Verlosung: Aus Liebe zum Buch von Ann Patchett

rp_Bild-Unterhaltung-150x1501111.jpgDas hübsche kleine Bändchen von Ann Patchett lag so einladend neben der Kasse meiner Buchhandlung, dass ich nicht widerstehen konnte. Schon allein dieser i-Punkt in Form eines aufgeschlagenen Buchs … Da hatte ich noch keine Ahnung, worum es in dem Buch eigentlich geht.

Es ist die Geschichte, wie die Autorin Ann Patchett im Jahr 2010 in ihrer Heimatstadt Nashville Mitbegründerin eines Buchladens – “Parnassus Books” – wird. Gleich auf der ersten Seite wird deutlich, dass es um eine Erfolgsgeschichte geht. Der Laden brummt. Und das war vorher nicht so absehbar.
Nashville hat zur Zeit der Gründung keine einzige Buchhandlung mehr. Ein unhaltbarer Zustand. Denn:

Jetzt, da wir jederzeit jedes Buch bestellen können, ohne uns vom Bildschirm wegzubewegen, merken wir, was wir verloren haben: eine Begegnungsstätte, zwischenmenschlichen Kontakt, die Empfehlung eines klugen Lesers im Gegensatz zu einem Computeralgorithmus, der uns sagt, was andere Kunden gekauft haben. (S. 39)

Diesen Satz kann ich voll unterschreiben. Und Sie sicher auch. Was ist es, dass Sie an Ihrer Buchhandlung schätzen? Schreiben Sie einen oder zwei Sätze dazu unten in den Kommentar und vielleicht gewinnen Sie dann das kleine Bändchen von Ann Patchett. Frist ist der 28.2.2016 um Mitternacht. Ich bin sehr gespannt, was Ihnen, die Sie hier mitlesen, an “Ihrer” Buchhandlung wichtig ist, auf Ihr Statement zum “stationären Buchhandel” (schönes Wort, gelt? Bitte geben Sie Ihre Mail-Adresse an, damit ich Sie im Falle eines Gewinns benachrichtigen kann (sie wird nicht veröffentlicht). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ann Patchett: Aus Liebe zum Buch, übersetzt von Marion Hertle, Atlantik Verlag, Hamburg, 2016, ISBN: 9783455370287

PS: Martin freut sich auch schon, wieder in Aktion treten zu können.Martin1

Die Monogramm-Morde von Sophie Hannah

rp_Bild-Krimis-300x2681-150x1501.jpgHercule Poirot – der kleine Belgier mit dem markanten Schnurrbart ist eine Erfindung von Agatha Christie, die letzten Monat ihren 125. Geburtstag hatte. Sophie Hannah, selbst erfolgreiche Thrillerautorin, zollt mit einem neuen Fall für den belgischen Detektiv dem großen Vorbild ihren Respekt. Und das tut sie ziemlich gut.

Drei Menschen werden in einem Hotel ermordet aufgefunden – zwei Frauen und ein Mann. Alle haben einen mit einem Monogramm versehen Manschettenknopf im Mund. Alle sind an dem selben Gift gestorben. Alle liegen da wie aufgebahrt. Hercule Poirot, der gerade “Ferien” macht, in einer Pension schräg gegenüber von seiner eigenen Wohnung (was für eine nette Idee!), hat in dieser Pension nicht nur die Bekanntschaft eines jungen Scotland-Yard-Mannes, Edward Catchpool, gemacht, sondern auch ein neues Lokal gefunden, das ihm gefällt. Bevor Catchpool ihm von dem grausigen  Mord im Hotel berichtet, hat Poirot seinerseits eine beunruhigende Begegnung in diesem neuen Lieblingslokal: Eine offensichtlich sehr ängstlich erregte Frau vertraut ihm an, dass sie erwarte, ermordet zu werden. Und dagegen könne und dürfe man nichts tun. Dann läuft sie weg und lässt Poirot sehr besorgt zurück.

Dish monogram Louvre OA325-33

Monogramme sind ziemlich alt – dieser Teller stammt aus dem 13. Jahrhundert

Zu Catchpooles Missvergnügen verknüpft der eitle Belgier dann beide “Fälle”. Er mischt sich ein, schickt Catchpool auf Recherchereise und ergeht sich in Andeutungen. Alles wie gehabt. Catchpoole ist als Ich-Erzähler ein netter Nachfolger für Hastings, Poirots alten Freund.

Sophie Hannah trifft den Ton von Poirot sehr schön – diese leichte Arroganz, das Bedürfnis nach Symmetrie, die kleinen grauen Zellen – alles Poirot, wie man ihn aus  den Büchern von Agatha Christie kennt. Mit der Figur von Edward Catchpoole hat Sophie Hannah einen neuen Begleiter für Poirot zu schaffen versucht, der aber im Grunde dieselbe Funktion eines “Watson” hat, wenngleich mit beruflicher Verbindung zur Kriminalitätsbekämpfung. Mit einer traumatischen Kindheitserinnerung versehen, gibt es in diesem Fall für ihn eine große Hürde zu überwinden – da kommt die Hilfe Poirots gerade recht; der Stil des Freundes ärgert ihn aber auch. Aus dem Eigenleben Catchpooles kann sicher noch mehr gemacht werden, sollte Sophie Hannah eine Fortsetzung planen.

Wer einen handwerklich sauberen “Häkelkrimi” schätzt und gern mit Poirot seine Zeit verbringt, ist hier gut aufgehoben.

Sophie Hanna: Die Monogramm-Morde. Ein neuer Fall für Hercule Poirot, übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini, Atlantik Verlag, Hamburg, 2014, ISBN: 9783455600162

Helene Hanff in London – Neuausgabe

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgLetztes Jahr habe ich Ihnen ein paar Bücher von Helene Hanff vorgestellt – eins davon war gerade neu im Atlanik-Verlag herausgegeben worden. Nun haben sie dort auch den Folgeband neu aufgelegt – Sie können also “Die Herzogin von der Bloomsbury Street” in der gleichen hübschen Aufmachung erwerben wie schon “84, Charing Cross Road“. Viel Vergnügen!

Liebe mit zwei Unbekannten von Antoine Laurian

rp_Bild-Unterhaltung-150x150111.jpgWas verrät eigentlich eine Handtasche über ihre Trägerin? Viel? Oder wenig? Antoine Laurian nimmt diese Möglichkeit als Aufhänger für eine bezaubernde Liebesgschichte.

Laure wird abends überfallen und ihre Handtasche wird geraubt. Was tun? Erst mal im Hotel gegenüber der eigenen Wohnung übernachten.

Laurent findet am nächsten Morgen die Handtasche, aus der nur die Wertgegenstände verschwunden sind. Bei der Polizei hat man keine Zeit für den ehrlichen Finder. Er nimmt sie mit nach Hause und schaut, ob er Hinweise auf die Besitzerin findet. Dabei verliert er sich im Kosmos der Unbekannten. In einem roten Heft hat sie ihre Gedanken und Erinnerungen notiert – ein Eingangstor in ihr Denken.

Laurent ist Buchhändler. In seinem Laden “Le Cahier rouge” (das rote Heft …!) hat er Sinn und Erfüllung gefunden.

Ja, das Spiel mit dem roten Heft geht in der deutschen Übersetzung leider etwas verloren – der Originaltitel lautet “La femme au cahier rouge”, was eben sowohl heißen kann “Die Frau mit dem roten Heft”, als auch “Die Frau im >Roten Heft<“.

Delphine Gay de Girardin BNF Gallica

Was mag die Schriftstellerin Delphine Gay de Girardin in ihrer Tasche mit sich herumgetragen haben?

Laurent jedenfalls nutzt jede sich bietende Gelegenheit, mehr über die Fremde zu erfahren – er lauert dem Schriftsteller Patrick Modiano auf, der ein Exemplar eines seiner Romane für Laure signiert hat. Er sucht Reinigungen auf, um ein weißes Kleid abzuholen – das Datum stand im Kalender.

Laurents Tochter Chloë hat die Rolle des Katalysators – sie animiert ihren Vater, die Suche nicht aufzugeben, gibt Tipps und mischt sich ein.

Klar, am Ende haben wir ein neues Paar. Und viele nette Bekanntschaften geschlossen. Außerdem gibt Antoine Laurien einen kleinen Abriss der französischen Literatur – dass Bücher für einen Buchhändler wichtig sind, ist ja klar. Und dass sich Menschen über ihren Literaturgeschmack finden können, ebenso.

Antoine Laurian erzählt angenehm klar, bietet mir Bilder an, macht sich über Sprache Gedanken. Eine Formulierung, die mir in Erinnerung gebliebenist, handelt von Spammails:

“Laurent, es ist Zeit, Urlaub zu machen”, riet eine andere im Ton digitaler Vertraulichkeit. (S. 36)

Ich hab das Buch mit großem Vergnügen gelesen – eine ansprechende, fesselnde Lektüre.

Antoine Laurian: Liebe mit zwei Unbekannten, übersetzt von Claudia Kalscheuer, Atlantik Verlag, Hamburg, 2015, ISBN: 9783455600179

84, Charing Cross Road von Helene Hanff

Zemanta Related Posts ThumbnailEine Briefsammlung ist das, eine ganz charmante Briefsammlung – kein Briefroman, auch wenn das Buch sich so liest. Helene Hanff hat 1970 die Korrespondenz, die sie von 1949 bis 1969 mit dem Buchhändler Frank Doel in London und seinen Kolleginnen geführt hat, erst einer Zeitschrift zur Veröffentlichung angeboten und dann als Buch herausgebracht. Das wurde ein voller Erfolg.

Nun können sich auch deutsche Leserinnen erneut an dem Ferndialog dieser Bücherliebhaberin mit dem Antiquariatsmitarbeiter erfreuen. Weiterlesen