Ratgeber à la Jane Austen

Zugegeben, diese Bücher gehören nicht zu meinen Favoriten. Aber im Laufe der Zeit, die ich mich mit “beloved Jane” befasst habe, habe ich so viele kuriose Titel zu Jane Austen gesehen, dass ein paar davon auch hier ihren Platz finden sollen.

Ein Date mit Mr. Darcy

Dass dieses Buch und ich nicht zusammen passen, liegt vielleicht an meiner Lebenssituation – wer die Silberhochzeit schon eine Weilche hinter sich hat, braucht keinen Datingratgeber mit dem Untertitel „Mit Jane Austen den Mann fürs Leben finden“. Hinzu kommt aber auch eine andere kulturelle Schwelle: Dieses Buch ist ein amerikanischer Dating-Ratgeber. Wie schon „Katie in Amerika“ feststellen konnte, gibt es da andere Regeln dies- und jenseits des großen Teiches. Eine andere Form der möglichen Lektüre ist es, das Buch als einen weiteren Zugang zu den Romanen von Jane Austen zu begreifen. Da Lauren Henderson als Beispiele für ihre Argumentation auf die Beziehungen in den Romanen zurückgreift, analysiert sie diese auch. Ich muss da nicht immer mit ihr übereinstimmen. Im Großen und Ganzen tut sie das amüsant. Wenn auch das Frauenbild der Laura Henderson in gewisser Hinsicht dem von Jane Austen entspricht – bescheiden, höflich, geduldig, nachgiebig –, finde ich es doch für unsere Zeit nicht angemessen. Viele der Tipps, mit deren Hilfe eine Beziehung stabiler gemacht werden kann, beziehen sich auf „Fehler“ der Frauen. Sorry, wo bleiben die der Männer? Ja, die gibt es schon, aber Laura Henderson empfiehlt: Geduld. Von Seiten der Frau, natürlich! Weiterlesen

Heftromane schreiben und veröffentlichen von Anna Basener

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x15011.jpgNa, das war ja ein Spaß! Als Teeny in einer bayrischen Pension habe ich – aus Not, da alle Bücher schon ausgelesen waren – meine erste, bisher einzige und intensive Bekanntschaft mit Heftromanen gemacht – was anderes war nicht zu bekommen. Den  Titel des Buchs von Anna Basener fand ich interessant und habe mich reingeschmissen.

Was ich bekam, war erst mal eine Regelpoetik: So funktioniert ein Heftroman, Kategorie Liebe (also Arzt-, Heimat- und Fürstenroman):

  • A und B lernen sich kennen und verlieben sich
  • Es gibt ein Problem C
  • D hilft, das Problem zu überwinden
  • A und B kommen endgültig zusammen

Das Ganze dann bitte in rund 160000 Zeichen, beziehungsweise 90 Normseiten, chronologisch erzählt, immer mal wieder die Perspektive wechselnd, insgesamt in 20 bis 30 Abschnitte unterteilt und dann noch bitte beachten, dass gravierende Probleme in der heilen Welt nichts zu suchen haben.

Also im Grunde genau das, was man erwartet, wenn man “Heftroman” hört..

Anna Basener, die sich ihr Studium selbst mit Heftromanschreiben verdiente, beschränkt sich aber nicht darauf, solche theoretischen Schreibregeln auszustellen,, sondern wird in ihren Tipps sehr konkret:
So empfiehlt sie dringend, ein “Treatment” zu erstellen, in dem  – wesentlich kleinteiliger als im Exposé – die Handlung für jeden Abschnitt festgelegt wird und bringt ein Beispiel aus ihrem eigenen Wirken gleich mit rein: Am Ende des Buches finden sich Exposé, Treatment und ein Probekapitel aus einem ihrer Romane, den man sich dann auch gleich mit einem anderen ihrer Romane als PDF runterladen kann. Denn schließlich ist für eine Heftromanautorin nichts wichtiger, als das Genre zu kennen 😉

Das Buch ist sehr praxisorientiert; es gibt Tipps für die Präsentation als neue Autorin bei einem Verlag und auch Zahlen zu Honoraren – da das Buch schon ein paar Jahre alt, können die wohl nur als Hausnummer dienen.

San Martin de Tor - Seres

Bergidylle pur – für den Heftroman gehören aber Bilder von jungen schönen Menschen in Tracht mit aufs Bild Noclador, San Martin de Tor – Seres, CC BY-SA 3.0

So weit, so unterhaltsam.

Kritische Punkte

Leider sind mir an dem Buch sehr viele Fehler aufgefallen, die die Lesbarkeit nicht erleichtern – “sie” und “Sie” mit allen Verwandten wirbeln regellos durcheinander. Anna Basener schreibt auch den Ratgeber nach dem Motto “Wiederholung festigt” – ein paar Schleifen weniger hätten dem Buch gut getan. Ich weiß nicht, wie es mit dem Lektorat im Autorenhaus-Verlag aussieht – da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Und die Romane selber?

Ja, ich habe nicht nur die beiden von Anna Basener zur Verfügung gestellten Romane gelesen,, sondern mir selber auch welche gekauft – und dabei festgestellt, dass die Fehler in ihrem Ratgeberbuch denen entsprechen, die ich in den Romanen finden kann: jede Menge fehlende Kongruenz, sowohl grammatikalisch als auch inhaltlich, “sie” und “Sie” immer wieder mal falsch angewendet,dazu Rechtschreibfehler (“Stil” statt “Stiel”, wenn es um eine Blume geht …). Dazu dann eine wirklich einfache Sprache. Das muss man erst mal können (und das mein ich nicht ironisch! Einfach zu schreiben, ist nicht einfach! Oder haben Sie schon mal versucht, fast ohne Fremdwörter auszukommen? Nur maximal zweiteilige Sätze zu nutzen? Na eben.) Meine Lieblingslektüre werden solche Romänchen also auch mit fast 40 Jahren Abstand nicht. Aber Anna Basener hat mir eine Ahnung davon verschafft, was es braucht, um so was zu verfassen und das find ich interessant.

Anna Basener: Heftromane schreiben und veröffentlichen, Autorenhaus Verlag, Berlin, , ISBN:  9783866710740

PS: Ach ja, eine Sache, die mich persönlich immer wieder ärgert: In dem Zusammenhang werden gern E. Marlitt und H. Courths-Mahler in einen Topf geworfen – Anna Basener macht das auch an einer Stelle. Für mich sind die beiden Autorinnen nicht vergleichbar. Soll ich mal in einem eigenen Artikel darlegen, warum? Antworten gern in den Kommentar.

PPS: Übrigens spannend, was Anna Basener sonst so zu Heirat meint … (Ich habe übrigens nicht nur meinen Namen behalten, sondern ihn auch an meine Kinder weitergegeben 😉 )

Nachklapp vom31.7.: Wer das Buch in Köln entleihen will, kann dies bei der Stadtbibliothek tun: Signatur HCM Basener

Warum haben Eltern keinen Beipackzettel von Sabine und Roland Bösel

Eins vorweg: Ich habe ein Problem mit Ratgeberbüchern, die Selbstanalyse und -behandlung “anbieten”.  Das Bild mit dem Beipackzettel fand ich aber interessant und habe das Buch des Therapeutenpaars Sabine und Roland Bösel ganz gern gelesen. Nur eben nicht als “Ratgeber” für ernste therapiebedürftige oder sonstwie belastende Probleme, sondern eher als kleine Anregung für eigene Gedanken.

Die Idee mit dem Beipackzettel zieht sich als Info-Kasten vor jedem Kapitel durchs Buch – die Gebrauchsinformation (also so eine Art Inhaltsangabe) ist zur Orientierung nützlich. Die “Nebenwirkungen”, die eher in Richtungs “Heilsversprechen” gehen, sind nicht so meins. Zemanta Related Posts Thumbnail

Die Themen, die die beiden Paartherapeutinnen hier behandeln, sind die seelischen Gepäckstücke jedes Menschen, die ihm in seiner Kindheit mitgegeben werden. Die wirken sich nämlich in späterern (Paar)Beziehungen aus. Noch dem Motto: “Was ich bei meinen Elten gesehen habe, prägt mein Beziehungsverhalten.” Einige der vorgestellten Methoden sind tatsächlich für den Alltag tauglich, z. B. der “Theaterblick”, der verlangt, das Geschehen auf eine imaginäre Bühne zu stellen, um die Außenperspektive kennenzulernen. Oder der Gedanke, dass nur 10 Prozent eines Konflikts von der aktuellen Situation oder Konstellation ausgehen, aber 90 Prozent von mir selber kommen, in mir drin sind.

Sabine und Roland Bösel stellen immer wieder idealtypische Situationen oder Fallbeispiele vor, zu großem Teil mit ihren eigenen Namen – ob das nun ihre eigene Geschichte ist, sei dahingestellt, trotz der Übereinstimmungen in Beruf etc. -, die den Abluf einer bestimmten Vorgehensweise verdeutlichen. Außerdem geben sie gelegentlich Tipps, wie die Leserin selbst bestimmte Methoden nutzen kann. Und da habe ich dann das oben erwähnte ungute Gefühl. Das nichts mit dem vorliegenden Buch zu tun hat, sondern sich auf diese Art von Ratgebern allgemein bezieht. Ich halte nicht viel davon. Ich finde, dass in Situationen, die Menschen belasten, Experimente mit Gefühlen, eventuell noch mit einer zweiten oder dritten Person dabei, riskant sind. Wichtig finde ich in dem Zusammenhang, dass Sabine und Roland Bösel immer nur von Erfahrungen in ihrer Praxis berichten – das liegt in der Natur ihres Berufs, schon klar, aber für mich ist das auch ein Hinweis, dass für die Behandlung von Beziehungsproblemen, bzw. die Aufarbeitung familiärer Prägung ein geschulter Mensch dabei sein sollte, um emotionale Extremsituationen aufzufangen.

Das Buch ist gut zu lesen – unterhaltsam, flüssig. Das ist dem Umstand geschuldet, dass die erfahrenen Therapeutinnen eine erfahrene Autorin mit ins Boot geholt haben: Daniela Pucher, die eine angemessene Sprache findet. Die Professionalität des Therapeutenpaares zeigt sich für mich nicht zuletzt in der Tatsache, dass sie diese Kooperatin auf dem Titelblatt veröffentlichen: Expertise verbindet sich mit Expertise, um gemeinsam ein gutes Buch zu schaffen. Chapeau.

Sabine Bösel, Roland Bösel: Warum haben Eltern keinen Beipackzettel?, gemeinsam mit Daniela Pucher, Orac Verlag Kemayr & Scheriau, WIen, 2013, ISBN: 9783701505517

Berufsziel römischer Kaiser von Stephan Berry

Was brauchts, um als römischer Kaiser zu reüssieren? Stepahn Berry hat einen amüsanten Bewerbungsratgeber geschrieben, der keine Fragen offen lässt: Garderobe, Fremdsprachen, Herkunft, soft skills, die Erwartungen der Arbeitgeber – Senat und Volk von Rom – und noch einige Aspekte mehr werden in heiterer Ratgebersprache erörtert. Bevorzugt, indem Stepahn Berry auf die Vorgänger im Amt verweist. Und schwupps hat man nach wirklich unterhaltsamer Lektüre einen Überblick über die römische Kaiserzeit gewonnen.

Das Buch beginnt mit einer klassichen Stellenanzeige, wie Sie sie Tag für Tag in Ihrer Tageszeitung sehen. Der erste Satz allerdings stimmt bedenklich: “Die Stelle ist nach dem gewltsamen Tod des bisherigen Amtsinhabers vakant geworden.” Auch die Rücksendung der Unterlagen ist berücksichtigt – nur wenn das Porto zu Ihren Kosten geht; abgesehen davon ist in der Winterpause der gesamte Schiffsverkehr auf dem Mittelmeer lahmgelegt – da gibt es keine Unterlagen zurück. Das mit den langen Wegen gehört dann auch in Kapitel 3 “Der optimale Führungsstil: Delegieren ist alles?” – wenn Memos mehrere Wochen bis Monate unterwegs sind, ist ein Laissez-faire-Stil angesagt. Hobbys sind ein heikles Thema: Ihre Vorlieben als römischer Kaiser sind nie “rein privat” – außer Sie frönen ihnen hinter wohl verschlossenen Türen. Kaiser, die sich als Gladiatoren oder Künstler der Öffentlichkeit stellten, werden von Stephan Berry als warnende Beispiele genannt – kein Wunder, wenn Sie die Namen lesen: Nero, Caligula, Caracalla. Eindringliches Fazit: “Ein Kaiser produziert sich nicht in der Öffentlichkeit.” (S. 108) Zemanta Related Posts Thumbnail

Bewerbungen sind auf Pergament oder Papyrus einzureichen – Kupfer und Marmor verbieten sich als zu kostspielig, Kupferplättchen und Tonscherben als zu schäbig. Als “Bildmaterial” wird eine Statue empfohlen – bitte bei einem Künstler seines Fachs in Auftrag gegeben, also in Rom, Rhodos oder Athen. Und nie, nie, nie eine Nacktstatue. Nicht wegen der Prüderie der potentiellen Arbeitgeber, sondern wegen der Hybris: Nackt werden Götter , Halbgötter und Heroen dargestellt. Das erläutert Stephan Berry im Kapitel 5 ” Der Dresscode: Mit kurzen Hosen ins Büro?”.

Unter der Überschrift “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” erfahren Sie etwas über die rechtliche Stellung der Frau, die als Normalbürgerin durchaus einen eigenen Beruf ausüben kann, als Kaiserin eher nicht, außer sie verwaltet ihre landwirtschaftlichen Güter. Die Themenpalette ist breit und umfasst dabei auch einen längeren Zeitraum – von Augustus bis Konstantin; die Rückbezüge auf die Zeit der Republik vermitteln aber eben auch Kenntnisse über diese Zeit.

Ich finde, Stephan Barry ist da ein sehr unterhaltsames und informatives Buch gelungen. Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen. Sein Literaturverzeichnis am Ende ist informativ, die Tabellen über Kaiser und Gegenkaiser wirklich klasse – da hat jemand mit fundierten Kenntnissen etwas gut Lesbares geschaffen.

Stephan Berry: Berufsziel römischer Kaiser. Ausbildung, Bewerbung, Karriere, Philipp von Zabern Verlag, Darmstadt 2013, ISBN: 9783805345545, als E-Book (PDF): 9783805347068, als E-Book (epub): 9783805347075