überzeugt hat. Aber es hat auch gute, spannende Szenen. Heidi Rehn kann durchaus erzählen – in meinen Augen tut sie es bisschen zu wenig, verliert sich manchmal in die oben erwähnten Schilderungen. Andererseits ergibt sich gerade daraus ein plastisches Bild der Gesellschaft um 1914 mit Informationen, die sonst sehr trocken daherkämen. Von daher: Wenn Sie ausführliche Schilderungen schätzen – lesen Sie los 😉

Heidi Rehn: Der Sommer der Freiheit, Knaur Verlag, München, 2014, ISBN: 9783426512166

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