Gedicht zum Tag – Das Einzig-Bleibende von Friederike Brun

Das Einzig-Bleibende   Ich steh‘ an dem rauschenden Zeitenstrom,   Er donnert und fluthet vorüber! Der Zeiten Grab bist du, ewiges Rom,   Des Zeitstroms Bild, o du Tiber! Es wanket rings das hesperische Land, Von der Berge Höh‘ bis zum Meeresstrand;   Doch er tobt rastlos vorüber!   O felsengegründete Hügelstadt!   O schauerumflüsterte Höhen! Wer hemmt von

Gedicht zum Tag – Gebet von Else Lasker-Schüler

Gebet Ich suche allerlanden eine Stadt,Die einen Engel vor der Pforte hat.Ich trage seinen großen FlügelGebrochen schwer am SchulterblattUnd in der Stirne seinen Stern als Siegel. Und wandle immer in die Nacht …Ich habe Liebe in die Welt gebracht, –Daß blau zu blühen jedes Herz vermag,Und hab ein Leben müde mich gewacht,In Gott gehüllt den

Gedicht zum Tag – Tendenz des Künstlers von Karonline von Günderode

Tendenz des Künstlers   Sage! was treibt doch den Künstler, sein Ideal aus dem Lande Der Ideen zu ziehn, und es dem Stoff zu vertraun? Schöner wird ihm sein Bilden gelingen im Reich der Gedanken, Wäre es flüchtiger zwar, dennoch auch freier dafür, Und sein Eigenthum mehr, und nicht dem Stoff unterthänig.   Frager! der

Gedicht zum Tag – Die Frau mit dem Adlerweibchen von Gertrud Kolmar

Die Frau mit dem Adlerweibchen »Mein Junges, deine Federn sind durchnäßt, Verklebt und wirr, laß mich sie glätten.« – »Mein lieber Sohn, ich will deinen Anzug plätten Und diesen Weinfleck reiben, der noch überblieb vom Fest. »Mein Adler! Hüte dich! In jeder Schlucht, In jeder Felsgestalt sind hohle Augen, schwarze Läufe, die dir lauern.« –