Thema 1914: Krieg nach dem Krieg von Anton Holzer

Als der Krieg zu Ende war, gab es – keinen Frieden. Das gilt wohl für die meisten Kriege. Auch für den ersten Weltkrieg, wie Anton Holzer in seiner Bild-Text-Sammlung noch mal deutlich macht.

Wie schon in dem Buch “Die letzten Tage der Menschheit” collagiert Anton Holzer historische Fotos mit Texten. In diesem Buch sind es nicht die Texte von Karl Kraus, sondern Tagebucheintragungen und andere eher private Äußerungen verschiedener Personen, u. a.:

  • Käthe Kollwitz
  • Kurt Tucholsky
  • Thea Sternheim
  • Harry Graf Kessler
  • Erich Mühsam

Bundesarchiv Bild 146-1998-009-16, Kämpfer in Bayern mit MG

So sah es 1919 in München aus – alles andere als friedlich, auch wenn das hier eine Pose ist. Bundesarchiv Bild 146-1998-009-16, Kämpfer in Bayern mit MG, CC BY-SA 3.0 DE

Auch wenn die Revolutionen gefühlt erst nach dem Krieg ausbrachen, die die Räterrepubliken nach Deutschland brachten – die Ursachen liegen schon in der Kriegszeit selbst, u. a. in der mangelhaften Versorgungslage sowohl an den Fronten als auch “zu Hause”. Deshalb umfasst der Zeitrahmen, den Anton Holzer absteckt bereits die Zeit ab Mai 1916 und geht dann bis 1925.

Anhand der Kapitelüberschriften wird das mit der Versorgung schon deutlich: Allein zwei Überschriften thematisieren den Hunger:

  • Erschöpfung und Hunger – Verbitterung über den Krieg
  • Hunger, Not und Verzewiflung – Der erste Winter nach dem Krieg

Es ist kein Buch zum Hintereinanderweglesen – es ist ein Buch zum Stöbern. Welcher Aspekt interessiert mich gerade? Dann schlag ich z. B. “Der erstickte Aufruhr” auf und sehe Bilder von 1919, die aussehen wie Krieg in der Stadt – Soldaten, Gewehre, Geschütze  – und lese die Erlebnisse von Harry Graf Kessler, Viktor Klemperer oder Käthe Kollwitz.

Jedem Abschnitt stellt Anton Holzer eine kurze Darstellung der Ereignisse voraus, so dass ich die Bemerkungen der Zeitgenossinnen “einordnen” kann (was sie nicht weniger erschreckend macht …). Sein Einführungsessay “Jahre der Gewalt” umfasst den gesamten Zeitraum. Einige der Zeitzeugenaussagen, die später den Bildern gegenübergestellt werden, zitiert er bereits hier. Hier findet er auch Platz, um Aussagen Einzelner zu kommentieren, z. B. den Satz von Ernst Troeltsch,

Das Ringen von fünf furchtbaren Jahren und, wenn man die Vorgeschichte hinzunimmt, eines Jahrhunderts, ist vorläufig und scheinbar zu Ende. (S. 19)

den Anton Holzer dahingehend interpretiert, dass die Unsicherheit mit dem gerade unterzeichneten Freidensvertrag nicht schwindet und die Demokratie, bis sie in Deutschland 1933 untergeht, vielfachen Angriffen ausgesetzt sein wird: Putschverscuhe und poltische Gewalt nennt er dabei.

Die Kombination von Bildern und persönlich gehaltenen Texten lässt, wie Anton Holzer es ja auch beabsichtigt ;-), das Geschehen dieser Jahre näher heranrücken, als es nackte Daten und Faktenaufzählungen können. Leider haben die Bilder eine beklemmende Aktualität – in anderen Regionen der Welt als in Deutschland, aber schließlich ist die Welt im Laufe der letzten 100 Jahre auch noch mal “kleiner” geworden.

Anton Holzer (Hrsg.): Krieg nach dem Krieg. Revolution und Umbruch 1918/19, Theiss Verlag, Darmstadt, 2017, ISBN: 9783806235609

Auch dieses Buch finden Sie in der Stadtbibliothek Köln.

Quiz zu Thema 1914 – Auflösung von Teil III

So, nun spanne ich Sie nicht länger auf die Folter und Sie bekommen nun die Antworten zum dritten Teil meines Quiz zu Thema 1914:

Frage 1: Wie kamen die Deutschen in Ruf, kulturlose Zerstörer zu sein?

Da die Deutschennach den Erfahrungen des Kriegs von 1870/71 in jedem Widerstand Freischärler am Werk sahen, setzten sie in Belgien auf Repressalien gegen die Zivilbevölkerung – u. a. wurde die Stadt Löwen zerstört; neben den Toten wurde in den anderen Ländern v. a. der Brand der Universitätsbibliothek als “Kulturgreuel” verstanden. So fiel die Rede Wilhelms II aus dem Jahr 1900 über deutsche Soldaten, die wie die Hunnen agieren sollten, um sich Respekt zu vershaffen, auf Deutschland zurück: In Großbritannien hießen die Deutschn nur noch  Hunnen.

Frage 2: Mit welchen unorthodoxen Mitteln wurden französische Soldaten zum Kampfgeschehen gebracht?

Die Geschichte ist eigentlich zu malerisch: Taxis wurden für den Truppentransport requiriert – die “taxis de la Marne“!

Frage 3: Wo fand die Schlacht bei Tannenberg tatsächlich statt und warum heißt sie, wie sie nun mal heißt?

BattleOfTannenberg2

Schlachtbewegungen der Schlacht, die unter dem Namen Tannenberg berühmt wurde.

Das Zentrum der Schlacht im August 1914 im Ostpreußen lag eigentlich bei Hohenstein, aber Hindenburg wollte eine Scharte aus dem Mittelalter auswetzen und legte Tannenberg als Ortsbezeichnung fest.

Und nun zur Verlosung:

Martin war heute schon früh aktiv und hat die drei Gewinner gezogen:

Oliver H. aus Wien erhält:

Nicolas Wolz: “Und wir verrosten im Hafen”. Deutschland, Großbritannien und der Krieg zur See 1914-1918, dtv

Archeopterix wurde Cabanes, Bruno; Duménil, Anne (Hg.): Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Katastrophe. zugelost.

Johnjoe (auch hier liegt die Adresse vor) darf sich auf Gunnar und Florian Dedio: 14. Tagebücher des Ersten Weltkriegs. Farbfotografien und Aufzeichnungen aus einer Welt im Untergang freuen.

Wie Sie feststellen konnten, wenn Sie das Quiz verfolgt haben: Es gibt Namen, die immer wieder vorkommen – es wurde einfach nicht so viel mitgemacht, wie ich es erhofft habe. Und deshalb werde ich – entgegen meiner Ankündigung – die Quiz-Reihe hier und jetzt beenden. Ganz herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben!

Thema 1914: Kleine Hände im Großen Krieg von Yury und Sonya Winterberg

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111.jpgWas Kinder und Jugendliche im Krieg erleben, ist Thema des Buchs von Yury und Sonya Winterberg. Parallel zu “14: Tagebücher des Ersten Weltkriegs” hat das Autorenpaar rund 24 Tagebücher junger Europäerinnen dieser Zeit ausgewertet, darunter auch die einiger später berühmter Menschen wie Marlene Dietrich, Marie-Luis Kaschnitz, Alfred Hitchcock und Manes Sperber.

Kitchener-leete

Eigentlich hatte man ja ein Mindestalter zu haben – doch die Army nahm auch Jungen, die glaubhaft versicherten, sie seien 18 … wie Victor Silvester, der als 14-Jähriger Soldat wurde. Da fragt man sich …

“Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg” lautet der Untertitel – und die waren sehr vielgestaltig: Die Kindersoldatin Marina Yurlova gehört ebenso dazu wie die Krankenschwester Elfriede Kuhr und die in China lebende Hilla Lessing, der Kindersoldat Victor Silvester, genauso wie der Attentäter Vasa Cubrilovic und der Diplomatensohn Ödön von Horvath. Direkte Fronterfahrungen, Hunger in der Heimat, Ausfall des Schulunterrichts, weil alle Lehrer an die Front mussten, Flucht und Heimatlosigkeit – das alles prägt die Kinder. Mögen auch einige der Tagebücher bei späterem Abschreiben ergänzt worden sein, mögen sich auch politisch motivierte Änderunen darin finden: Da Kinder Anfang des 20. Jahrhunderts erstmalig in breiten Kreisen über die Fähigkeit des Schreibens verfügten, ermöglichen diese Dokumente einen Einblick in das Leben und Erleben junger Menschen in Kriegszeit, noch dazu  in einem Krieg, der allen überlieferten Erfahrungen entgegenstand.

Yury und Sonya Winterberg portionieren ihr oft beklemmendes Material in handhabbare Einheiten – wer sich so viel Leid nicht auf einmal antun kann, hat die Mögllichkeit, zu pausieren. Andererseits schreiben die beiden aber in einem Stil, der das Weiterlesenwollen fördert.

Das Buch ist Grundlage für ein Filmprojekt, das im August bei arte lief.

Yury und Sonya Winterberg: Kleine Hände im Großen Krieg. Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg, Aufbau Verlag, Berlin, 2014, ISBN: 978383351035648

Quiz zu Thema 1914 – Auflösung von Teil II

Und haben Sie’s gewusst? Hier kommen die Antworten zu Teil II meines Quiz:

Zu Frage 1 kann ich die Antwort einer Teilnehmerin zitieren, denn die ist knapp, vollstänndig und richtig:

Der 28. Juni war der Veitstag und der Tag der serbischen Niederlage gegen die Osmanen bei der Schlacht auf dem Amselfeld 1389,

Interpretiert wurde er als Zerschlagung der „Nation“*  Serbien und damit auch als  Anfeuerung für die Bestrebungen, ein großserbisches Reich zu errichten.

*Nation deshalb in Anführungszeichen, weil es diesen Begriff im 14. Jahrhundert noch nicht in dem Sinne gab, wie er im 19. oder frühen 20. Jahrhundert verstanden wurde.

Frage 2:

Unter der historischen Blankovollmacht oder dem Blankoscheck von 1914 versteht man das Bekunden des deutschen Kaisers Wilhelm II., „im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns [zu] stehen“ (aus: Telegramm des deutschen Reichskanzlers an die deutsche Botschaft in Wien).

Frage 3: Die Bewegung, alle slawischen Völker zu vereinen, war der Panslawismus, der anfangs eine kulturelle Bewegung war.

So, Martin wird immer besser darin, am Rande der Schüssel zu balancieren und hat seine Pflicht getan:

Martin beim Balanceakt

Martin beim Balanceakt

Tillmann Bendikowski: Sommer 1914. Zwischen Begeisterung und Angst – wie Deutsche den Kriegsbeginn erlebten, C. Bertelsmann Verlag, München, 2014 – geht an Herrn Herzig (Danke fürs wiederholte Mitmachen 🙂 )

Adam Hochschild: Der grosse Krieg. Der Untergang des alten Europa im ersten Weltkrieg, übersetzt von Hainer Kober, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013 wurde Daniela D. zugelost.

Barbara Tuchman: August 1914, Fischer TB, Frankfurt/Main, 2013 geht an Luchen, dessen Adresse hier vorliegt.

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinnerinnen und vielen Dank fürs Mitmachen an alle. Dass das neue Quiz online ist, haben Sie ja sicher alle gesehen, oder 😉 ?

Quiz zu Thema 1914 – Teil III

Heute geht das Quiz zu Thema 1914 in seine dritte Runde. Drei Titel zum ersten Weltkrieg gibt es zu gewinnen (Liste am Ende des Beitrags). Dazu müssen Sie nur eine von drei Fragen per Mail (!) beantworten. Zeit haben Sie dazu bis zum 25.11.2014, 23.59 Uhr. Bitte denken Sie daran, Ihre Postanschrift anzugeben.

Belgien wurde 1831 eine immerwährende Neutralität zugesichert. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen im August 1914 wurde diese Neutralität verletzt. Das Kriegsgeschehen nahm aufgrund des unerwartet heftigen Widerstands der Belgier einen anderen Verlauf als von deutscher Seite erwartet.

Frage 1: Wie kamen die Deutschen in Ruf, kulturlose Zerstörer zu sein?

Im ersten Schwung  kamen die deutschen Truppen bis auf unter 100 Kilometer an Paris heran. Doch dann war Schluss – an der Marne wurde der deutsche Vormarsch gestoppt.

Frage 2: Mit welchen unorthodoxen Mitteln wurden französische Soldaten zum Kampfgeschehen gebracht?

Bundesarchiv Bild 103-121-018, Tannenberg, Hindenburg auf Schlachtfeld

Hugo Vogels malte 1915 das Gemälde zur Schlacht bei Tanneberg – Propaganda …

Entgegen der Erwartungen des Schlieffen-Plans von 1905 erzielten die Russen im Osten Deutschlands früh Erfolge – da musste ein Pensionär ran, um dort für Ordnung zu sorgen: General Hindenburg (zusammen mit Ernst Ludendorff). Der Name der Schlacht bei Tannenberg ist berühmt.

Frage 3: Wo fand die Schlacht bei Tannenberg tatsächlich statt und warum heißt sie, wie sie nun mal heißt?

Folgende Bücher stehen zur Verlosung:

Bitte berücksichtigen Sie, dasss es sich um die Exemplare handelt, die meinen Rezensionen und teilweise auch meinem Vortrag zugrunde liegen: Es sind keine verlagsfrischen Exemplare!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Thema 1914: Der Sommer der Freiheit von Heidi Rehn

rp_Bild-Unterhaltung-150x15011.jpgMögen Sie detailliert ausgemalte Szenen, mit Lichtwirkung, Vogelgesang (oder weniger angenehmen Geräuschen), mit Faltenwirkung in Gesicht und Kleidung? Und interessieren Sie sich dann noch für die Zeit von vor rund 100 Jahren? Dann sind Sie mit dem Buch von Heidi Rehn gut bedient.

Die Zeitspanne reicht von 1913 bis 1920 – der Weltkrieg ist also “mittendrin”. Es geht um eine junge Frau, Selma, die schon von Anfang an sehr emanzipiert auftritt: Autofahren ist ihre Passion. Und unberührbar ist sie, den Idealen ihrer bürgerlichen Gesellschaftsnorm entgegenstehend, auch nicht. Das alles bleibt auch so. Ihre Ansichten und ihre Lebensfürhung bringen – keineswegs unerwarteterweise – Turbulenzen in ihr Leben.

Das Personl neben ihr:

  • ihre Mutter Hedda, snobistisch, ignorant und leicht beleidigt
  • ihre Großmutter Meta, emanzipiert und offen (und ja, das ist eines der Klischées im Buch, die mich stören – die doofe Mutter und die tolle Großmutter)
  • Gero, ihr Verlobter mit dem dunklen Geheimnis
  • Grischa, ihr Bruder, der im Laufe der Zeit am Leiden reift
  • Constanze, eine technisch versierte junge Frau und beste Freundin von Selma
  • Robert, ein französischer Fotograf
  • die beiden Väter – von Selma und Grischa einerseits, von Constanze andererseits -, voll Verständnis für ihre Töchter

MHV Audi Typ C Alpensieger 1914 01

Das Auto, das Gero Selma zur Verfügung stellt, ist rot, aber sonst, dürfte es ähnlich ausgesehen haben.

Auch wenn die Zuordnung mit “verlobt” so schön eindeutig daherkommt – gerade auf erotischem Gebiet ist hier nichts eindeutig. Daraus bezieht der Roman einen Großteil seiner Spannung. Der andere entsteht diuch die kriegsbedingten Gefahrensituationen – Rettung aus Lebensgefahr, schlimme Verwundung, auch Heldentod kommen vor.

Sie merken meinem Ton vielleicht an, dass mich das Buch nicht völlig überzeugt hat. Aber es hat auch gute, spannende Szenen. Heidi Rehn kann durchaus erzählen – in meinen Augen tut sie es bisschen zu wenig, verliert sich manchmal in die oben erwähnten Schilderungen. Andererseits ergibt sich gerade daraus ein plastisches Bild der Gesellschaft um 1914 mit Informationen, die sonst sehr trocken daherkämen. Von daher: Wenn Sie ausführliche Schilderungen schätzen – lesen Sie los 😉

Heidi Rehn: Der Sommer der Freiheit, Knaur Verlag, München, 2014, ISBN: 9783426512166

Thema 1914 – 1914: Vom Traum zum Albtraum von Mario Kramp

rp_Bild-Sachbücher-150x1501111.jpgLuftkrieg – die damit verbundenen Bilder in unseren Köpfen stammen aus dem zweiten Weltkrieg. In einem schmalen Band schildert Mario Kramp nun die Anfänge dessen, was in den 40er Jahren zur Zerstörung von Städten in ganz Europa führte – und das begann vor 100 Jahren in Köln.

Ja, schon im ersten Weltkieg wurden Flugzeuge nicht nur an der Front eingesetzt. Erste Bombardierungen hinter der Front begannen schon 1914. Anfangs wurden Zeppeline eingesetzt, später dann (“später” heißt hier: ein paar Wochen später!) Doppeldeckerflugzeuge. Deutsche Piloten flogen nach Lüttich, um dort eben nicht nur die Befestigungsanlagen, sondern auch die Innenstadt zu beschießen. Im Gegenzug starteten englische Flieger gegen Köln und Düsseldorf.

Mario Kramp beginnt aber erst einmal mit der Begeisterung für die Luftfahrt, den Vorstellungen der völkerverbindenden Auswirkungen von zu überfliegenden Grenzen und den Anlagen von Zeppelinhallen und Flughäfen in Köln. Das geschah vor Ausbruch des Krieges und die Position dieser Anlagen war allgemein bekannt.

Zeppelin bombing Antwerpen

Zeppeline als Kriegswaffe wurden dann auch als Postkarten propagandistisch dargestellt. Hier wird Antwerpen bombardiert.

Minutiös zeichnet er dann die ersten kriegerischen Einsätze nach. Erst den Einsatz über Lüttich, der von Köln aus geflogen wurde. Ebenso den auf Antwerpen. Hier sind die riesigen Zeppeline im Einsatz. Dann befasst er sich besonders mit dem Bombardement Kölns – mit insgesamt zwei Bomben:

Dieses Ereignis von Anfang Oktober 1914 fordert ihn als Rechercheur heraus; die Zeitungsmeldungen sind nicht wirklich zu gebrauchen, da quasi Propaganda. Deshalb sucht er Einzelbelege, vor allem Augenzeugenberichte, zusammen und puzzelt aus den verschiedenen Quellen einen logischen Ablauf der ersten Bombardierung Kölns.

Mag der Schaden an Gebäuden auch gering gewesen sein – der psychologische Eindruck und damit die Bedeutung dieser Entwicklung in der Kriegsführung kann nicht überschätzt werden; es war der erste Schritt zur Bombardierung großer Städte im Feindesland und somit ziviler Ziele  – erst wurde da im Laufe des ersten Weltkriegs bis1918 die Technik weiter “entwickelt” und erst recht dann im zweiten Weltkrieg.

Mario Kramp: 1914: Vom Traum zum Albtraum. Köln und der Beginn des Bombenkriegs in Europa, Greven Verlag, Köln, ISBN: 9783774306523

Quiz zu Thema 1914 – Teil II

Heute geht das Quiz zu Thema 1914 in seine zweite Runde. Drei Titel zum ersten Weltkrieg gibt es zu gewinnen (Liste am Ende des Beitrags). Dazu müssen Sie nur eine von drei Fragen per Mail (!) beantworten. Zeit haben Sie dazu bis zum 11.11.2014, 23.59 Uhr. Bitte denken Sie daran, Ihre Postanschrift anzugeben.

Maria Anunciata de Bourbon-Duas Sicílias & arquiduque Francisco Fernando

Franz Ferdinandn als Kleinkind mit seiner Mutter Maria Anunciata de Bourbon-Duas Sicilias

Franz Ferdinand von Österreich-Este war der Thronfolger des greisen Kaisers Franz Joseph; er reiste im Juni 1914 in den slawischen Teil des Reichsgebietes, um einem militärischen Manöver beizuwohnen.

Frage 1: Was für ein Tag war der 28. Juni im Bewusstsein der Serben?

Nach der Ermordung von Franz Ferdinand und seiner Gattin Sophie reagierte die Diplomatie aus Wien mit einer Frage an Wilhelm II, ob man sich auf den Bündnispartner verlassen könne.

Frage 2: Wie wird die Antwort Wilhelms II bezeichnet?

Es gab eine politische Bewegung, die die Vereinigung aller slawischen Völker zum Ziel hatte.

Frage 3: Wie wird diese Bewegung genannt?

Und diese Bücher stehen zur Verlosung:

  • Barbara Tuchman: August 1914, Fischer TB, Frankfurt/Main, 2013, ISBN: 9783596197347
  • Tillmann Bendikowski: Sommer 1914. Zwischen Begeisterung und Angst – wie Deutsche den Kriegsbeginn erlebten, C. Bertelsmann Verlag, München, 2014, ISBN: 9783570101223
  • Adam Hochschild: Der grosse Krieg. Der Untergang des alten Europa im ersten Weltkrieg, übersetzt von Hainer Kober, Klett-Cotta, Stuttgart, 2013, ISBN: 9783608946956

Bitte berücksichtigen Sie, dasss es sich um die Exemplare handelt, die meinen Rezensionen und teilweise auch meinem Vortrag zugrunde liegen: Es sind keine verlagsfrischen Exemplare!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Quiz zu Thema 1914 – Auflösung von Teil I

Hier kommt nun die Auflösung des ersten Quizteils:

Zu Frage 1:

Welche Bündnisse gingen europäische Länder im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ein?

Die Entente Cordiale  zwischen Großbritannien und Frankreich von 1904 – mit der Erweiterung um Russland im Jahr  1907 als Triple-Entente – und der Dreibund zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italienvon 1879 waren die beiden zentralen Bündnisse in Europa vor Ausbruch des ersten Weltkriegs.

Zu Frage 2:

Wie wurden die Kriege von 1912 und 1913 genannt?

Erster und zweiter Balkankrieg.

Zu Frage 3:

Mit welchen Äußerungen erlangte Wilhelm II den Ruf, ein auf Expansion ausgerichteter Herrscher zu sein?

Wilhelm II neigte zu plakativen Äußerungen –  “Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser” – hier  ging es um das Flottenprogramm, “Pardon wird nicht gegeben” – das war die berüchtigte “Hunnenrede”, es gab noch viel mehr.

Der Satz “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen” wird Wilhelm II zwar oft zugesprochen, stammt aber aus dem Gedicht Deutschlands Beruf von Emanuel Geibel.

Offensichtlich habe ich den Schwierigkeitsgrad der Fragen unterschätzt – ich werde mich bessern, versprochen 😉

Und hier kommen die Gewinner

(da nur zwei Teilnehmer am Start waren, werden nicht die Gewinner aus-, sondern ihnen die Titel zugelost 😉 ):

Martin mit dem Ergebnis

Martin mit dem Ergebnis

Herrn Herzig aus Wien hat Martin das Wien-Buch zugelost: Edgard Haider: Wien 1914, Böhlau Verlag, Wien, 2013.

Archeopterix, dessen Adresse vorliegt, hat das Buch von Gerd Krumeich gewonnen: Gerd Krumeich: Juli 1914. Eine Bilanz, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn, 2014.

Herzlichen Glückwunsch!

Der zweite Teil des Quiz folgt eventuell erst morgen; es wird sowieso ein paar Änderungen im Zeitplan geben, weil ich an einem  anvisierten Auslosungstag völlig offline sein werde.

PS: Was mach ich jetzt mit dem Buch über den Attentäter von Sarajevo (Gregor Mayer: Verschwörung in Sarajevo, Residenz Verlag, St. Pölten, 2014)? Hat jemand einne Idee?

Thema 1914: Tolkien und der erste Weltkrieg von John Garth

rp_Rubrik-Biographie-300x2001.jpgManchmal passen Lektüren einfach zueinander. Das Buch von John Garth ist natürlich in erster Linie eins darüber, wie der Große Krieg, wie der erste Weltkrieg in England und Frankreich genannt wird, die Mythologie von J. R. R. Tolkien beeinflusst hat.  Ich habe es aber quasi unmittelbar nach dem Kleinen Etymologicum von Kristin Kopf gelesen – und das hat sich als Glücksfall erwiesen, denn so konnte ich der Begeisterung des jungen J. R. R.  Tolkien viel besser folgen.

John Garth schildert, wie der Junge und junge Mann Tolkien sich mit Sprachgeschichte, mit Morphologie, mit Semantik und Lautverschiebungen befasst, bis dahin, dass er so um 1915 eine eigene Sprache  – Qenya – entwickelt. Es ist nicht seine erste, aber die am besten durchdachte und entwickelte, mit eigenen Lautgesetzen, mit Regeln und einer eigenen Entwicklungsgeschichte, analog zu dem, was zwischen Indogermanisch und Englisch liegt. Dazu liest er vorzugsweise alte, bis sehr alte Text; in seiner Prüfung etwas mit Shakespeare zu tun zu haben, ist ihm eindeutig zu modern … zu seiner Lieblingslektüre gehörte u. a. die finnische Sagenwelt, die im 19. Jahrhundert Elias Lönnrot als Kalevala zusammenstellte.

Angerthas mit Buchstaben

Schriftbeispiel aus Mittelerde -bearbeitet von Lómelinde (ebenfalls ein Name aus der Sprache von Mittelerde. Ein Beispiel dafür, wie detaliiert, eben wissenschaftlich, Tolkien die Sache anging.

John Garth folgt J. R.R. Tolkien den ganzen Weg über bis in den Krieg und darüber hinaus. Er schildert seinen Freundeskreis, deren Reaktionen auf seine ersten Schritte als Sprachschaffer und Autor. Erst gegen Ende seines Studiums findet Tolkien die ihm gemäße Form, die Verbindung von wissenschaftlicher Präzision mit seinem Faible für alte Geschichte, für Feen, Kobolde und Drachen – in der Erschaffung einer eigenen Mytholgie, verbunden mit der Sprache Qenya.

John Garth zeichnet weiter nach, wie die Erfahrung des Kriegs auf Tolkien wirkt und weist nach, dass die andere Welt, die Tolkien sich da erschafft, seine Reaktion auf die Erfahrungen des Großen Kriegs sind. Dabei nimmt er Bezug auf die Freundschaften, die sich aus der Schulzeit bis in die Nachkriegzeit halten, er zeichnet die Lektüre Tolkiens nach – alle Einflüsse, denen Tolkien von Jugend bis Kriesgende 1919 ausgesetzt war. Und erst hier – im zweiten Teil des Buches und nach rund 200 Seiten – gerät Tolkien selber ins Kriegsgeschehen, erlebt er das Frontgeschehen, Grabenkrieg, besonders die grausame, blutige Schlacht an der Somme.

Ein erhellendes Buch – mit EInblicken in die Kriegserlebnisse junger Engländer, die an anderen Stellen nicht so ausführlich dargestellt werden. Vielleicht eher was für Spezialisten – insgesamt aber ein gut lesbares, interessantes Buch.

John Garth: Tolkien und der erste Weltkrieg. Das Tor zu Mittelerde, übersetzt von Birgit Herden und Marcel Aubron-Bülles, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN: 9783408960594