Als erstes fiel mir das Format auf: so hoch, wie mein Tischkalender lang lag der Band auf dem Tisch in der Buchhandlung. Ein abstrakt anmutendes Bild auf dem Cover und dann der Titel „schwebendes erfahren“.
Gedichte!
Ein erster Blick machte Appetit – und hier kommt nun die Besprechung. Mathias Pohlmann ist wohl so eine Art Nachbar – er lebt im selben Veedel von Köln wie ich. Ein Künstler, der malt, fotografiert und dichtet. So weit ich weiß, sind wir uns noch nicht begegnet.
Nun aber zu seinen Gedichten.
Wie schreibt Mahias Pohlmann?
Da es sich um Gedichte von seinen frühen Jahren in den 1980ern bis 2025 handelt, könnte man auch unterschiedliche Sprachentwicklungsstufen vermuten. Nach meinem Eindruck ist sich der Autor aber recht treu geblieben. Reimlose Lyrik, konsequente Kleinschreibung, Sprachspielereien heiterer wie ernster Natur.
194 Gedichte hat Mathias Pohlmann hier versammelt – in Abschnitte unterteilt:
- Prolog draußen vor der Tür (frühe Gedichte 1980-1991)
- Liebe in Zeiten digitaler Anwandlung
- Nach Jahren der Liebe
- Querbeet künstlerträume
- Niolon, mon coeur (mit Gregor Werner, 2017)
- Literaturcafé (1985-2025)
- nonsenseverse – laut-malerisch – unkonkret
Den meisten Raum nimmt der Abschnitt 3 ein – Gedichte rund um Liebe und das Leben damit und darin.
In den frühen Gedichten gibt es so manche Beobachtung, die mich berührt hat, z. B. im Gedicht „Sichtfenster“:
„regen bindfadene ausrufe/zeichen im freien fall“ (S. 11)
oder in „zypressen“:
„zypressen spenden grün/dem himmel, gewinnen/hoch an licht und/zeichnen horizonte“ (S. 16)
So ein Gedichtband lässt sich ja nicht hintereinander weglesen wie ein Roman – so habe ich seit Erwerb immer mal wieder reingeschaut. Immer wieder bin ich dabei auf Brüste gestoßen, die den Dichter sehr beschäftigen; samt ihrem Zubehör: Im Abschnitt 3, Sie wissen schon, der mit der Liebe, lässt er einen Büstenhalter sprechen.
Der Abschnitt 6 „Literaturcafé“ bietet eine Auswahl an Gedichten, die sich mit anderen Dichterinnen und Dichtern befassen: Annette von Droste-Hülshoff, Erich Fried, Ernst Jandl, Christoph Meckel, Max Frisch und Ingeborg Bachmann und Paul Celan (die beiden werden tatsächlich vor einem Gedicht zusammen genannt), um nur einige zu nennen.
Der Autor malt

Das Bild auf dem Cover ist ein Vorgeschmack auf die Bilder im Buch. Von „Blattwerk 1“ – auf dem Cover und auch noch mal innen –, bis „Blattwerk 9“ reicht die Palette; von eher sparsam bis üppig in den Farben und im Auftrag. Gestaltung gehört zu den Obsessionen von Mathias Pohlmann, wenn man seiner Ausführungen auf der Profilseite seiner Website glaubt; den Verlag, in dem der Band nun in einer Auflage von 100 Exemplaren erschienen ist, hat er selbst in den 80er Jahren gegründet. Der Band „schwebendes erfahren“ ist bibliophil – das ist der Anspruch.
Ich freue mich über den Zugang in Sachen Lyrik – allerdings muss das Buch wegen seines Formats zu den Kunstbänden ziehen; mein Lyrikregal gibt dafür keinen Platz her.
Mathias Pohlmann: schwebendes erfahren. Gedichte 1980-2025, ZYPresse Coeln, Köln, 2025, ISBN: 9783892557588

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