By a Lady von Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke

Dem kurzen Leben von und der schlechten Quellenlage rund um Jane Austen entsprechend ist das Buch von Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke schmaler als eine Biographie zu Dickens oder Goethe. Dabei aber durchaus informativ und auch unterhaltsam. (Für jemanden, die ich wie ich schon einige Austen-Biographien gelesen hat, ist besonders die Einschätzung des erst genannten Kriteriums nicht immer einfach …)

Die beiden Autorinnen beginnen mit einer Szene, die zeigt, wie aktuell Jane Austen zur Zeit ist – sie beschreiben einen Jane-Austen-Ball … Im Laufe des Buches erwähnen Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke dann immer mal wieder, dass eine solche Anerkennung und Begeisterung für diese Autorin des frühen 19. Jahrhunderts erst jüngeren Datums ist.

Die Fakten aus Jane Austens Leben, die Zensur durch Cassandra, die Briefe vernichtete und verstümmelte, weil das Bild der „lieben Jane“ sonst evtl. beschädigt worden wäre – all‘ diese Komponenten einer Jane-Austen-Biographie erzählen Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke frisch und nutzen an manchen Stellen die Möglichkeit, Leben und Werk der Autorin in Beziehung zu setzen. Ihr Schwerpunkt ist eher die postive Reaktion aller auf Jane Austen, auch wenn das ein bisschen auf sich warten lässt; die Stimmen aus der Familie, die ihre liebe Tante dann mit den Maßstäben der neuen, viktorianischen, Zeit kritisierten, sind hier sehr zurückgenommen. Dafür kommen die Kritikerinnen aus der schreibenden Zunft im Kapitel „Jane Austen lebt!“ zur Sprache – bevor sich Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke den Nachfolgerinnen Janes widmen, denen, die unvollendete Werke zu Ende schrieben oder neue Geschichten um beliebte Figuren erfanden (einen Teil davon finden Sie auch in meiner Reihe „beloved Jane“). Auch die Verfilmungen werden hier vorgestellt.

Jane Austen Rükenansicht gezeichnet von Cassandra Austen, Coverbild des Nuces von Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke

Cassandra Austen hat ihre Schwester Jane hier von hinten gezeichnet – Sie finden es auf dem Cover der Biographie

Im Ganzen handelt es sich um eine gut erzählte Biographie, die mit einigen Bildern und vielen Zitaten aufwartet.

Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke: By a Lady. Das Leben der Jane Austen. Biographie. Lambert Schneider Verlag, Wiesbaden, 2017, ISBN: 9783650401823

In meinem Bücherregal finden sich noch weitere, ältere Biographien, deren Titel ich hier kurz nennen möchte (je mit einer Anmerkung in Klammern, was ich davon hielt/halte oder bemerkenswert finde):

  • Elsemarie Maletzke: Jane Austen. Eine Biographie, Schöffling & Co., Frankfurt/Main, 1997, ISBN: 3895616028 (Ich mag die Biographien von Elsemarie Maletzke – sie hat einen lebhaften Stil)
  • Valerie Grosvenor Myer: Jane Austen. Ein Leben, übersetzt von Christine Frick-Gerke, S. Fischer Verlag, 1998 (das Original erschien 1997), ISBN: 3100278097 (Es gibt eine Neuauflage. Eine sehr detaillierte Biographie.)
  • Deidre Le Faye: Jane Austen und ihre Zeit, übersetzt von Anja Schünemann und Michael Windgassen, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 2002, ISBN: 3875844475 (In  manchen Aspekten fast ein Bildband, auf schwerem Papier gedruckt und mit einer allgemein gehaltenen Einführung in die damalige Zeit. Daneben ausführliche Inhaltsangaben der Romane.)

Wie man an den Erscheinungsdaten ablesen kann, ist das Todesjahr von Jane Austen in den letzten 20 Jahren immer Anlass gewesen, eine neue Publikation zu wagen …

Diese Besprechung gehört zu meiner Reihe “beloved Jane” anlässlich des 200. Todestags der Autorin in diesem Sommer.

Folgende Titel befinden sich in der Stadtbibliothek Köln:

Elsemarie Maletzke: Jane Austen. Eine Biographie, Schöffling & Co., Frankfurt/Main, 1997

Valerie Grosvenor Myer: Jane Austen. Ein Leben, übersetzt von Christine Frick-Gerke, S. Fischer Verlag, 1998

Das besprochene Buch ebenfalls 😉

Ratgeber à la Jane Austen

Zugegeben, diese Bücher gehören nicht zu meinen Favoriten. Aber im Laufe der Zeit, die ich mich mit “beloved Jane” befasst habe, habe ich so viele kuriose Titel zu Jane Austen gesehen, dass ein paar davon auch hier ihren Platz finden sollen.

Ein Date mit Mr. Darcy

Dass dieses Buch und ich nicht zusammen passen, liegt vielleicht an meiner Lebenssituation – wer die Silberhochzeit schon eine Weilche hinter sich hat, braucht keinen Datingratgeber mit dem Untertitel „Mit Jane Austen den Mann fürs Leben finden“. Hinzu kommt aber auch eine andere kulturelle Schwelle: Dieses Buch ist ein amerikanischer Dating-Ratgeber. Wie schon „Katie in Amerika“ feststellen konnte, gibt es da andere Regeln dies- und jenseits des großen Teiches. Eine andere Form der möglichen Lektüre ist es, das Buch als einen weiteren Zugang zu den Romanen von Jane Austen zu begreifen. Da Lauren Henderson als Beispiele für ihre Argumentation auf die Beziehungen in den Romanen zurückgreift, analysiert sie diese auch. Ich muss da nicht immer mit ihr übereinstimmen. Im Großen und Ganzen tut sie das amüsant. Wenn auch das Frauenbild der Laura Henderson in gewisser Hinsicht dem von Jane Austen entspricht – bescheiden, höflich, geduldig, nachgiebig –, finde ich es doch für unsere Zeit nicht angemessen. Viele der Tipps, mit deren Hilfe eine Beziehung stabiler gemacht werden kann, beziehen sich auf „Fehler“ der Frauen. Sorry, wo bleiben die der Männer? Ja, die gibt es schon, aber Laura Henderson empfiehlt: Geduld. Von Seiten der Frau, natürlich! Weiterlesen

Rudyard Kipling von Stefan Welz

rp_Rubrik-Biographie-300x20011-300x200-300x2001.jpgKlar, die Disney-Version vom Dschungelbuch kennen wir alle. Als Teenager habe ich dann auch originalen Dschungelbücher – in deutscher Übersetzung – gelesen und danach jeder Katze, die mir begegnete, „gute Jagd“ gewünscht. Dabei ertappe ich mich auch heute noch manchmal. Allerdings, seit ich mich mit Thema 1914, also dem Ersten Weltkrieg, beschäftigt habe, nur noch mit schlechtem Gewissen, denn der Autor dieser farbenprächtigen Erzählungen war mir unsympathisch geworden. Stefan Welz hat 2015 die erste deutschsprachige Biografie zu Rudyard Kipling vorgelegt. Und ich habe sie endlich gelesen ;-).

Außer, dass Kipling den Ersten Weltkrieg in chauvinistisch anmutender Weise begrüßte und in diesem Gemetzel seinen Sohn verlor, wusste ich bis zur Lektüre des Buches von Stefan Welz nichts über den britischen  Autor. Sicher, er musste was mit Indien zu tun gehabt haben, sonst wären weder die Dschungelbücher noch „Kim“ denkbar. Ich erfahre also in der Biografie, wie es sich gehört, vieles über die Familie Kipling, die Eltern, die es nach Indien zieht, die Schulzeit, seinen ersten journalistischen Posten als Siebzehnjähriger, die Reisen und vieles mehr. Stefan Welz erzählt anschaulich und unterhaltsam, neigt zu psychologisierenden Erläuterungen und wiederholt sich gelegentlich. Die zeitgeschichtlichen Bezüge empfand ich durchaus als erhellend; die Lebensumstände viktorianisch geprägter Menschen in Indien oder im Falle Kiplings selber auch in den USA stehen mir ja schließlich nicht direkt vor Augen.

Polo Forest Temple 12th century

Antiker Tempel im indischen Dschungel – eine mögliche Residenz für King Louis 😉 Manisitlani, Polo Forest Temple 12th century, CC BY-SA 4.0

Ein bisschen schade ist, dass Stefan Welz nur am Anfang auf die unterschiedlichen Erzähltraditionen eingeht, die Kipling als Kind kennengelernt hat. Gerade diese selbstständige Mischung hat seinen Erfolg ausgemacht und lässt uns die Geschichten heute immer noch mit Faszination lesen. Davon sind andere Autoren seiner Epoche weit entfernt. Neben der klassischen englischen Prägung, die Kipling in der Schule erfuhr, machen sich die Erzählungen seiner indischen Umgebung in der frühen Kindheit und erste journalistische Erfahrungen in seiner Schulzeit in seinem Stil bemerkbar.

Insgesamt handelt es sich bei dem Buch von Stefan Welz um eine im Großen und Ganzen gut lesbare Biografie eines Mannes, der als jüngster Nobelpreisträger in die Literaturgeschichte einging und dessen populärste Texte auch im deutschsprachigen Raum weit bekannt sind; neben den Schulbüchern und „Kim“ vor allem die „Genau-so-Geschichten“.

Stefan Welz: Rudyard Kipling. Im Dschungel des Lebens, Lambert Schneider Verlag, Darmstadt, 2015, ISBN: 9783650400307

In der Stadtbibliothek Köln gibt es verschiedene Ausgaben der Werke Kiplings, leider nicht die Biographie von Welz:

Die Welt des Sherlock Holmes von Maria Fleischhack

rp_Bild-Sachbücher-150x150111111.jpg221B Baker Street – eine Adresse, die weltweit bekannt ist. Der fiktionale Charakter Sherlock Holmes hat seiner Fiktionalität zum Spott in der realen Welt unglaublich viel in Bewegung gebracht. Maria Fleischhack geht dem minutiös nach.

Zuerst legt sie die Grundlagen von Arthur Conan Doyle dar – wie er ans Schreiben kam, was ihn beeinflusst hat etc. Auch seine sich als erfolgreich erweisende Strategien der Publikation sind Thema. Dann stellt sie die Charaktere vor, die mit Sherlock Holmes zusammen die Welt der Verbrechen durchforsten. Es folgt eine Darstellung und Erläuterung der Fälle Holmes’. Sherlock Holmes ist immer noch populär – Maria Fleischhack geht die Adaptionen von Doyles Geschichten durch alle Medien durch und endet mit “Zur Aktualität von Sherlock Holmes”.

Spannend ist, was Holmes im Laufe seiner Karriere angestoßen hat: Doyle lässt ihn Methoden verwenden, die es zum Zeitpunkt der Geschichten noch gar nicht gibt, die heute aber zur Kriminaltechnik gehören.

Es ist ein Buch für Freaks genauso wie solche, die immer mal wissen wollten, was diesen Detektiv denn so einmalig macht.

The Strand Magazine (cover), vol. 65, no. 321, September 1917

Im Strand Magazine von 1917 wurde Sherlock Holmes passend zu den Zeitläuften angekündigt – ein deutscher Spion wird ausgetrickst. Toronto Public Library Strand_Vol54_n321; L6_the_strand sept 1917 cover

Da viele Erklärungen mehrfach auftauchen, kann man auch hingehen, und sich bspw. bei den Fallbeschreibungen das raussuchen, was einen gerade interessiert. Illustriert ist das Buch mit Filmbildern aus verschiedenen Jahrzehnten und mit Illustrationen der Erstausgaben.

Maria Fleischhack ist eine echte Fachfrau für Sherlock Holmes und ein echter Fan – das merkt man dem Buch auch an. Und sie kann offensichtlich andere fürs Thema begeistern, denn Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (in deren Kosmos der Verlag gehört) haben laut Impressum die Herausgabe des Werkes ermöglicht.

Maria Fleischhack: Die Welt des Sherlock Holmes, Lambert Schneider Verlag, Darmstadt, 2015, ISBN: 9783650400314

Veranstaltungshinweis

Übringes liest Maria Fleichhack am 29.5.2015 in Köln aus ihrem Buch und zwar um 20 Uhr beim Herrenausstatter Ebinghaus in der Glockengasse 2A. Das gehört zuzum Kunstsalon-Festival “Literatur in den Häusern der Stadt”.

Hier kommt die Ankündigung:

Maria Fleichhack in Köln

Maria Fleichhack in Köln

Eine neue Geschichte der deutschen Literatur von David E. Wellbery

rp_Bild-Sachbücher-150x15011111.jpgEin silbern eingebundenes Buch liegt vor mir auf dem Tisch, eindeutig mit Lexikon-Charakter – und doch ein wirklich spannendes Projekt. David E. Wellbery schildert als Herausgeber im Vorwort das Konzept: Literaturgeschichte in Literaturgeschichten. Hier finden Sie keine Gattungen oder Epochen als Kapitelüberschriften – es sind rund 110 Beiträge verschiedener Autorinnen, die unter einem Datum, dem Datum eines Werks oder Ereignisses, einen Essay zu eben diesem Werk, seiner Autorin, den Umständen der Entstehung oder zur Bedeutung des Einzelwerks in seinem Kontext bieten. So kommen rund 1150 Seiten spannender Bleiwüste 😉 zusammen. Weiterlesen