Lostage von Tina Pruschmann

Da hab ich mich auf das Debut von Tina Pruschmann gefreut und erwartungsfroh den E-Reader angeschmissen – und musste feststellen, dass es sich um ein Buch handelt, das bei mir als E-Book nicht funktioniert. Als ich es dann in der Bibliothek als Druckwerk bekam, war ich froh – endlich konnte ich das Werk so lesen, wie es mir gefiel.

Tina Pruschmann erzählt nämlich nicht chronologisch. Jeder Abschnitt ist mit einem Datum versehen (Zeitraum 1960 bis heute, zuzüglich der Kriegszeiten, von denen einzelne Personen erzählen) und ich musste immer mal wieder zurückblättern, um Personen und Zeiten zuzuordnen. Weiterlesen

Mein E-Reader und ich

Ja, seit Weihnachten habe ich auch so ein elektronisches Ding, um zu lesen – der E-Reader lag unterm Weihnachtsbaum. Bildlich gesprochen musste er dort auch eine Weile bleiben, weil mich die Bücher zum “Thema 1914” beschäftigten – und die hatte ich ja alle als Druck-Exemplare im Haus.

Doch so Mitte Februar hatte ich dann Zeit und Titel genug, um das Gerät auszuprobieren.

Ein Vorteil ist ganz klar das Gewicht. Da habe ich einen Mehr-als-500-Seiten-Schinken, den es sonst nur gebunden gäbe und somit entsprechend “gewichtig” – und das schmale Gerät wiegt kein Gamm mehr als vorher 😉 . Ein anderer Vorteil (eng verwandt mit dem ersten) – so ein E-Reader nimmt im Regal keinen Platz weg … Da ich ein beleuchtbares Exemplar mein eigen nenne, habe ich zudem den Vorteil, auch bei schlechten Lichtverhältnissen bequem lesen zu können. Die Nachteile beim Bildschirmlesen, die sonst die Augen so anstrengen, fallen hier ebenfalls weg – das Erscheinungsbild ist dem von Papier sehr ähnlich. (Und nein, es ist kein Kindle; mehr sage ich aber zu dem Produkt nicht – mir geht es mehr um allgemeine Erfahrung.)

Und wo bleibt das Negative?

Kommt schon – und ehrlich gesagt nicht zu knapp.

Wenn ich die voreingestellte Schriftgröße belasse, benötige ich für eine Druckseite drei bis vier E-Book-Reader-Seiten (kommt auf das Format der Print-Ausgabe an). Ehrlich gesagt, nervt mich das ziemlich. Vor allem weil es eben doch immer mal passiert, dass das Gerät verzögert reagiert und ich dann ggfs. schon ein zweites Mal “geblättert” und somit im Endeffekt eine Teil-Seite überblättert habe. Stelle ich eine geringere Schriftgröße ein, kann die Bequemlichkeit des Lesens leiden.

Dog-ear

Was bei uns Eselsohr heißt, ist im Englischen ein Dog-Ear. Foto: Derbeth

Zum Blättern allgemein: Das haptische Erlebnis ist beim E-Reader quasi Null. Punkt. Auch das mit zunehmender Spannung verbundene Schnellerwerden beim Blättern entfällt. Vor- und Zurückblättern kann ich mit der Funktion “Gehe zu Seite …” ersetzen – aber nur, wenn ich mir die Seitenzahl wenigstens so ungefähr gemerkt habe. Und das bei drei E-Reader-Seiten pro Druckseite? Utopisch! Es gibt zwar eine Markierungsfunktion – aber ich finde sie bei weitem nicht so einfach wie ein – sorry, aber ich tus wirklich! – Eselsohr oder einen raschen Strich am Rand.

Fazit: So ein E-Reader ist ein tolles Gerät, um Bücher zu speichern, um ohne großen Aufwand sehr viele Titel griffbereit zu haben, ja. Aber das “Leseerlebnis” mit Anfassen,  Markierern, Vor-und Zurückblättern und manchmal auch Bekrümeln 😉 ist futsch. Deshalb werde ich das Ding nicht wieder wegtun – es tut gute Dienste. Aber wenn mir nach Schmökern für die Seele ist, dann wird es wohl – noch lange Zeit – ein “echtes” Buch sein müssen.