Ich Glückspilz … von Cornelia Boese

Bild zu Klassiker von Heike BallerLyrische Märchen möchte ich Ihnen heute vorstellen – und nein, es sind keine Kunstmärchen mit etwas esoterischem Touch, sondern ganz handfest Grimms Märchen in Reimform. Cornelia Boese  hat 170 (!) Märchen der Brüder Grimm neu getextet, sauber in Reim und Versmaß, mit Augenzwinkern und auf den Punkt. Zauberhaft!

Beispiel gefällig? Bitte sehr:

Es lebten einst, vielleicht noch heute

zwei königliche Eheleute,

die sehr betrübt gewesen sind:

Sie wünschten sich so sehr ein Kind,

PL Or-Ot - Śpiąca królewna (1900) page02

“…so etwas Süßes, Liebes, Kleines, …” Illustration von 1900 in einem polnischen Märchenbuch

so etwas Süßes, Liebes, Kleines,

sie kriegten aber leider keines.*

(Cornelia Boese: Ich Glückspilz, rief vergüngt der Hans, S. 90)

*Ist klar, oder? Es handelt sich um den Anfang von “Dornröschen“.

Cornelia Boese nutzt eine Vielzahl an Synonymen für alle Begriffe, um Abwechslung und Reimvielfalt zu gewinnen. Es macht wirklich Spaß, daraus vorzulesen (wenn man eine Begründung mit Bildungsziel braucht: Es ist garantiert eine Erweiterung des Wortschatzes zu erwarten! – Aber sowas braucht das Buch nicht!). Das gilt ebenso für ihre Vorstellung im Internet – Reim wirkt bei ihr völlig ungezwungen und natürlich.

Das Buch ist im Peter-Hellmund-Verlag in Würzburg erschienen, wie die Autorin selber auch eine Würzburgerin ist. Es ist liebevoll gestaltet, mit einem stabilen Schutzumschlag, mit Lesebändchen und in einem schönen satten Rot (der Schutzumschlag ist grün). Ein richtige bibliophile Freude!

So sauber wie das gereimt ist, gehört es eigentlich auch noch in die Rubrik “Hauptsache Lyrik” 😉 rp_Bild-hauptsache-Lyrik-300x2431-150x1501111111111.jpg

Cornelia Boese: Ich Glückpilz, rief vergügt der Hans, Peter-Hellmund-Verlag, Würzburg, 2012, 2. Auflage, ISBN: 9783939103240

Diese Rezension gehört in die Reihe 12 Monate, 12 Bücher, eine Blogparade von Eva Maria Nielsen.

Ach so: Das Zitat  im Titel, geht auf der Rückseite des Schutzumschlags weiter:

“… und trennte sich von seiner Gans”