Sextant von David Barrie

Sextant von David Barrie

Für Interessierte an der Seefahrt per Segelschiff bietet das Buch von David Barrie zweimal den Einblick in einem Segeltörn von Amerika nach England im Jahre 1973. Jedem Kapitel ist der Tagebucheintrag von 1973 voraus gestellt. Der Autor ist da Anfang 20. Im weiteren Kapitelverlauf schildert David Barrie dann aus der Rückschau die jeweilige Situation ausführlich. Vor allem die Unbequemlichkeiten einer solchen Reise von drei Personen auf einer kleinen Yacht treten mir plastisch vor Augen: der Mangel an frischen Nahrungsmitteln, Kochen mit Meerwasser, wenig Privatsphäre und die mangelnden Duschgelegenheiten lassen das Gefühl für die Situation wesentlich älterer Seereisen aufkommen.

Immer in diese Situation eingebettet – in der sich der junge David Barrie eben auch an der Ortsbestimmung der kleinen Yacht auf hoher See beteiligt –  erscheinen dann die Erläuterungen zur Geschichte des Sextanten und seiner Vorläufer. Die „Meuterei auf der Bounty„, Barries erster Kontakt mit einem solchen Gerät, als er damals den Film das erste Mal sah, erfährt eine sachkundige und bewundernde Erweiterung um die Fahrt William Blighs und seiner Leute über 4000 Seemeilen ohne Karten, nur mit nautischer Erfahrung und einem Quadranten. Neben den abenteuerlichen Fahrten spielen aber auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Versuche der Zeit eine große Rolle. Galilei Galileo, der erst in Spanien und dann in den Niederlanden eine Methode zur Längengradbestimmung anhand der Jupiter-Monder verkaufen will. Die Entwicklung des Schiffschronometers mit den Streitigkeiten um den durch den Longitude Act von 1714 ausgelobten Preis.

HMS Bounty
William Bligh und 18 weitere Männer werden von der Bounty ausgesetzt.
Die Aufeinanderfolge von eigenen Erlebissen mit lebendig erzählten Geschehnissen aus der Geschichte der Seefahrt, genauer der Navigation, macht dieses Buch informativ und angenehm zu lesen. Da ist es dem Titel „Die Sprache des Windes“ von Scott Huler sehr ähnlich, das 2013 ebenfalls bei mare erschien und ebenfalls von Harald Stadler übersetzt wurde. Da die Themen durchaus nahe verwandt sind, begegnen mir bei David Barrie sogar ein paar alte Bekannte (neben den zu erwartenden wie Kepler, Galileo, Newton und Cook): Alexander Dalrymple, William Bligh, John Harrison oder Joseph Banks.

Ach ja, zwei Einzelheiten haben mich noch gefesselt: Als Chorsängerin kenne ich Stücke zu Ehren Marias als „Stella Maris“ – David Barrie erklärt, wie der feststehende Polarstern als Orientierungspunkt für die Seefahrer mit Maria in Verbindung kam: Ähnlich fest und sicher dient sie als spirituelle Führerin.

Und dann meine Karl-Mays-Münchmeyer-Romane-Begeisterung: In „Zepter und Hammer“ wird en passant eine Nachmittagsmessung erwähnt – David Barrie erklärt, was es damit auf sich hat: Vor- und  nachmittägliche  Ortszeitbestimmung mittels Sextant ersetzte die präzise Uhr, die auf See lange Zeit nicht vorhanden war, weil Wind, Wetter und Wasser die empfindlichen Geräte zu sehr beeinflussten.

David Barrie: Sextant. Die Vermessung der Meere, übersetzt von Harals Stadler, mare Verlag, Hamburg, 2015, ISBN: 9783866482036

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