Stevenson – R. L. Stevenson? Nein, D. E. Stevenson …

Stevenson – R. L. Stevenson? Nein, D. E. Stevenson …

Ja, sicher kennen Sie Robert Louis Stevensons „Schatzinsel – zumindest dem Namen nach. Aber haben Sie schon mal was von D. E. Stevenson gehört? Dabei war seine Großnichte Dorothy Emily eine durchaus erfolgreiche Schriftstellerin; ihre Bücher werden im angelsächsichen Raum auch heute noch gern gelesen.

Nun ist „Miss Buncle’s Book“ erstmals auf Deutsch erschienen. – „Stich ins Wespennest“ ist der etwas unglücklich gewählte Titel, denn es gibt einen Krimi , der genauso heißt …

Die Geschichte um Miss Buncle und ihr Buch ist schnell erzählt: Eine alleinstehende Frau lebt in einem Dorf in England – nicht allzu weit von London entfernt – in den 30er-Jahren und stellt fest, dass ihr Geld weniger wird; ihre Dividende schrumpft um fünfzig Prozent. Davon kann sie nun wirklich nicht leben. Was tun? Eine Arbeit suchen? Der Gedanke kommt ihr gar nicht – das wäre unstandesgemäß. Ein Buch schreiben … Schon besser. Aber da sie keine Fantasie besitzt, schildert sie einfach, was sie in ihrem Dorf erlebt, fügt dann doch noch ein fantastisches Element hinzu, das die bisher starre Ordnung auflöst und schickt das alles an einen Verleger – unter Pseudonym natürlich. Kurz und gut: Der nimmt das Buch, es wird ein Bestseller und die Dorfbewohner schäumen vor Wut – jedenfalls die, die in der Schilderung schlecht weggekommen sind. Mehr verrate ich jetzt nicht …

Es ist eine relativ simple Geschichte und sie ist einfach  erzählt – einfach und charmant. Die Verquickung von  Roman- und realer Handlung, die Verwirrungen und ihre teils grotesken Auflösungen. Die Charaktere bedienen auf der einen Seite durchaus alte Klischees – der Offizier mit seiner bärbeißigen Art, die sich aufspielende High-Society-Lady mit nicht gnaz einwandfreiem Hintergrund und eben die alte Jungfer, die niemand beachtet. Doch alle tun sie Dinge, die diese Klischees in Frage stellen oder auflösen – bis hin zu einer Art Krimihandlung. Ich habe mich wirklich sehr gut unterhalten gefühlt.

D. E. Stevenson: Stich ins Wespennest, Manhattan Verlag 2011, übersetzt von Thomas Stegers, ISBN: 978-3442546879

Published byHeike Baller

Bis zum Morgen schmökern, Kissen nass weinen, bei der Bahnfahrt mal eben los gackern – das alles und noch einiges mehr bedeutet Lesen für mich. Naja, die Nächte lese ich nur noch selten durch, da melden sich doch zu penetrant die erwachsenen Bedenken in Sachen „Wecker am Morgen“ … Aber in der Bahn können Sie mich immer mal wieder grinsend oder kichernd erleben. Mit einem Buch vor der Nase. Da ich außerdem gerne mit anderen über das, was ich gelesen habe, diskutiere, habe ich dieses Blog gestartet. Leselust, das ist es, was mich antreibt, immer neue Bücher zu kaufen, zu leihen und vor allem zu lesen. – Vorlesen tu ich übrigens auch gern.

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