Politisches Framing von Elisabeth Wehling

Den Literaturtipp habe aus dem Podcast “Was denkst du denn?”, den ich Ihnen sehr ans Herz legen kann. Elisabeth Wehling war für mich eine echte Entdeckung! Knapp 200 Seiten rund um Sprache und was sie transportiert. Fasziniert habe ich beobachtet, wie die Kognitionswissenschaftlerin Ellisabeth Wehling es schafft, die von ihr aufgedeckten Frames zu vermeiden. Oder wenn es mal nicht klappt, direkt selbst darauf hinweist und sich dabei auf die Schippe nimmt.

Was meint Elisabeth Wehling mit Frame?

Ohne solchen “Rahmeninformationen” rund um unsere Wörter fiele uns Verständigung sehr viel schwerer. Schon hier ist “schwer” ein Beispiel dafür. Eigentlich bezeichnet das Wort das Gewicht eines Gegenstandes oder einer Person – doch im übertragenen Sinne wird es vielfältig genutzt: “Schwer zu tragen” kann sowohl die Einkaufstasche als auch ein trauriges Ereignis sein. Das Wort ist mit Anstrengung verbunden – und das macht sich bei meinem Satz oben sehr schön bemerkbar.

Framing bedeutet nun, dass die historisch gewachsene Bedeutung eines Wortes auch in der übertragenen Bedeutung die Wahrnehmung prägt und damit das Thema mit beeinflusst.

Und wenn Sie wie ich das Buch gerade frisch gelesen haben, stolpern Sie bei jedem zweiten Wort und hinterfragen die Bedeutung.

“Politisches Framing” – Elisabeth Wehling bringt Beispiele

Nach einer Einführung in das Phänomne des Framings nimmt sich Elisabeth Wehling in neun Kapiteln politische Themen vor und beleuchtet die damit verbundenen Sprachbilder und wie sie die politsichen Debatten beeinflussen.

Oase, Bild aus dem 19. jahrhundert, als Symbol für Steueroase, wie Elisabeth Wehling darlegt

Eine Oase als Rastplatz in unwirtlicher Umgebung – das ist das Bild, das auch die “Steueroase” beeinflusst, und damit die Wahrnehmung von Steuern …

Steuern, Arbeit, Sozialstaat – auf diesen Themenfeldern agieren wir mit unterschiedlichen Begriffen, die die Wahrnehmung des gesamten Themenkomplexes steuern. Begriffe wie Flüchtling, Oase und Last im Zusammenhang mit Steuern lassen Steuern als etwas Negatives erscheinen. Die positiven Aspekte von Steuern fallen dabei unter den Tisch – ohne Steuern gäbe es keine Infrastruktur, keine Schulen, keine Polizei und einiges mehr. “Zu den Steuern beizutragen”, oder “mit den eigenen Steuern zu einem funktionierenden Gemeinwesen beizutragen”, eine solche Sprache könnte die Wahrnehmung von Steuern verändern.

Ein anderes Beispiel, das von “Mindestlohn versus “Untergrenze bringt beim Thema Bezahlung von Arbeit verschiedene Blickwinkel rein: Als Arbeitnehmerin ziele ich mit dem “Mindestlohn” nach oben – mindestens so viel, besser mehr. In der Regel zielen die Arbeitgeberinnen – oder eben die Menschen in der Politik – mit “Untergrenze” nach unten: Am liebsten sollte diese Grenze noch weiter nach unten verschoben werden. Und obwohl bei beiden die absoluten Zahlen identisch sind, ist der Charakter anders. Der Diskurs wird also durch den Blickwinkel beeinflusst.

Immer wieder weist Elisabeth Wehling darauf hin, dass der Staat keine von seinen Bürgerinnen und Bürgern getrennte “Entität” ist – wir sind der Staat. Wir bilden ihn gemeinsam, wir gestalten ihn und tragen Verantwortung für ihn.

Ein wirklich erhellendes Buch, das in der politischen Debatte, sei es im Parlament oder auf der Straße, Wahrnehmung ändern kann. Der Untertitel “Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht” ist einerseits provokativ, da wir ja “einreden” mit “unbilliger Überredung” assoziieren – doch für die Kognitionswissenschaftlierin hat das Wort eben mit der Wirkung von Sprache auf Wahrnehmung und Meinungsbildung zu tun.

Elisabeth Wehling: Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht, Herbert von Halen Verlag, Köln, 2016, ISBN: 9783869622088.

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5 Gedanken zu „Politisches Framing von Elisabeth Wehling

  1. Das klingt nach einem sehr spannenden Buch. Ich glaube, man denkt viel zu selten darüber nach, welche Assoziationen von bestimmten Formulierungen wachgerufen werden, die so eingeschliffen sind, dass sie einem wie die einzig möglichen (oder doch wie die gängigsten und verständlichsten) vorkommen.

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