German Glück von Sabine Eichhorst

“Reise durch ein unerwartet glückliches Land” lautet der Untertitel der Sammlung, die Sabine Eichhorst hier vorlegt. Der Titel spielt auf “German Angst” an – als Gegenpol. In ihrem Buch zeigt Sabine Eichhorst, wie unterschiedich glücklich Menschen in Deutschland sind. Sie zeigt es auf überzeugendere Weise, als es Titel und Cover vermuten lassen. Differentiert und zugewandt porträtiert sie sehr verschiedene Menschen – wie die Mittvierzigerin, die ihr Leben noch mal völlig auf den Kopf stellt und nach jahrelanger Schreibtischtätigkeit im Journalismus ein Geschäft für Wolle eröffnet – dabei kann sie gar nicht stricken. Doch in ihrer Schilderung macht Sabine Eichhorst diese Entscheidung nachvollziehbar und lässt mich als Leserin optimistisch zurück.

Auch der Pfarrer, der an MS erkrankt ist und dessen Einstellung in einer Gemeinde dort nun Entscheidungen in Richtung Barrierefreiheit verlangt, weil er nach einer gewissen Zeit im Rollstuhl sitzen muss. Auch Gedanken darüber werden mir abverlangt, wie wir mit Menschen umgehen, die sichtbar “ein Leiden” tragen – und dabei, so stelle ich mir den Mann vor, eine große Gelassenheit und Zufriedenheit ausstrahlen, weil das nun mal sein Leben ist und er das so annimmt.

Happy Planet

Dieser Glücksatlas stammt von 2007 – Deutschland hatte auch da schon viel Glück 😉


Was das Buch von Sabine Eichhorst so besonders macht, ist die Art, wie sie ihre Gesprächspartner zu Wort kommen lässt. Mit kleinen, sehr sparsam gesetzten Schilderungen von Gesten und Gesichtsausdruck holt sie mich als Leserin in die Gesprächssituation hinein, lässt mich teilnehmen. Sich selber bringt sie ähnlich sparsam ein – formuliert aber eben auch die Fragen, die mir in den Kopf kommen, wenn ich von jemandem lese, der oder die das Glück gefunden hat, obwohl so vieles – Krankheit, Verlust, Scheitern – dagegen zu sprechen scheinen. Die Antworten auf solche Fragen kommen auch nicht schnell, sondern nach Pausen fürs Nachdenken und Abwägen – das wird immer wieder deutlich. So entsteht nie der EIndruck, da mache sich jemand was vor. Die unangenehmen, die belastenden Seiten ihrer Biographie leugnen die Personen in Sabine Eichhorsts Buch nicht. Sie lügen sich nicht was in die Tasche – das kann ich ihnen abnehmen. Und manche Strategie finde ich so nachahmenswert, dass ich sie selber ausprobieren werde.

Mach ich ja selten, aber Weihnachten steht vor der Tür, deshalb meine Empfehlung: Wennn Sie jemandem was Gutes tun wollen, können Sie dieses Buch verschenken.

Sabine Eichhorst: German Glück. Reise durch ein unerwartet glückliches Land, Ludwig Verlag, München, 2017, ISBN: 9783453280892

Das Buch steht auch in der Stadtbibliothek Köln bereit.

Thema 1914: Der Erste Weltkrieg im Bild von Guntram Schulze-Wegener

Der Untertitel “Deutschland und Österreich an den Fronten 1914-1918” macht schon deutlich, rp_Bild-Sachbücher-150x15011.jpgworauf es Guntram Schulze-Wegener in diesem Bildband ankommt: Dier Blick aus deutscher und österreichischer Sicht auf das Kriegsgeschehen. Der Eindruck verfestigt sich beim Blick ins Literaturverzeichnis: Dort finden sich fast  nur deutschsprachige Titel (Chickering, Clark, Dupuy, Ferguson, HobsbawmKeegan, McMeekin und Winter sind die Ausnahmen, die ich unter den 69 Titeln gefunden habe.)

Da es sich um einen Bildband handelt, werden die Ereignisse in jedem der 16 Kapitel auf drei bis sechs Seiten Text abgehandelt.  Guntram Schulze-Wegener arbeitet hier eher journalistsich, indem er auf Fußnoten und andere Belege für seine Darstellung verzichtet. Auch ungenaue Zitate hab ich bemerkt – “Urkatastrophe des letzten Jahrhunderts” ist so als Zitat natürlich falsch, da der Satz von Kennan von 1979 sich aufs 20., also sein “aktuelles” Jahrhundert bezog.

Noch ein paar kleine Nörgeligkeiten, damit solls aber auch gut sein:

  • Guntram Schulze-Wegener übernimmt in seiner Darstellung die deutsche Sicht von vor 100 Jahren kommentarlos; zwar weist er im ersten Absatz – S. 13 –  darauf hin, dass die Gründe für den ersten Weltkrieg vielfältig seien – die “Einkreisung” Deutschlands ist dann aber ein unhinterfragter Fakt.
  • Bei der Schilderung der Schlachten am Isonzo merkt man a) den Journalisten und b) den Militär an Sätzen wie “der erstaunlich festen Moral der k. u. k. Truppen”. Auch die Bezeichnung der deutschen Soldaten als “Feldgraue” gehört in diesen Bereich.

Nun aber zu den Bildern. Der Bildteil jedes Kapitels ist mindestens so groß wie der Textteil. Da finden sich Fotos von der Front und Porträtfotografien entscheidender Männer, Karten, Zeitungsseiten und eine große Anzahl von Gemälden und Zeichnungen. Alles in allem vermitteln diese Bilder in ihrer großen Anzahl einen umfassenden Eindruck vom Kriegsgeschehen und  besonders von der Propaganda. Weiterlesen