Das Blaue Buch von Erich Kästner

Das wollte ich haben – Erich Kästner hat während des Krieges Tagebuch geschrieben und mich interessierte, wie er das Geschehen damals wahrgenommen hat.

Erst mal Äußerlichkeiten zum blauen Buch von Erich Kästner

Sven Hanuschek hat den Kriegstagebüchern eine ausführliche Einleitung vorangestellt – das ist auch gut so. Denn wie es beim Tagebuchsschreiben so ist: Erklärungen zu Namen oder so sind da nicht nötig. Schließlich ist das eine intime Angelegenheit, nur zwischen Schreiber und Papier. Weiterlesen

Heute von Heidi Julavits

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgDer “Klappentext” zu “Heute . Dem Leben auf der Spur” von Heidi Julavits klang so verheißungsvoll:

Ein magisches Buch über das Abenteuer, das wir ‘Leben’ nennen: Heidi Julavits erforscht die eigene Existenz und bringt dabei das Außergewöhnliche im Alltäglichen zum Leuchten: radikal persönlich, zutiefst wahrhaftig und hinreißend komisch.

Doch ich hatte große, sehr große Probleme, der Ich-Erzählerin zu folgen.

  • Erste Irritiation: Die Einträge dieser als Tagebuch geschriebenen Texte über zwei Jahre im Leben der Autorin sind nicht chronologisch.
  • Zweite Irritation: Bei vielen Einträge habe ich mich gefragt “Was soll das heißen? Worauf zielt das ab?” – Fragestellungen, Assoziationen und Lebensprobleme weit ab von allem, was mich angeht oder mir nachvollziehbar erschien.

Der Gegenpol: Sprachbilder, Sätze, die mich berührt haben. Weiterlesen

Der Zauberlehrling von Erich Kästner

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgGut, ich habe nie das Gesamtwerk von Erich Kästner bewusst durchforstet – so sei es mir nachgesehen, dass ich von den Texten, die der Atrium-Verlag in diesem Band herausgibt, nie etwas gehört, geschweigen denn gelesen habe. Umso mehr freue ich mich, dass ich die Texte nun kenne 🙂

Es handelt sich um zwei Romanfragmente und einen Briefwechsel (eher ein “Briefwechselchen”) Kästners mit sich selber. Die Texte stammen aus den 30er Jahren, bzw. von 1940 – eine Zeit also, in der der vefolgte Autor nicht publiziern konnte.

Der früheste der drei Texte ist “Der Doppelgänger” – ein Romananfang im Gefolge des “Fabian” bzw. “Der Gang vor die Hunde”, der 1931 erschien. Ein Engel, der als Weinreisender auftritt, hindert die Hauptfigur am Selbstmord. Bei einem darauf folgenden Caféhausbesuch beobachtet dieser junge Mann – ein Schriftsteller, offensichtlich – seine Umgebung und mokiert sich über die Tatsache, dass er nur wenige Stunden nach seinem geplanten Tod Material für Roman und Essay sammelt. Der Engel kommt bei einem dort stattfindenden Selbstmord zu spät und beklagt den Personalmangel – offensichtlich wollen sich mehr Menschen ums Leben bringen, als es einsatzfähige Engel gibt. Neben der Leibesfülle ist ein Notizbuch des Engels Seibert markantestes Attribut. Anklänge an “Fabian” finden sich hier vor allem in den Beobachtungen Karls. Weiterlesen

Es gibt nichts Gutes … von Erich Kästner

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgDen Satz können Sie wahrscheinlich selbst beenden: “… außer: Man tut es.” Im Atrium-Verlag ist die Sammlung mit 100 Epigrammen von Erich Kästner in einer schönen Neuauflage* erschienen, die Christoph Niemann illustriert hat. Im Vorwort äußert sich Erich Kästner selbst zum Epigramm, einer seiner Meinung nach schon damals verschwundenen Kunstform und fordert: “Es lebe das Epigramm!”

Einerseits kann man vom Inhaltsverzeichnis aus das Buch nach bestimmten Texten durchsuchen, es lädt aber auch zum ziellosen Blättern ein – jedes Epigramm hübsch auf seiner eigenen Seite und bei vielen hintergründige Zeichnungen von Christoph Niemann dabei. Die sind so hintergründig, dass ich sie nicht beschreiben kann. Sie geben den Epigrammen teilweise eine etwas andere Note, als ich beispielsweise darin gesehen hätte – das regt zum Nachdenken oder zum Abwinken an und ich bin sicher, dass  sich das je nach meiner Lesesituation ändert.

Alles in allem: Ein hübsches Buch mit lesenswerten Epigrammen und guten Illustrationen – wer Kästners Epigramme noch nicht hat, ist hier sehr gut versorgt.

Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes außer: Man tut es, mit Zeichnungen von Christoph Niemann, Atrium Verlag, Zürich, 2015, ISBN: 9783855354092

*1950 erschienen die Epigramme zum ersten Mal bei Atrium unter dem Titel “Kurz und bündig. Epigramme”

Inferno im Hotel von Erich Kästner – und andere Ausgaben des Atrium Verlags

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgDer Atrium-Verlag bietet ja seit einiger Zeit immer neue Ausgaben der Werke von Erich Kästner an – thematisch sortiert wie “Kästner im Schnee“, “Über das Vebrennen von Büchern” oder “Meine Mutter zu Wasser und zu Lande“, aber auch Sammlungen von bisher eher verstreuten Texten wie “Die Montagsgedichte“, eine Anthologie der Gedichte, die Erich Kästner zwichen 1928 und 1930 allwöchtenlich für den “Montag Morgen”, eine Berliner Wochenzeitung, verfasste.

“Drei Männer im Schnee” und “Inferno im Hotel”

Der Roman “Drei Männer im Schnee” gehört zu den Büchern, aus denen ich ziemlich viel zitieren kann; beim Wiederlesen habe ich festgestellt, dass ich stehende Redewendungen habe, die aus diesem Buch stammen, was mir gar nicht bewusst war – etwas “ins Geschick bringen”, z. B.; das ist garantiert nicht der aktive Wortschatz meiner Familie gewesen, trotzdem verwende ich die Wendung, wenn es darum geht, Schaden an Textilien zu beseitigen – völlig konform mit der Szene im Buch, denn es geht um Johann Kessehuths Schianzug. Weiterlesen