The Next War von Wilfred Owen Thema 1914,

The Next War

Out there, we’ve walked quite friendly up to Death;

Sat down and eaten with him, cool and bland, —

Pardoned his spilling mess-tins in our hand.

We’ve sniffed the green thick odour of his breath, —

Our eyes wept, but our courage didn’t writhe.

He’s spat at us with bullets and he’s coughed

Shrapnel. We chorused when he sang aloft;

We whistled while he shaved us with his scythe.

Oh, Death was never enemy of ours!

We laughed at him, we leagued with him, old chum.

No soldier’s paid to kick against his powers.

We laughed, knowing that better men would come,

And greater wars; when each proud fighter brags

He wars on Death – for lives; not men – for flags.

Wilfred Owen

Offener Bücherschrank in Spontin

Auf Reisen muss man Pausen machen – unsere Wahl fiel auf Spontin: ca. die halbe Strecke, ein Schloss war angezeigt – das waren unsere Kriterien.

Das Schloss war – nur von außen – hübsch anzusehen. Der Ort selber eher klein. Die Geschichte holte uns auch hier ein – Spontin wurde im ersten Weltkrieg fast völlig zerstört; Thema 1914 war für mich auf der Reise in die Champagne immer gegenwärtig.

Ein paar Schritte wollten wir dann noch laufen und sind von der Hauptstraße aus mal nach rechts abgebogen. Und dann stand das hier vor uns:

offener Bücherschrank in Spontin Totale

Bücherkarussell?

Offener Bücherschrank, das war sofort klar. Aber die Form? Weiterlesen

Thema 1914: Krieg nach dem Krieg von Anton Holzer

Als der Krieg zu Ende war, gab es – keinen Frieden. Das gilt wohl für die meisten Kriege. Auch für den ersten Weltkrieg, wie Anton Holzer in seiner Bild-Text-Sammlung noch mal deutlich macht.

Wie schon in dem Buch “Die letzten Tage der Menschheit” collagiert Anton Holzer historische Fotos mit Texten. In diesem Buch sind es nicht die Texte von Karl Kraus, sondern Tagebucheintragungen und andere eher private Äußerungen verschiedener Personen, u. a.:

  • Käthe Kollwitz
  • Kurt Tucholsky
  • Thea Sternheim
  • Harry Graf Kessler
  • Erich Mühsam

Bundesarchiv Bild 146-1998-009-16, Kämpfer in Bayern mit MG

So sah es 1919 in München aus – alles andere als friedlich, auch wenn das hier eine Pose ist. Bundesarchiv Bild 146-1998-009-16, Kämpfer in Bayern mit MG, CC BY-SA 3.0 DE

Auch wenn die Revolutionen gefühlt erst nach dem Krieg ausbrachen, die die Räterrepubliken nach Deutschland brachten – die Ursachen liegen schon in der Kriegszeit selbst, u. a. in der mangelhaften Versorgungslage sowohl an den Fronten als auch “zu Hause”. Deshalb umfasst der Zeitrahmen, den Anton Holzer absteckt bereits die Zeit ab Mai 1916 und geht dann bis 1925.

Anhand der Kapitelüberschriften wird das mit der Versorgung schon deutlich: Allein zwei Überschriften thematisieren den Hunger:

  • Erschöpfung und Hunger – Verbitterung über den Krieg
  • Hunger, Not und Verzewiflung – Der erste Winter nach dem Krieg

Es ist kein Buch zum Hintereinanderweglesen – es ist ein Buch zum Stöbern. Welcher Aspekt interessiert mich gerade? Dann schlag ich z. B. “Der erstickte Aufruhr” auf und sehe Bilder von 1919, die aussehen wie Krieg in der Stadt – Soldaten, Gewehre, Geschütze  – und lese die Erlebnisse von Harry Graf Kessler, Viktor Klemperer oder Käthe Kollwitz.

Jedem Abschnitt stellt Anton Holzer eine kurze Darstellung der Ereignisse voraus, so dass ich die Bemerkungen der Zeitgenossinnen “einordnen” kann (was sie nicht weniger erschreckend macht …). Sein Einführungsessay “Jahre der Gewalt” umfasst den gesamten Zeitraum. Einige der Zeitzeugenaussagen, die später den Bildern gegenübergestellt werden, zitiert er bereits hier. Hier findet er auch Platz, um Aussagen Einzelner zu kommentieren, z. B. den Satz von Ernst Troeltsch,

Das Ringen von fünf furchtbaren Jahren und, wenn man die Vorgeschichte hinzunimmt, eines Jahrhunderts, ist vorläufig und scheinbar zu Ende. (S. 19)

den Anton Holzer dahingehend interpretiert, dass die Unsicherheit mit dem gerade unterzeichneten Freidensvertrag nicht schwindet und die Demokratie, bis sie in Deutschland 1933 untergeht, vielfachen Angriffen ausgesetzt sein wird: Putschverscuhe und poltische Gewalt nennt er dabei.

Die Kombination von Bildern und persönlich gehaltenen Texten lässt, wie Anton Holzer es ja auch beabsichtigt ;-), das Geschehen dieser Jahre näher heranrücken, als es nackte Daten und Faktenaufzählungen können. Leider haben die Bilder eine beklemmende Aktualität – in anderen Regionen der Welt als in Deutschland, aber schließlich ist die Welt im Laufe der letzten 100 Jahre auch noch mal “kleiner” geworden.

Anton Holzer (Hrsg.): Krieg nach dem Krieg. Revolution und Umbruch 1918/19, Theiss Verlag, Darmstadt, 2017, ISBN: 9783806235609

Auch dieses Buch finden Sie in der Stadtbibliothek Köln.

Mit Klick auf den Link können Sie das Buch direkt bestellen – über LChoice. Und es gibt dann eine kleine Provision für mich.

 



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Ein Monat auf dem Land von J. L. Carr

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgBei der LitBlog Convention im Juni 2016 haben wir in einer Session eine Covergestaltungskonferenz nachgespielt. Das Buch von J. L. Carr war auch dabei. Und der Bucheinband, der letzten Endes dabei herausgekommen ist, verbunden mit den kurzen Hinweisen zum Inhalt, hat dazu geführt, dass ich mir den kleinen Band vorgenommen habe.

„Ein Monat auf dem Land“ lautet der Titel und J. L. Carr lässt darin einen Bilderbuchsommer aufleben. Sein Protagonist, Tom Birkin, hat die Hölle des Ersten Weltkriegs überlebt, wurde von seiner Frau verlassen und hat nun in der ländlichen Einsamkeit von Yorkshire einen Auftrag als Restaurator angenommen. Er ist, wie viele andere Veteranen des großen Krieges, auf der Suche nach Heilung. Was erst als ein Rückzug in die Einsamkeit gedacht war, entwickelt sich im Laufe der rund 150 Seiten zu einem sozialen Geflecht, in dem der Versehrte unvermutet Aufgaben und einen Platz findet. Die Arbeit am freizulegenden Wandgemälde, die ihn hierher geführt hat, bringt ihm ebenfalls größere Befriedigung, als er sich vorher vorstellen konnte.

So sieht es bei einer Coverkonferenz aus.

So sieht es bei einer Coverkonferenz aus.

J. L. Carr erzählt leicht, lässt auch die Zeit des Erzählers, Jahrzehnte nach dem Geschehen, immer wieder einfließen. Besonders diese zeitliche Distanz zwischen 1978 und 1920 kommt immer wieder zur Sprache, wenn er das Leben aus einer Zeit, für die Pferd und Wagen und Petroleumlampen Alltag waren, so lebendig wieder auferstehen lässt. Er schafft es, von einer Heilung zu erzählen, ohne in Pathos oder Kitsch zu verfallen, denn allen Beteiligten – Autor, Erzähler, Protagonist, Leserin – ist klar, dass es sich dabei um ein komplexes, vielschichtiges und unwägbares Geschehen handelt. Ein wirklich zauberhaftes Buch.

Ach ja, zu Kunstgeschichte und Mittelalter erfährt man auch einiges – Tom Birkin ist ein Fachmann.

Das Buch ist 1978 erstmals erschienen – im Original – und hat im Laufe der Zeit in England immer wieder Neuauflagen erfahren, wurde auch verfilmt; schön, dass es das jetzt auch auf Deutsch gibt 😉

J. L. Carr: ein Monat auf dem Land, übersetzt von Monika Köpfer, DuMont Buchverlag, Köln, 2016, ISBN: 9783832198350

Drei Variationen zum Thema - und das ganz links ist von 2011 ...

Drei graphische Variationen zum Thema – und das ganz links ist von 2011 …

Gedicht zum Tag: Ewige Ostern von Klabund

Ewige Osternrp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x15011111111111111.jpg

 Als sie warfen Gott in Banden,
als sie ihn ans Kreuz geschlagen,
ist der Herr nach dreien Tagen
auferstanden.

Felder dorren. Nebel feuchten.
Wie auch hart der Winter wüte:
Einst wird wieder Blüt’ bei Blüte
leuchten.

Ganz Europa brach in Trümmer,
und an Deutschland frißt der Geier, –
doch der Frigga heiliger Schleier
weht noch immer.

Leben, Liebe, Lenz und Lieder:
Mit der Erde mag’s vergehen.
Auf dem nächsten Sterne sehen
wir uns wieder.

Klabund (Alfred Henschke)

 

Neue Themenliste für Lesungen mit der Kölner Leselust

Wenn Sie wissen wollen, welche Lesungen ich für 2015 anbiete, schauen Sie doch mal hier vorbei.

Meine Lesungen sind für verschiedene Zwecke geeignet:

In der Rather Bücherstube vor der Lesung "Thema 1914 - Bücher zum Großen Krieg". Foto: A. Jüttner

In der Rather Bücherstube vor der Lesung “Thema 1914 – Bücher zum Großen Krieg”. Foto: A. Jüttner

  • Bildungseinrichtungen
  • Buchhandlungen (für Sie habe ich extra auch Buchvorstellungen im Programm 😉 )
  • Festlichkeiten aller Art, die gerne einen kulturellen Akzent setzen wollen
  • Schulen

So eine Lesung dauert rund eine Stunde und danach ist Zeit für Diskussion, Fragen und Austausch.

Sie können mich direkt über meine Kontaktformular ansprechen.

Aktuelle Lesungstermine finden Sie in meinem Kalender.

Quiz zu Thema 1914 – Auflösung von Teil III

So, nun spanne ich Sie nicht länger auf die Folter und Sie bekommen nun die Antworten zum dritten Teil meines Quiz zu Thema 1914:

Frage 1: Wie kamen die Deutschen in Ruf, kulturlose Zerstörer zu sein?

Da die Deutschennach den Erfahrungen des Kriegs von 1870/71 in jedem Widerstand Freischärler am Werk sahen, setzten sie in Belgien auf Repressalien gegen die Zivilbevölkerung – u. a. wurde die Stadt Löwen zerstört; neben den Toten wurde in den anderen Ländern v. a. der Brand der Universitätsbibliothek als “Kulturgreuel” verstanden. So fiel die Rede Wilhelms II aus dem Jahr 1900 über deutsche Soldaten, die wie die Hunnen agieren sollten, um sich Respekt zu vershaffen, auf Deutschland zurück: In Großbritannien hießen die Deutschn nur noch  Hunnen.

Frage 2: Mit welchen unorthodoxen Mitteln wurden französische Soldaten zum Kampfgeschehen gebracht?

Die Geschichte ist eigentlich zu malerisch: Taxis wurden für den Truppentransport requiriert – die “taxis de la Marne“!

Frage 3: Wo fand die Schlacht bei Tannenberg tatsächlich statt und warum heißt sie, wie sie nun mal heißt?

BattleOfTannenberg2

Schlachtbewegungen der Schlacht, die unter dem Namen Tannenberg berühmt wurde.

Das Zentrum der Schlacht im August 1914 im Ostpreußen lag eigentlich bei Hohenstein, aber Hindenburg wollte eine Scharte aus dem Mittelalter auswetzen und legte Tannenberg als Ortsbezeichnung fest.

Und nun zur Verlosung:

Martin war heute schon früh aktiv und hat die drei Gewinner gezogen:

Oliver H. aus Wien erhält:

Nicolas Wolz: “Und wir verrosten im Hafen”. Deutschland, Großbritannien und der Krieg zur See 1914-1918, dtv

Archeopterix wurde Cabanes, Bruno; Duménil, Anne (Hg.): Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Katastrophe. zugelost.

Johnjoe (auch hier liegt die Adresse vor) darf sich auf Gunnar und Florian Dedio: 14. Tagebücher des Ersten Weltkriegs. Farbfotografien und Aufzeichnungen aus einer Welt im Untergang freuen.

Wie Sie feststellen konnten, wenn Sie das Quiz verfolgt haben: Es gibt Namen, die immer wieder vorkommen – es wurde einfach nicht so viel mitgemacht, wie ich es erhofft habe. Und deshalb werde ich – entgegen meiner Ankündigung – die Quiz-Reihe hier und jetzt beenden. Ganz herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben!

Thema 1914: Kleine Hände im Großen Krieg von Yury und Sonya Winterberg

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111.jpgWas Kinder und Jugendliche im Krieg erleben, ist Thema des Buchs von Yury und Sonya Winterberg. Parallel zu “14: Tagebücher des Ersten Weltkriegs” hat das Autorenpaar rund 24 Tagebücher junger Europäerinnen dieser Zeit ausgewertet, darunter auch die einiger später berühmter Menschen wie Marlene Dietrich, Marie-Luis Kaschnitz, Alfred Hitchcock und Manes Sperber.

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Eigentlich hatte man ja ein Mindestalter zu haben – doch die Army nahm auch Jungen, die glaubhaft versicherten, sie seien 18 … wie Victor Silvester, der als 14-Jähriger Soldat wurde. Da fragt man sich …

“Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg” lautet der Untertitel – und die waren sehr vielgestaltig: Die Kindersoldatin Marina Yurlova gehört ebenso dazu wie die Krankenschwester Elfriede Kuhr und die in China lebende Hilla Lessing, der Kindersoldat Victor Silvester, genauso wie der Attentäter Vasa Cubrilovic und der Diplomatensohn Ödön von Horvath. Direkte Fronterfahrungen, Hunger in der Heimat, Ausfall des Schulunterrichts, weil alle Lehrer an die Front mussten, Flucht und Heimatlosigkeit – das alles prägt die Kinder. Mögen auch einige der Tagebücher bei späterem Abschreiben ergänzt worden sein, mögen sich auch politisch motivierte Änderunen darin finden: Da Kinder Anfang des 20. Jahrhunderts erstmalig in breiten Kreisen über die Fähigkeit des Schreibens verfügten, ermöglichen diese Dokumente einen Einblick in das Leben und Erleben junger Menschen in Kriegszeit, noch dazu  in einem Krieg, der allen überlieferten Erfahrungen entgegenstand.

Yury und Sonya Winterberg portionieren ihr oft beklemmendes Material in handhabbare Einheiten – wer sich so viel Leid nicht auf einmal antun kann, hat die Mögllichkeit, zu pausieren. Andererseits schreiben die beiden aber in einem Stil, der das Weiterlesenwollen fördert.

Das Buch ist Grundlage für ein Filmprojekt, das im August bei arte lief.

Yury und Sonya Winterberg: Kleine Hände im Großen Krieg. Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg, Aufbau Verlag, Berlin, 2014, ISBN: 978383351035648