Das geheime Frankreich von Nils Minkmar

Nils Minkmar hat einen unschlagbaren Vorteil für dieses Buch – er kennt beide Seiten, die deutsche und die französische. Immer wieder verknüpft er eigene Geschichte und die seiner Familie mit seiner Schilderung von Französinnen und Franzosen. So schafft er einen Einblick in die nationale Identität unserer westlichen Nachbarn, ohne dass es in die eine oder andere Richtung chauvinistisch wird. Die Art und Weise, wie man in Frankreich miteinander kommuniziert, öffentlich oder privat, hat, so Nils Minkmar, eine lange Tradition. Das ist nicht immer gut. Aber es geht nicht einfach weg. Wandel vollzieht sich langsam – sprachlich und mental. Weiterlesen

Aufstieg einer Minderheit – 500 Jahren Protestanten in Köln von Klaus Schmidt

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x15011-150x15011.jpgErschreckend, dass hier in Köln zu Zeiten der Reformation Menschen ihrer Überzeugung wegen hingerichtet wurden. Klaus Schmidt schildert in den ersten Abschnitten seines Buches diese eher dunkle Zeit des Protestantismus in Köln anhand kurzer, prägnanter Porträts. Dass es Protestanten in Köln schwer hatten, war mir natürlich schon bekannt; auch Mühlheim als protestantischer Nachbar war mir bekannt, doch dass in Frühzeiten der Reformation Erzbischöfe mit diesem Projekt liebäugelten, war mir unbekannt.

Klaus Schmidt legt in seinem rund 150 Seiten umfassenden Buch die Geschichte der Protestanten in Köln sowohl mit der Schilderung der allgemeinen Ereignisse, als auch mit der einzelner Persönlichkeiten dar. Sie bietet damit einen überschaubaren knapp umrissenen Überblick. Bei manchen der historischen Ereignisse, gerade in der Frühzeit, wird entweder ein grundlegendes Wissen oder die Bereitschaft, sich Kenntnisse anzulesen, vorausgesetzt. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr Dokumente liegen vor und desto breiter wird die Schilderung. Da finden die quasi zeitgleich auftretenden Laura Oelbermann und Carl Jatho ebenso Raum, wie die kolonialen Bestrebungen des Kaiserreichs. Und natürlich ist auch die Haltung der evangelischen Kirche in der Nazi-Zeit Thema: Verhältnismäßig breiten Raum nehmen Kritikerinnen wie Georg Fritze und Ina Gschlössl ein; aber auch die willfährigen Helfer stellte Klaus Schmidt vor – beesonders tragisch im Fall des Theologen Ernst Flatow, der als konvertierter Jude durch den Stadtobermedizinalrat Carl Coerper nicht nur aus seinem Amt entfernt, sondern dessen Aufenthaltsort offiziell bekannt gegeben wurde – Ernst Flatow starb im Warschauer Ghetto.

Da Klaus Schmidt, inzwischen fast 81-jährig, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur Beobachter, sondern auch Akteur war – besonders im Rahmen der Politischen Nachtgebete mit Dorothee Sölle -, ist verständlich, dass die kirchliche Aufbruchsituation dieser Zeit – und bis heute –  breiten Raum einnimmt. So entsteht besonders gegen Ende des Buches ein breites Panorama kirchlichen Engagements, das durchaus eine persönliche Note trägt.

Adolf Clarenbach war der bekannteste der "Blutzeugen" der Reformation - 1529 wurde er mit Peter Fliestden zusammen verbrannt. Das bild stammt aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon

Adolf Clarenbach war der bekannteste der “Blutzeugen” der Reformationin Köln  – 1529 wurde er mit Peter Fliestden zusammen verbrannt. Das Bild stammt aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon

Insgesamt schreibt Klaus Schmidt einen angenehm lesbaren, teilweise lockeren Stil. Die Darstellungsweise erinnert an ein Mosaik, denn das Buch besteht im Großen und Ganzen aus den kurzen Schilderungen einzelner Gestalten und Ereignisse.

Ein gründlicheres Lektorat hatte diesem Band aus der Reihe „Kirchengeschichte regional“ jedoch gut getan um beispielsweise Uneinheitlichkeiten in den Zeitformen entgegenzuwirken oder die Textdoublette von S. 27 und 33 zu vermeiden. Im Großen und Ganzen handelt es sich um eine kompakte und informative Zusammenstellung der Geschichte der Protestanten in Köln. Ein Jahr vor dem Reformationsjubiläum eine interessante Neuerscheinung.

Klaus Schmidt: Aufstieg einer Minderheit – 500 Jahren Protestanten in Köln von Klaus Schmidt, in: Reiner Albert und Reiner Bendel (Hg): Kirchengeschichte regional, Band 6, Lit Verlag, Berlin, 2016. ISBN: 9783643133618

Vorkoster gesucht von Steffen Unger

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111111-150x150.jpg“100 Berufe aus der Antike” stellt Steffen Unger hier vor. Eins vorweg: Einige Berufe von damals gibt es heute auch noch. Und die Vorurteile dazu ebenfalls.

Andere sind ausgestorben; das gilt besonders für manche Ämter der politischen Karriere. Hier ist es sinnvoll, dass Steffen Unger zwischen der römischen und der griechischen Gesellschaft unterscheidet – die Unterschiede sind einfach zu groß. Bei manchen andere Berufen wäre das auch schon mal sinnvoll – aber gut, aufmerksames Lesen schützt vor Verwirrung 😉

Welche Berufe gab es denn so?

Auch die verschiedenen militärischen Berufe haben ihren Platz

Auch die verschiedenen militärischen Berufe haben ihren Platz

  • Hirten
  • Händler
  • Wirt
  • Hetäre
  • Fremdenführer
  • Tuchwalker
  • Söldner
  • Imker
  • Bauer
  • Winzer
  • Schauspieler
  • Henker
  • Vorkoster

Das sind ein paar Beispiele. Steffen Unger schreibt im Großen und Ganzen einfach sachlich – in eingeschobenen Kästchen kommen dann die eher launigen Beispielstories. Auch Abbildungen von Vasen, Mosaiken usw. lockern den Text auf.

Nach der Lektüre von “Berufsziel römischer Kaiser” hatte ich insgesamt einen etwas lockereren Ton erwartet – aber: Gut lesbare Informationen bekomme ich auf hier auch.

Steffen Unger: Vorkoster gesucht! 100 Berufe aus der Antike, Philipp von Zabern Verlag, Darmstadt, 2015, ISBN: 9783805348744

Zelot von Reza Aslan

rp_Bild-Sachbücher-150x15011.jpgDer Schwerpunkt des Buches von Reza Aslan liegt besonders im ersten Teil auf  “und seine Zeit” aus dem Untertitel “Jesus von Nazaret und seine Zeit”. Dort führt er die Gesellschaft in Palästina in der Zeit rund um die Lebenszeit des Jesus von Nazaret vor: Das Aufkommen vieler Messiasse mit ihren Ideen und Jüngerschaften, die Entwikclung der “vierten Philosophie”, also der Zelotenpartei, die Reaktion Roms auf jedwede Form von Königsanspruch. Schon zeimlich am Anfang wird deutlich: Ein Mann, der als Messias angesehen wurde, hatte im römisch beherrschten Palästina nur ein Schicksal zu erwarten, nämlich das Kreuz.

Reza Aslan schildert die einzelnen Geschichten sehr packend, schon fast romanhaft. Er lässt das Schicksal mehrerer Messiasse lebendig werden – darunter quasi eine ganze Dynastie. Er schildert, wie die Tempelpriesterfamilien mit Rom zusammenarbeiteten. Und was die vielen Armen davon hielten. Er zeigt die Entwicklung nach dem Fall Jerusalems auf – wie sich eine am Tempel ausgerichtete Religion und Gesellschaft zu einer Diaspora-Gemeinde entwickelt – die Synagogen-Gemeinden, wie sie uns heute vertraut sind.

Daran hängt er dann die Geschichte des Jesus von Nazaret. Weiterlesen

Verschwundene Reiche von Norman Davies

Etrurien – schon mal gehört. Tolosanisches Reich – nie gehört. Savoyen – doch ja, da klingelt was. UdSSR – klar. Ruthenien – klingt nach einem Agentenroman aus den 20ern.

Das alles sind verschwundene Reiche. Sie alle lagen in Europa. Norman Davies’ Buch trägt den Untertitel: Die Geschichte des vergessenen Europa. Insgesamt 15 “Verschwundene Reiche” stellt er vor. Es gbt aber viel mehr: Im Nachwort weist er auf eine englische Wikiepdiaseite für verschwundene Reiche hin, die 207 davon für Europa auflistet – das sei noch zu niedrig gegriffen, meint er. Wenn man mal schaut, wie viele Duodezfürstentümer allein in Deutschland verschwunden sind, kann mans fast glauben 😉 Zemanta Related Posts Thumbnail

Das Buch ist gut geeignet, um ein bisschen zu stöbern. Alle Beiträge folgen demselben Muster: Weiterlesen

Karl der Große von Karin Schneider-Ferber

Heute vor 1200 Jahren starb Karl der Große – mit dieser Szene als Prolog beginnt Karin Zemanta Related Posts ThumbnailSchneider-Ferber ihr Buch über den mittelalterlichen Herrscher. Neben den Ereignissen in seinem letzten Winter ist das Nachleben Karls Thema dieses Kapitels – die fast zeitgenössischen Nachrufe, z. B. von seinem Enkel Nithard (ca. 840), feiern den Verstorbenen als  erfolgreichen und friedensstiftenden König und Kaiser. Dabei gab es unter Karl dem Großen Kriege mehr als genug. Aber nach 32 Jahren der Herrschaft hinterließ er ein Reich, das große Teile Europas umfasste. Der Großteil aller Geschichten, die mit Karls Namen verknüpft sind, sind nicht zeitgenössisch; persönliche Zeugnisse von ihm sind rar. Die Texte aus seiner Zeit, die überliefert sind, gehören in den Bereich der Politik und verfolgen politische Ziele.
Karin Schneider-Ferber schildert das Leben Karls des Großen sehr lebhaft. Das lässt sich schon an den Kapitelüberschriften ablesen:

Das Erbe der Väter: Eine ehrgeizige Familie, Triumph der Emporkömmlinge, Bruderzwist

oder:

Der Lohn der Mühen: Die Kaiserkrone. Gipfeltreffen in Sachsens Wildnis, Ein Tag für die Geschichtsbücher, Verschnupfte Nachbarn.

Karl wird im Laufe seines Lebens mit unterschiedlichen Schwierigkeiten konfrontiert: politische und militärische Gegner vor allem, aber auch den geographischen Gegebenheiten, die sich nicht immer mit den Wünschen des Heerführers vertragen. So ließ er einen Kanal ausheben, der die Donau mit dem Main verbinden sollte. Weiterlesen

Die Feuerreiter seiner Majestät von Naomi Novik

Hierbei handelt es sich um eine Reihe pseudo-historischer Jugendbücher, die zur Zeit der Kriege gegen Napoleon spielen. Naomi Novik mixt historische Realität und Fantasy sehr gekonnt ineinander. Erzählt wird in mehreren Teilen die Geschichte des – bis dahin – Seekapitäns Will Laurence, der an Bord einer gekaperten französischen Fregatte ein Drachenei findet. Da der Drache bei ihm an Bord schlüpft und sich von ihm das Geschirr anlegen lässt, ist es mit der Seekarriere bald zu Ende. Bild zu Jugendbücher von Heike Baller

Im Laufe der Fahrten und Flüge der beiden Protagonisten entdeckt der Leser die geheimgehaltene Streitkraft der “Feuerreiter seiner Majestät” kennen – ein Batallion unterschiedlicher Drachen, die im Dienst des englischen Königs an Kriegshandlungen teilnehmen. Weiterlesen

Von Ratlosen und Löwenherzen von Rebecca Gablé

Tja, bei Frau Gablé kann man lernen, dass “unready” nicht “unfertig” sondern “unberaten” oder eben “ratlos” bedeutet. Das mit dem Löwenherzen kann man in der Regel schon eher zuordnen. Auf rund 230 Seiten fasst Rebecca Gablé in ihrem Buch “Von Ratlosen und Löwenherzen” übersichtlich, kenntnisreich und unterhaltsam die englische Geschichte von 450 bis 1485 zusammen.

Für mich ist ihr Stil immer ein bisschen so, als säße mir eine nette Bekannte gegenüber, die mir lebhaft und begeistert was erzählt. Hier eben englisches Mittelalter. Weiterlesen

Public Library in Amerika – mein Fazit

Fünf Mal habe ich eine Public Library im August besucht, in teils sehr unterschiedlichen Orten:

  • Provincetown ist ein kleiner Küstenort mit saisonal aufflutendem Besucherandrang.
  • Newport ist eine kleine Stadt mit einer früher mal sehr reichen Bevölkerung – ebenfalls touristisch erschlosssen.
  • Mystic ist ein alter Walfängerhafen mit einem touristischen Anziehungspunkt im alten Seehafendorf – allerdings liegt die Bibliothek eher versteckt.
  • Jersey City ist eine Großstadt direkt neben New York City mit einer multikulturellen Gesellschaft.
  • Und New York ist halt New York …
  • Und dann war ich noch in einer Bibliothek einer Seniorenresidenz – aber das ist kein eigener Artikel  😉

In erster Linie ist jede dieser Bibliotheken v. a. für die ansässigen Leute gedacht. Frage ist nun: Was unterscheidet das amerikanische System von unserem? Dabei kann ich natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben – schließlich war ich nur in einem Minibruchteil von Amerika unterwegs und habe da auch nur einen Minibruchteil an Bibliotheken gesehen (die Zeit da drüben war ja mein Urlaub und zwar mit Familie).

Trägerschaft für eine Public Library

Wenn wir “öffentlich” hören, noch dazu in Zusammenhang mit Bücherei oder Schule, denken wir hier in Deutschland an “öffentliche Hand“, also die Stadt, das Land, den Bund – da wird etwas aus Steuergeld finanziert. Und gerade bei Bibliotheken, Schwimmbädern, Schulen und Kultureinrichtungen mussten wir in den letzten Jahren immer wieder die Erfahrung machen, dass da Geld gekürzt wurde – ein Teil davon ist nämlich eine so genannte “freiwillige Leistung”, was heißt, dass die “öffentliche Hand” nicht dazu verpflichtet ist, das vorzuhalten, oder nicht in dem bisherigen Ausmaß. Kennen wir alle.

Mit den Suchbegriffen >"freiwillige Leistung", Kultur, Haushalt< kommen  - nach der Werbung - gleich eine gnaze Reihe von Eiträgen, die deutlich machen, dass der Kampf gegen Kürzungen im Kulturbereich eine never endig story ist.

Mit den Suchbegriffen >”freiwillige Leistung”, Kultur, Haushalt< kommen – nach der Werbung – gleich eine ganze Reihe von Einträgen, die deutlich machen, dass der Kampf gegen Kürzungen im Kulturbereich eine never ending story ist.

“Public” bedeutet im Zusammenhang mit der Public Library aber nicht, dass hier die Stadt oder der Staat die Hand im Spiel hat, sondern, dass es eine öffentlich zugängliche Einrichtung ist. Für alle geöffnet. Zum großen Teil sogar kostenlos: Mitgliedsausweise gibt es für Bewohnerinnen oder Arbeitnehmerinnen im Ort umsonst. Man braucht nur eine Bescheinigung über Wohnort oder Arbeitsplatz.

Finanziert werden die Büchereien durch Stiftungen und Spenden. Das scheint gut zu funktionieren, denn z. B. in Mystic wurde vor knapp zehn Jahren noch ein schöner Anbau bewerkstelligt, alle Büchereien verfügen über moderne Arbeitsgeräte für die Nutzerinnen und aktuelle Medien.  Die Spendenaufrufe sind obligatorisch:

Für die Redwood-Library gibt es unterschiedliche Modelle:

  • Jährliche Zuwendung (wer mehr als 1.500 $ pro Jahr spendet, wird automatisch Mitglied in der Abraham Redwood Society)
  • testamentarische Verfügungen
  • Der jährliche Bericht steht online – Transparenz at its best.

Bei der Public Library in Mystic ist der “Donate-Button” direkt auf der Startseite.

Bei der Free Public Library in Jersey City gibt es einen Aufruf der Direktorin – es gibt auch direkt eine Seite “Donations” mit Sofort-Spende-Button.

In New York sind die Möglichkeiten, die Bibliothek zu unterstützen, sehr vielfältig:

  • Förder-Mitglied werden
  • freiwillig mitarbeiten
  • die Bibliothek bekannt machen
  • Geld spenden
  • eine Spenden-Veranstaltung besuchen (Frühlings-Dinner z. B.)
  • Bücher oder andere Medien spenden
  • im Shop einkaufen

(Also, zwei der Möglichkeiten habe ich ergriffen 😉 )

Diese Tüte beweist es: Ich habe im Shop der New York Public Library was eingekauft. Über den Einkauf erzähle ich ein ander Mal mehr.

Diese Tüte beweist es: Ich habe im Shop der New York Public Library was eingekauft. Über den Einkauf erzähle ich ein anderes Mal mehr.

Andererseits ist gerade bei den kleineren Bibliotheken der Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen üblich – auch das ist eine Folge von ressourcensparender Verwaltung. Das Engagement dieser Menschen läuft für mich auch unter “Spenden”.

Die Spendenbereitschaft ist in den USA – für mich an dieser Stelle deutlich spürbar – sehr viel höher als bei uns. Die Anerkennung von Spenden ist auch viel öffentlicher: In allen Büchereien gibt es Räume, die nach Wohltätern benannt wurden. Oder die Regale in P’town … Außerdem gibt es Bibliotheken, die ein “Memorial” im Namen tragen:

Aus den Wikipedia Commons habe ich mal Bildmaterial zu ein paar Bibliotheken in Connecticut ausgeschnitten - "Memorial" kommt in den Namen der Büchereien sehr oft vor. Hinzu kommen noch die, die nach jemandem benannt sind, ohne, dass "Memorial" dabeisteht.

Aus den Wikipedia Commons habe ich mal Bildmaterial zu ein paar Bibliotheken in Connecticut ausgeschnitten – “Memorial” kommt in den Namen der Büchereien sehr oft vor. Hinzu kommen noch die, die nach jemandem benannt sind, ohne, dass “Memorial” dabeisteht.

Unabhängig mal von den Bibliotheken gibt es das auch sonst viel mehr: Auf den Boardwalk in Sandwich habe ich ja schon hingewiesen. Ansonsten gibt es die Sache mit den Highways: “Adopt a highway” steht dann da und ggf. darunter der Name der Firma, die für die nächsten zwei Meilen zahlt. Das hat auch “unangenehme” Gründe: Ohne Spenden liefe da weniger, weil es halt weniger Steuergelder dafür gibt. Steuern sind in Amerika nicht so gut gelitten. Ich habe auch Brücken gesehen, die – oft nach militärischen – Männern benannt waren.

Geschichte der Public Library an sich in Amerika

Vielleicht ist es Ihnen ja auch aufgefallen: Alle fünf Bibliotheken haben ihre Wurzeln in derselben Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts. Da gab es eine regelrechte Gründungswelle von Bibliotheken. Jeder Ort sah zu, dass er eine Bücherei in seinem Gebiet hatte. Gegründet oft von  – meist – Söhnen der Stadt, die erfolgreich waren. Aber auch sonst gaben viele reiche Männer Geld für diese Projekte. So erklärt es sich, dass es viele Bibliotheken in den USA gibt, die nach demselben Menschen benannt sind, z. B. nach Andrew Carnegie, der über 1.000 Bibliotheken in den Staaten finanzierte (zu der in Jersey City hat er auch was beigetragen, als es an den Ausbau der Zweigstellen ging).

Eine nette Anzahl der über 1000 Bibliotheken, die ihre Existenz der Stiftung von Andrew Carnegie verdanken, ist bei Tante Wiki aufgezählt.

Eine nette Anzahl der über 1000 Bibliotheken, die ihre Existenz der Stiftung von Andrew Carnegie verdanken, ist bei Tante Wiki aufgezählt.

Da kein Krieg innerhalb der USA stattfand, konnten die Gebäude aus der Gründungszeit erhalten bleiben; mussten es im Grunde auch, denn die Stiftungsvermögen und Spenden reichen zwar zum Weiterbetrieb, aber Neubauten sitzen eher nicht drin. Bzw. die gibt es dann bei Zweigstellen oder anderen Erweiterungsmaßnahmen, denn die Bevölkerung ist ja inzwischen gewachsen und das erfordert mehr Raum. Der positive Effekt: Viele der Büchereien sind in schönen Gebäuden untergebracht: weitläufig, mit alten Holzarbeiten, Gemälden, stuckverzierten Decken oder Bibliotheksmöbeln von Anno Dunnemals.

Eine Konstante in der Public Library in den USA:

Webster’s Third New International Dictionary lag in jeder Bibliothek, die ich aufgesucht habe,  aufgeschlagen auf einem Tisch – sogar in der der Seniorenresidenz nördlich von New York. Entweder im Reference-Room oder im Lesesaal. Das fand ich total faszinierend. Webster’s scheint für Lesende und Schreibende in Amerika von großer Wichtigkeit zu sein (zumindest aber für die Bibliothekarinnen 😉 ). Und obwohl ein paar Exemplare in den großen Bibliotheken – Jersey City, New York – ein bisschen zerfledderter aussahen als in den kleinen, scheint der Gedanke an Vandalismus keine Rolle zu spielen.

So, nun habe ich Ihnen alles erzählt, was ich mit den Public Libraries während meines Urlaubs in Amerika erlebt habe. Ich habe tatsächlich zu einem guten Teil das gefunden, was ich aus den Büchern kannte: Büchereien mit meist recht großzügigen Öffnungszeiten, mit einer Vielzahl an Medien, die frei zugänglich sind. In den kleinen Orten einen sehr persönlichen Umgang zwischen den Angestellten und den Nutzerinnen. Und eine große Freundlichkeit gegenüber der Frau, die da reinkam und meinte, sie wolle in Deutschland in ihrem Blog über amerikanische Bibliotheken schreiben. Vielen, vielen Dank an alle, die sich mit mir unterhalten haben, die mir Schätze ihrer Bibliothek gezeigt haben, die sich Zeit für mich genommen haben.

English Summary

Five libraries – that’s all, what I’ve seen in three weeks in America. It has been as expected from the novels: great rooms with books and other media, free for all in the town. Very friendly librarians, who were interested to show me, what to find especially in their own library. And I’ve learned about the history of libraries in the United States about the funding by donations and foundations – so much different from the funding in Gemany, where libraries are to run by the urban administration. And I’ve seen a habit, that I’ve appreciated very much: In every library there was the Webster’s Third New International Dictionary on a table, reday for use. Very nice. My little tour has been a very pleasant experience – thank you so much!

Was bisher geschah von Loel Zwecker

Wieder ein Kunsthistoriker, der sich der Weltgeschichte annimmt – hier allerdings wirklich Weltgeschichte. Loel Zwecker beginnt mit den ersten Menschen – im Vorwort, aber immerhin – und schildert dann die alten Kulturen. Nach drei Kapiteln Antike & Co im im weitesten Sinne europäischen Raum macht er einen Schlenker nach Asien und geht auf die Hochkulturen in Indien und China ein. Es folgt das europäische Mittelalter – danach ein Blick nach Amerika und Australien zu selben Zeit.

Das Prinzip ist jetzt klar, nicht wahr? Es wird auch sprachlich immer bewusst gehalten, dass es nicht nur um die gerade behandelte Zeit geht, sondern es wird immer der Bezug zur Gegenwart, zumindest aber zum weiteren Verlauf der Geschichte betont. Weiterlesen