Bibliotheken in Reims

Letztens war ich unterwegs und habe Reims gesehen. Die Kathedrale ist großartig, der Champagner schmeckt und Bibliotheken gibt es dort auch. 7 an der Zahl. Dazu 18 Haltestellen für den Bücherbus. Die Bibliotheken sind sehr unterschiedlich, arbeiten aber alle zusammen und sind über einen gemeinsamen Katalog recherchierbar. Hübsch finde ich bei der Orientierungsseite in der Broschüre neben den “normalen” Hinweisen wie die auf WiFi, barrierefreien Zugang oder Gruppenarbeitsräume die Hinweise auf Wickeltisch und Garten 🙂 Weiterlesen

Mein Vater ist Putzfrau von Saphia Azzeddine

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgWeshalb ich mir dieses Buch ausgesucht habe? Wegen des Titels – und wegen der Bedeutung, die die Bibliothek – laut Klappentext – darin spielt. Saphia Azzeddine hat  einen Coming-of-Age-Roman verfasst, der zwei Enden der Gesellschaft zusammenbindet: Bildung durch Lesen, Bücher, Bibliothek, Medienkompetenz usw. und dagegen das prekäre Leben einer Pariser Banlieue.

Paul, vom Vater Polo genannt will da raus, aus der Banlieue, aus der Perspektivlosigkeit. Und die Wörter, die er aus den Büchern holt, die er eigentlich nur abstauben soll, sind sein persönlicher Weg. Er lernt sie und versucht, sie zu benutzen. Nachdem er ein paar Wörter gelernt hat, die in seinem Umfeld völlig unbekannt sind, beginnt er, die Bücher vollständig zu lesen:. Balzac, Montaigne und viele andere. Weiterlesen

Von der Buchmesse mitgebracht: Das Bibliotheksfahrrad aus Helsinki

Auf der Agora in Frankfurt gab es einen Bibliotheksbus aus Helsinki – und davor stand dieses Fahrrad, eben das Bibliotheksfahrrad:

Die Aufschrift wid in Helsinki wohl anders aussehen - hier gehörte sie zu Darstellung auf der Agora

Die Aufschrift wid in Helsinki wohl anders aussehen – hier gehörte sie zu Darstellung auf der Agora “Hallo Helsinki”. Im Hintergrund: der Bibliotheksbus

Wie mir der freundliche junge Mann miteilte, ist dieses Gefährt tatsächlich in Benutzung (ich hielt es zuerst für ein historisches Relikt, ehrlich gesagt). Aber: Im Sommer fährt jemand damit z. B. an den Strand, bestückt dann den Aufbau mit Büchern aus der Kiste und bietet denen Lesestoff an, “which are hanging around”, wie sich mein Gesprächspartner ausdrückte.

Hier kann man a) die deutsche Aufschrift gut sehen und b) den Kasten, in dem die Bücher transportiert werden.

Hier kann man a) die deutsche Aufschrift gut sehen und b) den Kasten, in dem die Bücher transportiert werden – schon durchdacht, dieses Bibliotheksfahrrad

Auch um auf Veranstaltungen hinzuweisen, wird das Rad benutzt. Dann kommen da Plakate drauf, es werden Flyer verteilt usw.

Wieder so eine schöne Sache, die mein Bibliothekenliebhaberinnenherz höher schlagen lässt 🙂

Köln von A – Z und zwar literarisch

Meine Netzwerk-Kollegin Birgit Ebbert hat eine Blogparade ausgerufen: “Meine Stadt von A-Z“. Schöne Sache. Da mach ich gerne mt – schließlich habe ich meinen Wohnort im Blognamen 😉 . Aber damit es nicht zu einfach wird, habe ich mir vorgenommen, nur Begriffe zu verwenden, die auf die eine oder andere Weise mit Literatur zu tun haben: Bibliotheken, Autorinnen, Verlage, Titel … Voilà:

A: Anaconda-Verlag

B: Böll, Heinrich

C: Café Goldmund

D: Domin, Hilde

E: Emons Verlag

F: Buchhandlung Falderstraße

G: Gottwald, Christoph

H: Helmut Lingen Verlag

I: Internationale Kinder- und Jugendbuchwochen

J: Jugendbuchautor Manfred Theisen

K: Kunst- und Museumsbibliothek Köln

L: Lit.Cologne.de

M: Mielke, Thomas R.: Colonia

N: Nicolic, Jovan

O: Önel-Verlag

P: Papyros-Sammlung Köln

Q: Q-Thek in der Zentralbibliothek

R: Rheinlesen

S: Stadtbibliothek Köln

T: Taschen Verlag

U: Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

V: Verlag Dohr

W: Wallraff, Günter

X: X-Freunde

Y: Y-Haus im Bilderbuch Köln

Z: ZB MED

 

 

Public Library in Amerika – mein Fazit

Fünf Mal habe ich eine Public Library im August besucht, in teils sehr unterschiedlichen Orten:

  • Provincetown ist ein kleiner Küstenort mit saisonal aufflutendem Besucherandrang.
  • Newport ist eine kleine Stadt mit einer früher mal sehr reichen Bevölkerung – ebenfalls touristisch erschlosssen.
  • Mystic ist ein alter Walfängerhafen mit einem touristischen Anziehungspunkt im alten Seehafendorf – allerdings liegt die Bibliothek eher versteckt.
  • Jersey City ist eine Großstadt direkt neben New York City mit einer multikulturellen Gesellschaft.
  • Und New York ist halt New York …
  • Und dann war ich noch in einer Bibliothek einer Seniorenresidenz – aber das ist kein eigener Artikel  😉

In erster Linie ist jede dieser Bibliotheken v. a. für die ansässigen Leute gedacht. Frage ist nun: Was unterscheidet das amerikanische System von unserem? Dabei kann ich natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben – schließlich war ich nur in einem Minibruchteil von Amerika unterwegs und habe da auch nur einen Minibruchteil an Bibliotheken gesehen (die Zeit da drüben war ja mein Urlaub und zwar mit Familie).

Trägerschaft für eine Public Library

Wenn wir “öffentlich” hören, noch dazu in Zusammenhang mit Bücherei oder Schule, denken wir hier in Deutschland an “öffentliche Hand“, also die Stadt, das Land, den Bund – da wird etwas aus Steuergeld finanziert. Und gerade bei Bibliotheken, Schwimmbädern, Schulen und Kultureinrichtungen mussten wir in den letzten Jahren immer wieder die Erfahrung machen, dass da Geld gekürzt wurde – ein Teil davon ist nämlich eine so genannte “freiwillige Leistung”, was heißt, dass die “öffentliche Hand” nicht dazu verpflichtet ist, das vorzuhalten, oder nicht in dem bisherigen Ausmaß. Kennen wir alle.

Mit den Suchbegriffen >"freiwillige Leistung", Kultur, Haushalt< kommen  - nach der Werbung - gleich eine gnaze Reihe von Eiträgen, die deutlich machen, dass der Kampf gegen Kürzungen im Kulturbereich eine never endig story ist.

Mit den Suchbegriffen >”freiwillige Leistung”, Kultur, Haushalt< kommen – nach der Werbung – gleich eine ganze Reihe von Einträgen, die deutlich machen, dass der Kampf gegen Kürzungen im Kulturbereich eine never ending story ist.

“Public” bedeutet im Zusammenhang mit der Public Library aber nicht, dass hier die Stadt oder der Staat die Hand im Spiel hat, sondern, dass es eine öffentlich zugängliche Einrichtung ist. Für alle geöffnet. Zum großen Teil sogar kostenlos: Mitgliedsausweise gibt es für Bewohnerinnen oder Arbeitnehmerinnen im Ort umsonst. Man braucht nur eine Bescheinigung über Wohnort oder Arbeitsplatz.

Finanziert werden die Büchereien durch Stiftungen und Spenden. Das scheint gut zu funktionieren, denn z. B. in Mystic wurde vor knapp zehn Jahren noch ein schöner Anbau bewerkstelligt, alle Büchereien verfügen über moderne Arbeitsgeräte für die Nutzerinnen und aktuelle Medien.  Die Spendenaufrufe sind obligatorisch:

Für die Redwood-Library gibt es unterschiedliche Modelle:

  • Jährliche Zuwendung (wer mehr als 1.500 $ pro Jahr spendet, wird automatisch Mitglied in der Abraham Redwood Society)
  • testamentarische Verfügungen
  • Der jährliche Bericht steht online – Transparenz at its best.

Bei der Public Library in Mystic ist der “Donate-Button” direkt auf der Startseite.

Bei der Free Public Library in Jersey City gibt es einen Aufruf der Direktorin – es gibt auch direkt eine Seite “Donations” mit Sofort-Spende-Button.

In New York sind die Möglichkeiten, die Bibliothek zu unterstützen, sehr vielfältig:

  • Förder-Mitglied werden
  • freiwillig mitarbeiten
  • die Bibliothek bekannt machen
  • Geld spenden
  • eine Spenden-Veranstaltung besuchen (Frühlings-Dinner z. B.)
  • Bücher oder andere Medien spenden
  • im Shop einkaufen

(Also, zwei der Möglichkeiten habe ich ergriffen 😉 )

Diese Tüte beweist es: Ich habe im Shop der New York Public Library was eingekauft. Über den Einkauf erzähle ich ein ander Mal mehr.

Diese Tüte beweist es: Ich habe im Shop der New York Public Library was eingekauft. Über den Einkauf erzähle ich ein anderes Mal mehr.

Andererseits ist gerade bei den kleineren Bibliotheken der Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen üblich – auch das ist eine Folge von ressourcensparender Verwaltung. Das Engagement dieser Menschen läuft für mich auch unter “Spenden”.

Die Spendenbereitschaft ist in den USA – für mich an dieser Stelle deutlich spürbar – sehr viel höher als bei uns. Die Anerkennung von Spenden ist auch viel öffentlicher: In allen Büchereien gibt es Räume, die nach Wohltätern benannt wurden. Oder die Regale in P’town … Außerdem gibt es Bibliotheken, die ein “Memorial” im Namen tragen:

Aus den Wikipedia Commons habe ich mal Bildmaterial zu ein paar Bibliotheken in Connecticut ausgeschnitten - "Memorial" kommt in den Namen der Büchereien sehr oft vor. Hinzu kommen noch die, die nach jemandem benannt sind, ohne, dass "Memorial" dabeisteht.

Aus den Wikipedia Commons habe ich mal Bildmaterial zu ein paar Bibliotheken in Connecticut ausgeschnitten – “Memorial” kommt in den Namen der Büchereien sehr oft vor. Hinzu kommen noch die, die nach jemandem benannt sind, ohne, dass “Memorial” dabeisteht.

Unabhängig mal von den Bibliotheken gibt es das auch sonst viel mehr: Auf den Boardwalk in Sandwich habe ich ja schon hingewiesen. Ansonsten gibt es die Sache mit den Highways: “Adopt a highway” steht dann da und ggf. darunter der Name der Firma, die für die nächsten zwei Meilen zahlt. Das hat auch “unangenehme” Gründe: Ohne Spenden liefe da weniger, weil es halt weniger Steuergelder dafür gibt. Steuern sind in Amerika nicht so gut gelitten. Ich habe auch Brücken gesehen, die – oft nach militärischen – Männern benannt waren.

Geschichte der Public Library an sich in Amerika

Vielleicht ist es Ihnen ja auch aufgefallen: Alle fünf Bibliotheken haben ihre Wurzeln in derselben Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts. Da gab es eine regelrechte Gründungswelle von Bibliotheken. Jeder Ort sah zu, dass er eine Bücherei in seinem Gebiet hatte. Gegründet oft von  – meist – Söhnen der Stadt, die erfolgreich waren. Aber auch sonst gaben viele reiche Männer Geld für diese Projekte. So erklärt es sich, dass es viele Bibliotheken in den USA gibt, die nach demselben Menschen benannt sind, z. B. nach Andrew Carnegie, der über 1.000 Bibliotheken in den Staaten finanzierte (zu der in Jersey City hat er auch was beigetragen, als es an den Ausbau der Zweigstellen ging).

Eine nette Anzahl der über 1000 Bibliotheken, die ihre Existenz der Stiftung von Andrew Carnegie verdanken, ist bei Tante Wiki aufgezählt.

Eine nette Anzahl der über 1000 Bibliotheken, die ihre Existenz der Stiftung von Andrew Carnegie verdanken, ist bei Tante Wiki aufgezählt.

Da kein Krieg innerhalb der USA stattfand, konnten die Gebäude aus der Gründungszeit erhalten bleiben; mussten es im Grunde auch, denn die Stiftungsvermögen und Spenden reichen zwar zum Weiterbetrieb, aber Neubauten sitzen eher nicht drin. Bzw. die gibt es dann bei Zweigstellen oder anderen Erweiterungsmaßnahmen, denn die Bevölkerung ist ja inzwischen gewachsen und das erfordert mehr Raum. Der positive Effekt: Viele der Büchereien sind in schönen Gebäuden untergebracht: weitläufig, mit alten Holzarbeiten, Gemälden, stuckverzierten Decken oder Bibliotheksmöbeln von Anno Dunnemals.

Eine Konstante in der Public Library in den USA:

Webster’s Third New International Dictionary lag in jeder Bibliothek, die ich aufgesucht habe,  aufgeschlagen auf einem Tisch – sogar in der der Seniorenresidenz nördlich von New York. Entweder im Reference-Room oder im Lesesaal. Das fand ich total faszinierend. Webster’s scheint für Lesende und Schreibende in Amerika von großer Wichtigkeit zu sein (zumindest aber für die Bibliothekarinnen 😉 ). Und obwohl ein paar Exemplare in den großen Bibliotheken – Jersey City, New York – ein bisschen zerfledderter aussahen als in den kleinen, scheint der Gedanke an Vandalismus keine Rolle zu spielen.

So, nun habe ich Ihnen alles erzählt, was ich mit den Public Libraries während meines Urlaubs in Amerika erlebt habe. Ich habe tatsächlich zu einem guten Teil das gefunden, was ich aus den Büchern kannte: Büchereien mit meist recht großzügigen Öffnungszeiten, mit einer Vielzahl an Medien, die frei zugänglich sind. In den kleinen Orten einen sehr persönlichen Umgang zwischen den Angestellten und den Nutzerinnen. Und eine große Freundlichkeit gegenüber der Frau, die da reinkam und meinte, sie wolle in Deutschland in ihrem Blog über amerikanische Bibliotheken schreiben. Vielen, vielen Dank an alle, die sich mit mir unterhalten haben, die mir Schätze ihrer Bibliothek gezeigt haben, die sich Zeit für mich genommen haben.

English Summary

Five libraries – that’s all, what I’ve seen in three weeks in America. It has been as expected from the novels: great rooms with books and other media, free for all in the town. Very friendly librarians, who were interested to show me, what to find especially in their own library. And I’ve learned about the history of libraries in the United States about the funding by donations and foundations – so much different from the funding in Gemany, where libraries are to run by the urban administration. And I’ve seen a habit, that I’ve appreciated very much: In every library there was the Webster’s Third New International Dictionary on a table, reday for use. Very nice. My little tour has been a very pleasant experience – thank you so much!

Was eine Bibliothekarin so alles sein kann: Infografik

Gerade bei bibliothekarisch.de gefunden – eine tolle Infografik:

Ideal einer Bibliothekarin

Ideal einer Bibliothekarin als Infografik

Bitte beachten Sie bei dem Link zu bibliothekisch.de auch die Kommentare und die Tags: Ja, so vielfältig sollte das Berufsbild “Bibliothekarin” sein – dabei müssen nicht alle alles können, es sollte aber für alles Ansprechpartnerinnen in einer Bibliothek geben. Die Diskussion darüber erscheint mir gerade nach meinem Besuch verschiedener Public Libraries in den USA noch wichtiger – das Bild in der Öffentlichkeit, der Grad der Bedeutung, das alles unterscheidet sich sehr voneinander. Und nach meinen kurzn Eindrücken finde ich manches drüben besser – v.a. selbstverständlicher. Dabei sind die mir bekannten Büchereien weitestgehend private Einrichtungen, die mittels Stiftungen finanziert werden.

Bibliothekare in der NS-Zeit

In dem Deutschlandfunk-Interview mit Michael Knoche, dem Direktor der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, finde ich einen Satz besonders bemerkenswert – es geht um die Bücher auf der schwarzen Liste:

Während die Volksbibliotheken richtig gesäubert wurden, durften die wissenschaftlichen Bibliotheken diese Literatur wegschließen – sekretieren hieß das – und das haben die wissenschaftlichen Bibliotheken auch gemacht und haben so sozusagen auch einen Bestand überliefert, der heute für die Forschung außerordentlich wichtig ist.

Solches Verhalten wissenschaftlicher Bibliothekare erklärt, dass z. B. Volker Weidermann für sein “Buch der verbrannten Bücher”  eben doch noch auf Exemplare zurückgreifen konnte. Die Frage hatte mich durchaus beschäftigt.

Den Tipp zum Interview verdanke ich dem Biblioblog de FU Berlin.