Gedicht zum Tag: Schenken von Joachim Ringelnatz

Schenken Schenke groß oder klein, aber immer gediegen. Wenn die Bedachten die Gabe wiegen, sei dein Gewissen rein. Schenke herzlich und frei. Schenke dabei, was in dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor, so daß die eigene Freude zuvor dich reichlich belohnt. Schenke mit Geist, ohne List. Sei eingedenk, daß dein Geschenk du selber bist.

Gedicht zum Tag: Es gibt so wunderweiße Nächte von Rainer Maria Rilke

Es gibt so wunderweiße Nächte  Es gibt so wunderweiße Nächte, drin alle Dinge Silber sind. Da schimmert mancher Stern so lind, als ob er fromme Hirten brächte zu einem neuen Jesuskind. Weit wie mit dichtem Demantstaube bestreut, erscheinen Flur und Flut, und in die Herzen, traumgemut, steigt ein kapellenloser Glaube, der leise seine Wunder tut.

Gedicht zum Tag: Im Herbst von Georg Trakl

Im Herbst Die Sonnenblumen leuchten am Zaun, Still sitzen Kranke im Sonnenschein. Im Acker mühn sich singend die Frau’n, Die Klosterglocken läuten darein. Die Vögel sagen dir ferne Mär‘, Die Klosterglocken läuten darein. Vom Hof tönt sanft die Geige her. Heut keltern sie den braunen Wein. Da zeigt der Mensch sich froh und lind. Heut

Gedicht zum Tag: Auf eine holländische Landschaft von Nikolaus Lenau

Auf eine holländische Landschaft Müde schleichen hier die Bäche, Nicht ein Lüftchen hörst du wallen, Die entfärbten Blätter fallen Still zu Grund, vor Altersschwäche. Krähen, kaum die Schwingen regend, Streichen langsam; dort am Hügel Läßt die Windmühl ruhn die Flügel; Ach, wie schläfrig ist die Gegend! Lenz und Sommer sind verflogen; Dort das Hüttlein, ob

Gedicht zum Tag: Bei einem Wirte wundermild von Ludwig Uhland

Bei einem Wirte wundermild  Bei einem Wirte wundermild, da war ich jüngst zu Gaste, ein gold’ner Apfel war sein Schild an einem langen Aste. Es war der gute Apfelbaum, bei dem ich eingekehret; mit süßer Kost und frischem Schaum hat er mich wohl genähret. Es kamen in sein grünes Haus viel leicht beschwingte Gäste, sie