Gedicht zum Tag: Ich ließ meinen Engel … von Rainer Maria Rilke

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,

und er verarmte mir in den Armen,

und wurde klein, und ich wurde groß:

und auf einmal war ich das Erbarmen,

und er eine zitternde Bitte bloß.

 

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –

und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;

er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,

und wir haben langsam einander erkannt …

 

Rainer Maria Rilke

Herbstgedichte = Melancholie?

Es fing schon im August an, dass viele meiner Besucher das Gedicht „Herbstbild“ anklickten. Seit Anfang September steht es regelmäßig jeden Tag als der meist geklickte Beitrag meines Blogs ganz oben in der Statistik. Ist der Text Schullektüre? Das mit der Häufigkeit der Treffer bei mir mag auch daran liegen, dass ich dieses Gedicht unter seiner Anfangszeile „Dies ist ein Herbsttag …” abgelegt habe – wer nach diesen Wörtern sucht, kommt kaum an mir vorbei. Es handelt sich um acht Zeilen, die einen wünschen lassen, mit dem Dichter zusammen diesen Tag zu erleben. Er weist wohl auf die Sehnsucht hin, mit dem viele von uns auf den Herbst reagieren nach dem Motto: So hätte ich den gern. Auf jeden Fall habe ich mir eine Interpretation dazu durchgelesen – und spürte Widerstand gegen die Behauptung von Hans-Peter Kraus, es handele sich um eine singuläre Erscheinung: menschenleer und ohne Melancholie den Herbst zu besingen (ich verkürze). Herbstgedichte hätten sonst immer Melancholie, Abschied und Tod als Hauptthemen. Da es ein lyrisches Ich gibt und das Wörtchen „man“ vorkommt, ist es nicht komplett menschenleer.

Und Herbstgedichte = Melancholie? Hm.

Also bin ich hingegangen und habe geschaut, welche Herbstgedichte ich auf meinem Blog im Laufe der Jahre eingestellt habe. Das sind schon einige:

Und – triefen sie alle vor Melancholie?

Bild Herbst Landschaft baumstamm, Bäume

Herbstliche Landschaft, Bild: A. Laudensack

Also, Mörikes Text nicht. So ein Septembermorgen ist eine schöne Sache – gerade, dass da etwas quasi enthüllt wird, macht die Farben lebendig und kräftig.

Es wird aber schon beim Titel deutlich, dass es auch darauf ankommt, welcher Teil des Herbstes das Thema ist – schließlich geht er von sommerlichen Septembertage über den goldenen Oktober bis in den November, ja Dezember hinein; da ist zwischen sommerlich anmutenden und winterlich düsteren  Tagen alles drin: Nebel (ein oft genutztes Bild für den Herbst), Regen, mal in Form von Schauern, mal als Dauerregen, mal aus dramatisch geformten Wolken oder aus einem gleichmäßig grauen Himmel fallend, erste Fröste und Schneeflocken und klirrende Kälte bei blitzblauem Himmel (ich erinnere mich, dass im November 1998 für ein paar Tage  -10° herrschten – in Köln!). Entsprechend unterschiedlich also die mögliche Ausgangslage von Herbstgedichten.

Herbstgedichte von Rainer Maria Rilke

Nehmen wir allein die beiden Beispiele vom Rainer Maria Rilke in meinem Fundus. In „Herbsttag“ schildert er quasi einen Verlauf – von sommerlich anmutenden Tagen hin zu den fallenden Blättern in der letzten Zeile. Passend zu dem Wandel, den er vorausahnt, hat er eine unregelmäßige Reimform genutzt; in der ersten Strophe verbirgt sich ein Reim mitten in der Zeile:

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren

Und auf den Fluren

Laß die Winde los

So könnte man diese Strophe ja auch notieren.

Rilke hat aber diese Form genutzt:

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren

Und auf den Fluren laß die Winde los

Der Reim „-eiben“ in der letzten Strophe weckt Erwartungen, was Menschen im Herbst noch machen können – doch beim dritten Einsatz handelt es sich um den Herbst selber, dem das Reimwort zufällt. In der Stimmung wandelt sich das Gedicht von großer Dankbarkeit „Der Sommer war sehr groß“ über die Hoffnung auf „zwei südlichere Tage“ hin zur Erwartung eher abgeklärten Umgangs mit einer weniger kommunikativen Zeit, die vor den Menschen liegt.

Das Gedicht „Herbst“ hat eine andere Stimmung. Fallende Blätter – da liegt Abschied nahe. Das Bild der im Himmel welkenden Gärten fällt reimschematisch und zeilenmäßig völlig raus – eine Assoziation, wie aus Zeit und Raum gefallen. Und die Erde fällt (übrigens die zwei Zeilen, die ich seit 35 Jahren immer wieder vergesse …) – ja, hier ist Melancholie im Spiel. Doch der Trost ist nahe – das Fallen ist unvermeidbar, aber nicht „ungeborgen“. Ein Dichter, zwei unterschiedliche Herbstgedichte – und da gibt es noch mehr.

Herbstgedichte bei Georg Trakl, Johann Heinrich Voss, Nikolaus Lenau, Christian Morgenstern und Wilhelm Busch

Dass Georg Trakls Gedicht eher eine düstere Komponente hat, hat mich nicht so überrascht – seine Gedichte sind in meiner Lesehistorie meistens mit dem Thema Tod verknüpft. Er nutzt eine einfach Vers- und Reimform – die einzelnen Wörter sind es, die die Atmosphäre schaffen: sich singend müh’n in der ersten  Strophe und der braune Wein in der zweiten und dritten Strophe; hier kommen Adjektive zu Verb resp. Substantiv, die nicht so recht passen wollen. Der Tod scheint unausweichlich – aber nicht wirklich erschreckend, wenn man die letzten beiden Zeilen nimmt:

Weit offen die Totenkammern sind

Und schön bemalt vom Sonnenschein.

Am ehesten entspricht noch das Gedicht von Johann Heinrich Voss dem, was Hans-Peter Kraus als Kennzeichen von Herbstgedichten bezeichnet hat: eine Beschreibung eines Herbsttages mit Ausblick auf spätere Entwicklungen und der Freude am Gerade-so-Sein des aktuellen Herbsttages. Doch es ist klar: Herbstzeit – „Herbstkleid“ – Sterbekleid der Natur. Der Trost liegt in der sicheren Wiederkehr des Frühjahrs.

Die holländische Landschaft von Nikolaus Lenau macht dagegen einen wirklich trüben Eindruck – ob das nur am Wetter liegt? Nebel und Herbst als Signal für den Stillstand der Natur, die sich in der Landschaft spiegelt.

Christian Morgensterns Oktobersturm hat so eine zwiespältige Lebendigkeit – weit entfernt von Frieden (dabei ist er vor dem ersten Weltkrieg gestorben …): Ein kurzes Gedicht in einfacher Liedform, mit starken Bildern: “purpurner Tod” – zusammen mit den schwankenden Bäumen der ersten Zeile und dem langen Wort “Lebenssturmträume” davor fühle ich mich so richtig vom Leben durchgeschüttelt. Dagegen ist das Bild vom Laubhaufen geradzu idyllisch – wenn nicht die Wendung mit dem Schauder am Ende wäre. Christian Morgenstern hat hier eins der Herbstgedichte geschaffen, in denen tatsächlich Tod und, ja, auch Verzweiflung herrschen.

Wilhelm Buschs Bild dagegen ist heiter – ähnlich wie Hebbel und Rilke ist Ernte als positives Element ihm wichtig. Die „guten Spinnen“ verzaubern die Landschaft mit ihren feinen Fäden – also auch hier eher Spätsommer, September als November. Eine besonders heitere Note bekommt das Gedicht dann durch den Schlenker am Schluss – Schäferidylle pur.

Herbstgedichte gibt es also so ’ne und solche – je nach Stimmung und Lage kann ich mir das Passende raussuchen.

Kennen Sie noch andere – möglichste gemeinfreie – Gedichte, die sich mit dieser Jahreszeit befassen? Dann freu ich mich über Ihren Hinweis.

Gedicht zumm Tag – Herbst von Rainer Maria Rilke

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

Gedicht zum Tag – Frühling ist wiedergekommen von Rainer Maria Rilke

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Frühling ist wiedergekommen. Die Erde
ist wie ein Kind, das Gedichte weiß;
viele, o viele…. Für die Beschwerde
langen Lernens bekommt sie den Preis.

Streng war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße
an dem Barte des alten Manns.
Nun, wie das Grüne, das Blaue heiße,
dürfen wir fragen: sie kanns, sie kanns!

Erde, die frei hat, du glückliche, spiele
nun mit den Kindern. Wir wollen dich fangen,
fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts.

O, was der Lehrer sie lehrte, das Viele,
und was gedruckt steht in Wurzeln und langen
schwierigen Stammen: sie singts, sie singts!

Rainer Maria Rilke
Aus: Die Sonette an Orpheus, Erster Teil

Gedicht zum Tag – Magnificat von Rainer Maria Rilke

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Sie kam den Hang herauf, schon schwer, fast ohne
an Trost zu glauben, Hoffnung oder Rat;
doch da die hohe tragende Matrone
ihr ernst und stolz entgegentrat

und alles wußte ohne ihr Vertrauen,
da war sie plötzlich an ihr ausgeruht;
vorsichtig hielten sich die vollen Frauen,
bis daß die junge sprach: Mir ist zumut,

als wär ich, Liebe, von nun an für immer.
Gott schüttet in der Reichen Eitelkeit
fast ohne hinzusehen ihren Schimmer;
doch sorgsam sucht er sich ein Frauenzimmer
und füllt sie an mit seiner fernsten Zeit.

Daß er mich fand. Bedenk nur; und Befehle
um meinetwillen gab von Stern zu Stern -.

Verherrliche und hebe, meine Seele,
so hoch du kannst: den HERRN.

Rainer Maria Rilke

Hauptsache Lyrik: Was sind Lyrics?

rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111111.jpgMit welchen Radiohits sind Sie denn so aufgewachsen? Einer meiner Favoriten als Kind war “Ein Student aus Upsalalalala” – Sie können sich nicht vorstellen, wie erstaunt ich war, als man mir sagte, eine Stadt dieses merkwürdigen, singbaren Namens existiere tatsächlich (naja, zumindest ohne die zusätzlichen “lalas”). An den Text erinnere ich mich heute sogar teilweise noch – ein typischer Schlagertext eben; so hieß das früher – heute heißen die Texte in der Populärmusik sprachen- und grenzenüberschreitend “Lyrics”. Und sie sind uns vertraut!

Hier kommen ein paar Texte zu Selber-Vervollständigen – ich bin sicher, Sie kennen davon vieles und kommen schnell auf die nächste Zeile oder den nächsten Reim:

  • Der Tag als der Regen kam
  • Junge, komm bald wieder
  • Ein Schiff wird kommen
  • Fiesta, Fiesta Mexicana
  • Marmor Stein und Eisen bricht
  • Schön ist es, auf der Welt zu sein
  • Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n
  • Für mich soll’s rote Rosen regnen
  • Am Tag als Conny Kramer starb
  • Wind Nordost, Startbahn 03

Bei vielen Texten ist klar, dass es sich auf keinen Fall um Lyrik handelt – es sind Schlagertexte, eingängig, singbar, mit einem hohen Refrainanteil (der ist zum Wiedererkennen wichtig). Andere Texte dagegen haben Tiefgang, sprachliche Brillanz – und trotzdem sind es “Lyrics” und keine Lyrik.

Lyrics stehen nicht allein – sie sind auf Musik hin ausgerichtet und das hat Auswirkungen:

  • sinntragende Wörter sollen an gut hörbaren Stellen stehen
  • der Text muss die Geschichte auch dann noch verständlich rüberbringen, wenn mal Wörter oder eine Zeile untergehen
  • in 95 % der Texte ist ein Refrain gefragt
  • der Text muss zu Musik passen, also singbar sein
  • idealerweise sollte der Text zu der Person passen, die ihn vorträgt (und das kann auch schon mal heißen, dass bestimmte Lautfolgen für jemanden nicht so gut geeignet sind …)

Wer solche Texte verfasst, muss das Handwerk beherrschen. Es gilt, Geschichten oder Gefühle auf knappem Raum in Worte zu fassen, die Strophenformen zu kennen und diese so zu füllen, dass normal verständliche Sätze dabei rauskommen, die eben nicht des Reimes wegen umgestellt sind. Wenn man das Glück hat zu wissen, für wen man schreibt, kommt hinzu, dass Eigenheiten berücksichtigt werden sollen, seien sie nun sprachlicher Natur oder seien es solche, die mit dem (Bühnen)Charakter, der Persönlichkeit zu tun haben.

"Junge, komm bald wieder ..." - na ja, mit so einem Bötchen wird er nicht rausgeschippert sein, aber die Farben bringen die Sehnsucht nach dem Eer doch ganz gut rüber, oder?

“Ein Schiff wird kommen …” – na ja, so ein Bötchen ist vielleicht nicht gemeint 😉 Aber Sehnsucht macht das Bild auch, oder?

Können Sie sich das mit der sprachlichen Natur vorstellen? Es gibt dabei zwei Aspekte:

  • Lautfolgen sollen singbar und verständlich sein; manche Konsonantenansammlungen sind da hinderlich, aber auch wenn ein Wort auf einem Vokal endet und das nächste auf einem beginnt, kann das zu Verständnisschwierigkeiten führen.
  • Manche Interpretinnen kommen mit bestimmten Vokalen besser zum Klingen; Udo Jürgens z. B. auf dem “i”, Karel Gott eher auf dem “a” – wenn Textschaffende wissen, in welche Kategorie “ihre” Künstlerin gehört, können sie das berücksichtigen

Wer sich einen kurzen Überblick verschaffen will, weil es nach einem Traumjob klingt – bitte hier entlang. Edith Jeske, die hier befragt wurde, leitet seit 1996 die “Celler Schule“, eine Masterclass für Songschreiberinnen. Seit 2002 steht ihr da Tobias Reitz zur Seite, ein sehr erfolgreicher Texter. Die beiden haben auch ein Handbuch für Songtexter verfasst – ein guter Einstieg ins Thema. Andere Texter sind zum Beispiel:

Unter Lyrik hingegen verstehen wir heute Gedichte, die teils gereimt, teils ungereimt sind, die aber vor allem durch sprachliche Dichte gekennzeichnet sind, z. B. so was hier:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
(Rainer Maria Rilke)

Das kann man sich nicht als Schlager vorstellen, oder? Vertont wurde das Gedicht aber auch, und zwar mehrfach, wie die Zusammenstellung von Jessica Riemer zeigt. Auch ein Barde der populären Musik hat sich daran gewagt: Konstatin Wecker. Trotzdem: Lyrics im hier vorgestellten Sinne ist das Gedicht nicht. Lyrik gibt es in vielen verschiedenen Facetten:

  • romantisch
  • aufwühlend
  • provozierend
  • nachdenklich
  • politisch
  • religiös

Lyrics können das alles ebenfalls – aber die Bindung an Musik, und zwar in der Regel an eine bestimmte musikalische Richtung – Schlager, Pop, Rock, Folk – lässt der Sprache weniger Spielraum als eben Lyrik.

Konzert ohne Dichter von Klaus Modick

Was mir als erstes auffiel: Der Ton, in dem Klaus Modick Stimmungen schildert – leicht an Rilke erinnernd. Und das hat mir gefallen, denn wie ich schon mal schrieb: Ich mag Rilke.

Zwei Aber gegenüber dem Roman

Heinrich Vogeler - 1897

So sah Heinrich Vogeler aus, als er Rilke kennenlernte – Klaus Modick schildert seine Marotte, in biedermeierlicher Ausstattung rumzulaufen detailliert.

Und jetzt kommt das erste goße Aber:

Klaus Modick  erzäht hier aus der Perspektive von Heinrich Vogeler und der hegt zum Zeitpunkt des Erzählens gegenüber Rilke große Skepsis. So steht Rilke mir als Leserin vor allem als Snob, als Egomane und Übersensibelchen vor Augen. Noch dazu sind Vogelers Gedanken zu manchem Gedicht Rilkes sehr abwertend. Das hat mich echt gestört. Um den Roman genießen zu können – und er ist durchaus etwas zum Genießen -, musste ich also von meiner Vorliebe für Rilke absehen und mich auf Vogelers Perspektive einlassen. Dass der Stil Modicks andererseits gelegentlich an Rilke gemahnt, kommt nicht von ungefähr: Als Quelle dienten ihm unter anderem auch dessen Tagebücher. Und die fragmentarischen Lebenserinnerungen von Vogeler. Weiterlesen

Gedicht zum Tag: Es gibt so wunderweiße Nächte von Rainer Maria Rilke

Es gibt so wunderweiße Nächte rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111111.jpg

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke

Gedicht zum Tag: Will dir den Frühling zeigen von Rainer Maria Rilke

Will dir den Frühling zeigen rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x150111111.jpg

Will dir den Frühling zeigen,
der hundert Wunder hat.
Der Frühling ist waldeigen
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten
Gassen zu zweien gehn
und sich bei den Händen halten –
dürfen ihn einmal sehn.

Rainer Maria Rilke

Das Zeitalter der Erschöpfung von Wolfgang Martynkewicz

rp_Bild-Sachbücher-150x1501.jpgErschöpfung heißt heute Burnout und ist in aller Munde. Ratgeberbücher füllen Regalmeter, Kurse zur Entschleunigung boomen. Das Hier und Jetzt ist das Zeitalter der Erschöpfung – oder? Wolfgang Martynkewicz nimmt in seinem Buch aber nicht das frühe 21. sondern das frühe 20. Jahrhundert (mit Teilen des späten 19.) in den Blick. Damals hieß es nicht Burnout sondern Neurasthenie. Da im 19. Jahrhundert gerade der tätige, sportliche, strebsame Mensch zum Ideal geworden war, war alles, was dieser Norm nicht entsprach therapiebedürftig. Kaum zu glauben, aber schon Otto von Bismarck, die Verkörperung von Durchsetzungskraft und Entschiedenheit, hatte mit geistiger Erschöpfung, ja Weinkrämpfen zu kämpfen. Weiterlesen